{"id":67726,"date":"2021-05-28T06:39:35","date_gmt":"2021-05-28T04:39:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=67726"},"modified":"2023-05-11T16:49:05","modified_gmt":"2023-05-11T14:49:05","slug":"journal-donnerstag-27-mai-2021-der-wahrscheinlich-schoenste-einbauschrank-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2021\/05\/journal-donnerstag-27-mai-2021-der-wahrscheinlich-schoenste-einbauschrank-der-welt.htm","title":{"rendered":"Journal Donnerstag, 27. Mai 2021 &#8211; Der wahrscheinlich sch\u00f6nste Einbauschrank der Welt"},"content":{"rendered":"<p>Nachts zwischen zwei Aufwachen schlief ich \u00fcber vier Stunden am St\u00fcck, das war sch\u00f6n. Nach Aufwachen um f\u00fcnf allerdings nicht wieder eingeschlafen, das war doof.<\/p>\n<p>Aufgeregter Morgen, ich richtete alles f\u00fcr die Schreiner her. Drau\u00dfen regnete es unger\u00fchrt, beim Radeln in die Arbeit erwischte ich aber eine Phase mit nur leichtem Tr\u00f6pfeln. Mittlerweile m\u00fcssten wir doch \u00fcber &#8220;der Bauer braucht den Regen&#8221; hinaus sein, ich glaube, jetzt brauchen die Felder auch mal wieder Sonne zum Wachsen.<\/p>\n<p>In meiner Mittagspause radelte ich schnell heim zum Gr\u00fc\u00df-Gott-Sagen, bis dahin musste mich Herr Kaltmamsell per Twitter-DM mit Live-Details versorgen:<br \/>\n&#8220;Kleineres Bohren (hatte morgens noch Sicherungskasten freiger\u00e4umt, gute Idee), haupts\u00e4chlich Herauftragen aller Elemente.&#8221;<br \/>\n&#8220;Sie besprechen Dinge, unaufgeregt.&#8221;<br \/>\n&#8220;Sie messen.&#8221;<br \/>\n&#8220;Man bohrt etwas.&#8221;<br \/>\n&#8220;Jetzt s\u00e4gen und schneiden und messen und basteln sie. Dinge werden passend gemacht.&#8221;<br \/>\nIch geriet in Regen, konnte aber wirklich ein paar Worte mit zweien der drei Schreinerei-Herren wechseln. So aufregend!<\/p>\n<p>Das Mittagessen zur\u00fcck im B\u00fcro: Vollkornbrot mit Kochk\u00e4s, ein Apfel.<\/p>\n<p>Im Lauf des Nachmittags riss der Himmel auf, das Wetter spielte vor\u00fcbergehend wei\u00df-blauen Himmel. Doch dann wurde es wieder d\u00fcster und regnerisch.<\/p>\n<p>Nach Feierabend radelte ich schnell heim, verpasste die Schreiner aber knapp. Sie hinterlie\u00dfen: Einen Einbauschrank, der noch viel atemberaubender ist als erhofft.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210527_03_Wandschrank.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210527_03_Wandschrank.jpg\" alt=\"\" width=\"477\" height=\"346\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210527_04_Wandschrank.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210527_04_Wandschrank.jpg\" alt=\"\" width=\"338\" height=\"460\" class=\"alignnone size-full wp-image-67745\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich machte alles mal auf und atmete Holzduft ein. \u00dcber die n\u00e4chsten Tage r\u00e4ume ich ihn ein &#8211; und dann kann endlich unser restliches Zeug verplant werden.<\/p>\n<p>Zum Abendessen gab es Salat aus Ernteanteil und K\u00e4se, Nachtisch Schokolade.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Der Sch\u00f6pfer der <i>Kleinen Raupe Nimmersatt<\/i>, Eric Carle, ist gestorben (war sogar der <i>Tagesschau<\/i> eine Meldung wert). Das war meine liebste Kindergeschichte neben Pippi Langstrumpf (stark, autark): Unmengen k\u00f6stlicher Sachen essen und dadurch wundersch\u00f6n werden.<\/p>\n<p>Aus dem Nachruf erfuhr ich, dass die <i>Kleinen Raupe Nimmersatt<\/i> 1969, zwei Jahre nach meiner Geburt erschien &#8211; ich bin also Leserin der allerersten Kleinkind-Generation.<\/p>\n<p>Und &#8220;Aber satt war sie noch immer nicht&#8221; eignet sich f\u00fcr so viele, auch ess-ferne Situationen &#8211; Dank an den \u00dcbersetzer ins Deutsche, <a href=\"https:\/\/www.nwzonline.de\/kultur\/weser-ems\/kleine-raupe-entpuppt-sich-als-genial_a_1,0,470942377.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Viktor Christen, der als Verlagslektor das Buch und seinen Autor wohl f\u00fcr Deutschland entdeckt hat<\/a>. Ich finde den deutschen Titel auch viel sch\u00f6ner als das original englische <i>The Very Hungry Caterpillar<\/i>.