{"id":60,"date":"2003-10-21T17:29:16","date_gmt":"2003-10-21T15:29:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2003\/10\/wie-die-zeiserln.htm"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"wie-die-zeiserln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2003\/10\/wie-die-zeiserln.htm","title":{"rendered":"Wie die Zeiserln"},"content":{"rendered":"<p>Durch die unvermutete Begegnung mit einer Gestalt aus meiner heimatlichen Vergangenheit wurde ich letzte Woche ohnehin schon von einem unkontrollierbaren Erinnerungsstrudel mitgerissen. Und dann schreibt die S\u00fcddeutsche auch noch in ihrem heutigen <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/sz\/streiflicht\/red-artikel764\/ \"target=_new>Streiflicht<\/a> verst\u00e4ndig von Ch\u00f6ren:<\/p>\n<p>\u201eDas hei\u00dft nun nicht, dass man sich die Ch\u00f6re als lauter Inseln der Seligen vorstellen darf. Dass sie das nicht sind, daf\u00fcr sorgen schon die S\u00e4nger selbst: die Ten\u00f6re, indem sie in der H\u00f6he erb\u00e4rmlich forcieren, die B\u00e4sse, indem sie bei der Probe Bierflaschen unterm Stuhl stehen haben, die Soprane, indem sie sich \u00fcber Melismen durch Jaulen hinwegmogeln, die Altistinnen, indem sie jeden zweiten Schlussakkord durch unsaubere Terzen versauen, und die Damen insgesamt, indem sie das Fell des Chorleiters verteilen, noch ehe sie ihn \u2013 jede f\u00fcr sich nat\u00fcrlich \u2013 gejagt haben.\u201c<\/p>\n<p>Damit muss ich mich weiteren Erinnerungen stellen, n\u00e4mlich denen an drei Jahre Mitgliedschaft in einem Jugendchor. Oh, diese Zeit geh\u00f6rt durchaus zu den Bereicherungen meines Anekdoten-Schatzes. Dann allerdings wieder nicht, weil wirklich lachen \u00fcber \u201eF\u00fcnf Chors\u00e4nger gehen an einer Weinstube vorbei\u201c k\u00f6nnen nur Menschen, die diese Vergangenheit teilen. Und nur diesen Menschen kann ich verschw\u00f6rerisch beim Stichwort \u201emangelndes Rhythmusgef\u00fchl\u201c das Wort \u201eTen\u00f6re&#8230;\u201c zuraunen, um dann augenrollend gemeinsam loszuplatzen. Au\u00dfer nat\u00fcrlich, dieser Mensch ist zuf\u00e4llig selbst Tenor. Aber das h\u00e4tte ich ihm angesehen.<\/p>\n<p>Die forcierendsten Ten\u00f6re hei\u00dfen \u00fcbrigens Peter, knutschen zur Begr\u00fc\u00dfung jede Frau ab, die nicht bei 3 auf dem Baum ist und haben sp\u00e4ter Medizin studiert.<br \/>\nB\u00e4sse (\u201enur R\u00fclpsen ist tiefer&#8230;\u201c *schenkelklopf*) sind wahlweise als Gloife (hdt. R\u00fcpel) oder als Kavaliere besetzt. Sie f\u00fchren zudem auf internationalen Tourneen eine gro\u00dfe Armeekiste mit sich, in der unter anderem Knoblauchwurst als Proviant verstaut ist.<br \/>\nAltistinnen sind meist Menschen, die gut singen k\u00f6nnen, aber eigentlich keine Stimme haben.<br \/>\nSopranistinnen wiederum sind st\u00e4ndig auf der Jagd nach einem Solo und machen sp\u00e4ter gerne eine Gesangsausbildung auf dem Konservatorium. Im Chor sollten meiner Meinung nach die Sopranpartien ohnehin am besten mit Knaben besetzt werden. Bei Bachmotetten sollte Frauen das Singen sogar gesetzlich verboten werden.<br \/>\nChorleiter naschen sich quer durch die weiblichen Stimmlagen, um dann pl\u00f6tzlich mit einer \u00fcberraschenderweise gleichaltrigen Dame als \u201eVerlobter\u201c aufzutauchen und zahlreiche musikalische Herzen zu brechen.<\/p>\n<p>Selbst? Ich wurde von einem unverst\u00e4ndigen aber charismatischen Chorleiter auf Mezzosopran getrimmt, bin aber Alt. Was zur Folge hat, dass ich nur schwer f\u00fcr spontane Singerei einzusetzen bin: Ich kann zwar die meisten Sopranpartien meiner Karriere noch auswendig und bombensicher (bei Ravels <i>Trois chansons<\/i> sogar den Text, weil ich kein Franz\u00f6sisch konnte und jede Silbe auswendig lernen musste), aber das n\u00fctzt mir nichts, weil ich ja kein Sopran bin. Und ab dem d rot anlaufe sowie quietsche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch die unvermutete Begegnung mit einer Gestalt aus meiner heimatlichen Vergangenheit wurde ich letzte Woche ohnehin schon von einem unkontrollierbaren Erinnerungsstrudel mitgerissen. Und dann schreibt die S\u00fcddeutsche auch noch in ihrem heutigen Streiflicht verst\u00e4ndig von Ch\u00f6ren: \u201eDas hei\u00dft nun nicht, dass man sich die Ch\u00f6re als lauter Inseln der Seligen vorstellen darf. 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