{"id":55777,"date":"2019-11-09T10:09:43","date_gmt":"2019-11-09T09:09:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=55777"},"modified":"2019-11-09T10:09:43","modified_gmt":"2019-11-09T09:09:43","slug":"journal-freitag-8-november-2019-ersehntes-ende-der-arbeitswoche-beifang-aus-dem-internetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2019\/11\/journal-freitag-8-november-2019-ersehntes-ende-der-arbeitswoche-beifang-aus-dem-internetz.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 8. November 2019 &#8211; Ersehntes Ende der Arbeitswoche, Beifang aus dem Internetz"},"content":{"rendered":"<p>Ich war ja erst nach elf im Bett gewesen, noch dazu konnte ich \u00fcberdreht nicht gleich einschlafen (nicht wegen der B\u00fcrgerversammlung, sondern wegen Arbeitsdingen, die ich w\u00e4hrend der B\u00fcrgerversammlung vergessen hatte) &#8211; daf\u00fcr wachte ich schon um f\u00fcnf auf. Ach, ich hatte in den N\u00e4chten davor genug geschlafen, da machte das ja nichts. Und ich hatte ja noch den Blogpost \u00fcber die B\u00fcrgerversammlung zu schreiben. (Direkt vor der Veranstaltung hatte ich mich so erledigt gef\u00fchlt, dass ich eigentlich geplant hatte, diesmal nur eine vage Zusammenfassung zu posten, doch dann fand ich bereits den Bericht von B\u00fcrgermeisterin Strobl so interessant, dass ich anfing mitzuschreiben.)<\/p>\n<p>Wie immer holte mich die M\u00fcdigkeit erst am sp\u00e4ten Vormittag ein.<\/p>\n<p>Mittags ein Laugenz\u00f6pferl, ein Becher Dickmilch, zwei \u00c4pfel.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich sehr ersch\u00f6pft und machte relativ p\u00fcnktlich Feierabend, freute mich auf den Abend mit Herrn Kaltmamsell und einige Eink\u00e4ufe davor im Vollcorner.<\/p>\n<p>Dort verlockte mich ein junger Mann vorm Weinregal zu einem Probierschluck: Ich hatte abgelehnt, wollte aber gern mehr \u00fcber die vorgestellten Weine wissen. Als er den apulischen Rotwein als etwas rests\u00fc\u00df beschrieb, da die Trauben daf\u00fcr antrocknen, wollte ich dann doch probieren. Interessante Rosinennote, und der eine Schluck knallte auf leeren Magen wie zwei Cocktails.<\/p>\n<p>Ist nat\u00fcrlich \u00fcbertrieben, ich radelte problemlos heim (k\u00fchler, grauer Tag). Dort gab es Gin Tonic, w\u00e4hrend Herr Kaltmamsell den Chinakohl aus Ernteanteil mit Kartotten aus derselben Quelle  und mit Waln\u00fcssen, Majo und Joghurt zu Coleslaw verarbeitete. Dann briet er uns ein wundervolles Entrec\u020fte (<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/B4nSUY3nWLR\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">hier mit Brutzelt\u00f6nen als Filmchen<\/a>).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/191108_04_Nachtmahl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/191108_04_Nachtmahl.jpg\" alt=\"\" width=\"376\" height=\"506\" class=\"alignnone size-full wp-image-55788\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ungestellte Abendessensituation. Dazu ein Glas spanischen Prometus.<br \/>\nFr\u00fch ins Bett.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Wof\u00fcr ich das Techniktagebuch immer wieder aufs Neue liebe: Einblicke in wirkliche Alltagstechnik anderer Leute, von der ich sonst nie erf\u00fchre. (Die pragmatische Redaktionspolitik hat schon fr\u00fch Diskussion \u00fcber den Begriff mit dem Beschluss abgek\u00fcrzt, dass jede Technik f\u00fcr irgendjemand Alltag ist.) Hier zum Beispiel:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/techniktagebuch.tumblr.com\/post\/188903167531\/19862019\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#8220;Alles wird besser: 33 Jahre Fortschritt in der Diabetes-Behandlung&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Die Autorin und Feministin Margarete Stokowski hat den Tucholsky-Preis gewonnen, ich freue mich sehr f\u00fcr sie. In ihrer Rede zur Preisverleihung erkl\u00e4rt sie nicht nur, warum er etwas Besonderes ist und f\u00fcr sie eine besondere Auszeichnung, sondern auch was es f\u00fcr sie bedeutet, eine politische Autorin zu sein.