{"id":75209,"date":"2022-03-31T06:46:09","date_gmt":"2022-03-31T04:46:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=75209"},"modified":"2024-03-18T16:33:02","modified_gmt":"2024-03-18T15:33:02","slug":"journal-mittwoch-30-maerz-2022-jen-gunter-the-menopause-manifesto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2022\/03\/journal-mittwoch-30-maerz-2022-jen-gunter-the-menopause-manifesto.htm","title":{"rendered":"Journal Mittwoch, 30. M\u00e4rz 2022 &#8211; Jen Gunter, <i>The Menopause Manifesto<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Nacht mit langem Loch ab halb vier &#8211; in dem ich mir zumindest ein paar Ideen f\u00fcrs Abendessen ausdachte. (Und wenn die Klimakteriums-Begleiterscheinung &#8220;Brain fog&#8221; schlicht die Folge von Schlafentzug ist?)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220330_02a_KirschbluetenPettenkofer-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220330_02a_KirschbluetenPettenkofer-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"450\" class=\"alignnone size-full wp-image-75231\" srcset=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220330_02a_KirschbluetenPettenkofer-Kopie.jpg 450w, https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220330_02a_KirschbluetenPettenkofer-Kopie-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220330_02a_KirschbluetenPettenkofer-Kopie-144x144.jpg 144w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich ernenne die Lessingsstra\u00dfe zu M\u00fcnchens Klein-Bonn. (Bin mir allerdings der starken <a href=\"https:\/\/kunst-aus-japan.de\/happy-sakura-kirschbluete-in-muenchen-2019\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Konkurrenz aus der Agnesstra\u00dfe<\/a> bewusst.)<\/p>\n<p>Bedeckter Himmel den ganzen Tag, es war auch k\u00fchler geworden. Reichte aber nur zu ein paar Tropfen Regen.<\/p>\n<p>Diesmal gab&#8217;s zu Mittag tats\u00e4chlich den H\u00fcttenk\u00e4se, und zwar mit frischer Maracuja, davor ein Laugenz\u00f6pferl.<\/p>\n<p>Vielf\u00e4ltiger Arbeitstag, doch ich war nicht zu sp\u00e4t fertig.<\/p>\n<p>Auf dem Heimweg Obst und Brot gekauft, denn es sollte unter anderem K\u00e4se zum Abendessen geben. Zu Hause aber erst mal Nachtisch f\u00fcr Donnerstagabend gekocht (wir haben einen Gast!), dann eine Runde Yoga absolviert.<\/p>\n<p>Neben K\u00e4se vom T\u00f6lzer Kasladen hatte Herr Kaltmamsell noch etwas vom Einkaufen mitgebracht &#8211; erster Gang des Nachtmahls mit Roggenbrot:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220330_08a_Markknochen-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220330_08a_Markknochen-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"378\" class=\"alignnone size-full wp-image-75232\" \/><\/a><\/p>\n<p>Tier in Form von Markknochen, gegrillt &#8211; zum ersten Mal in Deutschland beim Metzger gesehen, wir l\u00f6ffelten es auf Roggenbrotscheiben. Und dann ganz wundervollen K\u00e4se: Nach diesem holzfeurigen Scamorza, innen noch richtig mozzarellig, werde ich nie wieder Supermarkt-Scamorza kaufen. Dazu rote Paprika, Trauben, Birne. Es passte nur noch wenig Schokolade dahinter. Dann war ich sehr, sehr satt.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_gunter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_gunter.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"225\" class=\"alignnone size-full wp-image-74978\" \/><\/a><\/p>\n<p>Jen Gunter, <i>The Menopause Manifesto<\/i> ausgelesen &#8211; an einem Tag, der wieder mehrere Glutattacken pro Stunde brachte. Zefix.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr mich relevante Info waren etwa 20 Prozent des Buchs, ein Aufsatz h\u00e4tte also gereicht, die aber sehr gr\u00fcndlich und tief erkl\u00e4rt. Gro\u00dfes Lob f\u00fcr die wissenschaftliche Absicherung praktisch aller Fakten, Hinweise und Erkl\u00e4rungen im Buch.<\/p>\n<p>Ausf\u00fchrlich widerlegt Gunter, eine Gyn\u00e4kologin, Vorurteile und Stereotypen \u00fcber Frauen in und nach den Wechseljahren &#8211; denen ich noch nie begegnet bin. Aber ich musste mich pers\u00f6nlich auch noch nie mit der Behauptung auseinander setzen, eine Frau erhalte ihren Wert durch gelungene Fortpflanzung, meine Wahrnehmungs-Blase scheint klein und kuschlig zu sein &#8211; und bei mir funktionierte nicht mal zu Teenagerzeiten die Indoktrination, dass der Wert einer Frau, eines Menschen an seiner sexuellen Attraktivit\u00e4t h\u00e4ngt. Auch der Blick auf die Medizinhistorie zum Klimakterium seit der Antike interessierte mich wenig.