{"id":66638,"date":"2021-04-12T06:35:43","date_gmt":"2021-04-12T04:35:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=66638"},"modified":"2021-04-12T07:11:16","modified_gmt":"2021-04-12T05:11:16","slug":"journal-sonntag-11-april-2021-ein-bisschen-fruehling-im-suedfriedhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2021\/04\/journal-sonntag-11-april-2021-ein-bisschen-fruehling-im-suedfriedhof.htm","title":{"rendered":"Journal Sonntag, 11. April 2021 &#8211; Ein bisschen Fr\u00fchling im S\u00fcdfriedhof"},"content":{"rendered":"<p>Lang geschlafen, bis sieben, das machte die n\u00e4chtlichen Unterbrechungen wett. Nach dem Aufwachen erst mal Rolll\u00e4den hochgezogen, mit Brille und mehr Kopfkissen zur\u00fcck ins Bett und auf Park und Himmel geschaut. Das Wetter wechselte gestern zwischen Wolken und Sonne mit \u00fcberwiegend Sonne.<\/p>\n<p>Vormittags meine w\u00f6chentliche Runde Quietschknarzklack auf dem Crosstrainer. Vor dem Fenster Natur inklusive Tauben, die ich bereits vom Balkon kannte und inzwischen unterscheiden kann: Wei\u00dfb\u00e4ckchen, Lochschwanz, Shabby.<\/p>\n<p>Ein bisschen ins Drau\u00dfen zum Semmelholen, in der Sonne war es T-Shirt-warm. Ich machte einen kleinen Umweg, um nach dem Alten S\u00fcdfriedhof zu schauen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210411_06_AlterSuedfriedhof.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210411_06_AlterSuedfriedhof.jpg\" alt=\"\" width=\"431\" height=\"582\" class=\"alignnone size-full wp-image-66658\" \/><\/a><\/p>\n<p>Einige B\u00e4rlauchsammleri*nnen, zum Teil mit gro\u00dfen Plastikk\u00f6rben; ich roch den B\u00e4rlauch, obwohl er noch nicht bl\u00fchte.<\/p>\n<p>Zum Fr\u00fchst\u00fcck zwei Semmeln und ein St\u00fcckchen Cheese-and-Onion-Pie. Der Pie war ja als besonders Picknick-geeignet deklariert &#8211; kalt ist er allerdings deutlich wuchtiger als warm.<\/p>\n<p>Internetlesen, im besonnten Sessel las ich die Wochenend-<i>S\u00fcddeutsche<\/i>, au\u00dferdem holte ich die vom Freitag nach.<\/p>\n<p>Eine Runde Yoga in der Sonne (ab Montag zeigt die Wetter-App wieder Schneesymbole).<\/p>\n<p>Herr Kaltmamsell sorgte f\u00fcrs Nachtmahl, ich bereitete Bulgur-Salat f\u00fcr uns beide als Montags-Brotzeit zu, mit viel Petersilie und einer Karotte aus Ernteanteil, au\u00dferdem roter Paprika und Datteltomaten.<\/p>\n<p>Das Nachtmahl dann:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210411_07_Nachtmahl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210411_07_Nachtmahl.jpg\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"444\" class=\"alignnone size-full wp-image-66659\" \/><\/a><\/p>\n<p>Tellerfleisch aus B\u00fcrgermeisterst\u00fcck (g\u00f6ttlich) mit Meerrettichsauce und Salzkartoffeln. Ich hatte Lust auf ein Glas Ros\u00e9 dazu. Danach Osterschokolade.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Auf diesen Artikel in der Wochenend-<i>S\u00fcddeutschen<\/i> hatte ich mich nach der Ank\u00fcndigung mit Abonnenten-Newsletter gefreut (\u20ac):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/leben\/erbe-gerechtigkeit-steuer-konsum-1.5257448?reduced=true\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Erben f\u00fcr alle&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Barbara Vorsamer schreibt \u00fcber die soziale Ungleichheit in unserem Land durch Verm\u00f6gen &#8211; doch sie ist nicht etwa (wie sonst fast alle Autor*innen zum Thema) jemand, die mit dem Nicht-Erben klarkommen muss, sondern geh\u00f6rt zur erbenden Schicht, in der viele von den Verwandten mehr Geld bekommen, als sie selbst jemals durch Erwerbsarbeit verdienen werden. (Es gibt also durchaus bedingungsloses Grundeinkommen &#8211; halt nur nicht vom Staat.) Vorsamer findet das nicht nur ausgesprochen ungerecht, sondern kritisiert auch die fehlende Selbstwahrnehmung von Verm\u00f6genden als verm\u00f6gend.