{"id":736,"date":"2005-02-08T11:28:16","date_gmt":"2005-02-08T10:28:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/02\/krapfenfasching.htm"},"modified":"2008-01-31T13:31:51","modified_gmt":"2008-01-31T12:31:51","slug":"krapfenfasching","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/02\/krapfenfasching.htm","title":{"rendered":"Krapfenfasching"},"content":{"rendered":"<p>Ja, ich hatte durchaus auch meine Phase des Faschingsmuffelns, so im Alter zwischen 19 und 25. Also in der Zeit, in der Privatfeste reine Sitzgelage waren und meine Peer Group sich eher mit dem Wachturm ans Eck gestellt h\u00e4tte als auf einer Party zu toben und zu tanzen. Doch dann begann ich den bayerischen Fasching zu vermissen, der f\u00fcr mich nie viel mit dem Gaudiwurm (Karnevalszug) auf den D\u00f6rfern zu tun hatte, sondern vor allem mit Kost\u00fcmb\u00e4llen.<\/p>\n<p>Meine Mutter veranstaltete fast jedes Jahr einen Kinderfasching bei uns daheim, dazu kam mindestens ein Kinderfaschingsball (vorzugsweise der im Spiegelsaal des Kolpinghauses und nicht im Festsaal des Stadttheaters, denn dort konnten wir Kinder ungest\u00f6rt rumtoben und wurden nicht st\u00e4ndig von irgendwelchen Kindergarden und Faschingsprinzenpaaren unterbrochen). Kost\u00fcmiert wurde ich von meiner Mutter auf\u2019s Kreativste: Biedermeier-Fr\u00e4ulein, Pippi Langstrumpf, Kr\u00e4uterhexe, Meerjungfrau. Die Kost\u00fcme n\u00e4hte die Mutter alle selbst und sah ver\u00e4chtlich auf die Nachbars-M\u00fctter herab, die ihre kleinen Kinder in Indianer-, Musketier- und Marienk\u00e4ferkost\u00fcme aus dem Kaufhaus steckten.<br \/>\nEs kostete mich viel Protest und Gemotze, bis ich endlich, endlich mal als Prinzessin gehen durfte. Dann allerdings beharrte meine Mutter darauf, dass es wenigstens eine besondere Prinzessin sein musste: Ich war eine Froschk\u00f6nigin in gr\u00fcn-goldenem Kleid und mit Kr\u00f6nchen (das Wichtigste!), in der einen Hand einen gr\u00fcnen Gummifrosch, in der anderen einen goldbemalten kleinen Ball (get it?).<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Entwicklungsschritt waren die Sch\u00fclerb\u00e4lle im Festsaal. Anfang der 80er gab in meiner Geburtstadt noch jedes der f\u00fcnf Gymnasien seinen eigenen Ball, dazu kam der BDKJ-Ball, auf dem es so richtig abging (Bund der deutschen katholischen Jugend, kein Witz). Zu dieser Entwicklung geh\u00f6rte dann auch der Kampf mit den Eltern, auf wie viele von diesen B\u00e4llen ich gehen und wie lange ich bleiben durfte. Die Wahl des Kost\u00fcms schwankte zwischen den beiden Zielen, m\u00f6glichst unerkannt zu bleiben und so attraktiv wie m\u00f6glich zu wirken. Der jahreszeitliche Vorteil: Zu Fasching lie\u00df die gestrenge Frau Mama tats\u00e4chlich mehr nackte Tochterhaut zu als im Hochsommer. Nur dass ich auf die daraus resultierenden Avancen der jungen Burschen komplett hilflos reagierte (da ich Gekicher oder Zickerei saudoof fand, verlegte ich mich auf normale Konversation &#8211; ein echter Abturner, wie sich herausstellte).<br \/>\nAls ich dann ins Alter f\u00fcr die erwachsenen Faschingsb\u00e4lle kam, war ich zum einen bereits von der Muffelei infiziert, zum anderen hatte der Niedergang der Faschingskultur eingesetzt. Meine Eltern erz\u00e4hlen, dass heute von den einst Dutzenden Faschingsb\u00e4llen in allen tanztauglichen S\u00e4len der Provinzstadt noch genau einer \u00fcbrig ist.<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren trauere ich dem hinterher. Die eine Faschingsparty, die ich vor Jahren unter dem Thema \u201eZirkus\u201c veranstaltete, ging komplett daneben. Zwar kamen die G\u00e4ste brav im Kost\u00fcm, aber dann sa\u00dfen sie halt als L\u00f6we und Dompteur, als Zirkusdirektor und als Clown plaudernd herum. Irgendwann schaffte ich es auch auf einen der einst ber\u00fchmten M\u00fcnchner Rundfunkb\u00e4lle, doch zu zweit wurde es nicht so richtig fr\u00f6hlich. Zum Mitgehen in gr\u00f6\u00dferer Gruppe finde ich niemanden, da meine Umgebung weiterhin aus Faschingsmuffeln besteht.<\/p>\n<p>Das einzige Ventil f\u00fcr meine latente Faschingsfreude ist der Verzehr von Krapfen, ab dem Faschingswochenende und in gro\u00dfen Mengen. Dieses Jahr war ich endlich so weit, mich auch auf die exotischen Krapfenkreationen einzulassen, um die ich bislang naser\u00fcmpfend einen gro\u00dfen Bogen gemacht hatte. Ich hatte ja bereits ver\u00e4chtlich auf B\u00e4cker herab gesehen, die statt dem authentischen Hiffenmark f\u00fcr die F\u00fcllung Himbeer- oder gar Aprikosenmarmelade verwenden. (Ganz die Mama, das mit der Verachtung.)<\/p>\n<p>Vanillekrapfen, so stellte ich fest, sind wirklich in Ordnung. Der lockere Hefeteig harmoniert sehr gut mit der Puddingf\u00fcllung, insgesamt ergibt sich eine angenehme Bienenstich-Anmutung. Das selbe in gelber und leicht alkoholisch ist dann ein Eierlik\u00f6r-Krapfen: Geht schon mehr in Richtung Torte als Kuchen, aber lecker. Mit Schokopudding innen wird ein ebenfalls akzeptabler Nougatkrapfen draus, in alkoholisierter Variante ein Baileys-Krapfen.<br \/>\n\u00dcberhaupt nicht geht, was gestern der Mitbewohner zum Nachtisch servierte: weder gr\u00fcne Schoko-Minz-Sahne als F\u00fcllung samt gr\u00fcnem Zuckerguss mit After-Eight-Garnitur noch \u201ePina-Colada\u201c-F\u00fcllung unter Kokos-Zucker-Panzer. Mutig, aber verfehlt.<br \/>\nNur vom H\u00f6rensagen kenne ich Apfelmus als F\u00fcllung, kombiniert mit Zitronenguss; stelle ich mir sehr lecker vor. Wie w\u00e4re es zudem mit einer schaumigen Quarkf\u00fcllung?<\/p>\n<p>Dass die klassischen Krapfen seit einiger Zeit mit Traubenzucker statt mit normalem Puderzucker best\u00e4ubt werden, lehne ich allerdings weiterhin ab.<\/p>\n<p>Vielleicht finde ich ja bis n\u00e4chsten Fasching unvermuffelte Ballt\u00e4nzer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, ich hatte durchaus auch meine Phase des Faschingsmuffelns, so im Alter zwischen 19 und 25. Also in der Zeit, in der Privatfeste reine Sitzgelage waren und meine Peer Group sich eher mit dem Wachturm ans Eck gestellt h\u00e4tte als auf einer Party zu toben und zu tanzen. 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