{"id":73571,"date":"2022-01-20T06:49:57","date_gmt":"2022-01-20T05:49:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=73571"},"modified":"2022-01-20T13:14:43","modified_gmt":"2022-01-20T12:14:43","slug":"journal-mittwoch-19-januar-2022-entspannender-brasserie-abend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2022\/01\/journal-mittwoch-19-januar-2022-entspannender-brasserie-abend.htm","title":{"rendered":"Journal Mittwoch, 19. Januar 2022 &#8211; Entspannender Brasserie-Abend"},"content":{"rendered":"<p>Bisschen zerst\u00fcckelte Nacht, doch dadurch sah ich bei einem Aufwachen das Licht des Vollmonds, das mein Schlafzimmer erleuchtete.<\/p>\n<p>Arbeitsweg in hochnebligem Morgen, der Tag blieb bedeckt &#8211; doch das bekam ich eh nicht wirklich mit. Halt: Als ich nachmittags meine Cappuccino-Tasse in die Cafeteria zur\u00fcck brachte, schien ein wenig die Sonne und lockte mich zu einer Au\u00dfenrunde im Innenhof (aka Hofgang).<\/p>\n<p>Im B\u00fcro erst mal alles Neue weggeschaufelt, um bereit zu sein f\u00fcr alles Unvorhersehbare. Tats\u00e4chlich war ich dann aber haupts\u00e4chlich mit einem neuen System besch\u00e4ftigt, auf das ich endlich genug Zugriff f\u00fcr gr\u00fcndliches Ausprobieren hatte. Ich fand ganz viel heraus, was ich falsch machen konnte.<\/p>\n<p>Mittags gab es Linsen vom Vorabend, Orangen und Granatapfelkerne.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck hinderte mich eine Abendessensverabredung daran, den Arbeitstag zu lang werden zu lassen: Ich traf mich in der <a href=\"https:\/\/brasseriecolette.de\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Brasserie Colette<\/a> im Glockenbachviertel. Ein angenehmer Ort (sorgf\u00e4ltige 2G-Pr\u00fcfung), warmer und aufmerksamer Service, \u00fcberdurchschnittlich schmackhaftes Essen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220119_01_BrasserieColette.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220119_01_BrasserieColette.jpg\" alt=\"\" width=\"505\" height=\"392\" class=\"alignnone size-full wp-image-73579\" \/><\/a><\/p>\n<p>Meine Artischocke war gut, die beiden Dips neben der Cr\u00e8me fra\u00eeche aber wirklich au\u00dfergew\u00f6hnlich gut: Die Petersilien-Vinaigrette mit einer Zitrusfrucht aromatisiert, die mir neu war (Yuzu?), die scharfe Majonese raffiniert. Gegen\u00fcber gab es Rindertartar und Karottensalat, die beide gl\u00fccklich machten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220119_03_BrasserieColette.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220119_03_BrasserieColette.jpg\" alt=\"\" width=\"484\" height=\"363\" class=\"alignnone size-full wp-image-73580\" \/><\/a><\/p>\n<p>Als Hauptgericht hatte ich Wildente mit einer Bete-Tarte-Tatin (beides sehr gut), gegen\u00fcber gab es Zander und Steak frites. Dazu hatte ich ein Glas C\u00f4tes du Rh\u00f4ne bestellt, der mir ebenfalls sehr gut schmeckte.<\/p>\n<p>Die Schwestern, die mir gegen\u00fcber sa\u00dfen, waren eine wunderbare Gesellschaft und schufen mit ihren Geschichten aus gemeinsamer Vergangenheit sowie \u00fcber aktuellen Alltag genau den anregenden Abend, den ich nach dem reichlich angespannten Arbeitstag n\u00f6tig hatte. Erst jetzt beim Schreiben f\u00e4llt mir auf, wie selten ich nach Kindheit und Jugend Geschwister zusammen erlebe.<\/p>\n<p>Zeitiger Heimweg, es folgen ja noch zwei Arbeitstage.