{"id":78160,"date":"2022-07-16T07:52:02","date_gmt":"2022-07-16T05:52:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=78160"},"modified":"2022-07-16T08:19:39","modified_gmt":"2022-07-16T06:19:39","slug":"journal-freitag-15-juli-2022-mely-kiyak-herr-kiyak-dachte-jetzt-faengt-der-schoene-teil-des-lebens-an-boeser-laerm-beifang-aus-dem-internetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2022\/07\/journal-freitag-15-juli-2022-mely-kiyak-herr-kiyak-dachte-jetzt-faengt-der-schoene-teil-des-lebens-an-boeser-laerm-beifang-aus-dem-internetz.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 15. Juli 2022 &#8211; Mely Kiyak, <i>Herr Kiyak dachte, jetzt f\u00e4ngt der sch\u00f6ne Teil des Lebens an<\/i>, b\u00f6ser L\u00e4rm, Beifang aus dem Internetz"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Weckerklingeln (eine weitere herrlich unerw\u00e4hnenswerte Nacht, Hormonersatztherapie ist super) erst mal erste Handgriffe f\u00fcrs Wochenendbrot: Ich plante <a href=\"https:\/\/salzkorn.blogspot.com\/2012\/05\/zwei-auf-die-nusse-walnussbrot-zum.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieses Walnussbrot<\/a>, den Weizensauerteig hatte ich schon Donnerstagabend beim Heimkommen aufgefrischt. Beim Morgenkaffee besonders laute Gr\u00fcnspecht-Rufe von drau\u00dfen &#8211; die mir besonders deutlich unter die Nase rieben, dass ich das Mistvieh nie zu sehen bekomme.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Selbsttest bei Herrn Kaltmamsell auch zweieinhalb Wochen nach erster Positiv-Testung einen hauchd\u00fcnnen zweiten Strich angezeigt hatte, best\u00e4tigte ein PCR-Test am Donnerstag, dass er tats\u00e4chlich so wenig infekti\u00f6s ist, wie er sich f\u00fchlte.<\/p>\n<p>Es hatte \u00fcberraschend stark abgek\u00fchlt in der Nacht, ich h\u00e4tte auf dem Weg in die Arbeit mit meinen nackten Beinen und dem Sommerkleidchen ein J\u00e4ckchen vertragen.<\/p>\n<p>Arbeitsrhythmus im B\u00fcro ruhig, meine Ersch\u00f6pfung von der Woche machte mich eh nicht besonders leistungsf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Mittags Birchermuesli mit Sojajoghurt, Pfirsiche, Pflaumen.<\/p>\n<p>Auf dem Heimweg durch milde Sonne ohne Hitze Eink\u00e4ufe beim Vollcorner, vorher auf einen Sprung in den Edeka, um Dijon-Senf zu preppen (siehe unten).<\/p>\n<p>Zu Hause erst mal zwei Arbeitsschritte Richtung Walnussbrot, dann eine Runde Yoga: <a href=\"https:\/\/youtu.be\/mdsZzKK19Ko\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Wiederholung der Anstrengung vom Vortag<\/a> mit langer <a href=\"https:\/\/www.pinterest.de\/pin\/684195368368566707\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Tauben-Haltung<\/a> &#8211; doch ich nahm die Aufforderung ernst, dabei in erster Linie wahrzunehmen, was in meinem K\u00f6rper passierte (Schulterg\u00fcrtel verkrampfte und ging hoch, H\u00fcftdehner\/Po begannen zu schmerzen), statt auf ein Ziel hinzuarbeiten. Danach Brotteig-Kneten. Au\u00dferdem machte die Insektenlage mal wieder eine Fruchtfliegenfalle n\u00f6tig, <a href=\"http:\/\/cucina-casalinga.com\/2010\/08\/31\/massenmorderin\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">nach dem bew\u00e4hrten Rezept<\/a>.<\/p>\n<p>Jetzt war endlich Wochenende, Herr Kaltmamsell servierte Pimm&#8217;s auf dem Balkon.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220716_03_Pimms.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220716_03_Pimms.jpg\" alt=\"\" width=\"302\" height=\"403\" class=\"alignnone size-full wp-image-78215\" \/><\/a><\/p>\n<p>Perfektes Sommerwetter: Sonnig mit Wolken, etwas Wind, warm, aber nicht hei\u00df (man muss auch mal loben).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220716_05_Vogeltraenke.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220716_05_Vogeltraenke.jpg\" alt=\"\" width=\"239\" height=\"307\" class=\"alignnone size-full wp-image-78216\" \/><\/a><\/p>\n<p>An unserer kleinen Vogeltr\u00e4nke mit Badem\u00f6glichkeit (beides rege genutzt von Meisen, Amsel, Specht) wurde getrunken.