{"id":5525,"date":"2009-08-10T11:29:12","date_gmt":"2009-08-10T09:29:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=5525"},"modified":"2009-08-10T11:29:12","modified_gmt":"2009-08-10T09:29:12","slug":"wochenendjournal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2009\/08\/wochenendjournal.htm","title":{"rendered":"Wochenendjournal"},"content":{"rendered":"<p>Geradezu stolz auf mich bin ich, weil ich den Plan, irgendwie in den Samstag eine Runde Sport zu pressen, bereits am Freitag aufgegeben habe. Der Mitbewohner und ich waren zu meinen Eltern eingeladen, der Zug ging um elf. Statt also den Wecker auf halb sieben zu stellen, um vorher noch zum Schwimmen zu kommen, schlief ich aus (hei\u00dft in meinem Fall: bis kurz nach sieben), steckte die Vorh\u00e4nge meines frisch gestrichenen Schlafzimmers in die Waschmaschine, genoss zwei gro\u00dfe Tassen Milchkaffee, <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2009\/08\/draussen-essen.htm\" target=_new>bloggte \u00fcber das Romans<\/a>, duschte, f\u00f6nte, cremte, schminkte mich, h\u00e4ngte die feuchten Vorh\u00e4nge auf. Es blieb sogar gen\u00fcgend Zeit, mich an den Rock zu erinnern, den ich meiner Mutter mitbringen wollte (werde ich nie mehr tragen, weil er mich nach drei Jahren langweilt, ist aber noch pfenniggut), und zu \u00fcberlegen, dass meinem Vater <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2009\/07\/eto-si-que-me-guta.htm\">die Musik von Bebe<\/a> gefallen k\u00f6nnte \u2013 ich beschloss, ihm meine CD zu schenken und mir eine neue zu kaufen. Dass er nicht verstehen w\u00fcrde, warum ich meine CD nicht einfach kopiert hatte, wusste ich zwar schon vorher, versuchte ihm aber dennoch zu erkl\u00e4ren, dass auch Musiker Geld verdienen sollen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ich brauche neue Laufschuhe, meine Mutter brauchte ein Geburtstagsgeschenk f\u00fcr mich, also lie\u00df ich mir neue Laufschuhe kaufen. Wir fuhren zu diesem Behuf in eines der vielen Gewerbegebiete um meine Geburtsstadt \u2013 die im Grunde von einem geschlossenen G\u00fcrtel Gewerbegebiet umgeben ist, unterbrochen lediglich von der gigantischen Autofabrik. Dort gibt es ein Sportgesch\u00e4ft, in dem meine Eltern nicht nur Prozente bekommen (ein fr\u00fcherer Arbeitskollege meines Vaters kennt die Schw\u00e4gerin des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers \u2013 so geht das immer), sondern das zudem f\u00fcr kompetente Beratung bekannt ist. Was ich best\u00e4tigen kann: Ein sehr junger Bursch k\u00fcmmerte sich vorsichtig und aufmerksam um mich, informierte mich verst\u00e4ndlich \u00fcber die Vor- und Nachteile verschiedener Schuhmodelle, lie\u00df mich Alternativen auf einem Laufband mit Videokamera testen, um mir nachvollziehbar zu einem ganz bestimmten Modell zu raten. Und er brachte es fertig, zwei weitere Kunden parallel zu mir und ebenso aufmerksam zu bedienen. Ich freute mich \u00fcber die neuen Schuhe, meine Mutter \u00fcber die Prozente, alle verlie\u00dfen das Gesch\u00e4ft gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Zumal anschlie\u00dfend im Garten der Eltern gegrillt wurde. Als Vorspeise holte ich Ochsenherztomaten direkt vom Stock, dazu eine Hand voll Basilikum, den meine Mutter darunter angepflanzt hat. Zu gef\u00fcllter H\u00fchnerbrust und Lammkoteletts gab es Vinho Verde, als Nachtisch dunkelrote Wassermelone. Wir unterhielten uns \u00fcber die verschiedenen Methoden, eine ganze Wassermelone