{"id":73128,"date":"2021-12-29T08:21:20","date_gmt":"2021-12-29T07:21:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=73128"},"modified":"2021-12-29T08:50:23","modified_gmt":"2021-12-29T07:50:23","slug":"journal-dienstag-28-dezember-2021-staub-familie-zum-4-weihnachtsfeiertag-the-french-dispatch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2021\/12\/journal-dienstag-28-dezember-2021-staub-familie-zum-4-weihnachtsfeiertag-the-french-dispatch.htm","title":{"rendered":"Journal Dienstag, 28. Dezember 2021 &#8211; Staub, Familie zum 4. Weihnachtsfeiertag, <i>The French Dispatch<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Sprechen wir \u00fcber Staub.<br \/>\nEine Folge der Ma\u00dfnahmen gegen die ersten Corona-Welle im Fr\u00fchling 2020 war, dass Herr Kaltmamsell und ich zwei Monate ohne Putzm\u00e4nner wohnten und selbst putzen mussten. Beim verhassten Staubwischen der vielen, vielen, vielen B\u00fccherregale fiel mir auf, welch kolossale Staubf\u00e4nger die waren und wie m\u00fchsam das Sauberhalten. Deshalb ersetzten wir beim Umzug die H\u00e4lfte der offenen Buchregale durch B\u00fccherschr\u00e4nke mit Glast\u00fcren. Erhofft hatte ich mir ein komplettes Ersetzen, nur dass in diese B\u00fccherschr\u00e4nke von der Stange halt deutlich weniger B\u00fccher passen als in deckenhohe offene B\u00fccherregale.<\/p>\n<p>In der neuen Wohnung fielen mir schon bald die Staubm\u00e4use auf. Ich war es gewohnt, dass sie nur wuchsen, wenn die Putzm\u00e4nner eine Woche aussetzten, also nach etwa zehn Tagen. Jetzt aber huschten sie bereits nach f\u00fcnf Tagen in die Ecken des Flurs &#8211; und das, wo wir beim Einzug alle Gegenst\u00e4nde und B\u00fccher gr\u00fcndlich entstaubt hatten. Waren die beiden Herrn etwa nachl\u00e4ssiger in ihrer Staubbeseitigung geworden?<\/p>\n<p>Herr Kaltmamsell fand dann den Schl\u00fcssel zu dieser Erscheinung: Die Menge an Staub bleibt ja dieselbe. Und da wir so viel weniger Staub<i>f\u00e4nger<\/i> haben, n\u00e4mlich die offenen B\u00fccherregale, musste er halt woanders hin: Er formte sich zu Staubm\u00e4usen. Ich dachte an meine spanische <i>t\u00eda<\/i> Luci in einem Vorort von Madrid, die den Fliesenboden ihres Reihenhauses mindestens zweimal am Tag feucht durchwischte: Da sie &#8211; u.a. zur Staubvermeidung &#8211; nur mit geschlossenen Schr\u00e4nken eingerichtet war (plus <i>cositas<\/i>, also dekorative Rumsteherle, die t\u00e4glich abstaubt wurden), h\u00e4tten sich sonst wahrscheinlich bereits nach einem Tag Staubm\u00e4use gebildet.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Auch gestern wieder gut geschlafen, wieder zu fr\u00fch und m\u00fcde aufgewacht.<\/p>\n<p>Sp\u00fclmaschine ausger\u00e4umt, Morgenkaffee getrunken und gebloggt, \u00dcber-Nacht-Waschmaschine ausger\u00e4umt und Inhalt aufgeh\u00e4ngt \/ in den Trockner geworfen.<\/p>\n<p>Zu Mittag waren wir bei Schwiegers eingeladen, als 4. Weihnachtstag, ebenso meine Eltern. Vor der Zugfahrt hatte ich noch Zeit f\u00fcr eine Runde Krafttraining, <a href=\"https:\/\/youtu.be\/0xnK-XZy2Zw\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Fitnessblender &#8220;Abs and Upper Body Workout&#8221;<\/a>: Ging gut (in diesem \u00fcbersichtlichen Umfang sind auch Klappmesser keine M\u00fche), tat gut. Auf der Zugfahrt durch graue, verregnete Landschaft las ich weiter liegengebliebene <i>SZ-Magazine<\/i> der vergangenen Monate (die Tageszeitung war wieder nicht gekommen).<\/p>\n<p>Fr\u00f6hliches Wiedersehen mit Schwiegers und Eltern. Nachdem diese viere dann doch in einem Alter sind, in dem die Bewirtung gr\u00f6\u00dferer Gesellschaften so viel Kraft kostet, dass es sich wie M\u00fche anf\u00fchlt, sie dennoch weiterhin gerne gastgeben, nachdem zudem die Freude der Familie an diesen Zusammenk\u00fcnften unver\u00e4ndert hoch ist, wenn nicht sogar steigt &#8211; \u00fcberlegten wir, wie wir sie k\u00fcnftig mit weniger Anstrengung f\u00fcr die Gastgebendenden erm\u00f6glichen k\u00f6nnen. Zum Beispiel wenn im n\u00e4chsten Corona-Wellental wieder so richtig gro\u00dfe Zusammenk\u00fcnfte anstehen. Unsere L\u00f6sung f\u00fcr dieses n\u00e4chste Mal: Herr Kaltmamsell und ich \u00fcbernehmen die K\u00fcche der Schwiegers, bringen die Zutaten mit und alles Vorbereitbare bereits fertig (Dessert, Kuchen etc.), kochen den Rest vor Ort. Idealerweise \u00fcbernehmen die Gastgeber dann nur Umr\u00e4umen, Tischdecken, alkoholische Getr\u00e4nke, Absp\u00fclen.<\/p>\n<p>Gestern aber hatten alles noch die Schwiegers selbst gemacht:<br \/>\nVorspeise: gebeizter Lachs mit Avocado und Toast &#8211; ganz wunderbar, dazu ein w\u00fcrttemberger Traminer.