<\/p>\n<p>F\u00fcrs Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell wieder Flat-Iron-Steak eingekauft, er servierte es mit einem <a href=\"https:\/\/webapp.kartoffelkombinat.de\/rezepte\/326\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Sellerie-Zucchini-Salat<\/a> aus Ernteanteil &#8211; k\u00f6stlich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220716_06_Nachtmahl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220716_06_Nachtmahl.jpg\" alt=\"\" width=\"342\" height=\"472\" class=\"alignnone size-full wp-image-78217\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dazu hatte ich eine Flasche W\u00fcrttemberger Schmalzried Cabernet Blanc Kleiner Bruder aufgemacht.<br \/>\nZum Nachtisch reichlich Schokolade.<\/p>\n<p>Sp\u00fcrbare Beeintr\u00e4chtigung des Abends: Aus dem Nu\u00dfbaumpark l\u00e4rmte sehr schlecht gelaunte Live-Musik herein. Ich lasse mich wirklich ungern anbr\u00fcllen, und so h\u00f6rte sich das an, getrieben von schnellem Brutalschlagzeug und aggressiver Gitarre. (K\u00f6nnt ihr euren Death Metal nicht ein bisschen fr\u00f6hlicher machen? Jaja, ich wei\u00df, das ist ja der Punkt.)<\/p>\n<p>Ich z\u00e4hlte die Minuten runter bis 22 Uhr, wenn Ruhe sein w\u00fcrde (und war w\u00fctend entschlossen, ab 22.05 Uhr bei Weiterl\u00e4rmen die Polizei zu rufen &#8211; oder pers\u00f6nlich die B\u00fchne zu st\u00fcrmen, alte wei\u00dfhaarige Frau rei\u00dft Schlagzeuger die Sticks aus der Hand, anschlie\u00dfen Gitarrero die Gitarre vom Hals). Denn auch wenn sich jedes St\u00fcck anh\u00f6rte, als w\u00fcrden dabei die Instrumente zerst\u00f6rt, war immer genug Instrument f\u00fcr ein n\u00e4chstes St\u00fcck \u00fcbrig, und \u00fcber die Stunden wurde ich m\u00fcrbe und b\u00f6se. Zum Gl\u00fcck f\u00fcr alle Beteiligten war tats\u00e4chlich bei Glockschlag zehn vom Turm der Matth\u00e4uskirche Ruhe. Selbst hatte ich mich allerdings nicht mal bis zum Schlafengehen beruhigt.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_kiyak.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-77871\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_kiyak.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"246\" \/><\/a><\/p>\n<p>Empfehlung f\u00fcr Mely Kyiak, <i>Herr Kiyak dachte, jetzt f\u00e4ngt der sch\u00f6ne Teil des Lebens an<\/i>. Mir wurde das Buch empfohlen, als im Freundeskreis das Gespr\u00e4ch k\u00fcrzlich auf unsere V\u00e4ter kam und auf deren Leben als Rentner. Die Journalistin und Autorin Kyiak beschreibt, wie sie ihren Vater ins Krankenhaus begleitet, wie Diagnose und Behandlung verlaufen, wie sie ihren beruflichen Alltag parallel organisiert. Meine Freude an der Lekt\u00fcre speiste sich zum einen aus der Liebe Kyiaks zu ihrem Vater, zum anderen aus dem endlich gewachsenen Genre Immigrationsliteratur. Anl\u00e4sslich von <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2012\/03\/pia-ziefle-suna.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pia Ziefles <i>Suna<\/i><\/a> hatte ich mich vor zehn Jahren noch gefragt, wie lange es zu einer vielf\u00e4ltigen solchen in deutscher Sprache brauchen w\u00fcrde; seit einigen Jahren gibt es sie. Und <i>Herr Kiyak dachte, jetzt f\u00e4ngt der sch\u00f6ne Teil des Lebens an<\/i> ist davon eine aus dem deutschen Alltag. Die Herkunft des titelgebenden Herrn Kyiak ist durchaus Thema, immer wieder tauchen kursiv gesetzt seine Geschichten aus der Familien-Mythologie auf (Blutsfehde! Wildes Kurdistan! Bruder im Gef\u00e4ngnis! einvernehmlicher Brautraub!). Vor allem aber sehen wir einer Einwandererfamilie beim Leben zu, in einem bestimmten Abschnitt dieses Lebens, als bei Mely Kyiaks Vater Krebs diagnostiziert wird. In einem deutschen Krankenhaus mit Rosenrabatten davor und mit aus \u00dcberarbeitung herzlosem Personal. In einem Umfeld aus angereisten Verwandten aus der T\u00fcrkei, aus deutscher B\u00fcrokratie, aber auch aus verst\u00e4ndnisvollen Zeitungsredaktionen.