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Merlix (bitte lass mich hin und wieder weiter &#8220;Merlix&#8221; denken) fasst die gesellschaftliche Stimmungslage zusammen &#8211; allerdings ist bei mir viele leidenschaftliche Meinung bereits in Resignation gekippt:<\/p>\n<blockquote><p>Wir haben eine Phase der Pandemie erreicht, in der fast alle Menschen in dieser Gesellschaft durch etwas ver\u00e4rgert oder entt\u00e4uscht, vielleicht sogar verbittert sind. Weil sie einzelne oder viele Ma\u00dfnahmen des Staates unsinnig oder falsch finden, weil sie das Verhalten ihrer Mitmenschen abwegig oder irrsinnig finden, weil sie irgendwelche Regeln, Einschr\u00e4nkungen, Verbote oder F\u00f6rderungen gerne etwas anders h\u00e4tten oder nicht mehr nachvollziehen k\u00f6nnen oder wollen, was warum entschieden wurde. Es scheint keine zufriedenen Menschen mehr zu geben, in keinem Lager, in keiner Gruppierung. Dem mittlerweile schier undurchdringlichen Dickicht der vielf\u00e4ltigen Regeln und Vorgaben steht ein ebenso wirres Dickicht an Meinungen und Vermutungen gegen\u00fcber. Es ist eine verfahrene Situation. Im Bekanntenkreis regen sich alle \u00fcber irgendetwas auf, im Kolleginnenkreis auch, in den sozialen Medien sowieso, in den Nachrichten, in den Talkshows und im Radio &#8211; \u00fcberall wird geschimpft, gezweifelt, gestritten, und wem will man es verwehren, es gibt doch Gr\u00fcnde genug und auch Gr\u00fcnde f\u00fcr alle.<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch dann geht der sch\u00f6ne Text ganz anders weiter.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.goethe.de\/prj\/ger\/de\/ihr\/age\/22644328.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;So geh\u00f6rt das, so muss das sein.&#8221;<\/a><\/p>\n<p>Das Bed\u00fcrfnis, endlich mal etwas gut zu finden, kenne ich sehr gut. Herr Buddenbohm hat zum Gl\u00fcck einen Spielplatzpr\u00fcfer bei seiner Arbeit beobachtet und berichtet &#8211; ich schlie\u00dfe mich der umfassenden Gutfindung an.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Gutfindung: Eine Biologin findet heraus, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/RebeccaMVarney\/status\/1483177665892737025\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">wie es zu ihrem Besuch der Insektensammlung an der Universit\u00e4t Berkley im Alter von vier Jahren kam<\/a>. <\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Mehr Gutfindung (Sie brauchen es doch auch):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/besteuert-uns-und-zwar-jetzt-mehr-als-100-millionaere-fordern-vermoegenssteuer-fuer-superreiche\/27987632.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Mehr als 100 Million\u00e4re fordern Verm\u00f6genssteuer f\u00fcr Superreiche&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Zu den Unterzeichnenden geh\u00f6rt auch BASF-Erbin Marlene Engelhorn. Ende Dezember war sie Interview-Partnerin der <i>SZ<\/i>-Serie &#8220;Reden wir \u00fcber Geld&#8221; (\u20ac):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/marlene-engelhorn-erbe-oesterreich-tax-me-now-1.5494716?reduced=true\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;&#8216;In meiner Familie redet man nicht \u00fcber Geld, man hat es'&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Vier von f\u00fcnf Menschen, die heute \u00fcber ein gro\u00dfes Verm\u00f6gen verf\u00fcgen, haben es durch eine Erbschaft erhalten. Das hat mit Leistung doch nichts zu tun. Es ist nicht in Ordnung, Geld zu horten und darauf zu hocken. Ungleichheit gef\u00e4hrdet die Demokratie, und auf die haben wir uns eigentlich geeinigt, und nicht darauf, dass einige wenige die Macht, die mit gro\u00dfen Verm\u00f6gen einhergeht, b\u00fcndeln und nutzen, obwohl sie kein Mandat haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p><strong>Na ja, Ihre Vorfahren haben wahrscheinlich viel geleistet und tolle Dinge erfunden und sind damit reich geworden. Das ist doch verdient.