{"id":75073,"date":"2022-03-26T07:31:37","date_gmt":"2022-03-26T06:31:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=75073"},"modified":"2022-03-26T08:17:53","modified_gmt":"2022-03-26T07:17:53","slug":"journal-freitag-25-maerz-2022-wochenendfeiern-in-der-parallelwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2022\/03\/journal-freitag-25-maerz-2022-wochenendfeiern-in-der-parallelwelt.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 25. M\u00e4rz 2022 &#8211; Wochenendfeiern in der Parallelwelt"},"content":{"rendered":"<p>GUT GESCHLAFEN! Nur zweimal aufgewacht, dazwischen f\u00fcnf Stunden Schlaf am St\u00fcck gekriegt &#8211; und schon sieht die Welt ganz anders aus. (Also: besser, nur zur Sicherheit.)<\/p>\n<p>Duschen mit aufgeschnittenem Finger ging ganz gut &#8211; aber zum Abtrocknen holte ich mir dann doch aus der K\u00fcche einen d\u00fcnnen Gummihandschuh aus dem Vorrat f\u00fcrs Chilli-Schneiden und Rote-Bete-Sch\u00e4len, weil das durchgeblutete Pflaster die Handt\u00fccher vollgesuppt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Meine Hauptsorge war nat\u00fcrlich, ob die Wunde schnell genug heilen w\u00fcrde, dass ich am Wochenende Schwimmen gehen kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220325_01_Kleidung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220325_01_Kleidung.jpg\" alt=\"\" width=\"230\" height=\"401\" class=\"alignnone size-full wp-image-75094\" \/><\/a><\/p>\n<p>#609060 &#8211; der Pulli ist mein erster echter Missoni (gebraucht bei Sellpy gekauft).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220325_02_Theresienwiese.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220325_02_Theresienwiese.jpg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"489\" class=\"alignnone size-full wp-image-75095\" \/><\/a><\/p>\n<p>Noch ein wolkenlos sonniger Tag, mittlerweile hat sich der M\u00e4rz als trockenster seit Wetteraufzeichnungsbeginn erwiesen.<\/p>\n<p>Unaufgeregter Arbeitstag. Mittags gab es Vollkornbrot mit Butter, Quark mit Joghurt.<\/p>\n<p>Nach Feierabend spazierte ich durch ein Westend voller Menschen, die das milde Drau\u00dfen genossen: Spielpl\u00e4tze und Wiesen wimmelten, vor allen Lokalen sa\u00dfen Leute mit Sonnenbrillen (sogar auf der Nase statt M\u00fcnchen-typisch im Haar). Ich kaufte im S\u00fcpermarket Verdi f\u00fcrs Abendessen ein, das gestern ich zubereiten durfte: Doraden und Spinat, noch verteidige ich frischen Fisch als meine Koch-Dom\u00e4ne.<\/p>\n<p>Daheim aber erst mal eine Runde Yoga &#8211; mit viel Umfallen. Dann bereitete ich den frischen Spinat und die ebenfalls sehr sch\u00f6n frischen Doraden koch- und bratfertig vor (gegen suppendes Pflaster \u00fcber Fingerschnitt trug ich wieder den Gummihandschuh), richtete erst mal den Aperitif an:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220325_04_Nachtmahl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220325_04_Nachtmahl.jpg\" alt=\"\" width=\"362\" height=\"381\" class=\"alignnone size-full wp-image-75096\" \/><\/a><\/p>\n<p>Whiskey Sour zu Kr\u00e4uter-Oliven, eingelegtem Feta und Wurzelbrot.<\/p>\n<p>Herr Kaltmamsell hatte sich in der D\u00e4mmerung auf den Balkon auf Vogelschau gestellt und bereits die ersten Flederm\u00e4use gesehen &#8211; mir fehlte dazu die Ruhe.<\/p>\n<p>Doraden angebraten und im Ofen fertig gegart, w\u00e4hrenddessen Knoblauch in Oliven\u00f6l angebraten und Spinat dar\u00fcber mit Deckel-zu zusammenfallen lassen. Wurde ein k\u00f6stliches Abendessen, dazu gab es einen galicischen Albari\u00f1o. Nachtisch Schokolade.