als reif zu erkennen: Mein Vater und ich dr\u00fccken die Melone mit beiden H\u00e4nden neben unserem Ohr; wir erkennen am sachten Knacken, dass sie reif ist. Was man beim Klopfen auf die Schale h\u00f6ren soll, haben wir beide nie verstanden. Mein Vater erz\u00e4hlte, dass sein Onkel, zum dem er als Kind sommers aufs Land geschickt wurde (Kastilien, 50er Jahre), ihm das immer wieder beizubringen versucht habe. Er habe auf den Tisch und zum Vergleich auf andere Gegenst\u00e4nde geklopft \u2013 doch diesen Ton h\u00f6rte mein Vater beim Klopfen auf die Wassermelone einfach nicht. Als man ihn dann aufs Feld schickte und er von dort eine reife Melone holen sollte, klopfte und klopfte er, bis er glaubte, eine richtige zu h\u00f6ren. Da er aber wusste, welches Donnerwetter er, das dumme Stadtkind aus Madrid, h\u00f6ren w\u00fcrde, wenn er eine wei\u00dfe Melone heimbrachte, zerbrach er sie vorsichtshalber. Gl\u00fccklicherweise, denn die vermeintlich reife Melone war wei\u00df. Erst die dritte zeigte beim Zerbrechen ein rotes Inneres, die nahm er mit zur\u00fcck. Die unreifen Exemplare bekam der Esel Sevillano zu fressen, auf dem mein Vater sich w\u00e4hrend seiner Landaufenthalte fortbewegte. Wie er denn seinem Onkel erkl\u00e4rt habe, dass die Melone zerbrochen war, fragte ich ihn. Na, er habe halt behauptet, sie sei ihm heruntergefallen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Jetzt f\u00fchle ich mich endg\u00fcltig um meinen Sommer gebracht: Schwalben und Mauersegler haben sich bereits Ende Juli verabschiedet, und gestern beim Laufen an der Isar waren die Wege mit gelben Bl\u00e4ttern gesprenkelt. Der wilde Wein \u00fcber den Br\u00fccken des Isarkanals g\u00f6nnt sich bereits die ersten Rott\u00f6ne. Am 9. August!<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Gerade mal zweieinhalb Jahre nach seiner Er\u00f6ffnung gleich bei uns ums Eck haben wir es ins <a href=\"http:\/\/www.juedisches-museum-muenchen.de\" target=_new>j\u00fcdische Museum<\/a> geschafft. Es ist sehr \u00fcberschaubar, vermutlich allein schon, weil es noch so neu ist. Es gibt einfach schrecklich wenige historische Zeugnisse der Juden in M\u00fcnchen, aus den wenigen Exponaten haben die Kuratoren durchaus das meiste gemacht. Mir fehlten allerdings mehr Informationen \u00fcber den j\u00fcdischen Jahreskreis. Gerade weil die benachbarte j\u00fcdische Gemeinde immer wieder betont, sie wolle f\u00fcr das heutige, das lebendige Judentum in M\u00fcnchen stehen und nicht nur \u00fcber das Grauen der Shoa definiert werden, b\u00f6te sich das Museum daf\u00fcr an. Sehr ausf\u00fchrlich und fr\u00f6hlich habe ich das im <a href=\"http:\/\/www.jhm.nl\/english.aspx\" target=_new>j\u00fcdischen Museum in Amsterdam<\/a> gesehen \u2013 wenn ich mich recht entsinne, war dort sogar eine Laubh\u00fctte aufgebaut.<br \/>\nReichhaltig und interessant ist auf jeden Fall die Buchhandlung im Erdgeschoss des Museums.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Abends dann doch vor dem Pflichtdruck kapituliert und die W\u00e4sche der Woche weggeb\u00fcgelt. Anschlie\u00dfend in den Ochsenherzen aus Elterns Garten geschwelgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geradezu stolz auf mich bin ich, weil ich den Plan, irgendwie in den Samstag eine Runde Sport zu pressen, bereits am Freitag aufgegeben habe. Der Mitbewohner und ich waren zu meinen Eltern eingeladen, der Zug ging um elf. 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