{"id":59258,"date":"2020-05-10T09:55:08","date_gmt":"2020-05-10T07:55:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=59258"},"modified":"2020-05-10T09:55:08","modified_gmt":"2020-05-10T07:55:08","slug":"journal-samstag-9-mai-2020-mehlprobleme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2020\/05\/journal-samstag-9-mai-2020-mehlprobleme.htm","title":{"rendered":"Journal Samstag, 9. Mai 2020 &#8211; Mehlprobleme?"},"content":{"rendered":"<p>Gut geschlafen, aber schon kurz nach sechs aufgewacht. Blogpost war nur noch fertigzumachen, die Twitter Timeline bald weggelesen. Immer wieder trat ich auf den Balkon, um in den Morgen zu schnuppern und mir vorzustellen, wie ein Isarlauf gerade gestern aussehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Schon um 9 Uhr lag ich sportfertig im Wohnzimmer auf der Matte: Zeit genug f\u00fcr alle Gymnastik\u00fcbungen, die Arzt und Physio in den vergangenen Monaten geraten hatten. Anschlie\u00dfend eine gute Stunde Crosstrainer bei zun\u00e4chst tr\u00fcbem Himmel, doch langsam kam die Sonne heraus.<\/p>\n<p>Nach Duschen und Anziehen machte ich mich zu einer Besorgungs- und Einkaufsrunde in sehr warmem Wetter auf. Vorher \u00fcberpr\u00fcfte ich, ob der Einkaufslistenpunkt &#8220;Weizen 550&#8221; auch wirklich abgearbeitet war. Als Herr Kaltmamsell mich vorm Schrank sah, fragte er, ob &#8220;wir&#8221; vielleicht ein Mehlproblem h\u00e4tten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200509_01_Mehle.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200509_01_Mehle.jpg\" alt=\"\" width=\"408\" height=\"410\" class=\"alignnone size-full wp-image-59271\" srcset=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200509_01_Mehle.jpg 408w, https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200509_01_Mehle-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200509_01_Mehle-144x144.jpg 144w\" sizes=\"auto, (max-width: 408px) 100vw, 408px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von links oben nach rechts unten: Roggen 1370, Roggen Vollkorn, Roggen 1150, Dinkel 630 (1x fast leer, 1x voll), Roggenschrot, Pizzamehl 00, Weizen Vollkorn, Weizen 812, Weizen 1050, Weizen 550, Weizen 405 (1x fast leer, einmal voll). &#8220;Problem&#8221; ist hier ja wohl h\u00f6chstens das Fehlen von doppelgriffigem Mehl und Roggen 997. (Das Kichererbsenmehl ist kein Getreide und steht daher bei den H\u00fclsenfr\u00fcchten.)<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst brachte ich <a href=\"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/2018\/11\/21\/solange-die-auflage-reicht\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">meine beiden Radierungen von Katia Kelm<\/a> zum Rahmen. Wegen kompletter Ahnungslosigkeit lie\u00df ich mich umfassend beraten, nur als man mir Rahmen in der passender Farbe andiente, merkte ich an, das Resultat solle nicht Deko sein, sondern Kunst ausstellen. Die Beraterin ging auch darauf ein, ich bestellte also eine Rahmung ohne Passepartout, um auch die rohen R\u00e4nder der beiden Bl\u00e4tter sichtbar zu machen.<\/p>\n<p>Im Kaufhof am Marienplatz besorgte ich in der Kosmetikabteilung (erreichbar durch den Haupteingang Rosenstra\u00dfe, alle anderen Bereiche mit T\u00fcchern abgesperrt) meinen Standard-Kajalpinsel von Artdeco &#8211; mit dem vom Body Shop produziere ich auch nach f\u00fcnf Monaten \u00dcbung Klecksereien, der kommt als Korrekturstift nach Tr\u00e4nenkatastrophen durch Radlfahren in die B\u00fcroschublade.<\/p>\n<p>In die Lebensmittelabteilung gelangt man weiterhin nur durch das U-Bahn-Untergescho\u00df, auch hier alle anderen Bereiche abgetrennt; in der Ferne sah ich eine Angestellte edle Handtaschen mit einem Wedel entstaubten. Das frische Lebensmittel-Sortiment war deutlich ausged\u00fcnnt &#8211; nachvollziehbar, wenn kaum jemand einkauft. Und so suchte ich vergeblich nach schlichtem Frischk\u00e4se, Doppelrahmstufe: Im K\u00fchlregal standen zwar ca. 25 Sorten von Light \u00fcber mit Joghurt, Meerrettich, Kr\u00e4utern, Ananas und sonstigem Kram &#8211; aber keine, die man f\u00fcr einen Kuchenguss verwenden k\u00f6nnte. Backpl\u00e4ne also um eine Woche verschoben.