<\/p>\n<p>Traurige Nachricht: Cem Basman ist bereits Anfang Januar gestorben, einer der Blogger aus der Anfangszeit, zentrale Figur der Hamburger Bloggeria &#8211; <a href=\"https:\/\/twitter.com\/PickiHH\/status\/1507327961443323948\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">@PickiHH nennt ihn<\/a> &#8220;Mitbegr\u00fcnder der Hamburger Web 2.0 Szene&#8221;. Ich genoss viele Jahre die ruhige Klugheit seines Blogs, lernte gerne seine Familiengeschichte. Und zitierte erst vor gar nicht Langem mal wieder sein <a href=\"https:\/\/sprechblase.wordpress.com\/uber\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Vogel fliegt. Fisch schwimmt. Ich blogge.&#8221;<\/a> Wie schade, dass ich ihn nie pers\u00f6nlich traf. Hier ein ausf\u00fchrlicher Nachruf von Maximilien Buddenbohm, der das Gl\u00fcck hatte:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.buddenbohm-und-soehne.de\/2022\/03\/25\/er-war-immer-schon-da\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Er war immer schon da.&#8221;<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Unter den vielen, vielen journalistischen Kommentaren zur Katastrophenlage und unserem Umgang damit hat mich dieser tats\u00e4chlich erreicht: Alexandra Augustin vom ORF liegt mit Corona im Bett und schreibt \u00fcber<br \/>\n<a href=\"https:\/\/fm4.orf.at\/stories\/3022897\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Testament der Angst&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Unser Sinn f\u00fcr die Realit\u00e4t hat sich verschoben. Das was gerade passiert werden wir erst Monate oder Jahre sp\u00e4ter verarbeiten und verstehen k\u00f6nnen. Die monatelangen Lockdowns. Die Schrammen am K\u00f6rper und an der Seele. Europa \u2013 wieder einmal &#8211; im Ausnahmezustand. Alles f\u00fchlt sich so an wie die Restaurantszene \u201eTerror at Lunch\u201c im dystopischen Spielfilm \u201eBrazil\u201c von 1985 von Terry Gilliam.<\/p>\n<p>In einer Szene sitzen ein paar sch\u00f6nheitsoperierte Damen in einem noblen Restaurant beisammen. Es wird ein groteskes Astronautenessen serviert, ein gr\u00fcnes, Kotze-\u00e4hnliches P\u00fcree. Echte Lebensmittel gibt es in dieser kaputten Zukunft nicht mehr. Ein zugeh\u00f6riges Bild neben dem Teller zeigt jedoch das Gericht, welches diese Surrogat-Speise nachahmen m\u00f6chte \u2013 geschmorte Kalbsb\u00e4ckchen in Rotweinsauce. Der Geschmack einer l\u00e4ngst vergessenen Zeit. Dann geht mitten im Lokal eine Bombe hoch. Das Orchester wird verletzt, doch es steht auf und spielt ru\u00dfverschmiert weiter. Die Gesellschaft am Tisch ist kurz erschrocken, schnattert jedoch sogleich weiter, w\u00e4hrend ringsum verwundete Menschen und K\u00f6rperteile herumliegen. Wir alle leben mittlerweile in einer solch brutalen Parallelwelt.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Die Reize stumpfen ab. Der K\u00f6rper kann eine permanente Adrenalinaussch\u00fcttung unter Stress nicht ewig aufrechterhalten. Man gew\u00f6hnt sich an Schreckensmeldungen.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Die Katastrophen der Welt f\u00fchlen sich mittlerweile so an wie Abschnitte auf einer M\u00f6biusschleife: Alles ist eine Wiederholung der Wiederholung. Ich f\u00fchle mich schuldig. Ich sitze in einem stabilen Land. Ich kann nichts tun, nur Geld spenden. Kapital verschieben. Ich habe \u201enur\u201c Corona gehabt, so wie der halbe Freundeskreis mittlerweile auch. Das ist schon fast zum Lachen. Aber wor\u00fcber darf man eigentlich noch lachen? Darf man die groteske Gegenwart sarkastisch kommentieren, in der wir unser Leben jonglieren m\u00fcssen? Auf was soll man sich fokussieren, wenn sich die Welt so schnell dreht? Und wie soll man mit Empathie einer der gr\u00f6\u00dften Katastrophen der Gegenwart begegnen, wenn sie einem gleichzeitig abgesprochen und abgew\u00f6hnt wird?<\/p><\/blockquote>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/7e704f3bc59e4e82a367d5ebb4122fac\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GUT GESCHLAFEN! Nur zweimal aufgewacht, dazwischen f\u00fcnf Stunden Schlaf am St\u00fcck gekriegt &#8211; und schon sieht die Welt ganz anders aus. (Also: besser, nur zur Sicherheit.) 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