{"id":68228,"date":"2021-06-17T06:42:54","date_gmt":"2021-06-17T04:42:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=68228"},"modified":"2023-06-14T16:35:59","modified_gmt":"2023-06-14T14:35:59","slug":"journal-mittwoch-16-juni-2021-flaucher-nachtmahl-und-beifang-aus-dem-internetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2021\/06\/journal-mittwoch-16-juni-2021-flaucher-nachtmahl-und-beifang-aus-dem-internetz.htm","title":{"rendered":"Journal Mittwoch, 16. Juni 2021 &#8211; Flaucher-Nachtmahl und Beifang aus dem Internetz"},"content":{"rendered":"<p>Ungest\u00f6rte Nacht: Als am Vorabend auch zu mir durchgedrungen war, dass in M\u00fcnchen ein Fu\u00dfball-Europameisterschaft-Spiel mit Beteiligung der deutschen M\u00e4nner-Nationalmannschaft stattfinden w\u00fcrde, hatte ich n\u00e4chtlichen Auto-Hupkorso bef\u00fcrchtet (M\u00fcnchnerinnen und M\u00fcnchner sind zu 30 Prozent zugewandert, irgendwer freut sich immer). Doch die gr\u00f6\u00dfte Gefahr, ein Sieg der deutschen Mannschaft, war nicht eingetreten.<\/p>\n<p>Dennoch endete diese Nacht schon um f\u00fcnf, ich konnte nicht mehr einschlafen.<\/p>\n<p>Der Morgen war wieder frisch, hatte sich aber bereits bis zu meinem Arbeitsweg ziemlich erw\u00e4rmt.<\/p>\n<p>Beruflich Wahnwitziges erfahren, aber auch Multimedia-Beispiele im Technikjournalismus geguckt.<\/p>\n<p>Mittagessen eine Breze sowie Quark mit Erdbeeren (wir hatten am Vorabend nicht die ganze Sch\u00fcssel leergegessen, ich hatte mir eine ordentliche Portion abgezweigt). Mein Hofgang in der Mittagssonne war durch eine sch\u00f6ne Brise nicht zu hei\u00df.<\/p>\n<p>Immer wieder (von 6 bis 22 Uhr) checkte ich auf den Buchungs-Websites von Schyren- und Dantebad, ob den Sonntag f\u00fcr einen Schwumm reservieren konnte. Ein paar Stunden war das System komplett unerreichbar. Danach lernte ich zumindest schon mal, das kurz nach Mittag Slots f\u00fcr denselben Tag freigeschaltet werden &#8211; die dann auch schnell gebucht sind.<\/p>\n<p>Es ist vermutlich technisch einfacher, dass man immer nur Ganztagestickets buchen kann, praxisn\u00e4her w\u00e4re es, separat Schwimmtickets f\u00fcr den Vormittag buchen zu lassen. Gerade ins Schyrenbad gehen extra-pandemisch viele mit reinen Bewegungsambitionen. In die Sonne legen kann ich mich bei Bedarf auch an der Isar.<\/p>\n<p>Nach Feierabend ging ich flott heim und holte Herrn Kaltmamsell zu unserer Abendverabredung ab: Biergarten-Abendessen am Flaucher.<\/p>\n<p>Es war doch sehr warm geworden, entsprechend voll waren die Ufer der Isar.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210616_01_Isar.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210616_01_Isar.jpg\" alt=\"\" width=\"576\" height=\"513\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p>Dass es auch im Flaucher-Biergarten sehr voll war, \u00fcberraschte mich dann doch &#8211; eigentlich ist der mein Tipp f\u00fcr &#8220;Da gibt es immer Platz&#8221;. Hatte nat\u00fcrlich auch damit zu tun, dass an den Tischen immer nur eine Gesellschaft sa\u00df, eigentlich r\u00fcckt man im Biergarten zusammen. Und dass M\u00fcnchen nicht nur nach der langen Gastro-Schlie\u00dfung, sondern auch nach der langen Fr\u00fchlingsk\u00e4lte Biergarten-ausgehungert ist.