{"id":79014,"date":"2022-08-12T08:11:50","date_gmt":"2022-08-12T06:11:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=79014"},"modified":"2022-08-12T08:45:24","modified_gmt":"2022-08-12T06:45:24","slug":"journal-donnerstag-11-august-2022-corona-tag-5-besserung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2022\/08\/journal-donnerstag-11-august-2022-corona-tag-5-besserung.htm","title":{"rendered":"Journal Donnerstag, 11. August 2022 &#8211; Corona Tag 5, Besserung"},"content":{"rendered":"<p>Eher unruhige Nacht, die damit begann, dass ich zum Einschlafen die Fenster schlie\u00dfen musste: Im Park vor meinem Schlafzimmer br\u00fcllten M\u00e4nner &#8211; nicht aggressiv, sondern ausdauerndes &#8220;HEEEEEEY! HEEEEY! HEY! HEY!&#8221; oder andere W\u00f6rter, mal einzeln, mal zu mehreren, m\u00f6glicherweise war die Absicht Gesang.<\/p>\n<p>Bei einem meiner n\u00e4chtlichen Aufwachen \u00f6ffnete ich das Fenster in sch\u00f6ne K\u00fchle, gr\u00fc\u00dfte den von wolkenlosem Himmel scheinenden Fastvollmond.<\/p>\n<p>Bei leichtem Schlaf machte mein Hirn Pl\u00e4ne f\u00fcr den Donnerstag. Neben Genesung (Stimme kehrte langsam zur\u00fcck, ich konnte Herrn Kaltmamsell vernehmbar einen guten Morgen w\u00fcnschen) waren diese: Zimmerpflanze umtopfen, Balkon von resultierender Sauerei befreien (Letzteres erfahrungsgem\u00e4\u00df dreimal so aufw\u00e4ndig wie Ersteres, deshalb dr\u00fccke ich mich davor bereits mehrere Monate), Fu\u00dfpflege vor Duschen, B\u00fcgeln.<\/p>\n<p>Das Umtopfen brachte ich gleich nach Bloggen und Morgenkaffee hinter mich, ein Topf mit Gr\u00fcnlilie bestand eigentlich nur noch aus dickem Wurzelwerk. Jetzt nicht mehr. Die dreckigen Finger weichte ich nach Aufr\u00e4umen und Putzen gleich zusammen mit den F\u00fc\u00dfen ein, vielleicht w\u00fcrde ich den Dreck unter den Fingern\u00e4geln diesmal nicht erst nach Tagen wegbekommen.<\/p>\n<p>Mit weichen F\u00fc\u00dfen und bunten Zehenn\u00e4geln setzte ich mich auf den Balkon. Unerwartete Corona-Folge: Mir fiel mein Strickzeug wieder ein, das vor mindestens sechs Jahren mit einem angefangenen Sommerpulli aus dunkelblauem B\u00e4ndchengarn liegengeblieben war.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220811_01_Balkonstricken.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220811_01_Balkonstricken.jpg\" alt=\"\" width=\"384\" height=\"524\" class=\"alignnone size-full wp-image-79032\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich war gleich wieder drin in der Routine. Eine Bef\u00fcrchtung trat aber ein: Sehr bald Schulterschmerzen links, ich bekomme einfach keine entspannte Strickhaltung hin, ziehe die Arbeit immer wieder h\u00f6her, obwohl meine Brille beste Sicht bei entspannten Schultern weiter unten erm\u00f6glicht. Gibt&#8217;s im Yoga ein Pendant zum <i>runners&#8217; stretch<\/i> &#8211; <i>knitters&#8217; stretch<\/i>? Weitere Folge: Ich recherchierte nach einer Strickjacke, die ich im Anschluss an das aktuelle Teil angehen k\u00f6nnte. Das machte Spa\u00df, aber ich rechne damit, dass vor Bestellen von Wolle die realistische Perspektive siegt: Offensichtlich habe ich ohne Erkrankung und Ausgehverbot ja keine Lust auf Stricken.<\/p>\n<p>Um zwei fr\u00fchst\u00fcckte ich (Quark mit Joghurt und Pflaumen) &#8211; und mir wurde bewusst, dass ich den ganzen Tag weder Schmerzmittel noch Nasenspray gebraucht hatte! Eindeutige Besserung.<\/p>\n<p>Den Nachmittag verbrachte ich mit Zeitunglesen und Stricken auf dem Balkon, \u00e4rgerte mich, als ich eine E-Mail von DHL bekam: Ein erwartetes P\u00e4ckchen war bei einer Nachbarin abgegeben worden &#8211; obwohl bei uns zwei Personen durchgehend daheim waren.