{"id":57886,"date":"2020-03-02T06:32:57","date_gmt":"2020-03-02T05:32:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=57886"},"modified":"2020-03-02T09:17:19","modified_gmt":"2020-03-02T08:17:19","slug":"journal-sonntag-1-maerz-2020-familien-cocido-und-marieluise-fleisser-der-starke-stamm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2020\/03\/journal-sonntag-1-maerz-2020-familien-cocido-und-marieluise-fleisser-der-starke-stamm.htm","title":{"rendered":"Journal Sonntag, 1. M\u00e4rz 2020 &#8211; Familien-Cocido und Marieluise Flei\u00dfer, <i>Der starke Stamm<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Weckerwecken, da ich vor dem Mittagessen bei Familie in Ingolstadt noch Kartoffelbrot backen wollte. Zwischen die einzelnen Schritte schob ich Bloggen, Rumpftraining, Yoga.<\/p>\n<p>Durch die sonnige Holledau fuhr ich mit Herrn Kaltmamsell und Mitbringseln f\u00fcr Eltern und Bruderfamilie nach Ingolstadt.<\/p>\n<p>Dort tischten meine Eltern das klassische Madrilenische Sonntagsessen auf: Cocido.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200301_03_Cocido.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200301_03_Cocido.jpg\" alt=\"\" width=\"362\" height=\"435\" class=\"alignnone size-full wp-image-57889\" \/><\/a><\/p>\n<p>Erst mal die Br\u00fche des Eintopfs mit Nudeln.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200301_04_Cocido.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200301_04_Cocido.jpg\" alt=\"\" width=\"390\" height=\"545\" class=\"alignnone size-full wp-image-57890\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dann (von vorne): Kartoffeln und Karotten aus dem Eintopf, separat gebratenes Wei\u00dfkraut mit Paprika und Knoblauch \/ Kichererbsen \/ allerlei Fleisch von Rind, Schwein, Huhn, Lamm, au\u00dferdem Chorizo.<\/p>\n<p>Meine Eltern haben \u00fcber mehrere Spanienurlaube in Kastilien so viel Tongeschirr mitgebracht, dass sie f\u00fcr neun Personen damit eindecken konnten.<\/p>\n<p>Wir fuhren recht fr\u00fch zur\u00fcck nach M\u00fcnchen, weil Herr Kaltmamsell noch arbeiten musste und ich f\u00fcr den Abend eine Theaterverabredung hatte:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.residenztheater.de\/stuecke\/detail\/der-starke-stamm\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Marieluise Flei\u00dfer, <i>Der starke Stamm<\/i> im Residenztheater.<\/a><\/p>\n<p>Eine geradlinige Inszenierung, in der die Regie (Julia H\u00f6lscher) keinen Drang vordergr\u00fcndiger eigener Handschrift erkennen lie\u00df, sondern ganz hinter den Text zur\u00fcck trat. So wurde mir nach vielen Jahren mal wieder einfach (einfach?) eine Geschichte erz\u00e4hlt, eine kleine, erb\u00e4rmliche Geschichte kleiner, erb\u00e4rmlicher Menschen. Das B\u00fchnenbild aus Brettern wie eine Scheunenwand, ein schr\u00e4ger Boden, auf dem die Schauspielerinnen und Schauspieler wie auf Tableaus gesetzt waren. Wie in Flei\u00dfers Erz\u00e4hlungen, die ich gerade lese, k\u00e4mpfen in <i>Der starke Stamm<\/i> in bayerischer Kleinstadt-Nachkriegszeit (Ingolstadt ist als Schauplatz an vereinzelten Orts- und Stra\u00dfennamen erkennbar) jeder und jede ums kleinstb\u00fcrgerliche Existenzminimum, die Grenze zur Kleinkriminalit\u00e4t wird mit nur wenig Z\u00f6gern gerissen. Alles ist darauf ausgerichtet, irgendwie zu Geld zu kommen, praktisch jedes Mittel ist recht. In dieser Welt ist kein Platz f\u00fcr Sch\u00f6nheit, Liebe oder Kunst. Und doch ist alles M\u00fchen immer und immer wieder vergeblich: Erl\u00f6sung bietet am Ende erst ein Erbonkel ex machina, der die scheinbar taktisch klugen und hart erk\u00e4mpften Verh\u00e4ltnisse im Handstreich zunichte macht.