<br \/>\nHauptspeise: verwandtschaftlich geschossenes, superzartes Rehfilet mit Sp\u00e4tzle, Rosenkohl, Blaukraut, dazu ein <a href=\"https:\/\/www.wo-der-hahn-kraeht.de\/weingut\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Lemberger &#8220;Wo der Hahn kr\u00e4ht&#8221;<\/a> &#8211; der mir wie schon der letzte Lemberger ganz ausgezeichnet schmeckte, ich glaube, ich mag die Rebsorte. (Haben Sie Empfehlungen, welche Lemberger ich noch probieren sollte?)<br \/>\nNachtisch: Bratapfel mit Marzipan-Amaretto-Sauce.<br \/>\nEspresso.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/211228_03_Bratapfel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/211228_03_Bratapfel.jpg\" alt=\"\" width=\"301\" height=\"356\" class=\"alignnone size-full wp-image-73138\" \/><\/a><\/p>\n<p>Meine Eltern brachten uns auf ihrem R\u00fcckweg zum Bahnhof. In M\u00fcnchen regnete es so richtig, wir waren dann doch froh um den sicherheitshalber eingesteckten Schirm.<\/p>\n<p>F\u00fcr den fr\u00fchen Abend hatte ich Kinokarten gekauft: <i>The French Dispatch<\/i> von Wes Anderson, auf den ich mich lange gefreut hatte. Und der dann <i>noch<\/i> besser als erwartet war. So ideenreich hat sich Anderson wohl noch nie ausgetobt &#8211; angefangen von der Struktur der Episoden entlang der Magazinstruktur des titelgebenden <i>French Dispatch<\/i>, weiter mit filmischen Mitteln von Theater bis Zeichentrick oder das Spiel mit dem Franz\u00f6sischen und der liebevolle Einsatz von Untertiteln f\u00fcr die \u00dcbersetzungen. Anderson macht das Gegenteil von Hollywood-Illusionskino, das auf die Erzeugung gro\u00dfer Gef\u00fchle setzt. Statt dessen erkennbare K\u00fcnstlichkeit, eine Aneinanderreihung immer neuer und \u00fcberraschender V-Effekte fast schon im Brecht&#8217;schen Sinn, nur halt nicht in der Pose der d\u00fcsteren Revolution, sondern mit geradezu kindlichem Vergn\u00fcgen. Ich werde noch eine Zeit brauchen, um alle (oder zumindest mehr) davon zu verarbeiten; unter anderem gefiel mir, wie in der Episode um den genialen K\u00fcnstler Moses Rosenthaler in der Psychiatrie der j\u00fcngere Schauspieler, der die Jugend der Figur spielte, durch den Altersdarsteller Benicio del Toro ersetzt wurde: Indem der \u00e4ltere dem j\u00fcngeren, sitzenden, der in die Kamera schaut, auf die Schulter klopft, woraufhin der aufsteht, sich umarmen l\u00e4sst und weggeht, der \u00e4ltere setzt sich und sieht in die Kamera. Nicht nur hier verwendet Anderson Stilmittel des Theaters zur Informationsvermittlung.<\/p>\n<p>SWINTON war nie besser, McDormand liebte ich sehr, Owen Wilson spielte seine Rolle aus <i>Midnight in Paris<\/i> nochmal, blo\u00df halt gar nicht, alle anderen Darsteller waren eh hinrei\u00dfend. Und ich wei\u00df jetzt endlich, dass Guillermo del Toro und Benicio del Toro zwei Menschen sind, der eine Regisseur, der andere ein Schauspieler.<\/p>\n<p>Auch Herr Kaltmamsell hatte zwei Kinostunden mit aufgesperrten Mund verbracht, wir spazierten sehr vergn\u00fcgt durch den leichten Regen heim. Dort a\u00df ich zum Abendessen ein St\u00fcck Panettone, der auch Wochen nach dem Anschneiden noch saftig war.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Herzerfrischendes Interview mit der 78-j\u00e4hrigen Renate Schmidt, fr\u00fchere SPD-Bundesfamilienministerin (\u20ac):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/bayern-nuernberg-renate-schmidt-spd-1.5496265?reduced=true\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Gesamt\u00adfr\u00e4nkin und Bestim\u00admen\u00adwollerin&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p><strong>Woher nehmen Sie diese Energie? Sie wirken mit 78 Jahren so, als k\u00f6nnten Sie morgen wieder ein Ministerium \u00fcbernehmen.<\/strong><\/p>\n<p>Das war fr\u00fcher schon so. Mit zehn Jahren habe ich mir das <i>Coburger Tageblatt<\/i> untern Arm geklemmt und bin in den Hofgarten gegangen, hab mich auf eine gut sichtbare Bank gesetzt und dort die Zeitung gelesen, weil ich wollte, dass die Menschen erkennen, was f\u00fcr eine wichtige Person ich bin. <\/p><\/blockquote>\n<p>Gro\u00dfartig! <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/a9182055ad224defa6a9b65ee033643e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sprechen wir \u00fcber Staub. Eine Folge der Ma\u00dfnahmen gegen die ersten Corona-Welle im Fr\u00fchling 2020 war, dass Herr Kaltmamsell und ich zwei Monate ohne Putzm\u00e4nner wohnten und selbst putzen mussten. Beim verhassten Staubwischen der vielen, vielen, vielen B\u00fccherregale fiel mir auf, welch kolossale Staubf\u00e4nger die waren und wie m\u00fchsam das Sauberhalten. 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