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/taz.de\/Tucholsky-Preis-fuer-Margarete-Stokowski\/!5639020\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#8220;&#8216;Ich denke dann kurz: Ja, normal'&#8221;<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Ich frage mich auch: Wie gesund ist das eigentlich, einen Job zu machen, bei dem man Morddrohungen irgendwann <i>normal<\/i> findet, und bei dem man sich daran gew\u00f6hnt, dass diejenigen, die diese Drohungen schreiben, oft nicht gefunden werden?<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Man ist als politische Autorin in diesem Land heute nicht besonders gut gesch\u00fctzt, und das liegt unter anderem daran, dass diejenigen, die f\u00fcr den Schutz von Presse- und Meinungsfreiheit eigentlich zust\u00e4ndig w\u00e4ren, ihre Arbeit zum Teil nicht gut machen. Es gibt dort Leute, die sich M\u00fche geben, aber es gibt auch die, die komplett versagen.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Im Einstellungsschreiben stand: \u201eEin \u00f6ffentliches Interesse, das die Strafverfolgung gebietet, liegt nicht vor.\u201c \u2013 Sicher? Ich w\u00fcrde gern glauben, dass es ein \u00f6ffentliches Interesse daran gibt, dass Autorinnen Texte schreiben k\u00f6nnen, ohne erkl\u00e4rt zu kriegen, sie sollten verpr\u00fcgelt, erschossen und verbrannt werden. Das scheint mir nicht zu viel verlangt.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Generalisierende H\u00e4me \u00fcber die Arbeit von Politikerinnen und Politikern tut keiner Diskussion gut. Gerade die Unterstellung, jemand w\u00fcrde diese Karriere aus Faulheit oder Bequemlichkeit einschlagen, zeugt von bodenloser Ignoranz. Bundestags-Abgeordnete Anke Domscheit-Berg ist in dieser Legislaturperionde zum ersten Mal dabei und erz\u00e4hlt im Interview \u00fcber den Alltag, nachdem im Bundestag innerhalb eines Tages zwei Politiker zusammengebrochen sind:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/anke-domscheit-berg-ueber-arbeitsbedingungen-im-bundestag-preis-ist-zu-hoch-a-1295419.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#8220;Linken-Abgeordnete \u00fcber Bundestagsarbeit<br \/>\n&#8216;Der Preis ist zu hoch'&#8221;.<\/a> <\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Am 9. November j\u00e4hrt sich der Fall der Mauer zum 30. Mal. Annette Ramelsberger, die ich in den vergangenen Jahren als Gerichtsreporterin der <i>S\u00fcddeutschen<\/i> sehr zu sch\u00e4tzen gelern habe, war ab Januar 1989 mit 28 Jahren f\u00fcr den Nachrichtendienst AP Korrespondentin in der DDR.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/leben\/mauerfall-ddr-rueckblick-1.4669022\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#8220;Wie viel Geschichte vertr\u00e4gt der Mensch?&#8221;<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Die Stasi tat weiter ihre Arbeit, ich versuchte, meine zu tun: Ich wollte durch diese Milchglasscheibe schauen, die die DDR vor den Augen westlicher Journalisten aufgestellt hatte. Wir bekamen keine Gespr\u00e4chstermine, durften nicht mal DDR-B\u00fcrger ansprechen. Also schlichen wir zu Informanten.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Selbst habe ich keine Geschichte anzubieten, wie ich den Mauerfall als Studentin in Augsburg erlebte. Ich erfuhr aus dem Radio davon, doch dieser historische Moment geh\u00f6rte zu den Augenblicken, die mich komplett \u00fcberforderten &#8211; als Westdeutsche konnte ich einfach verdr\u00e4ngen. Wie Ramelsberger schreibt: &#8220;Bis die Menschen auf der Mauer tanzten, deutete kaum etwas auf den Untergang des Regimes hin.&#8221;) <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/a6adf1cf38d344a9b95b5e86d4c2da94\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich war ja erst nach elf im Bett gewesen, noch dazu konnte ich \u00fcberdreht nicht gleich einschlafen (nicht wegen der B\u00fcrgerversammlung, sondern wegen Arbeitsdingen, die ich w\u00e4hrend der B\u00fcrgerversammlung vergessen hatte) &#8211; daf\u00fcr wachte ich schon um f\u00fcnf auf. Ach, ich hatte in den N\u00e4chten davor genug geschlafen, da machte das ja nichts. 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