{"id":5634,"date":"2009-08-25T10:14:37","date_gmt":"2009-08-25T08:14:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=5634"},"modified":"2009-08-25T21:46:32","modified_gmt":"2009-08-25T19:46:32","slug":"rom-in-schnippseln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2009\/08\/rom-in-schnippseln.htm","title":{"rendered":"Rom in Schnippseln"},"content":{"rendered":"<p>Sieht nicht so aus, als h\u00e4tte ich gen\u00fcgend Mu\u00dfe, meine Rom-Erlebnisse ausf\u00fchrlich zu notieren. Bevor sie alt und uninteressant werden, hier also ein paar Schnippsel.<\/p>\n<p>Im Sammeltaxi vom Flughafen die Amerikanerin aus Los Angeles mit Aufmerksamkeitsdefizit: Vom Beifahrersitz aus feuerte sie eine Frage nach der anderen auf den freundlichen Taxifahrer, auf Englisch und auf Spanisch, wartete aber nie das Ende der \u2013 englischen oder spanischen \u2013 Antwort ab. Als der Herr ihr auseinandersetzte, wie alt Roms Geschichte ist, und dass unter anderem die Ruine, die wir gerade passierten, vor fast 2000 Jahren errichtet wurde, verstummte sie kurz. Um dann deutlich zu machen, dass sie ihm nicht glaubte.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/www.hotellocarno.com\/\" target=_new>Hotel Locarno<\/a>, gleich bei der Piazza del Populo. Es war genauso inspirierend alt ausgestattet, wie ich mir das erhofft hatte. Der schmiedeeiserne, h\u00f6lzerne Fahrstuhl war mit einem Otis-Logo in Jugendstil versehen, \u00fcberall hatte es Stuck und wundersch\u00f6ne Kacheln und Fliesen, der Holzboden, die dunklen M\u00f6bel, die Buntglasleuchter erinnerten mich an die altmodisch eingerichteten Madrider Wohnungen meiner Kindheitsurlaube. Dass in dem hinrei\u00dfenden 30er-Jahr-Bad der Wasserstrahl nicht in den Duschkopf zu leiten war, die daf\u00fcr zust\u00e4ndige Pumpe lediglich markersch\u00fctterndes R\u00fclpsen von sich  gab \u2013 nun ja. Ich lie\u00df die Badewanne halb ein und versuchte mich in Haarwaschyoga. Dass allerdings am ersten Tag unser Zimmer nicht ger\u00e4umt und ges\u00e4ubert wurde, passt zu den Online-Kommentaren von einigen Reisenden, die das chaotische Management des Traditionshauses kritisieren. Doch die Klimaanlage funkionierte (bis auf einen 15-min\u00fctigen Stromausfall im ganzen Haus) und erm\u00f6glichte uns guten Schlaf.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>R\u00f6mer und R\u00f6merinnen haben wir praktisch keine gesehen: Im August ist Rom auch heute noch so leer, wie es Madrid im August der 70er war. Zwei Drittel der Gesch\u00e4fte sind geschlossen, und ich konnte gar nicht nachvollziehen, was am r\u00f6mischen Verkehr so schlimm sein soll. Zudem war mir schnell klar, dass r\u00f6mische Autofahrer einfach die selbe Einstellung zu Verkehrsregeln haben wie M\u00fcnchner Radler \u2013 damit kam ich zurecht.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Daf\u00fcr sah ich eine Menge Touristen \u2013 und stellte fest, dass vor allem die Damen offensichtlich die Hinweise der Reiseb\u00fccher ernst nehmen, hier werde auf Eleganz viel Wert gelegt: Ich habe wohl noch nirgends so gut gekleidete Touristinnen gesehen wie in Rom. Sch\u00f6ne Sommerkleider, richtige Handtaschen, h\u00fcbsche Sandalen an den braungebrannten F\u00fc\u00dfen. Jetzt m\u00fcssen nur noch die Herren Touristen nachziehen: Immer noch ausgeleierte T-Shirts, Hauptsache bequeme kurze Hosen, Trekkingsandalen oder Strandschlappen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Der Bestseller an den Sightseeing-Hotspots: Asiatische Sonnenschirmchen aus Papier f\u00fcr Damen ohne Sonnenhut.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Verkostung italienischer Weine bei <a href=\"http:\/\/www.vinoroma.com\/\" target=_new>Vinoroma<\/a> (wegen dieser Herrschaften hatte ich mir die Reise \u00fcberhaupt erst gew\u00fcnscht): In einer gro\u00dfz\u00fcgigen Privatwohnung in einem Palazzo am Tiber bekam ich hochinteressante Weine eingeschenkt und lernte mehr \u00fcber Wein als je zuvor in einem Seminar oder einer Probe. Und da ich jetzt unter anderem wei\u00df, dass italienische Weine durch die genaue Herkunftsregion gekennzeichnet sind, nicht durch die Rebsorte, werde ich k\u00fcnftig nach Trebbiano d\u2019Abruzzo, Vino Nobile di Montepulciano und sardischem Kharisma Rosso suchen.