<\/p>\n<p>Ich hatte mich den ganzen Tag schon auf ein halbes Brathendl gefreut &#8211; auch wenn es sehr wahrscheinlich ein Qu\u00e4l-Hendl war. Herr Kaltmamsell entschied sich f\u00fcr Obatzten mit Riesenbreze. Dazu gab es ein Radler f\u00fcr ihn und ein Rhabarber-Schorle f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Es wurde immer voller, die Menschen standen ratlos mit vollen Tellern in der einen, Bierkrug in der anderen Hand zwischen den besetzten Tischen. Wir machten gleich nach dem Essen Platz und spazierten durch die schattigen Auen heim. Ich bog in die Kapuzinerstra\u00dfe, weil uns dort wundervolles Licht entgegenschien.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210616_03a_Kapuzinerstr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210616_03a_Kapuzinerstr.jpg\" alt=\"\" width=\"453\" height=\"453\" class=\"alignnone size-full wp-image-68241\" srcset=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210616_03a_Kapuzinerstr.jpg 453w, https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210616_03a_Kapuzinerstr-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/210616_03a_Kapuzinerstr-144x144.jpg 144w\" sizes=\"auto, (max-width: 453px) 100vw, 453px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Am Dienstag also Er\u00f6ffnung des neuen LMU-Klinikums, das uns sechs Jahre Baustelle vor der Haust\u00fcr bescherte (und immer noch dreist\u00f6ckige Baucontainer in der Aussicht), hier der <i>SZ<\/i>-Bericht f\u00fcr die pers\u00f6nliche Chronik verlinkt:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-lmu-klinikum-innenstadt-eroeffnung-1.5322939\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Lieblingsplatz? &#8216;Der Schockraum'&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Darin ab n\u00e4chste Woche: &#8220;die Notfallmedizin des LMU-Klinikums, und mit ihr insgesamt zw\u00f6lf Fachdisziplinen&#8221;. Dienstagfr\u00fch war ich bereits vorm Neubau an einer Pausenraucherin in Medizinerinnenkluft (blaue <i>scrubs<\/i>) vorbeigelaufen, der Laden war offensichtlich bereits in Betrieb.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Sebastian B\u00e4hr schreibt \u00fcber seine Eltern, die vor seinen Augen in einer immer h\u00e4rteren Arbeitswirklichkeit kaputt gehen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/gesellschaft\/eltern-linke-und-klassengesellschaft-all-die-klugen-buecher-helfen-mir-hier-nicht-weiter\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;All die klugen B\u00fccher helfen mir hier nicht weiter&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Meine Eltern hatten sich kurz vor dem Ende der DDR in einer M\u00e4hdrescherfabrik in Sachsen kennengelernt. Nach der Wende verlor der Osten seine Industrie, beide verloren ihre Arbeit und die Plattenbauten, in denen wir lebten, ihren guten Ruf. Ich war noch klein, meine Eltern entschieden sich gegen ein zweites Kind. Nach Jahren der Ungewissheit fanden beide feste Anstellungen, nicht allen in meiner erweiterten Familie war das verg\u00f6nnt. Meine Mutter landete in einer kleinen B\u00fcroniederlassung eines westdeutschen Mittelstandsbetriebs, mein Vater in einem neu er\u00f6ffneten Supermarkt am Stadtrand.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Unter der rot-gr\u00fcnen Bundesregierung wurde im Jahr 2000 dann die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifvertr\u00e4ge im Einzelhandel aufgehoben \u2013 Preiskrieg, Lohndumping und Kostenwettbewerb waren die neuen Schlagworte in der Branche. Einige Zeit danach begann es auch bei ihm schrittweise h\u00e4rter zu werden. Extrazahlungen strich man zusammen, die Kolleg*innen wurden weniger, die Stimmung gereizter.