<\/p>\n<p>Mir gefiel auch sehr gut, wie die temperamentvolle und unkonventionelle Kyiak ihre Gef\u00fchlsst\u00fcrme in Sprache fasst, wie sie auf ihr eigenes Gro\u00dfwerden zur\u00fcckschaut, das in nur wenigen Details zum Klischee der t\u00fcrkischen Gastarbeiterfamilie passen mag, aus der sie aber eindeutig stammt. Kyiak setzt ihrem lieben, leisen, eigenwilligen Vater ein Denkmal, gleichzeitig ihrer Tocherliebe &#8211; da wurde selbst mir Struktur-Suchtlerin egal, ob das nun ins Genre <i>fiction<\/i> oder <i>non-fiction<\/i> geh\u00f6rt: <i>Herr Kiyak dachte, jetzt f\u00e4ngt der sch\u00f6ne Teil des Lebens an<\/i> ist eine wundervolle, lesenwerte Geschichte.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ein Plakat war mir schon an einer M\u00fcncher Litfa\u00dfs\u00e4ule aufgefallen, jetzt sp\u00fclte mir der Twitter-Account der Stadt M\u00fcnchen dazu in die Timeline den Link zur Ausstellung:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/departure-neuaubing.nsdoku.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;Departure Neuaubing. Europ\u00e4ische Geschichten der Zwangsarbeit&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Ich scrollte sehr vorsichtig durch die Multimedia-Website: Meine Gro\u00dfmutter m\u00fctterlicherseits war ja in der Nazizeit mit ihrer Schwester <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/04\/dampfnudeln-nach-fremdarbeiterinnen-art.htm\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">als Zwangsarbeiterin aus S\u00fcdpolen ins Schw\u00e4bische verschleppt worden<\/a>, womit ich mir meine immer wieder unkontrollierbar heftigen emotionalen Reaktionen auf das Thema erkl\u00e4re.<\/p>\n<p>Dieses Projekt des NS Dokumentationszentrums sieht sehr interessant und vielf\u00e4ltig aus. Zum Beispiel:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/departure-neuaubing.nsdoku.de\/projekte\/mind-the-memory-gap\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;Mind the Memory Gap&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Am Ende der NS-Diktatur bestand die Bev\u00f6lkerung M\u00fcnchens zu einem Viertel aus Zwangsarbeitenden. Im Stadtteil Neuaubing war ihre Anzahl h\u00f6her als die der Einheimischen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>In Graz ist sein einiger Zeit Einiges anders, sie haben dort eine kommunistische B\u00fcrgermeisterin:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2228\/graz-oesterreich\/eine-politik-fuer-die-leut\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;Eine Politik f\u00fcr die Leut\u2019<br \/>\n\u00dcber Jahrzehnte hat sich die KP\u00d6 in Graz zur st\u00e4rksten politischen Kraft emporgearbeitet. Ihr Wahlsieg war ein Schock f\u00fcr die b\u00fcrgerlichen Parteien \u2013 und wom\u00f6glich ein Segen f\u00fcr alle anderen.&#8221;<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Die B\u00fcrgermeisterin l\u00e4sst auf sich warten. Sie hat einen Fall zu l\u00f6sen, der keinen Aufschub duldet. Das Asylgesuch einer Familie wurde abgelehnt, sie braucht dringend Geld f\u00fcr die Miete. Das Sozialamt zahlt nicht mehr, weil es von Gesetzes wegen nicht mehr zahlen darf. Elke Kahr l\u00e4sst von ihrem Lohnkonto zwei Monatsmieten an die Familie \u00fcberweisen. Mandatar:innen der Kommunistischen Partei \u00d6sterreichs (KP\u00d6) spenden einen Grossteil ihres Gehalts f\u00fcr Menschen in Notlagen. Im vergangenen Jahr waren es 200\u2009000 Euro \u2013 doppelt so viel, wie dem Hilfsfonds der Stadt Graz zur Verf\u00fcgung steht. So funktioniert Kommunismus in Graz.