{"id":6777,"date":"2010-02-19T07:51:53","date_gmt":"2010-02-19T06:51:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=6777"},"modified":"2010-04-06T05:50:02","modified_gmt":"2010-04-06T04:50:02","slug":"journal-18-februar-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2010\/02\/journal-18-februar-2008.htm","title":{"rendered":"Journal 18. Februar 2008"},"content":{"rendered":"<p>Wenn es so lang kalt war (verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig, hier im S\u00fcden hatten wir es diesen Winter ja noch Gold), bekommt der Mensch ein neues Verh\u00e4ltnis zur Au\u00dfentemperatur. Als ich aus dem Haus ging, fand ich es mild. Umso mehr \u00fcberraschte mich, dass der leichte Regen auf den 20 Metern zwischen U-Bahn-Ausgang und Firmentor zu Eis geworden war. Ich rutschte aus und fiel auf die Knie. Nach dem Aufrappeln und weiteren drei Schritten gleich nochmal. Das Ergebnis: Meine blickdichte dunkelblaue Strumpfhose ist am linken Knie zerrissen (die ich unter anderem deshalb so gesch\u00e4tzt hatte, weil sie mir mit einem kleinen Etikett bedeutet hatte, wo hinten ist), das linke Knie ist aufgeschlagen wie bei einer lebhaften Siebenj\u00e4hrigen. Aber nichts schmerzt.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Nach Langem habe ich mal wieder einen guten Vorsatz: Die Nagelh\u00e4ute meiner Finger in Ruhe lassen &#8211; meine H\u00e4nde sehen immer aus wie die einer hyperaktiven Zw\u00f6fj\u00e4hrigen. Plus Falten. Und schlaffer Haut. Ich bin schon auf die Kombination mit Altersflecken gespannt. Wo war ich?<br \/>\nDoch erst wenn ich eine \u00e4hnliche Erscheinung bei anderen Erwachsenen bemerke, wird mir klar, wie unappetitlich und ungepflegt das wirkt. Diesen einen nerv\u00f6sen Tick werde ich mir doch wohl verkneifen k\u00f6nnen; bleibt ja immer noch <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/03\/ticks.htm\">das Haarefieseln<\/a>.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ausf\u00fchrliche Mittagspause mit einem Menschen, den ich vor vielen Jahren aus dem Blick verloren hatte. Jetzt werfe ich mir vor, ihn nicht mehr vermisst zu haben, denn seine Klugheit gepaart mit Warmherzigkeit findet man nun wirklich nicht an jeder Stra\u00dfenecke.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Die Kr\u00e4hen ziehen zur\u00fcck gen Osten. Im Abendlicht sah ich sie von meinem B\u00fcrofenster aus schwarmweise fortfliegen. (Hoffentlich sind die beiden Sch\u00e4tzchen nicht weg, die mich immer mit ihren Sturzfl\u00fcgen vom Dach hochschrecken &#8211; mein Schreibtisch am Fenster ist dicht unterm Dach; es sieht aus dem Augenwinkel aus, als falle gerade etwas Gro\u00dfes vom Dach.)<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>\u00dcber <a href=\" http:\/\/www.feministing.com\/archives\/020063.html\" target=_new>feministing<\/a> auf einen <a href=\"http:\/\/pbh3.tumblr.com\/post\/390543309\/1938-dating-guide-for-single-women\" target=_new><i>Dating Guide<\/i><\/a> f\u00fcr Frauen aus dem Jahr 1938 gesto\u00dfen. Die Illustrationen sind hinrei\u00dfend.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Zum ersten Mal afghanisch Essen gegangen &#8211; und sehr positiv \u00fcberrascht gewesen. Ethnische K\u00fcche ist meiner Erfahrung nach gerne mal durchschnittlich und verl\u00e4sst sich auf die \u00dcberzeugungskraft der Exotik. Doch im <a href=\" http:\/\/www.lemar-restaurant.de\" target=_new>Lemar in der Brunnstra\u00dfe<\/a> ist das anders. Zum einen beriet uns Herr Bedienung (m\u00f6glicherweise der Wirt, seine Haltung lie\u00df darauf schlie\u00dfen) eingehend: Als wir die gemischten Vorspeisen bestellen wollten, riet er ab, weil einige besondere Gerichte nicht enthalten seien. Ob wir zum ersten Mal hier seien? Er setzte sich zu uns, \u00fcberlegte, und empfahl uns dann eine ganz bestimmte Zusammenstellung von Vorspeisen. Diese stellte sich als ein echtes Geschmackserlebnis heraus: Neben Pakora-\u00e4hnlichem Backgem\u00fcse und Gurken-Minzjoghurt gab es n\u00e4mlich eine mit Hackfleisch gef\u00fcllte Auberginenrolle, die in einer mir v\u00f6llig neuen Kombination gew\u00fcrzt war &#8211; wir vermuteten neben Koriander und Kreuzk\u00fcmmel normalen K\u00fcmmel. Und dann war da der s\u00fc\u00df-scharfe, dunkelrote K\u00fcrbis: viel Zwiebel und m\u00f6glicherweise Rosenwasser machten die ordentlichen Sch\u00e4rfe ganz sch\u00f6n abgefahren. Als Hauptspeise hatte der Mitbewohner Lavastein-gegrilltes Lamm mit braun gebratenem Basmatireis mit Rosinen und Karotten bestellt &#8211; schmeckte ihm sehr gut, doch ich hatte einen weiteren Geschmacksknaller auf dem Teller: Gekochtes Lamm mit scharfer Linsenso\u00dfe in einem zusammengeklappten, Cr\u00eape-d\u00fcnnen Brotfladen. Die gro\u00dfen, zarten Fleischst\u00fccke hatten einen kr\u00e4ftigen Lammgeschmack (ich mag das) und waren umgeben von einer limettig-scharfen Linsenso\u00dfe mit viel Ingwer und Korianerbl\u00e4ttern &#8211; sagenhaft. Die Aromen erinnerten durchaus an die englisch-indische K\u00fcche, die ich sehr mag, hatten aber eine entschieden eigene Note.<\/p>\n<p>Dazu tranken wir einen kr\u00e4ftigen sardischen Wei\u00dfwein, Nuragus di Cagliari, der mit seinen Honig- und Kr\u00e4utergeschm\u00e4ckern gut gegenhielt.<\/p>\n<p>Bei Interesse unbedingt reservieren: Auch an einem Donnerstagabend war das Lokal bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt.<\/p>\n<p><b>Wetter:<\/b> Regnerisch, mild, tauend, nachmittags mit ein bisschen Sonne.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es so lang kalt war (verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig, hier im S\u00fcden hatten wir es diesen Winter ja noch Gold), bekommt der Mensch ein neues Verh\u00e4ltnis zur Au\u00dfentemperatur. Als ich aus dem Haus ging, fand ich es mild. 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