<\/p>\n<blockquote><p>Wer aber zugleich behauptet, Mittelklasse zu reisen und dann allen Mitreisenden die Aussicht vom Oberdeck beschreibt, gibt allen anderen das Gef\u00fchl, einfach zu bl\u00f6d zum Aus-dem-Fenster-Schauen zu sein. W\u00e4hrend dieser Text entsteht, spreche ich mit vielen Leuten \u00fcber Geld, zum Beispiel mit einem Unternehmensberater-Paar, das gemeinsam eine Viertelmillion im Jahr verdient, mit einer Grafikerin, die in der Eigentumswohnung ihrer Oma lebt, und mit einem Rentner, der sein H\u00e4uschen im Speckg\u00fcrtel M\u00fcnchens abgezahlt hat. Alle protestieren beleidigt, wenn ich sie als reich bezeichne.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Weil man sich aber nur ungern eingesteht, Profiteur der Verh\u00e4ltnisse zu sein, redet man den eigenen Wohlstand klein. Dann sinkt der Preis der Eigentumswohnung im Small Talk um 100 000 Euro, womit man den anderen allerdings das Gef\u00fchl gibt, den Immobilienmarkt nicht richtig zu durchschauen. Das Designer-Sofa? War ganz g\u00fcnstig, Zufallsfund. Die Ferienwohnung in Kitzb\u00fchel? Haben meine Eltern schon eeewig, fr\u00fcher war es ja auch noch gar nicht so teuer da. Diese Pseudo-Bescheidenheit ist oft nett gemeint. Tats\u00e4chlich aber lassen solche S\u00e4tze weniger Privilegierte verzweifeln. An der eigenen Arbeitskraft, dem eigenen Geschick, dem eigenen Wert. Wieso schaffen die das und ich nicht? Vielleicht sollte man lieber sagen: Ich habe eine Viertelmillion geerbt und kann mir das leisten, du halt nicht, sorry.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch die Autorin bemerkt, wann sie an die Grenzen ihres Ungerechtigkeitsgef\u00fchls kommt:<\/p>\n<blockquote><p>Am wichtigsten aber w\u00e4re es, politisch f\u00fcr Ver\u00e4nderung zu k\u00e4mpfen, allem voran f\u00fcr h\u00f6here Erbschaftssteuern und eine Verm\u00f6gensabgabe. Und dann sagt Julia Friedrichs noch: &#8220;Das Finanzministerium hat ein Spendenkonto.&#8221;<\/p>\n<p>Echt jetzt? Das Geld, das ich geschenkt bekommen habe, lag deutlich unter der Bemessungsgrenze f\u00fcr die Erbschaftssteuer. Ich finde das nat\u00fcrlich falsch, ich finde die Erbschaftssteuer zu niedrig, die Bemessungsgrenze zu hoch, doch so geht es mir auch mit der Pendlerpauschale oder dem Ehegattensplitting. Finde ich alles nicht gut, taucht aber alles in meiner Steuererkl\u00e4rung auf, und ich zahle keinen Euro mehr an den Fiskus als ich muss. Ist das wohlfeil? Eine h\u00f6here Erbschaftssteuer theoretisch richtig finden, aber praktisch nichts freiwillig rauszur\u00fccken, solange mich die Politik nicht dazu zwingt? In Gedanken rechtfertige ich mich vor mir selbst: Ich zahle doch nicht freiwillig Erbschaftssteuer an einen Staat, der dann damit seine Schulden bezahlt, da spende ich das Geld doch lieber.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Zur Sicherheit: Auch ohne Erbe und Verm\u00f6gen bezeichne ich mich regelm\u00e4\u00dfig als reich, weil ich das mit unserem monatlichen Haushaltseinkommen nunmal bin &#8211; und weil ich gerne damit provoziere.)<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Laurie Penny ist k\u00fcrzlich von Los Angeles zu ihrem Partner nach Australien gezogen (inkl. 14 Tage Hotel-Quarant\u00e4ne ab Einreise). Sie berichtet von dem schlagartigen Wechsel von Corona-Alptraumleben zu einer Welt ohne Corona &#8211; in der noch dazu niemand nachvollziehen kann, was sie durchgemacht hat.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/pennyred.medium.com\/a-report-from-the-after-times-201c9f313515\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;A Report from the After Times&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Jetzt versp\u00fcre ich die Sehnsucht, meinen gesamten derzeit verf\u00fcgbaren Urlaub von 45 Tagen (wegen langer OP-Abwesenheit viel Resturlaub aus dem Vorjahr) September\/Oktober im australischen Fr\u00fchling zu verbraten, davon halt zwei Wochen in einem sch\u00f6nen Hotelzimmer eingesperrt. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/e7ffef7013b04f5db9ab2258513e5853\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lang geschlafen, bis sieben, das machte die n\u00e4chtlichen Unterbrechungen wett. 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