<\/strong><\/p>\n<p>Nein, es gibt doch weltweit keine wahre Geschichte eines Selfmade-Mannes oder einer Selfmade-Frau. Erfinder und Erfinderinnen sind nie allein, ohne Austausch kommt man auf nichts. Dann braucht es ein Rechtssystem, das die Existenz der Firma sichert, eine Infrastruktur, gut ausgebildete Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und so weiter. Das alles wird von der Allgemeinheit und durch Steuern finanziert. Die Gesellschaft sorgt also daf\u00fcr, dass es den Gr\u00fcndern oder Gr\u00fcnderinnen gut geht. Warum soll der gesamte Profit dann nur diesen zustehen? Keiner ist selfmade, auch nicht mein BASF-Vorfahre. \u00dcber seine Frau, die sich um die Familie gek\u00fcmmert hat, redet \u00fcbrigens keiner.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p><strong>Sie wollen Ihr Erbe hergeben. Warum spenden Sie die Summe nicht einfach?<\/strong><\/p>\n<p>Der Versuch, Ungleichheit durch g\u00f6nnerhaftes Charity-Wesen zu beseitigen, ist nur das Streicheln des eigenen Egos. Schauen Sie sich mal an, wer in diesen Stiftungen am Ende die Entscheidungen trifft. Sie werden da immer dieselben finden. Philanthropen und Philanthropinnen tun nicht immer Gutes, sondern sind in Zielkonflikten. Nehmen Sie Amazon-Gr\u00fcnder Jeff Bezos, der betreibt ein gro\u00dfes Klimaprojekt mit horrenden Summen. Amazon wiederum beutet die Umwelt und die Menschen strukturell aus. Das ist doch auch eine Hybris, die oft vorkommt: &#8220;Ich bin reich und ich wei\u00df, was gut ist f\u00fcr die Welt.&#8221; Wenn dem so w\u00e4re, dann s\u00e4he die Welt wohl besser aus, tut sie aber nicht, obwohl eine kleine Gruppe Menschen sich das halbe Weltverm\u00f6gen teilt. Wir k\u00f6nnen uns auf deren Wohlwollen und Kompetenz nicht verlassen, und gew\u00e4hlt hat sie auch niemand.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p><strong>In \u00d6sterreich gibt es keine Erbschaftsteuer. Wie wollen Sie also das Geld zum Staat bringen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich werde eine Zeit lange allen auf die Nerven gehen mit meiner Forderung: Besteuert mich endlich <em>(lacht)<\/em>. Nehmen Sie das Modell zur Wiedereinf\u00fchrung einer Verm\u00f6gensteuer, das die SPD im Wahlkampf in Deutschland vorgeschlagen hat. Diese h\u00e4tte nur 21.000 Menschen getroffen, eine Minderheit \u00fcbrigens, die keiner sch\u00fctzen muss, die Steuer kann aus den Kapitalertr\u00e4gen gezahlt werden. Diese Menschen w\u00fcrden also trotzdem immer noch reicher &#8211; Jahr f\u00fcr Jahr -, nur ein bisserl weniger schnell eben.<\/p><\/blockquote>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/00909d898db946e8b157364092c90565\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisschen zerst\u00fcckelte Nacht, doch dadurch sah ich bei einem Aufwachen das Licht des Vollmonds, das mein Schlafzimmer erleuchtete. Arbeitsweg in hochnebligem Morgen, der Tag blieb bedeckt &#8211; doch das bekam ich eh nicht wirklich mit. Halt: Als ich nachmittags meine Cappuccino-Tasse in die Cafeteria zur\u00fcck brachte, schien ein wenig die Sonne und lockte mich zu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,2,1],"tags":[],"class_list":["post-73571","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-essen","category-fotos","category-general"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73571","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73571"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73571\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":73590,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73571\/revisions\/73590"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73571"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73571"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73571"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}