{"id":69690,"date":"2021-08-13T06:50:30","date_gmt":"2021-08-13T04:50:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=69690"},"modified":"2021-08-13T08:23:50","modified_gmt":"2021-08-13T06:23:50","slug":"journal-donnerstag-12-august-2021-luxemburger-besuch-trezza-azzopardi-the-hiding-place","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2021\/08\/journal-donnerstag-12-august-2021-luxemburger-besuch-trezza-azzopardi-the-hiding-place.htm","title":{"rendered":"Journal Donnerstag, 12. August 2021 &#8211; Luxemburger Besuch, Trezza Azzopardi, <i>The Hiding Place<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Gut geschlafen, aber zu kurz. Beim Weckerklingeln ist es jetzt noch fast dunkel: Ich muss nachts die Rolll\u00e4den nicht mehr herablassen, weil mich die Morgensonne nicht mehr weckt.<\/p>\n<p>Arbeitsweg in einem weiteren herrlichen Sommertag, nur leicht dunstig. Am Himmel sah ich noch einmal zwei, einmal einen Mauersegler am Himmel, ganz weit oben.<\/p>\n<p>Mittags Orange, Feigen, Maracuja mit Sahnequark.<\/p>\n<p>Immer noch happy \u00fcber die Erfindung von Oberschenkelb\u00e4ndern (Bandelettes) und \u00fcber deren Erwerb &#8211; R\u00f6cke und Kleider ohne Strumpfhosen machen jetzt auch bei Hitze im Sommer so richtig Spa\u00df. Allerdings stelle ich bei der j\u00fcngsten Erwerbung (also vor drei Jahren) Qualit\u00e4tsm\u00e4ngel fest: Die Silikonschicht l\u00f6st sich in Fetzen.<\/p>\n<p>Auf dem Heimweg kurze Eink\u00e4ufe beim Vollcorner: Kefir, Quark, H\u00fcttenk\u00e4se.<\/p>\n<p>Zu Hause hatte ich noch Zeit f\u00fcr eine Runde Yoga mit R\u00fccken\u00fcbungen, derzeit zwickt es ein wenig im Kreuz, bevor es klingelte: Der Besuch aus Luxemburg kam zum Abendessen. Der Ernteanteil hatte die Zutaten f\u00fcr Gazpacho geliefert (die genaue Zusammenstellung ergibt sich erfahrungsgem\u00e4\u00df nur einmal im Jahr) Herr Kaltmamsell hatte ihn bereits kaltgestellt. W\u00e4hrend er und Besuch auf dem K\u00fcchenbalkon Aperol Spritz in der einsetzenden Abendd\u00e4mmerung tranken, verarbeitete ich den Blattsalat aus Ernteanteil und r\u00fchrte ein Tahini-Dressing.<\/p>\n<p>Jetzt stand die Sonne tief genug, dass wir im Wohnzimmer alle Rolll\u00e4den hochziehen konnten und die Balkont\u00fcr \u00f6ffneten. Es gab Gazpacho, zum Salat servierte Herr Kaltmamsell Spaghetti mit Agretti und ger\u00f6steten Pinienkernen. Nachtisch war Schokolade aus Luxemburg, der Besuch hatte <a href=\"https:\/\/www.oberweis.lu\/de_DE\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">von der legend\u00e4ren Konditorei Oberweis<\/a> die Sorten mit karamelisierte Mandeln, mit ger\u00f6steten Haseln\u00fcsse sowie Mandelpraline mit Sesamkrokant mitgebracht &#8211; sensationell.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_azzopardi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_azzopardi.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"230\" class=\"alignnone size-full wp-image-69507\" \/><\/a><\/p>\n<p>Frau Br\u00fcllen beschreibt ihre aktuelle Lekt\u00fcre mit <a href=\"https:\/\/bruellen.blogspot.com\/2021\/08\/110821-erste-male.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;nix, was mich gef\u00fchlsm\u00e4ssig besonders mitnimmt&#8221;<\/a>, und vielleicht sollte das in n\u00e4chster Zeit mein Hauptkriterium bei der Auswahl werden: <i>The Hiding Place<\/i> von Trezza Azzopardi, das ich gestern auslas, ist zwar richtig, richtig gut &#8211; aber das Elend dieser bitterarmen Kindheit unter maltesischen Einwanderern im Cardiff der 1960er, ohne Verb\u00fcndete und unter b\u00f6sartigen Geschwistern, ist schon belastend. Die Struktur des Romans zeichnet vergrabene entsetzliche Erinnerungen nach. Das meiste wird aus der Ich-Perspektive der ein- bis f\u00fcnfj\u00e4hrigen Dolores erz\u00e4hlt, die viele Details wahrnimmt (aus dem titelgebenden Versteck), aber uninterpretiert oder falsch eingeordnet\/gewichtet wiedergibt (es wird sogar aus ihrer Perspektive als Baby erz\u00e4hlt, das nach vielen T\u00f6chtern endlich ein Sohn h\u00e4tte werden sollen &#8211; und eine so bittere Entt\u00e4uschung ist, dass man sich scheut, es dem gewaltt\u00e4tigen Vater auch nur mitzuteilen).<\/p>\n<p>Andere Passagen sind aus der Perspektive der komplett \u00fcberforderten Mutter erz\u00e4hlt, weitere aus der des Vaters, der die Familie mit seiner Spielsucht in noch gr\u00f6\u00dferes Ungl\u00fcck bringt. Viele der sachlich erz\u00e4hlten Details legen eine Interpretation nahe, die sich erst gegen Ende als falsch erweist: Als sich einige der mittlerweile erwachsenen Geschwister zur Beerdigung der Mutter treffen (und sind dann noch schlimmer, als es vorher geschildert, oder besser angedeutet wurde). <\/p>\n<p>Interessanterweise erzeugt Azzopardi in diesem ersten Roman von 2000 die w\u00fcrgend hoffnungslose Atmosph\u00e4re, indem gerade <i>nicht<\/i> Gef\u00fchle vorkommen oder innere Vorg\u00e4nge. So wie man beim Stolpern erst den Sto\u00df registriert und dann den Schmerz, bleibt es hier bei der Beschreibung der St\u00f6\u00dfe &#8211; es herrscht fast durchgehend die Erstarrung des Entsetzlichen. Und ich fand gut, dass am Ende auch nicht alle Lebenswege zu Ende erz\u00e4hlt werden, einige wichtige Personen bleiben als schmerzhafte L\u00fccke; sie sind verschwunden und werden das im Leben der Hauptperson Dolores auch immer bleiben. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/363c5148e3be402a94d0eacd8ef78a47\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gut geschlafen, aber zu kurz. Beim Weckerklingeln ist es jetzt noch fast dunkel: Ich muss nachts die Rolll\u00e4den nicht mehr herablassen, weil mich die Morgensonne nicht mehr weckt. Arbeitsweg in einem weiteren herrlichen Sommertag, nur leicht dunstig. Am Himmel sah ich noch einmal zwei, einmal einen Mauersegler am Himmel, ganz weit oben. 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