<\/p>\n<p>\u00c4rztliche Tipps f\u00fcr die Wechseljahre: Herz und Blutdruck im Auge behalten, abnehmen, Sport treiben, gesunde Ern\u00e4hrung &#8211; das ging nicht viel \u00fcber Frauenzeitschriften hinaus, die aufgef\u00fchrten Belege f\u00fcr einen Zusammenhang mit Wechseljahr-Beschwerden sind d\u00fcnn. Angeblich werden die Beschwerden durch Gewichtsabnahme geringer, in meinem Fall wurden sie parallel zum Gewichtsverlust der vergangenen Monate st\u00e4rker. Genauso wenig trifft die statistisch h\u00f6here H\u00e4ufigkeit von Glutattacken bei h\u00f6herer Au\u00dfentemperatur auf mich zu. (Andererseits: Wenn ich in der kalten Jahreszeit bis zu drei Attacken pro Stunde habe &#8211; wird das am End&#8217; bei Sommerhitze <i>noch<\/i> schlimmer?!)<\/p>\n<p>Auch sonst fand ich mich in vielen Beschreibungen nicht wieder: Nein, meine <i>hot flushes<\/i> bestehen nicht aus rotem Kopf (nie) und Hitzegef\u00fchl in Oberk\u00f6rper und Armen verbunden mit Schwei\u00dfausbr\u00fcchen. Sondern in unangenehmer Glut aus dem Oberk\u00f6rper, die allerdings manchmal ganz praktisch auch kalte F\u00fc\u00dfe aufheizt.<\/p>\n<p>Aber ich lernte durchaus, u.a. dass die derzeit hohe Frequenz meiner Glutattacken auf ein besonders rapides Absinken des Hormonspiegels hinweist, das kennt man sonst von j\u00fcngeren Frauen, denen die Geb\u00e4rmutter samt Eierst\u00f6cken entfernt wurde. Interessant fand ich auch die Messbarkeit der Attacken (Puls, K\u00f6rpertemperatur), dass aber ein Abgleich mit dem subjektiven Empfinden sich nicht unbedingt deckt (manche Frauen bemerken sie nicht).<\/p>\n<p>Superinteressant: Gunter nennt Zahlen, in welchen Industrienationen Frauen welche Therapie bei Problemen (extrem starke Blutungen) bevorzugen &#8211; und setzt sie in Beziehung zur Kostenstruktur im Gesundheitswesen. So weist sie recht einfach nach, dass die deutlich \u00fcberdurchschnittlich vielen Totaloperationen in den USA schlicht die kosteng\u00fcnstigste L\u00f6sung f\u00fcr Frauen sind, die &#8220;done with it&#8221; sein wollen &#8211; also nicht weiter f\u00fcr Medikamente und Artzbesuche zahlen wollen\/k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der f\u00fcr mich zentrale Input war der zur Hormonersatztherapie: Ich hatte irrt\u00fcmlich angenommen, dass eine Hormontherapie den Schei\u00df lediglich rausz\u00f6gert, dass jede Frau fr\u00fcher oder sp\u00e4ter durch ihre pers\u00f6nlichen Klimakteriumsbeschwerden durchmuss, von praktisch keine (30%) \u00fcber mittelschwer (30%) bis schwer (30%). Jetzt habe ich begriffen, dass externe Hormongabe die Symptome mildern kann, bis der Hormonstoffwechsel des K\u00f6rpers mit der Umstellung durch ist. Und habe bereits einen Arzttermin vereinbart (dr\u00fccken Sie mir die Daumen, dass der bislang unbekannte Herr etwas taugt).<\/p>\n<p>Wof\u00fcr ich wieder keine ausf\u00fchrlichen Kapitel gebraucht h\u00e4tte: F\u00fcr die Beweisf\u00fchrung, dass keine medizinischen Produkte vor Einf\u00fchrung in den Verkauf so genau gepr\u00fcft werden, ab Verkauf so minuti\u00f6s getrackt und \u00fcberwacht werden wie die von &#8220;Big Pharma&#8221;, also von hochprofessionellen Pharmaunternehmen. (Weswegen Sie ja auch jeder Werbung f\u00fcr anscheindende Arzneien misstrauen sollten, die nicht mit &#8220;Zu Risiken und Nebenwirkungen etc. etc.&#8221; begeleitet wird: Hohe Wahrscheinlichkeit von reinem Marketingprodukt ohne erwiesene Wirkung.) Mich muss man auch nicht minuti\u00f6s durch die Argumente f\u00fchren, mit denen die Unzuverl\u00e4ssigkeit und die Risiken &#8220;nat\u00fcrlicher Mittel&#8221; belegt werden.<\/p>\n<p>Und ein gro\u00dfes Kapitel \u00fcber &#8220;gesunde&#8221; Ern\u00e4hrung h\u00e4tte ich wirklich nicht gebraucht, dankesch\u00f6n (Gut-K\u00e4rtchen allerdings f\u00fcr die Betonung, wie empirisch wacklig alle wissenschaftlichen Aussagen in diesem Feld sind). Oder ein weiteres \u00fcber Nahrungserg\u00e4nzungsmittel &#8211; das lediglich wiederholen kann, dass es keinen gesicherten Nutzen gibt. \u00dcber Verh\u00fctung in den Wechseljahren brauchte ich ebenfalls keine Information (*schnippschnapp* mit 30, bzw. *schmurgel*).