{"id":709,"date":"2005-01-12T16:21:37","date_gmt":"2005-01-12T15:21:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/01\/a-dance-to-remember.htm"},"modified":"2024-08-31T06:58:01","modified_gmt":"2024-08-31T04:58:01","slug":"a-dance-to-remember","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/01\/a-dance-to-remember.htm","title":{"rendered":"A dance to remember"},"content":{"rendered":"<p><i>Oder: Als Euterpe und Terpsichore zusammen einen heben gingen.<\/i><\/p>\n<p>Chorfestival in Aschaffenburg, Mitte der 80er. Ich hatte mit meinem Jugendchor teilgenommen, hier einen Wettbewerbsauftritt gehabt, dort ein Konzert gegeben. Wir f\u00fchlten uns all den anderen Ch\u00f6ren, die ja so furchtbar arrogant waren, weit \u00fcberlegen. Dennoch lie\u00dfen wir uns dazu herab, aufs Abschlussfest zu gehen.<\/p>\n<p>Die Feier fand in einer klassischen Dreifachturnhalle mit grellem Licht statt und war sehr rustikal. Als ich mit einigen Mits\u00e4ngerinnen ankam, spielte schon l\u00e4ngst die Kapelle. &#8211; Die Kapelle! Eine echte Tanzkapelle! Damals war ich begeistertes Tanzschul-Mitglied und hatte bereits schmerzlich festgestellt, dass die Zeit, in der es regelm\u00e4\u00dfig \u00f6ffentliche Gelegenheiten f\u00fcr diese Art der Bewegung gab, so gut wie vorbei war. (Noch heute tr\u00e4ume ich von den amerikanischen Lokalen der 40er und 50er, in denen man ein gepflegtes Steak essen konnte und zu Live-Musik tanzen. Zu viele Perry-Mason-Romane gelesen, vermutlich.) Hier w\u00e4re eine der seltenen Gelegenheit gewesen &#8211; und ich sa\u00df ohne Partner da.<\/p>\n<p>Den Gespr\u00e4chen am Biertisch konnte ich kaum folgen, solch eine Sehnsucht l\u00f6sten die Musik und der Anblick der tanzenden Paare aus. Gleichzeitig wollte ich nat\u00fcrlich auf keinen Fall zu bed\u00fcrftig aussehen, das w\u00e4re ja noch sch\u00f6ner gewesen.<br \/>\nDoch dann wurde auch noch mein geliebter Tango gespielt&#8230;!<\/p>\n<p>Da trat der Franz vor mich hin. Mit dem Franz, gerne auch Frrrrunz genannt, hatte ich immer viel gelacht, er war ein lustiger Kerl. Aber er war auch ein untersetzter Tenor und mit seinem ungepflegten,  sch\u00fctteren Haar, seiner unmodischen Brille, den abgebissenen Fingern\u00e4geln, dem Baggerf\u00fchrerpullover \u00fcberm Karohemd und der Hochwasserhose aus braunem Cord deutlich auf der unattraktiven Seite. Von einer Freundin vom Franz oder einer wie auch immer gearteten Liebschaft hatte noch niemand geh\u00f6rt; regelm\u00e4\u00dfig musste er sich deshalb hochnehmen lassen. Der Franz hatte damals gerade das beste Abitur der Stadt geschrieben und war mit Bild in der Lokalzeitung gestanden (was sein Fernfahrer-Vater als Schande empfand, weil jetzt die ganze Nachbarschaft \u00fcber sie sprach). Den unangenehmen Streber-Verdacht konnte er eigentlich nur durch seinen brachialen Humor entkr\u00e4ften. Niemals h\u00e4tte ich also den Grund erraten, aus dem der Franz in diesem Moment vor mich hin trat: Er bat mich um einen Tanz. Ich nahm mir gar nicht erst die Zeit mich zu wundern, ich war so von Tanzverlangen zerm\u00fcrbt, dass ich auch Franz Josef Strau\u00df auf die Tanzfl\u00e4che gefolgt w\u00e4re.<\/p>\n<p>Dort fasste mich der Franz ohne Federlesen an, dr\u00fcckte mich an den richtigen Stellen an sich und begann, mit mir Tango zu tanzen. Wir verschmolzen so schlagartig miteinander, dass ich keine Zeit f\u00fcrs Verdutztsein hatte.<br \/>\n<i>R\u00fcck, r\u00fcck, Wiegeschritt, vor seit Platz.<br \/>\nR\u00fcck, r\u00fcck, r\u00fcck seit Dreh, vor seit Platz.<\/i><br \/>\nDer str\u00e4hnige, mopsige Strebertenor war ein begnadeter T\u00e4nzer! Er bewegte sich und damit mich mit einem energischen Selbstbewusstsein, dass ich mich vollkommen in den Tanz fallen lie\u00df. Der Franz f\u00fchrte so sicher und gut, dass ich mich in Schrittfolgen und Figuren wiederfand, die ich noch nie gesehen hatte.<\/p>\n<p>Trotz aller Versunkenheit in die Musik und in den Tanz nahm ich eines doch wahr: Die Tanzfl\u00e4che lee<del datetime=\"2013-06-17T17:31:37+00:00\">h<\/del>rte sich. Um uns sah man immer mehr von den Handball- und Basketballmarkierungen auf dem Turnhallenboden. Ein Paar nach dem anderen h\u00f6rte auf zu tanzen, um uns Platz zu machen und zuzuschauen. Es war mir egal. Wie in einem schlechten Highschool-Film konnte ich mich sp\u00e4ter immer noch f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Ich kann mich nicht mal mehr erinnern, ob ich noch weitere T\u00e4nze mit dem Franz getanzt habe. Aber an diesem Abend war ich so in ihn verliebt, dass ich ihm nicht mehr in die Augen schauen konnte.<br \/>\nDas legte sich gl\u00fccklicherweise am n\u00e4chsten Tag mit einem Schlag, als er auf der Heimfahrt einen besonders brachialen Kalauer durch den Bus trompetete, gefolgt von seinem keckernden Lachen (Tenor halt).<\/p>\n<p>Der Franz hat dann \u00fcbrigens Kirchenmusik studiert, nach dem Abschluss keinen rechten Spa\u00df mehr daran gehabt und kurz mal ein Medizinstudium drangeh\u00e4ngt. Er m\u00fcsste heute irgendwo als Facharzt f\u00fcr Allgemeinmedizin praktizieren.<\/p>\n<p>Franz, wenn Du irgendwo da drau\u00dfen bist: Willst Du mit mir tanzen? <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/8c2159bab1204324a2151def3365578f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder: Als Euterpe und Terpsichore zusammen einen heben gingen. Chorfestival in Aschaffenburg, Mitte der 80er. Ich hatte mit meinem Jugendchor teilgenommen, hier einen Wettbewerbsauftritt gehabt, dort ein Konzert gegeben. Wir f\u00fchlten uns all den anderen Ch\u00f6ren, die ja so furchtbar arrogant waren, weit \u00fcberlegen. Dennoch lie\u00dfen wir uns dazu herab, aufs Abschlussfest zu gehen. 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