{"id":67382,"date":"2021-05-14T07:20:30","date_gmt":"2021-05-14T05:20:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=67382"},"modified":"2021-05-15T09:10:51","modified_gmt":"2021-05-15T07:10:51","slug":"journal-donnerstag-13-mai-2021-christi-himmelfahrt-mit-regen-und-kaelte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2021\/05\/journal-donnerstag-13-mai-2021-christi-himmelfahrt-mit-regen-und-kaelte.htm","title":{"rendered":"Journal Donnerstag, 13. Mai 2021 &#8211; Christi Himmelfahrt mit Regen und K\u00e4lte; Ruth Kl\u00fcger, <i>weiter leben: Eine Jugend<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Das Ausschlafen genossen. Drau\u00dfen regnete es, und das blieb den ganzen Tag so.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210513_01_StMatthaeus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-67396\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210513_01_StMatthaeus.jpg\" alt=\"\" width=\"363\" height=\"484\" \/><\/a><\/p>\n<p>Impffolgen: Keine bis auf einen leicht schmerzenden Impfarm, die Einstichgegend ber\u00fchrungsempfindlich.<\/p>\n<p>Der Crosstrainer ist vorerst au\u00dfer Betrieb, nachdem eine Analyse des neuerlichen Klapperns lose, m\u00f6glicherweise abgebrochene Schrauben an der dicken Mittelstange im zentral tragenden \u00dcbergang zum Bodenteil ergeben hatten. Um dennoch zu Schwitzsport zu kommen, folgte ich einem YouTube-Hinweis zu einem <a href=\"https:\/\/youtu.be\/lr6WPH7CQm8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>Mama mia Dance Workout<\/i><\/a>. Mit beiden Folgen hintereinander kam ich zumindest auf eine halbe Stunde, schwitzte auch, doch Spa\u00df machte mir das Hopsen, Springen, Beugen auf der Stelle nicht. Auch wenn die atomar strahlende Vorturnerin auf dem gleichen Parkettboden hopste wie ich. Gro\u00dfe Sehnsucht nach einer Gruppenstunde Aerobics mit ordentlich Choreografie &#8211; ich bin gespannt, ob ich das nochmal erlebe.<\/p>\n<p>In einer Regenpause (Zufall) holte ich Fr\u00fchst\u00fcckssemmeln. Die Au\u00dfentische von Caf\u00e9s im Glockenbachviertel waren bewirtschaftet (die Inzidenz liegt in M\u00fcnchen seit einer Woche unter 100), daran sa\u00dfen tapfer Menschen in dicken Jacken unter Schirmen und fr\u00fchst\u00fcckten.<\/p>\n<p>Das machte ich dann doch lieber im Warmen und Trockenen daheim bei einem weiteren Milchkaffee &#8211; aber ich freue mich schon sehr auf Zeiten, in denen ich wieder ausw\u00e4rts fr\u00fchst\u00fccken kann.<\/p>\n<p>Trotz Feiertag bekamen wir unseren donnerst\u00e4glichen Ernteanteil, allerdings nicht an den gewohnten Verteilerpunkt in einem B\u00fcro ums Eck geliefert &#8211; wegen Feiertag geschlossen -, sondern an einen im Westend. Am fr\u00fchen Nachmittag spazierten wir im Regen zu zweit dorthin und holten ihn.<\/p>\n<p>Es hatte sich \u00fcber die vergangenen Wochen B\u00fcgelw\u00e4sche angesammelt, die ich abarbeitete. Trotz seltener Gelegenheit hatte ich keine Lust auf Podcast, sondern auf Musik: Wir beseitigen gerade unsere CDs bis auf wenige Erinnerungsst\u00fccke, Herr Kaltmamsell zieht die Musik davon auf Festplatte. Und so shufflete ich mich gestern durch die f\u00fcnf Dire Straits-CDs des Haushalts \u00fcber die kabellosen Kopfh\u00f6rer, die ich mir f\u00fcrs Crosstrainerstrampeln zugelegt hatte. Wenn man draufdr\u00fcckt, wird die Musik auf dem mit Bluetooth verbundenen Ger\u00e4t gestartet oder gestoppt. Das ist nicht ganz geschickt, weil das derselbe Handgriff ist, mit dem ich die In-Ear-P\u00f6ppel ins Ohr dr\u00fccke, andererseits f\u00fchlt sich die Geste immer sehr Lieutenant Uhura an.<\/p>\n<p>Nachmittagssnack Orange und Maracuja mit Joghurt. Lesen, Yoga &#8211; eine Folge, die ich ebenfalls nicht nochmal brauche.<\/p>\n<p>Schlichtes aber gutes Abendessen aus Vorhandenem: Ich kochte Ernteanteil-Kartoffel, die es mit Kochk\u00e4s und Resten des vorabendlichen Basilikum\u00f6ls gab, dazu bereitete ich den eben abgeholten Salat mit Tahini-Dressing zu.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_klueger.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-66947\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_klueger.