{"id":605,"date":"2004-10-17T18:35:57","date_gmt":"2004-10-17T16:35:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/10\/schicke-party.htm"},"modified":"2004-10-18T11:01:30","modified_gmt":"2004-10-18T09:01:30","slug":"schicke-party","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/10\/schicke-party.htm","title":{"rendered":"Schicke Party"},"content":{"rendered":"<p>Ich wusste schon vorher, dass ich absolut fehl am Platz sein w\u00fcrde, aber ich mag Partys und hatte mir au\u00dferdem ausgerechnet, dass ich eine Menge schr\u00e4ger Eindr\u00fccke w\u00fcrde sammeln k\u00f6nnen. Die Gastgeberin, eine meiner ehemaligen Chefinnen aus der M\u00fcnchener Agenturszene, hatte meine derzeitige berufliche Stellung vielleicht \u00fcbersch\u00e4tzt &#8211; warum sonst h\u00e4tte sie mich eingeladen, nachdem wir uns fast drei Jahre nicht mehr gesehen hatten, zusammen mit schillernden Chefredakteuren, Agenturinhaberinnen, Dotcom-Marketingchefs und Lifestyle-Journalistinnen in Festanstellung? Angesichts der professionell gestalteten und gedruckten Einladung zu dieser Privatfeier, die neben einem Gimmick (Armb\u00e4ndel in S\u00e4uglingsstation-Anmutung) die vollst\u00e4ndige G\u00e4steliste enthielt (?), schwebte mir als Ergebnis ein geh\u00e4ssiger Bericht f\u00fcr die Vorspeisenplatte vor.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Armbaendel.JPG\" alt=\"Genau sowas bekam die Gaeste - allerdings silberfarben.\" \/><\/p>\n<p>Es war dann aber gar nicht schlimm. Ich traf mich voher zum Aufw\u00e4rmen mit einer ebenfalls eingeladenen Freundin in der Bar des Hotels Bayerischer Hof. Zur h\u00f6chst schicken zweigescho\u00dfigen Wohnung am G\u00e4rtnerplatz spazierten wir durch abendliche Touristengruppen quer \u00fcber Marienplatz und Viktualienmarkt. Die zierliche Gastgeberin empfing uns in einem bleigrauen Eisprinzessinnen-Kleid, das sie mit einem schwarzen Shirt und schwarzen Strumpfhosen zum Zille-Hinterhof-Look kombiniert hatte. Die n\u00e4chsten Stunden nutzte ich, um mich mit meiner Freundin, die ich selten sehe, ausf\u00fchrlich zu unterhalten. F\u00fcr schr\u00e4ge Eindr\u00fccke h\u00e4tte ich mich an andere wenden m\u00fcssen. Eher nebenbei l\u00e4sterten wir \u00fcber Anwesende (von denen ich genau einen vom Sehen kannte, zumindest konnte meine Freundin bei 30 Prozent der anderen mit Informationen aushelfen), bemerkten, dass h\u00fcbsche junge M\u00e4nner gerne mal wie Schaufensterpuppen aussehen, spitze Schuhe immer noch die Damenf\u00fc\u00dfe dominieren, dass aber flache hochschaftige Stiefel zu kurzen R\u00f6cken aufholen. Als nach Mitternacht die Musik (vom iBook) so laut gestellt wurde, dass Unterhaltung nur unter nachhaltiger Gef\u00e4hrdung der Stimmb\u00e4nder m\u00f6glich war, tanzten wir eine Zeit lang.<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnenswert ist vielleicht der alternde (na gut: gealterte) Agenturbesitzer, der herumfotografierte und sich mehrmals in unser Zweiergespr\u00e4ch einschaltete, indem er fragte: \u201eUm was geht\u2019s?\u201c (einmal aus Versehen ehrlich geantwortet: \u201eUm den Selbstmord eines ganz jungen, psyschisch schwer kranken Mannes.\u201c Reaktion: \u201eAh, ich befasse mich f\u00fcr einen neuen Kunden gerade mit Kindesmissbrauch, das ist schwer genug. Da kann ich das Thema jetzt nicht auch noch.\u201c Und weg war er.)<br \/>\nDann die noch junge Schauspielerin, die seit \u00fcber zehn Jahren vielversprechend ist. Die sich zu lateinamerikanischer Musik ein wenig eurhythmisch bewegte, mitten zwischen tanzenden Menschen stehen blieb und wie gebannt auf die Filmprojektion auf der Wand starrte (ich erkannte Szenen aus <i>Romeo and Juliet<\/i> (1996) und <i>Kill Bill<\/i>).<\/p>\n<p>Das war\u2019s dann schon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wusste schon vorher, dass ich absolut fehl am Platz sein w\u00fcrde, aber ich mag Partys und hatte mir au\u00dferdem ausgerechnet, dass ich eine Menge schr\u00e4ger Eindr\u00fccke w\u00fcrde sammeln k\u00f6nnen. 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