<\/p>\n<p>Am Alten Peter sah ich mehrere Polizei-Mannschaftswagen, sp\u00e4ter erfuhr ich, dass auf dem Marienplatz eine Demo gegen die Pandemie-Eingrenzungsma\u00dfnahmen stattgefunden hatte (<a href=\"https:\/\/twitter.com\/SchoenMuc\/status\/1259100695543808006\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">was dann so aussah<\/a> &#8211; ich w\u00fcrde ja facepalmen, wenn ich mir daf\u00fcr nicht ins Gesicht fassen m\u00fcsste).<\/p>\n<p>Ein dringender Einkauf waren neue Hausschuhe f\u00fcr Herrn Kaltmamsell, Birkenstock Arizona. Durch ein Geschenk vor vielen, vielen Jahren (ich hatte nicht mehr mit ansehen k\u00f6nnen, dass er in einem Paar herumlief, das nur noch aus Fetzen bestand) war ich zust\u00e4ndig geworden f\u00fcr seine Hausschuh-Ausstattung. Und sein aktuelles Paar war wieder kurz vor Fetzenzustand. Ich musste ein wenig anstehen, weil in den kleinen Laden nur immer drei Personen gleichzeitig eingelassen wurden &#8211; und holte mir dabei, wie ich am Abend feststellte, einen leichten Sonnenbrand im Ausschnitt: Meine Haut ist halt dieses Jahr mangels Wandern oder Joggen \u00fcberhaupt keine Sonne gewohnt.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg Obst am Standl Sendlinger Tor eingekauft: Man riet mir zum Lagern der Aprikosen, Flachpfirsiche und Erdbeeren im K\u00fchlschrank, dadurch gebe es &#8220;keine Fruchtfliegen&#8221;. Da wir ja alle wissen, <a href=\"http:\/\/www.fruchtfliegen-info.de\/woher-kommen-fruchtfliegen\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">dass Obst nicht in erster Linie Fruchtfliegen anzieht, sondern die Fuchtfliegen mit dem Obst geliefert werden<\/a>, stellte ich daheim gleich mal <a href=\"http:\/\/cucina-casalinga.com\/2010\/08\/31\/massenmorderin\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">die bew\u00e4hrte Falle<\/a> auf. (Und Obst mag ich wirklich, wirklich nicht k\u00fchlschrankkalt.)<\/p>\n<p>Daheim fr\u00fchst\u00fcckte ich die ebenfalls frisch besorgten Semmeln und machte es mir dann mit dem Romanmanuskript der Freundin auf dem Balkon gem\u00fctlich. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200509_06_Balkon.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200509_06_Balkon.jpg\" alt=\"\" width=\"363\" height=\"484\" class=\"alignnone size-full wp-image-59274\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200509_07_Balkon.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200509_07_Balkon.jpg\" alt=\"\" width=\"405\" height=\"487\" class=\"alignnone size-full wp-image-59275\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nochmal die Kastanienbl\u00fctenpracht genossen, der n\u00e4chste heftige Regen oder Wind wird sie beenden. Lauteste Stimme der \u00f6rtlichen Vogelwelt weiterhin aus M\u00f6nchsgrasm\u00fcckenkehle, die Buchfinken und Meisen klingen im Vergleich geradezu kl\u00e4glich.<\/p>\n<p>Dazwischen erledigte ich noch den Erledigungspunkt f\u00fcr Samstag: Eine Zimmerpflanze brauchte seit vielen Monaten einen gr\u00f6\u00dferen Topf, den bekam sie endlich.<\/p>\n<p>F\u00fcrs Nachtmahl war ich zust\u00e4ndig, ich machte Pizza <a href=\"https:\/\/www.foodwithlove.de\/pizzateig-mit-lievito-madre.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">mit diesem Teig basierend auf Lievito Madre<\/a>.<\/p>\n<p>Lie\u00df sich mittelgut verarbeiten, \u00e4hnlich wie dem Lievito-Madre-Brot am Wochenende zuvor fehlte dem Teig die Spannung eines richtig guten Glutenger\u00fcsts.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200509_10_Pizza.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/200509_10_Pizza.jpg\" alt=\"\" width=\"349\" height=\"494\" class=\"alignnone size-full wp-image-59276\" \/><\/a><\/p>\n<p>Geschmack sehr gut.