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es einfach mal anders machen. Weil es geht und man es f\u00fcr richtig h\u00e4lt &#8211; das freut mich. Auch in diesem Fall halte ich die konkrete Arbeitsweise nicht f\u00fcr eine Patentl\u00f6sung und verallgemeinerbar, mir gef\u00e4llt aber diese pragmatische Unkonventionalit\u00e4t, das beste aus konkreten Umst\u00e4nden herauszuholen.<\/p>\n<blockquote><p>Der Wahlerfolg der Kommunist:innen irritierte \u00fcber die Landesgrenzen hinaus, Journalist:innen reisten an und sp\u00fcrten diesem steirischen Ph\u00e4nomen nach, begleiteten Elke Kahr, befragten Menschen in Gasth\u00e4usern, beschrieben die erste Frau im B\u00fcrgermeisteramt als Sozialarbeiterin, als etwas \u00abbiedere\u00bb K\u00fcmmerin. Und das war nicht nett gemeint. Die Botschaft: Das ist keine ernst zu nehmende Politik, das ist eigentlich gar keine Politik. Weil die KP\u00d6 Interessen ausgleichen und alle Menschen ungeachtet ihrer Herkunft und Haltung mitnehmen m\u00f6chte? Vor allem jene, die nicht mit pr\u00e4chtigen Ressourcen ausgestattet sind?<\/p>\n<p>Anders, als es jene hohen Beamten und Offiziere der Monarchie praktizierten, die im milden Klima der S\u00fcdsteiermark ihren Lebensabend verbrachten und hier ihre \u00fcppigen Pensionen ausgaben, weshalb Graz mitunter der Beiname \u00abPensiopolis\u00bb anhaftet. Spuren davon finden sich noch immer in der DNA dieser sch\u00f6nen Stadt. Die KP\u00d6 hat eine neue Sequenz in diese DNA eingebaut. Die Stadtr\u00e4t:innen der KP\u00d6 verzichten auf einen betr\u00e4chtlichen Teil ihres Gehalts, was ihnen auch schon den Vorwurf des \u00abStimmenkaufs\u00bb einbrachte. Von den 8000 Euro Nettogehalt nimmt die B\u00fcrgermeisterin f\u00fcr sich 2100 Euro. Damit, sagt Kahr, k\u00f6nne sie leben. \u00abUnd so vergessen meine Kollegen und ich nicht, wie es Menschen geht, die sich zur Decke strecken m\u00fcssen, um ihr Leben zu bestreiten.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Sebastian Meineck auf <i>Netzpolitik<\/i>:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2022\/ncmec-zahlen-erklaert-das-raunen-vom-millionenfachen-missbrauch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;NCMEC-Zahlen erkl\u00e4rt:<br \/>\nDas Raunen vom millionenfachen Missbrauch&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Irgendwas mit Millionen \u2013 das ist die Zahl, die h\u00e4ngen bleibt, wenn man Berichte \u00fcber sexualisierte Gewalt gegen Kinder liest. Zahlen sind Nachrichten, und bei derart schweren Verbrechen ist ihr Nachrichtenwert besonders hoch. Aber Zahlen m\u00fcssen auch stimmen, und genau hier mangelt es bei Nachrichtenmedien und Politik an Einordnung.<\/p>\n<p>Die ist derzeit besonders wichtig, denn es gibt eine hitzige Debatte unter Politiker:innen, Kindersch\u00fctzer:innen, B\u00fcrgerrechts-Organisationen und IT-Expert:innen. Der Streit dreht sich um ein Vorhaben der EU-Kommission. Es sieht vor, dass Online-Anbieter auf Anordnung auch private Chats durchleuchten m\u00fcssen. Diese Chatkontrolle soll sexualisierte Gewalt gegen Kinder im Netz aufsp\u00fcren.<\/p>\n<p>Untermauert wird das Vorhaben auch mit Zahlen. In ihrem Entwurf schreibt etwa die EU-Kommission: Im Jahr 2021 gab es fast 30 Millionen Meldungen \u00fcber F\u00e4lle von \u201eKindesmissbrauch\u201c im Netz. Das ist sehr verk\u00fcrzt. Um das F\u00fcr und Wider einer Chatkontrolle zu diskutieren, braucht es mehr.<\/p>\n<p>Die riesige Zahl bedeutet n\u00e4mlich nicht, dass es fast 30 Millionen potentielle Opfer gebe. Tats\u00e4chlich ist diese Zahl nicht geeignet, um die Anzahl potentieller Opfer auch nur ann\u00e4hernd abzusch\u00e4tzen. Ohne weitere Erkl\u00e4rungen erzeugen solche Zahlen ein grob verzerrtes Bild \u00fcber das bekannte Ausma\u00df sexualisierter Gewalt gegen Minderj\u00e4hrige im Netz. Hier kommt eine \u00dcbersicht, was wirklich hinter den Zahlen steckt \u2013 und was nicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie so oft: Es ist halt ein bisschen anstrengend.