{"id":60797,"date":"2020-07-19T07:59:37","date_gmt":"2020-07-19T05:59:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=60797"},"modified":"2020-07-19T07:59:37","modified_gmt":"2020-07-19T05:59:37","slug":"journal-samstag-18-juli-2020-geschwommen-nachdenken-ueber-migraene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2020\/07\/journal-samstag-18-juli-2020-geschwommen-nachdenken-ueber-migraene.htm","title":{"rendered":"Journal Samstag, 18. Juli 2020 &#8211; Geschwommen, Nachdenken \u00fcber Migr\u00e4ne"},"content":{"rendered":"<p>Zerst\u00fcckelte Nacht, vor dem letztem St\u00fcck merkte ich, dass mich eine Migr\u00e4ne anfiel. Triptan per Nasenspray, und nach zwei weiteren Stunden Schlaf war ich ok. Wor\u00fcber ich mich sehr freute, denn ich hatte bereits bef\u00fcrchtet, dass die Migr\u00e4ne mich um meine herbeigesehnte Schwimmrunde bringen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ein sonniger, k\u00fchler Tag, schon das Radeln zum Olympiabad freute mich. Im Wasser war mehr los als bei den vorherigen beiden Malen, aber mit doppelt breiten Bahnen v\u00f6llig ok. Ich f\u00fchlte mich fr\u00f6hlich und energiegeladen, mein K\u00f6rper machte 3.000 Meter mit, die meiste Zeit v\u00f6llig gedankenverloren.<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckfahrt (ohne Jacke) Semmeln geholt. Der Himmel zog mit d\u00fcsteren Wolken zu, so wolkig und immer wieder bedrohlich d\u00fcster blieb es dann den Tag \u00fcber.<\/p>\n<p>Fr\u00fchst\u00fcck mit Semmeln. Gleich danach b\u00fcgelte ich die W\u00e4sche der vergangenen beiden Wochen weg, anderthalb Stunden.<\/p>\n<p>Trotz Wolken war es warm genug f\u00fcr Zeitunglesen auf dem Balkon (mit Strickjacke). Unter anderem schreibt in der Wochenendausgabe der <i>S\u00fcddeutschen<\/i> Titus Arnu, selbst schwerer Migr\u00e4niker, \u00fcber drei Tage in einer Migr\u00e4neklinik (\u20ac):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/gesundheit\/migraene-kopfschmerzen-gesundheit-1.4970635\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#8220;Der Feind im Kopf&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Darin nicht viel Neues (Migr\u00e4ne ist eine neurologische Erkrankung, fungiert als Vollbremsung des Gehirns, erbliche Belastung ist ein Faktor, Ausl\u00f6ser so zahlreich, dass schwer zu behandeln, f\u00fcr die Wirkung esoterischer Methoden gibt es keine Evidenz), ich lernte aber, wie mein Triptan funktioniert:<\/p>\n<blockquote><p>Bei einer Migr\u00e4ne-Attacke entleert der K\u00f6rper schlagartig seinen Vorrat an Serotonin, einem nat\u00fcrlichen Schmerzhemmer &#8211; die Triptane docken dann an diesen Serotonin-Rezeptoren an und lindern den Schmerz. <\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist interessant, denn der Beginn meiner regelm\u00e4\u00dfigen Attacken f\u00e4llt zusammen mit der tempor\u00e4ren Einnahme eines Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmers (was nat\u00fcrlich Zufall sein mag). Viel interessanter fand ich die Gemeinsamkeiten, die Migr\u00e4nikerinnen nach derzeitigem Stand der Forschung haben:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Migr\u00e4niker haben ihre Antennen \u00fcberall&#8221;, sagt die Psychotherapeutin Anke Pielsticker, &#8220;das ist eine Gabe, es kann aber auch zur Belastung werden.&#8221;<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nOffensichtlich haben Migr\u00e4niker (&#8230;) eine innere Gemeinsamkeit. &#8220;Ihre Gehirne funktionieren anders&#8221;, erkl\u00e4rt mir Chefarzt Charly Gaul in seinem Sprechzimmer. &#8220;Migr\u00e4niker sind aufmerksamer und k\u00f6nnen Dinge schlechter ausblenden.&#8221; Das kenne ich nur zu gut: Wenn zehn Menschen an einem Tisch durcheinanderreden oder zwei Musikst\u00fccke parallel zu h\u00f6ren sind, weil Radio und Fernseher gleichzeitig laufen, halte ich das kaum aus. Und in einem Raum, in dem ein Wecker tickt, kann ich nicht schlafen. Es kann eine St\u00e4rke sein, hypersensitiv zu sein, verursacht aber auch Probleme.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich z\u00e4hlte durch und bemerkte, dass unter meinen Freundinnen und Freunden \u00fcber die H\u00e4lfte unter Migr\u00e4ne leiden (der Bev\u00f6lkerungsanteil liegt in Deutschland laut Artikel bei zehn bis f\u00fcnfzehn Prozent) &#8211; vielleicht verstehe ich mich mit solchen Zwangswahrnehmerinnen besonders gut (wobei mir auch nahe Antennen-Menschen einfallen, die noch nie Migr\u00e4ne hatten).