<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzliche Erkenntnis: Ja, Frauen sollten \u00fcber das Klimakterium ebensogut informiert sein wie \u00fcber die Pubert\u00e4t, lassen Sie uns mehr dar\u00fcber sprechen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Markus Theunert vom Dachverband Schweizer M\u00e4nner- und V\u00e4terorganisationen nimmt die Kriegs-getriebenen Schm\u00e4hungen menschlicher M\u00e4nner auseinander:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.maenner.ch\/sie-traeumen-von-harten-kerlen\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Sie tr\u00e4umen schon wieder von harten Kerlen&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Es gibt eine Grundlage, auf die sich alle Fachleute der Geschlechterforschung und M\u00e4nnerarbeit verst\u00e4ndigt haben: M\u00e4nnlichkeit bezeichnet als Begriff und Konzept die Gesamtheit der Anforderungen, die sich an M\u00e4nner richten. Sie sind kulturell vermittelt, nicht gott- oder naturgegeben. Am m\u00e4nnlichsten ist, wer diesen M\u00e4nnlichkeitsimperativen am meisten entspricht. Das ist jedoch eine unm\u00f6gliche Mission. Bereits die traditionellen M\u00e4nnlichkeitsanforderungen \u2013 in jeder Lebenslage leistungsstark und souver\u00e4n sein \u2013 waren unerreichbar. Ihre widerspr\u00fcchliche Teilmodernisierung \u2013 in jeder Lebenslage leistungsstark und souver\u00e4n bleiben, aber bitte gleichzeitig auch noch einf\u00fchlsam, sozialkompetent und m\u00e4nnlichkeitsreflekiert sein \u2013 sind erst recht unerf\u00fcllbar. So m\u00e4andern viele M\u00e4nner eher verwirrt als bestimmt durch die geschlechterpolitische Transformation und sind vor allem eins: orientierungslos ob all der Doppelbotschaften, die auf sie einprasseln. Denn so vehement die modernisierte Norm des entgifteten Mannes eingefordert wird, so hartn\u00e4ckig halten die Institutionen \u2013 nicht nur in der Arbeitswelt \u2013 am Ideal des allzeit verf\u00fcgbaren Superperformers fest.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Das Patriarchat kann sich nur halten, solange M\u00e4nner und nicht M\u00e4nnlichkeitsnormen als Wurzel des \u00dcbels gelten. Als besonders wirkungsvoll erweist sich dabei, M\u00e4nner in einem permanenten Gef\u00fchl des Ungen\u00fcgens zu halten, verbunden mit der Angst, ihre Defizite an \u00abechter M\u00e4nnlichkeit\u00bb k\u00f6nnten auffliegen. Denn solange gen\u00fcgend M\u00e4nner gen\u00fcgend Schiss vor ihrem individuellen Versagen haben, so lange k\u00f6nnen sie sich nicht verb\u00fcnden im gemeinsamen Kampf gegen ein patriarchales System, das ihnen genauso schadet wie Frauen und Kindern und das diese Angst vor dem individuellen Ungen\u00fcgen als Machtmittel kultiviert.<\/p>\n<p>Der SPIEGEL-Artikel ist in der Abwertung m\u00e4nnlicher Vielfaltsbem\u00fchungen ein wunderbares Beispiel, wie pseudoemanzipatorische Reproduktion patriarchaler Macht funktioniert. Er redet M\u00e4nnern ein, ihre tastenden Versuche, die M\u00e4nnlichkeitskorsette ihrer Vorv\u00e4ter zu sprengen, seien schw\u00e4chlich. Wer sich etwas mit m\u00e4nnerrechtlerisch-antifeministischen Ideologien auseinandersetzt, weiss: \u00abSchw\u00e4chlich\u00bb ist die Chiffre f\u00fcr \u00abweiblich\u00bb. Das ist das bespielte Ressentiment: die heutigen M\u00e4nner verweiblichen. Um Putin &#038; Co. die Stirn zu bieten, brauchen wir wieder \u00abechte M\u00e4nner\u00bb (oder Frauen, die gelernt haben, sich wie solche zu verhalten).<\/p>\n<p>Das ist eine perverse Umkehr der Sachlage: Autorit\u00e4re Machtm\u00e4nner f\u00fchren die Welt an den Abgrund eines dritten Weltkriegs. Ausbeuterische M\u00e4nnlichkeitsideologien f\u00fchren den Planeten an den Abgrund der Klimakatrastrophe. Und der Weg aus dem Schlammassel soll das Revival der autorit\u00e4ren Machtm\u00e4nner und der ausbeuterischen M\u00e4nnlichkeitsideologien sein \u2013 einfach in zeitgeistig-ausbalancierter frischer Verpackung?<\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/d43b42d214724bd9b13b82b07abc6e38\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nacht mit langem Loch ab halb vier &#8211; in dem ich mir zumindest ein paar Ideen f\u00fcrs Abendessen ausdachte. 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