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Mein Vater war weder der erste noch der letzte, der in seinem Markt einen Burnout erlitten hatte. Nach seiner stufenweisen R\u00fcckkehr mit dem Hamburger Modell war er einige Monate in der Telefonzentrale, zuletzt musste er h\u00e4ufiger an der Kasse arbeiten. Hier finden sich auch die Kolleg*innen, die nicht mehr so viel Energie zum Laufen und Tragen haben. Die monotone T\u00e4tigkeit ist f\u00fcr ihn mit Scham und weiterer Entfremdung verbunden.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Warum sollte das relevant sein? Ich glaube: Weil sich in meiner Ohnmacht gegen\u00fcber der Lage meines Vaters auch die derzeitige Unf\u00e4higkeit der gesellschaftlichen Linken spiegelt, f\u00fcr die Klasse der Ausgebeuteten und Unterdr\u00fcckten eine relevante Rolle zu spielen. Im Leben meiner Eltern hatte es die ganzen letzten drei Jahrzehnte keine organisierten Solidarstrukturen gegeben, die ihnen bei konkreten Problemen geholfen haben oder deren Hilfsannahme f\u00fcr sie eine naheliegende Option gewesen w\u00e4re. Im Endeffekt waren Freundschaften \u2013 sofern man f\u00fcr sie noch Kraft und Zeit hatte \u2013 sowie letztlich die Familie f\u00fcr das Aushalten und Kompensieren der kapitalistischen Zust\u00e4nde verantwortlich.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Der Biologe David Spencer, Forscher an der RWTH Aachen erkl\u00e4rt, warum Gr\u00fcne Gentechnik seiner Meinung nach ein \u00d6ko-Fortschritt ist. (Wussten Sie, dass ganze Generationen von Pflanzen durch radioaktive Bestrahlung entstanden sind &#8211; und dass diese bis heute als &#8220;klassischer Z\u00fcchtungsprozesse&#8221; gilt?)<\/p>\n<div class=\"video-wrapped\" style=\"width: 500px; height: 281px; background-image: url('https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-content\/plugins\/video-embed-privacy\/preview\/BDt__1ngkF0.jpg')\" data-embed-frame=\"&lt;iframe title=&quot;Vorurteile Gr\u00fcne Gentechnik?  (Teil 2 der Interview-Highlights mit David Spencer)&quot; width=&quot;500&quot; height=&quot;281&quot; src=&quot;https:\/\/www.youtube.com\/embed\/BDt__1ngkF0?feature=oembed&quot; frameborder=&quot;0&quot; allow=&quot;accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share&quot; referrerpolicy=&quot;strict-origin-when-cross-origin&quot; allowfullscreen&gt;&lt;\/iframe&gt;\" data-embed-play=\"Abspielen&lt;div class=&quot;small&quot;&gt;Das Video wird von Youtube eingebettet abespielt. Es gilt die &lt;a href=&quot;https:\/\/www.google.com\/intl\/de\/policies\/privacy\/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Datenschutzerkl\u00e4rung von Google&lt;\/a&gt;&lt;\/div&gt;\">\n<div class=\"video-wrapped-nojs\">Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.<br \/><a href=\"https:\/\/youtu.be\/BDt__1ngkF0\">https:\/\/youtu.be\/BDt__1ngkF0<\/a><\/div>\n<\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/19e1f00e20a24025b72485c6494d08fb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ungest\u00f6rte Nacht: Als am Vorabend auch zu mir durchgedrungen war, dass in M\u00fcnchen ein Fu\u00dfball-Europameisterschaft-Spiel mit Beteiligung der deutschen M\u00e4nner-Nationalmannschaft stattfinden w\u00fcrde, hatte ich n\u00e4chtlichen Auto-Hupkorso bef\u00fcrchtet (M\u00fcnchnerinnen und M\u00fcnchner sind zu 30 Prozent zugewandert, irgendwer freut sich immer). 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