<\/p>\n<p>F\u00fcrs Nachtmahl war ich zust\u00e4ndig, es gab breite Bohnen (zugekauft) mit Kartoffeln aus Ernteanteil <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/rezepte\/breite-bohnen-mit-kartoffeln.htm\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">nach Art meiner spanischen Oma<\/a>. Dazu ein Glas Ros\u00e9. Nachtisch war die frische, reife Ananas, die ich am Vortag beim S\u00fcpermarket Verdi bekommen hatte (und Schokolade).<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Endlich eine vorgemerkte rbb-Doku angesehen:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.rbb-online.de\/unserleben\/reportagen\/vergessene-frauen---vertrags--und-gastarbeiterinnen-heute.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#8220;Vergessene Frauen &#8211; Vertrags- und Gastarbeiterinnen heute&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>\u00dcber ein Drittel der Vertrags- und Gastarbeiter die nach Deutschland kamen, sind Frauen. So wie Thu Fandrich, die gegen ihren Willen aus Vietnam hergeschickt wurde, und G\u00fcl Ataseven-\u00d6zen, die als junge Frau allein aus der T\u00fcrkei kam. Sie leben noch immer in Deutschland.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sehr empfehlenswertes St\u00fcck deutscher Geschichte.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Kemi Fatoba erz\u00e4hlt in der <i>Zeit<\/i>:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/entdecken\/reisen\/2020-07\/rassismus-urlaub-deutschland-brandenburg-diskriminierung-corona-reisen\/komplettansicht\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#8220;Stadt, Land, Angst&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Viele St\u00e4dter fahren einfach raus ins Gr\u00fcne, um mal abzuschalten. Unsere Autorin ist schwarz, f\u00fcr sie bedeutet ein Ausflug aufs Land Anspannung, nicht Entspannung.<\/p><\/blockquote>\n<p>via <a href=\"https:\/\/twitter.com\/AnnaDushime\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">@AnnaDushime<\/a><br \/>\n(nicht die Kommentare lesen) (au\u00dfer Sie suchen einen Beleg f\u00fcr die Ingoranz gegen\u00fcber Rassismus in Deutschland)<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ben Fergusson lebt mit seinem Mann und dem gemeinsam adoptierten kleinen Sohn in Berlin. Im <i>Guardian<\/i> beschreibt er an vielen Alltagsdetails, wie ein schwules M\u00e4nnerpaar als Eltern in der \u00d6ffentlichkeit Geschlechter- und vor allem M\u00fctterstereotypen sichtbar macht.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/lifeandstyle\/2020\/jul\/18\/mums-day-off-is-it-what-adopting-as-a-same-sex-couple-taught-us\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#8220;\u2018Mum\u2019s day off, is it?\u2019: what adopting as a same-sex couple taught us&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Here in Germany, a new parent receives 12 months of parental leave (or 14 months, divided any way, if the time is shared between both parents) paid by the government at 70% of their salary. We covered our son\u2019s first year by each taking seven months off, the first two together. Yet despite the government\u2019s best efforts, 70% of fathers in Germany don\u2019t take paid parental leave.<\/p>\n<p>When there\u2019s no social expectation about which parent stays at home and looks after the baby, the idea that either of you would do it single-handedly seems crazy. If my husband had suggested going back to work after two weeks, I\u2019d have thrown the television out of the window. The fact that women tend to take on the bulk of childcare is not news. But having to negotiate how we share it, without external pressure about who should do what, has made us acutely aware of the chasm between how people talk about shared parenting and how it pans out.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Der launige Rausschmei\u00dfer f\u00fcr den Sonntag:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/twitter.com\/aurelmertz\/status\/1284206832647581697\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#8220;Irgendwie holt die Heimat einen dann doch immer ein!&#8221;<\/a> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/0e7756edc9aa470f96a5726aed3c8b39\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zerst\u00fcckelte Nacht, vor dem letztem St\u00fcck merkte ich, dass mich eine Migr\u00e4ne anfiel. Triptan per Nasenspray, und nach zwei weiteren Stunden Schlaf war ich ok. 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