<\/p>\n<p>Ich recherchierte den englischen Originaltext. &#8220;But he was still hungry&#8221; ist zum einen erheblich weniger kraftvoll als &#8220;Aber satt war sie noch immer nicht&#8221;, das man beim Vorlesen als Kind so sch\u00f6n mitsprechen konnte, zum anderen aber und vor allem: Im Englischen &#8220;he&#8221;! Damit h\u00e4tte ich mich sicher nicht so stark identifiziert wie mit der Raupe. Gleich mal als Beispiel zur Seite legen, wenn wieder mal jemand behauptet, im Deutschen gebe es ein &#8220;grammatikalisches Geschlecht&#8221;, das klar vom nat\u00fcrlichen abgrenzbar sei und keine Bedeutung trage. &#8211; Ernsthaft: Mich w\u00fcrde eine Untersuchung interessieren, ob die Rezeption des Buchs bei Kindern geschlechterspezifisch anders war\/ist im englischen und deutschen Sprachraum. Zumindest bilde ich mir ein, dass in deutschen &#8211; eher launigen &#8211; Kolumnen regelm\u00e4\u00dfig Frauen das Buch referenzieren, ich mich aber nicht an \u00c4hnliches im englischen Medien erinnere. &#8211; ZACK! Hausarbeitsthema<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Im bayerischen Deutsch-Abitur drehte sich eine w\u00e4hlbare Aufgabe um einen sehr lesenswerten <i>Zeit<\/i>-Essay von 2020:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2020-03\/diskriminierende-sprache-stigmatisierung-rassismus-begriffe-linguistik-10nach8\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Reden bedeutet Risiko&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Soziologie-Professorin Teresa Koloma Beck thematisiert und analysiert eine heikle Situation:<\/p>\n<blockquote><p>Das Sprechen \u00fcber diskriminierende und stigmatisierende Sprache macht uns verletzlich. Gerade deshalb ist es so wichtig, es zu tun. <\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Dar\u00fcber, was wie gesagt werden kann und wer wie bezeichnet werden sollte, wird in letzter Zeit wieder heftig gestritten. Zu Recht. Denn Sprache dient nicht nur der Verst\u00e4ndigung. Sie beeinflusst, was wir denken und uns vorstellen k\u00f6nnen und damit auch, wie wir die Welt und uns selbst in ihr erfahren und wie wir uns anderen Menschen zuwenden k\u00f6nnen. In diesem Sinne ist Sprache hochpolitisch. <\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>In der kritischen Auseinandersetzung mit stigmatisierender und diskriminierender Sprache geht es also \u2013 anders als die Gegner der sogenannten Political Correctness es h\u00e4ufig darstellen \u2013 um sehr viel mehr als pers\u00f6nliche Be- und Empfindlichkeiten. Es geht um M\u00f6glichkeiten sozialer und politischer Teilhabe. Diese sicherzustellen ist in Demokratien von zentraler Bedeutung. Darum ist die Debatte um angemessene Bezeichnungen richtig und wichtig.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Immer mal wieder werde ich in Gespr\u00e4chen im privaten oder beruflichen Umfeld aufgefordert, als eine Art Zeugin \u00fcber rassistische Erfahrung in Deutschland zu berichten. Dann versuche ich klarzustellen, dass ich zwar gern \u00fcber meine pers\u00f6nlichen Erfahrungen Auskunft gebe, diese jedoch in keiner Weise repr\u00e4sentativ sind; dass ein Gespr\u00e4ch mit mir keine abschlie\u00dfenden Antworten liefern, sondern nur ein Mosaikstein in einem Bild sein kann, das es zusammenzusetzen gilt. Rassismuserfahrungen sind vielgestaltig. Und die \u00f6ffentliche Debatte \u00fcber die Vielfalt des Ph\u00e4nomens hat in Deutschland eben erst begonnen.<\/p><\/blockquote>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/b47bbf467b76498096543005ecc4f5b7\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachts zwischen zwei Aufwachen schlief ich \u00fcber vier Stunden am St\u00fcck, das war sch\u00f6n. Nach Aufwachen um f\u00fcnf allerdings nicht wieder eingeschlafen, das war doof. Aufgeregter Morgen, ich richtete alles f\u00fcr die Schreiner her. Drau\u00dfen regnete es unger\u00fchrt, beim Radeln in die Arbeit erwischte ich aber eine Phase mit nur leichtem Tr\u00f6pfeln. 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