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"231\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ruth Kl\u00fcgers <i>weiter leben: Eine Jugend<\/i> hatte ich vor ein paar Tagen ausgelesen, durchgehend gefesselt und bereichert davon. Ich hatte Frau Kl\u00fcger 2012 in Klagenfurt erlebt, wo die kluge, sch\u00f6ne greise Frau <a href=\"https:\/\/kaernten.orf.at\/v2\/news\/stories\/2539872\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die &#8220;Rede zur Literatur&#8221; gehalten hatte<\/a>, die Notizen dazu auf einem Kindle in der Hand (wie jeder und jede erw\u00e4hnen, die dabei waren). Ihr Tod vergangenes Jahr hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich noch nichts von ihr gelesen hatte, das wollte ich \u00e4ndern.<\/p>\n<p>An ihren Jugenderinnerungen gefiel mit von Anfang an der pers\u00f6nliche, oft m\u00fcndliche Tonfall. Anders als in vielen Autobiografien ber\u00fchmter Menschen geht es ganz klar nicht um das Abhaken von historischen Hintergr\u00fcnden und das Aufz\u00e4hlen von Kontakten zu anderen ber\u00fchmtem Menschen. Kl\u00fcger weist immer wieder darauf hin, dass das nun mal ihr Leben sei und ihre ganz pers\u00f6nliche Holocaust-Geschichte &#8211; auch wenn gerade Letzteres zu vielen Vorstellungen davon nicht passe. Und immer wieder wehrt sie sich, in der erz\u00e4hlten Zeit oder beim Erz\u00e4hlen, gegen Einordnungen. Dagegen, dass Menschen wegen eines Details, das sie \u00fcber sie wussten, glaubten sie zu kennen: Kind. J\u00fcdin. KZ-\u00dcberlebende. Frau. \u00d6sterreicherin. Einwanderin. US-Amerikanerin. Und dann <i>ihr<\/i> erz\u00e4hlen wollten, wer sie sei und wie ihre Erlebnisse zu sehen seien &#8211; bis hin zum Paradoxon, dass ihr \u00dcberleben mehrerer Konzentrationslager und Transporte dazwischen als Beleg genommen wurde, dass es ja dann dort nicht so schlimm gewesen sei.<\/p>\n<p>Kl\u00fcgers Blick und Reflexion auf ihre Vergangenheit, auf sich und die Menschen in ihrer Umgebung sind immer erhellend und oft \u00fcberraschend, ich lernte viel Neues (und sei es, dass ich mir nie Gedanken \u00fcber die Schulbildung der Menschen gemacht hatte, die Kindheit und einen Teil ihrer Jugend in Ghettos und Konzentrationslagern verbringen mussten). Besonders fiel mir eine Passage auf, mit der sie beschreibt, wie sie in den USA an der Uni endlich Freundinnen fand, darunter eine, die in dem Buch den Namen Anneliese tr\u00e4gt.<\/p>\n<blockquote><p>Nachgelaufen bin ich ihr auch in Museen. Mein Kunstsinn ist gering, verglichen mit ihrem, und ich mu\u00df mir erst einreden oder einreden lassen, da\u00df etwas sch\u00f6n ist. Mich lockte die Statik des Gesammelten, die nicht von Umziehen, Herumziehen, Aufbruch und Abbruch bestimmt war. Ein Museum war wie ein Schwamm, der mich aufsaugt, eine geistige Suppe, die mich minderwertiges Gem\u00fcse w\u00fcrzt und gar kocht. Schmackhaftes, Abgeschmecktes war da vermischt, und keine Kartoffelschalen, die der Mensch nur aus Not fri\u00dft. <strong>Dazugeh\u00f6ren, einfach dadurch, da\u00df man hinschaut.<\/strong> Bibliotheken empfangen mich \u00e4hnlich, aber die versprechen nur (weil man die B\u00fccher ja nicht auf der Stelle lesen kann), w\u00e4hrend Museen ihr Versprechen gleich einl\u00f6sen, dir den Dinosaurus oder den Matisse zum sofortigen Genu\u00df servieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Schreibung original, Hervorhebung von mir.) Empfehlung. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/6f63e8579c664d1682739c365f8658fd\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Ausschlafen genossen. Drau\u00dfen regnete es, und das blieb den ganzen Tag so. Impffolgen: Keine bis auf einen leicht schmerzenden Impfarm, die Einstichgegend ber\u00fchrungsempfindlich. Der Crosstrainer ist vorerst au\u00dfer Betrieb, nachdem eine Analyse des neuerlichen Klapperns lose, m\u00f6glicherweise abgebrochene Schrauben an der dicken Mittelstange im zentral tragenden \u00dcbergang zum Bodenteil ergeben hatten. 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