<\/p>\n<p>Abendunterhaltung war <a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/videos\/048927-000-A\/kraftwerk-pop-art\/?_branch_match_id=787300962707274947\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">eine Doku \u00fcber Kraftwerk aus dem Jahr 2013<\/a>, die arte anl\u00e4sslich Florian Schneiders Tod nochmal in die Mediathek gestellt hatte.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Eine sehr sch\u00f6ne und runde Geschichte im <i>Techniktagebuch<\/i>: Gabriel Yoran schreibt \u00fcber Einzelh\u00e4user und Heizungstechnik in Neuengland 2015, die f\u00fcr ihn als Europ\u00e4er ausgesprochen fremd und r\u00fcckst\u00e4ndig war.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/techniktagebuch.tumblr.com\/post\/617628146112626688\/2015\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#8220;Ein Kindertraum von Infrastruktur: Winter in New England&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Im <em>Atlantic<\/em> macht sich Charles Fishman Gedanken \u00fcber die Rolle, die das Internet in der aktuellen Pandemie gespielt hat, vor allem f\u00fcr die USA. Kurzfassung: Ohne Internet h\u00e4tte es eine echte Katastrophe gegeben, komplett au\u00dfer jeglicher Kontrolle &#8211; und vielleicht sollten wir auch den vielen unsichtbaren Menschen danken, die das verhindert haben.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/ideas\/archive\/2020\/05\/miracle-internet-not-breaking\/611212\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#8220;The System That Actually Worked&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Almost the entire nation now seems to be online at the same time, many of us using two or three devices at once\u2014for urgent work meetings and talking with Mom, for college chemistry lectures and neighborhood yoga classes, for grocery shopping and video binge-watching. Digital life has rushed to fill the gaps created by social distancing, allowing some semblance of normalcy and keeping some parts of the economy open for business. Indeed, the things the internet lets us do are a big part of the reason people are comfortable staying confined to home, and are able to. To the degree that any institution is keeping American society knitted together during this crisis, it\u2019s the internet.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>The simplest explanation for why the pandemic hasn\u2019t broken the internet is that the internet was designed to be unbreakable, at the very beginning. (The early precursor to the internet, ARPANET, was designed to survive a nuclear attack by rerouting network signals.)<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>That design philosophy is very different from the way much of the rest of the U.S. economy operates. The pandemic has shown us the downside of perfectly optimized systems\u2014from the supply of ICU beds and virus-sampling swabs to the availability of baker\u2019s yeast. We\u2019ve been desperately short of all three of those things precisely because we\u2019ve spent years tweaking supply chains so we have only exactly the amount we can use right now, without the \u201cwaste\u201d of empty ICU beds or idle swab-making machines. In that way, what has saved the internet\u2014redundancy, flexibility, excess capacity\u2014reflects not just a different design philosophy, but a different underlying economic philosophy as well.<\/p><\/blockquote>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/90788bc5cfd64519b130218662e69ae1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gut geschlafen, aber schon kurz nach sechs aufgewacht. Blogpost war nur noch fertigzumachen, die Twitter Timeline bald weggelesen. Immer wieder trat ich auf den Balkon, um in den Morgen zu schnuppern und mir vorzustellen, wie ein Isarlauf gerade gestern aussehen w\u00fcrde. 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