<\/p>\n<p>Auch den Plan B\u00fcgeln setzte ich um. Dabei h\u00f6rte ich Podcasts. Zun\u00e4chst eine ganz alte Folge <a href=\"https:\/\/in-trockenen-buechern.de\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">von Alexandra Tobors <i>In trockenen B\u00fcchern<\/i><\/a>; in dieser Serie hat sie sich zum Ziel gesetzt, besonders komplexe Sachb\u00fccher verst\u00e4ndlich und aus pers\u00f6nlichem Blickwinkel zusammenzufassen. Ich h\u00f6rte <a href=\"https:\/\/in-trockenen-buechern.de\/itb012-maenner\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">die Folge &#8220;M\u00e4nner&#8221; von 2014<\/a>: Alexandra spricht \u00fcber das <i>Jahrbuch 2014: M\u00e4nner<\/i> des deutschen Polen-Instituts Darmstadt. Ihre Zusammenfassung ist luzide und klug, sie weist auf einige verbreitete Denkfehler in der Geschlechterdiskussion hin. Gleichzeitig machte mich Alexandras Optimismus traurig: Seither ist so viel Schlimmes in Polens gesellschaftlicher und politischer Entwicklung passiert.<\/p>\n<p>Der B\u00fcgelberg war hoch genug f\u00fcr einen weiteren Podcast, ich h\u00f6rte die aktuelle Folge von Ra\u00fal Krauthausens <i>Im Aufzug<\/i>: <a href=\"https:\/\/podcasts.apple.com\/us\/podcast\/im-aufzug-mit-hazel-brugger\/id1620854436?i=1000575705553\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Im Aufzug mit Hazel Brugger&#8221;.<\/a> Und erfuhr Interessantes, Lustiges, Emp\u00f6rendes aus dem derzeitigen Leben von beiden.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich fit genug f\u00fcr eine Runde Yoga und dehnte mich mit derselben Folge Adriene wie am Vortag eine gute halbe Stunde durch.<\/p>\n<p>Bei Herrn Kaltmamsell hatte ich Deutsches Abendbrot bestellt &#8211; aber dabei vergessen, dass der Spa\u00df \u00fcberschaubar ist, wenn alle Bestandteile in der K\u00fcche stehen statt auf dem gemeinsamen Esstisch und wir beide uns getrennt daran bedienen, Herr Kaltmamsell sich mit seinem Teller in sein Zimmer zur\u00fcckzieht und ich mich mit meinem an den einsamen Esstisch.<\/p>\n<p>Dennoch a\u00df ich mit Appetit Salat aus Ernteanteil mit Walnuss\u00f6l-Dressing, selbst gebackenes Bauernbrot, frische Salzg\u00fcrkchen (<a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/rezepte\/oldenburger-salzguerkchen.htm\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">diesmal habe ich das Rezept aufgeschrieben<\/a>), Tomaten aus Ernteanteil, <i>pickled<\/i> Zucchini (vor zwei Wochen eingelegt von Herrn Kaltmamsell), K\u00e4se, dreierlei getrocknete Blutw\u00fcrste mit Speck. Nachtisch Schokolade, alles insgesamt ein bisschen zu viel.<\/p>\n<p>Im Bett las ich neue Lekt\u00fcre: <i>Die Mansarde<\/i> von Marlen Haushofer. Zum ersten Mal hatte ich mir als eBook einen Roman gekauft, den ich bereits auf Papier im Regal stehen habe: Um im Bett auf Papier zu lesen, muss ich alle Lichter einschalten und zum Ausschalten nochmal aufstehen. Der eBook-Reader bringt sein eigenes Licht mit. An die Erstlekt\u00fcre vor \u00fcber 30 Jahren (laut handschriftlichem Exlibris) habe ich keine Erinnerung; diesmal war ich umgehend ber\u00fchrt von der scheinbar schlichten Sprache und von der Hauptfigur, gelernter Grafikerin. In ihrem Arbeitszimer scheitert sie seit Jahren an ihrem aktuellen Zeichenprojekt.<\/p>\n<blockquote><p>In den letzten Jahren habe ich mich fast ausschlie\u00dflich f\u00fcr V\u00f6gel interessiert. Ich habe ein bestimmtes Ziel vor Augen, kann mir aber nicht vorstellen, was ich tun sollte, falls ich es jemals erreichen w\u00fcrde. Vielleicht ist das einer der Gr\u00fcnde, warum ich nicht recht weiterkomme. Es ist mein Ziel, einen Vogel zu zeichnen, der nicht der einzige Vogel auf der Welt ist. Ich meine damit, man m\u00fc\u00dfte dies auf den ersten Blick erkennen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Erst als diese Ich-Stimme im Folgenden ihre gescheiterten Versuche detaillierter beschreibt, wurde mir das Herzzerrei\u00dfende ihres Vorhabens klar. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/f60e04e2ef2f44db82e579629ab8aa27\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eher unruhige Nacht, die damit begann, dass ich zum Einschlafen die Fenster schlie\u00dfen musste: Im Park vor meinem Schlafzimmer br\u00fcllten M\u00e4nner &#8211; nicht aggressiv, sondern ausdauerndes &#8220;HEEEEEEY! HEEEEY! HEY! HEY!&#8221; oder andere W\u00f6rter, mal einzeln, mal zu mehreren, m\u00f6glicherweise war die Absicht Gesang. 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