{"id":635,"date":"2004-11-15T21:18:23","date_gmt":"2004-11-15T20:18:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/11\/mode-marginal-die-capa.htm"},"modified":"2005-02-06T13:34:43","modified_gmt":"2005-02-06T12:34:43","slug":"mode-marginal-die-capa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/11\/mode-marginal-die-capa.htm","title":{"rendered":"Mode marginal &#8211; die Capa"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Capa_2.jpg\" title=\"Dank an die Kollegin, die sich als Modell zur Verf\u00fcgung stellte!\" \/><\/p>\n<p>Von diesem Kleidungsst\u00fcck tr\u00e4umte ich, seit ich zw\u00f6lf war: eine Capa. Ich sah die Capa, einen enormen Umhang aus schwerem Wolltuch, an einem fr\u00e4nkischen Freund meiner Eltern, der in Madrid studiert und sie von dort mitgebracht hatte. Sie war so weit, dass seine kleine Tochter auf seinem Arm bequem darin mit Platz hatte.<\/p>\n<p>Die Capa ist das eine Kleidungsst\u00fcck in Kastilien, das einem traditionellen Alltagsgewand noch am n\u00e4chsten kommt (im Gegensatz zu Bayern mit seinen vielen Jankern, Dirndln, Landhausmoden). In seiner klassischen Form besteht der Umhang aus einer vollst\u00e4ndigen Scheibe Tuchs, erg\u00e4nzt durch eine seidengef\u00fctterte Pellerine aus demselben Stoff. An der \u00d6ffnung ist der Umhang noch mit schwarzem Samt ausgeschlagen. Geschlossen wird die Capa lediglich am Hals mit zwei H\u00e4kchen, eines unaff\u00e4llig schwarz innen, das \u00e4u\u00dfere aus dezent verziertem und geschw\u00e4rztem Silber, in der Art der Silberschmiede-Kunst von Salamanca.<\/p>\n<p>Von Hand hergestellt und verkauft werden Capas in Madrid in einer Seitenstra\u00dfe der Plaza Mayor, in der <a href=\"http:\/\/www.sesena.com\/\" target=_new>Casa Sese\u00f1a<\/a>. Vor drei Jahren machten meine Eltern gerade in dieser Gegend Urlaub und erinnerten sich an den seltsamen Wunsch ihrer Tochter. Und weil sie ihre Tochter kannten, lie\u00dfen sie sich nicht mit einer modischen Version &#8211; leicht, in Rot und mit Kn\u00f6pfen &#8211; abspeisen, sondern beharrten auf dem schwarzen, schweren traditionellen Modell. Sie blieben auch dann noch standhaft, als sie den Preis f\u00fcr das St\u00fcck erfuhren und ihnen klar wurde, dass sie ihren Urlaub m\u00f6glicherweise um den einen oder anderen Tag k\u00fcrzen mussten.<br \/>\nAm darauffolgenden Heilig Abend lag die Capa als Geschenk unterm Christbaum und nahm mir den Atem.<\/p>\n<p>Praktisch, nein, praktisch ist eine Capa nicht. Sie geh\u00f6rt zu den Kleidungsst\u00fccken, die den Tr\u00e4ger dominieren. Allein zum stilgerechten Anlegen braucht man viel Platz, denn dieser Umhang will selbstverst\u00e4ndlich um die Schultern geschwungen werden wie das gleichnamige Tuch im Stierkampf. Sie ist nicht einmal besonders w\u00e4rmend, die Capa, daf\u00fcr ist sie zu weit. Au\u00dferdem weht jeder Wind sie auf, man kann sich h\u00f6chstens ein Ende schr\u00e4g um die Schulter werfen. Derselbe Wind pappt auch gerne mal die Pellerine auf frisch geschminkte Lippen.<\/p>\n<p>Der Umhang ist zudem so riesig, dass die Tr\u00e4gerin nach dem Einsteigen in ein Auto erst mal damit besch\u00e4ftigt ist, ihn gesamt im Innenraum zu verstauen. Und er ist so schwer, dass ich einen Gastgeber, der ihn mir freundlich abnahm, erschrocken fast in die Knie habe gehen sehen.<br \/>\nHalt, eine praktische Seite hat die Capa dennoch durch ihr Gewicht: Sie muss nie geb\u00fcgelt werden. Selbst nach mehreren Sommermonaten in einer T\u00fcte h\u00e4ngt sie sich innerhalb von 48 Stunden selbst wieder glatt.<\/p>\n<p>Und nicht zuletzt: Die Capa verleiht dem Tr\u00e4ger eine solche Gr\u00f6\u00dfe, eine Grandezza und Bedeutung, dass beim Durchschreiten windiger Altstadtgassen ganz deutlich die Overt\u00fcre von Mozarts <i>Don Giovanni<\/i> ert\u00f6nt&#8230;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Capa_3.jpg\" alt=\"No logo\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von diesem Kleidungsst\u00fcck tr\u00e4umte ich, seit ich zw\u00f6lf war: eine Capa. Ich sah die Capa, einen enormen Umhang aus schwerem Wolltuch, an einem fr\u00e4nkischen Freund meiner Eltern, der in Madrid studiert und sie von dort mitgebracht hatte. Sie war so weit, dass seine kleine Tochter auf seinem Arm bequem darin mit Platz hatte. 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