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Wie der Alltag Anfang des 20. Jahrhunderts im kleinst\u00e4dtischen Wyoming aussah &#8211; fotografiert von Lora Webb Nichols:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/culture\/photo-booth\/a-womans-intimate-record-of-wyoming-in-the-early-twentieth-century\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;A Woman\u2019s Intimate Record of Wyoming in the Early Twentieth Century&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Die Schuhe! Die Kleidung!<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Lieferkettenprobleme oder: Wie ich herausfand, warum ich in den vergangenen Monaten nach Dijon-Senf immer suchen musste und die gro\u00dfen Gl\u00e4ser davon ganz verschwunden zu sein scheinen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2022\/07\/14\/world\/europe\/france-mustard-shortage-dijon.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;France Faces a Shortage of Mustard, Its Uniquely Beloved Condiment&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Seit ich Fernwanderwege mit Namen wandere, denke ich in tiefer Dankbarkeit an die vielen Menschen, die mir das erm\u00f6glichen: Die diese Wege beruflich oder ehrenamtlich legen, pflegen, ausschildern. Herr Kaltmamsell fand im <i>Guardian<\/i> ein Foto-Essay \u00fcber solche Leute in Schottland.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/artanddesign\/2022\/jul\/14\/you-are-killing-everything-scotlands-path-team-keeping-walkers-on-track\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;\u2018It suits the strong-willed\u2019: Scotland\u2019s mountain path makers \u2013 a photo essay&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Wenig \u00fcberraschend ist ein Ziel der Wegpflege, Wandernde vom Querfeldein-Trampeln abzuhalten, das die empfindliche Vegetation zerst\u00f6ren w\u00fcrde. Die leidenschaftliche Bitte (sicher nicht nur f\u00fcr Schottland): Bleiben Sie beim Wandern auf den Wegen! Nachdem in den vergangenen Jahren ohnehin Wandern immer beliebter wurde, sind die Besucherzahlen in der Pandemie nochmal steil gestiegen. Die Auswirkungen habe ich ja selbst auf meinen Lieblingsstrecken im M\u00fcnchner S-Bahn-Bereich gesehen; wenn all diese vielen Menschen die Wege verlassen, richten sie gro\u00dfen Schaden an. Neu war mir diese Bitte:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cIf you need to use walking poles, fair enough, but put a rubber tip on them. If you don\u2019t need them don\u2019t use them, they hasten the erosion, you get tiny little holes in all the surfacing and the verges along the sides, which allows the water in. You are basically widening your own footprint by a good foot on either side by constantly using these poles.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcbersetzt: Wenn Sie auf Wanderst\u00f6cke angewiesen sind, sollten Sie diese nat\u00fcrlich nutzen, aber bitte mit Gummist\u00f6pseln \u00fcber den Spitzen. Wenn Sie nicht auf St\u00f6cke angewiesen sind, nutzen Sie bitte auch keine: Sie beschleunigen die Erosion, da sie kleine L\u00f6cher in die Oberfl\u00e4chen bohren, die Wasser eindringen lassen. Mit St\u00f6cken verbreitern Sie im Grunde Ihren Fu\u00dfabdruck um 30 Zentimeter auf beiden Seiten. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/9b8a8adbfffc4c39a229c5d5c0e8c0d1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Weckerklingeln (eine weitere herrlich unerw\u00e4hnenswerte Nacht, Hormonersatztherapie ist super) erst mal erste Handgriffe f\u00fcrs Wochenendbrot: Ich plante dieses Walnussbrot, den Weizensauerteig hatte ich schon Donnerstagabend beim Heimkommen aufgefrischt. Beim Morgenkaffee besonders laute Gr\u00fcnspecht-Rufe von drau\u00dfen &#8211; die mir besonders deutlich unter die Nase rieben, dass ich das Mistvieh nie zu sehen bekomme. 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