{"id":5406,"date":"2009-07-26T10:05:31","date_gmt":"2009-07-26T08:05:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=5406"},"modified":"2009-07-26T10:05:31","modified_gmt":"2009-07-26T08:05:31","slug":"gemalert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2009\/07\/gemalert.htm","title":{"rendered":"Gemalert"},"content":{"rendered":"<p>Seit gut zehn Jahren leben wir in dieser Wohnung, die wir beim Einzug einmal durchgewei\u00dfelt hatten, seit zwei Jahren ist mir klar, dass sie dringend gestrichen geh\u00f6rt. Einschlie\u00dflich der sch\u00f6nen alten T\u00fcren, die schon unsere Vormieter vor 20 Jahren so \u00fcbernommen hatten.<\/p>\n<p>Es dauerte allerdings bis vergangene Woche, dass ich den von einer Freundin empfohlenen Maler (gibt es eine andere Methode, an verl\u00e4ssliche Handwerker zu kommen? Suchen die Leute ernsthaft bei Kw\u00fcpe?) anrief. Der schon am Tag darauf zum Gucken vorbeischaute (\u201eWollen Sie gleich in der Fr\u00fch kommen? &#8211; \u201eFr\u00fch hei\u00dft bei mir ummara sechse.\u201c Wir einigten uns auf halb sieben.) und schon am gestrigen Samstag f\u00fcr den ersten Teil, also Esszimmer und K\u00fcche, zum Malern kam.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war das eine Premiere: Ich habe bisher immer selbst gestrichen, und es hat mir sogar Freude bereitet. Doch ein Gro\u00dfteil dieser Freude r\u00fchrte daher, dass es sich bisher immer um unbewohnte R\u00e4ume gehandelt hatte. Zudem kommt das Lackieren alter Kassettent\u00fcren und -rahmen schon sehr nahe ans Basteln, f\u00fcr das ich \u00fcberhaupt kein Geschick habe. Warum also mich abplagen und Pfusch riskieren, wenn es Profis gibt, die das gegen Geld und sauber machen?<\/p>\n<p>Ab sieben hatten wir also den Maler im Haus, einen sehr freundlichen, nicht mehr ganz jungen Urm\u00fcnchner (aufgewachsen in Altschwabing), dessen \u00c4u\u00dferes mich sofort eine Vergangenheit als Surfer vermuten lie\u00df: Lange, teils sonnengebleichte Haare, unz\u00e4hlige Lachgr\u00fcbchen, drahtige Figur mit vielen modischen T\u00e4towierungen, zugewandter Blick. Er lie\u00df sich Kaffee und Wasser anbieten, unterhielt sich gerne \u00fcber die verschiedenen Gegenden M\u00fcnchens, erz\u00e4hlte von Familie und Maltechnik.<\/p>\n<p>Ein Handwerker im Haus verunsichert mich immer: Soll ich Brotzeit anbieten? Konversation machen? Nur hin und wieder vorbeischauen? Unser Maler ging selbstt\u00e4tig in der N\u00e4he Mittagessen, nachmittags ein wenig Luft schnappen im nahen Park. Das angebotene Leitungswasser (wir haben nur bei Besuch Flaschenwasser im Haus) akzeptierte er zwar, trank aber kaum aus seinem Glas, also besorgte ich auf meiner Einkaufstour lieber eine Flasche Sprudel. Die er dann schnell leerte. Hin und wieder vorbeischauen war richtig, bei diesen Gelegenheiten konnte er Vorschl\u00e4ge unterbreiten, nach Werkzeug fragen.<\/p>\n<p>Was ich einfach nicht fertig bringe, ist das Handwerker-Du (genauso wenig wie <a href=\" http:\/\/netzwertig.com\/2008\/03\/22\/zn-uber-das-duzen-und-siezen-im-web-20\/\" target=_new>das angeblich selbstverst\u00e4ndliche Du im Web<\/a>). Der Herr war mir nur als \u201eda P\u00e4da\u201c (hdt. der Peter) empfohlen worden, nannte mir aber beim ersten H\u00e4ndesch\u00fctteln gl\u00fccklicherweise seinen Nachnamen. Den gestrigen Tag \u00fcber siezte ich ihn &#8211; das ist f\u00fcr mich halt der naheliegende Umgang zwischen erwachsenen Leuten, zumal in einer gesch\u00e4ftlichen Beziehung. Er schien ein wenig irritiert und umging die direkte Anrede weitgehend.<\/p>\n<p>Um vier war Herr Maler mit dem vereinbarten Pensum inklusive Fenster innen und Zwischent\u00fcre fertig. Alles zu meiner Zufriedenheit. Nebeneffekt: Wir hatten die K\u00fcche ausger\u00e4umt und bei dieser Gelegenheit Oberfl\u00e4chen von Fett und teilweise dem Staub von zehn Jahren befreit &#8211; meine Mutter weist bei Besuchen zurecht auf die mangelnde Sorgfalt unserer Putzm\u00e4nner hin.<\/p>\n<p>Dass ich um legale Bezahlung und Rechnung ausdr\u00fccklich w\u00fcrde bitten m\u00fcssen, hatte ich mir schon gedacht: \u201eDes is aba dann mit Steuer!\u201c machte mich der Maler pflichtbewusst aufmerksam. In zehn Tagen geht es weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit gut zehn Jahren leben wir in dieser Wohnung, die wir beim Einzug einmal durchgewei\u00dfelt hatten, seit zwei Jahren ist mir klar, dass sie dringend gestrichen geh\u00f6rt. 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