<br \/>\nIch stelle mir diese Veranstaltung als idealen Einstieg in eine Italienreise vor: Sie vermittelt alles Grundwissen \u00fcber italienischen Wein, das zu einer gezielten Auswahl verhilft.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Und dann das wundervolle Essen! Unsere Gastgeber sorgten daf\u00fcr, dass wir <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Burrata\" target=_new>Burrata<\/a> probierten und <i>granita di caff\u00e8<\/i> in der Tazza d\u2019oro beim Pantheon: Schichten von Schlagsahne und eiskristallenem Espresso in einem Becher. Ein erstes Mal waren f\u00fcr mich auch die Spaghetti mit Seeigel und die Pistazien-Cr\u00e8me br\u00fbl\u00e9e. Als ausgezeichnete Idee nehme ich aus einem anderen Restaurant mit, Mozzarella als hauchd\u00fcnne Scheiben (eher als Creme-Klecks, wenn es sich um tats\u00e4chlich ganz frische Mozzarella handelt) mit Basilikum-Oliven\u00f6l und Halbgefrorenem aus p\u00fcrierten Tomaten zu servieren.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ebenso zeigten uns diese Gastgeber die besonderen Gassen und Winkel \u2013 immer ein Auge auf A5-gro\u00dfe Plastikvordrucke, die mit Kabelbindern an Stangen und Masten befestigt waren: Mit Edding beschriftet, werden damit in Rom Mietangebote ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Hei\u00df war es, sehr hei\u00df. Temperaturen kann ich keine nennen, ich habe auf kein Thermometer geschaut \u2013 die Hitze f\u00fchlte sich schlicht an wie eine Tracht Pr\u00fcgel. Ab 13 Uhr brannte jeder Windhauch wie ein Haarf\u00f6n. Es blieb nur die Flucht in klimatisierte R\u00e4ume. Wobei ich feststellte, dass die R\u00f6mer trotz historischer Erfahrung mit Sommerhitze Klimaanlagen nicht kapieren: Wo im sommerlichen Madrid seit den 90ern alle Autos mit verschlossenen Fenstern fahren, um eine K\u00fchlung des Wageninneren zu erm\u00f6glichen, haben r\u00f6mische Autos die Fenster heruntergekurbelt \u2013 bei laufender Klimaanlage. Restaurants verf\u00fcgen zwar \u00fcber brausende Klimak\u00e4sten \u00fcber Eingang und Fenstern \u2013 lassen aber ebenfalls alles offen. Vielleicht hat es der R\u00f6mer einfach gerne hei\u00df?<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Daf\u00fcr hat er an reichlich Trinkwasserbrunnen gedacht, der R\u00f6mer; sie stehen an vielen Ecken und Pl\u00e4tzen der Innenstadt, erm\u00f6glichen einen schnellen Schluck oder das Nachf\u00fcllen der unvermeidlichen Wasserflasche.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Rom ist wunderwundersch\u00f6n \u2013 in alle Richtungen. Ich freue mich arg auf den n\u00e4chsten Besuch.<\/p>\n<p>Nach dem Klick ein paar Touristenfotos:<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Rom_1.jpg\" alt=\"Rom_1\" title=\"Rom_1\" width=\"331\" height=\"430\" class=\"alignnone size-full wp-image-5655\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Rom_2.jpg\" alt=\"Rom_2\" title=\"Rom_2\" width=\"202\" height=\"320\" class=\"alignnone size-full wp-image-5656\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Rom_3.jpg\" alt=\"Rom_3\" title=\"Rom_3\" width=\"481\" height=\"355\" class=\"alignnone size-full wp-image-5657\" \/><\/p>\n<p>Wei\u00df jemand, wie viele Menschen t\u00e4glich davon abgehalten werden m\u00fcssen, hier zu baden?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Rom_4.jpg\" alt=\"Rom_4\" title=\"Rom_4\" width=\"416\" height=\"338\" class=\"alignnone size-full wp-image-5658\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Rom_5.jpg\" alt=\"Rom_5\" title=\"Rom_5\" width=\"404\" height=\"386\" class=\"alignnone size-full wp-image-5659\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sieht nicht so aus, als h\u00e4tte ich gen\u00fcgend Mu\u00dfe, meine Rom-Erlebnisse ausf\u00fchrlich zu notieren. 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