<\/p>\n<p>Eine starke Besetzung &#8211; von der zwei Rollen wegen Krankheit kurzfristig gewechselt werden mussten: Cathrin St\u00f6rmer sprang in der Hauptrolle Balbina ein und zeigte \u00fcberzeugend die verbissen Schw\u00e4gerin, die mit Einsatz aller Mittel um ein besseres Leben k\u00e4mpft und dabei durchaus die Findigkeit einer modernen Unternehmerin zeigt, Steffen H\u00f6ld als Bitterwolfs Schwager hingegen musste wenig mehr als Stichwortgeber sein. Herausragend Robert D\u00f6lle als zentraler Sattlermeister Bitterwolf, dessen immer wieder sogar sanftes Spiel jemanden durchscheinen lie\u00df, der in anderen Umst\u00e4nden ein guter Mensch h\u00e4tte werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich immer wieder auffallend: Wie Ingolst\u00e4dterisch Flei\u00dfers Sprache ist. Sie schreibt ja Mundart, ohne Dialekt zu werwenden; wie auch in ihren Erz\u00e4hlungen sind es Vokabular und Grammatik, die eine bestimmte Sprache eines bestimmten oberbayerischen Menschenschlags pr\u00e4ziser zeichnen als jede lustige Wirtshausspeisekarte. Immer wieder h\u00f6rte ich Wendungen, die bei mir ein &#8220;Ah, das sagt nicht nur meine Ingolst\u00e4dter Mutter?&#8221; ausl\u00f6sten. Zwei Vokabeln fielen mir besonders auf. Von einer wusste ich bereits, dass sie nur in Ingolstadt verwendet wird, allerdings als andere Wortart: &#8220;Zepfat&#8221; kannte ich bislang nur als Adjektiv zur Bezeichnung einer schw\u00e4chlichen, kr\u00e4nklichen Person. In der ersten Szene von <i>Der starke Stamm<\/i> hie\u00df es nun:<br \/>\n&#8220;Lang hats rumzepft, aber zum Schlu\u00df ists geschwind gangen mit meiner Zenta.&#8221;<br \/>\n(Dank an F. f\u00fcrs Nachschlagen.)<\/p>\n<p>Den zweiten Ausdruck hatte ich schon lange vergessen: &#8220;Bleckn&#8221; f\u00fcr weinen, in Ingolstadt wurde ich angeranzt: &#8220;Bleck ned&#8221;. Erst als ich ihn gestern h\u00f6rte, wurde mir klar, dass das wohl nicht Standard-Bayerisch ist. <\/p>\n<p>Die Sonntagsvorstellung hatte fr\u00fch begonnen, ich war noch vor neun wieder daheim, nach einem Spaziergang nach Hause in milder Luft. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/01dd832eaaf9488194cd681272f411ab\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weckerwecken, da ich vor dem Mittagessen bei Familie in Ingolstadt noch Kartoffelbrot backen wollte. Zwischen die einzelnen Schritte schob ich Bloggen, Rumpftraining, Yoga. Durch die sonnige Holledau fuhr ich mit Herrn Kaltmamsell und Mitbringseln f\u00fcr Eltern und Bruderfamilie nach Ingolstadt. Dort tischten meine Eltern das klassische Madrilenische Sonntagsessen auf: Cocido. Erst mal die Br\u00fche des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,2,12],"tags":[],"class_list":["post-57886","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-essen","category-fotos","category-theater"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57886","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=57886"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57886\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":57904,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57886\/revisions\/57904"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=57886"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=57886"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=57886"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}