{"id":792,"date":"2005-03-17T10:45:56","date_gmt":"2005-03-17T09:45:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/03\/himmelblau-mit-weissen-wolken.htm"},"modified":"2005-03-18T08:47:48","modified_gmt":"2005-03-18T07:47:48","slug":"himmelblau-mit-weissen-wolken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/03\/himmelblau-mit-weissen-wolken.htm","title":{"rendered":"Himmelblau mit wei\u00dfen Wolken"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/don.antville.org\/stories\/1073603\/\" target=_new>Weil\u2019s Herr Dahlmann gerade mit Friseur-Traumen hat.<\/a><br \/>\nIn meinem Fall waren weder fehlende Schnittkunst, noch gest\u00f6rtes Stilempfinden schuld &#8211; im Gegenteil: Die Friseurin, die ich mit Anfang 20 frequentierte, war ganz ausgezeichnet. Sie schnitt mir alle drei bis vier Monate wunschgem\u00e4\u00df den damals modernen ratzekurzen Igelkopf (riesige Ohrgeh\u00e4nge bitte automatisch dazudenken), der sich dank meiner Haarf\u00fclle wie ein B\u00e4renfell anfasste.<\/p>\n<p>In diesem Alter hatte ich meine vielfarbige Phase: Ich probierte alle Haarfarben durch, au\u00dfer Gr\u00fcn. Wirklich schrecklich sah ich in Blond aus: Mein Teint changierte ins Gr\u00fcnliche, ich wirkte wie frisch gespiehen. Am besten stand mir ein dunkles Pflaumenlila. Mein Friseur-Trauma h\u00e4ngt damit zusammen, dass ich wirklich alle Grundfarben au\u00dfer Gr\u00fcn mal auf dem Kopf hatte.<\/p>\n<p>Es war Sommer und ich vertrat bei der \u00f6rtlichen Zeitung eine urlaubende Redakteurin. Der t\u00e4gliche Arbeitsablauf erm\u00f6glichte sehr lange Mittagspausen, also nutzte ich eine davon f\u00fcr einen Besuch des mittelschicken Friseursalons (bereits nicht mehr \u201eEvis Salon\u201c, aber noch lange nicht \u201eHaarscharf\u201c, eher so \u201eTop Hair\u201c) auf der anderen Seite der Innenstadt. Zum einen brauchte mein Haar K\u00fcrzung, zum anderen wollte ich es mal wieder in Pflaumenlila. Da ich von Natur aus sehr dunkles Haar habe, musste es f\u00fcr eine Farb\u00e4nderung erst mal entf\u00e4rbt werden. Dann kam der chemische Schaum f\u00fcr Dunkellila drauf.<\/p>\n<p>Ich hatte die Dauer der Behandlung untersch\u00e4tzt und wurde schon unruhig, weil ich zur\u00fcck in die Redaktion musste. Endlich war die Einwirkzeit vorbei, die Friseurin wusch mir den Schaum aus &#8211; und holte scharf Luft. Schneller Blick in den Spiegel: Meine Haare waren hellblau. Na ja, nicht ganz hellblau: Dazwischen waren Ei-gro\u00dfe ungef\u00e4rbte Flecken in Hellblond. Der Gesamteindruck: himmelblau mit wei\u00dfen Wolken. Die Friseurin war aufgel\u00f6st, konnte sich das nicht erkl\u00e4ren, rief Kolleginnen und Chefin zu Hilfe. Die wussten auch keine Erkl\u00e4rung, au\u00dfer dass wohl irgendwas mit dem F\u00e4rbemittel nicht gestimmt hatte. Ich selbst war erst mal zu gar keiner Reaktion f\u00e4hig.<\/p>\n<p>Half alles nichts, ich musste dringend zur\u00fcck in die Arbeit. Zu Fu\u00df. Quer durch die Innenstadt samt Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. Und diesmal war es keine Metapher, sondern Realit\u00e4t &#8211; kleine Kinder blieben stehen, um mich anzustarren, zeigten mit dem Finger auf mich und kr\u00e4hten: \u201eMama, guck mal!\u201c Ich war immer noch katatonisch und tat, als w\u00e4re ich gar nicht da.<\/p>\n<p>Au\u00dfer Atem wieselte ich durch die Milchglast\u00fcr ins Gro\u00dfraumb\u00fcro und zischte nur in alle Richtungen: \u201eSagt NICHTS!\u201c Daran hielten sich die Kolleginnen und Kollegen auch halbwegs, nur dass an diesem Nachmittag auffallend viele von ihnen irgendwas von mir oder der Redakteurin neben mir brauchten, das nur ein pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch kl\u00e4ren konnte. Zum Gl\u00fcck hatte ich keinen Au\u00dfentermin und konnte an meinen Geschichten per Telefon recherchieren.<\/p>\n<p>Schon am n\u00e4chsten Tag war der Ausflug in den coiffeurischen Surrealismus vorbei. (Ich \u00e4rgere mich bis heute, dass ich davon kein Foto habe.) Wieder in der Mittagspause bekam die Friseurin die Chance, meine Publikumstauglichkeit zu retten. Die letzte Portion Pflaumenlila hatte sie am Vortag auf meinem Kopf aufgebraucht, es war also kein Nachbessern m\u00f6glich. Mir wurscht, Hauptsache ich konnte wieder unter die Leute. Wir entschieden uns f\u00fcr ein leuchtendes Rot, mit dem ich mich wieder gelassen im B\u00fcro blicken lassen konnte. Wo <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/12\/redaktionsgestalten.htm\">der bayerische Altredakteur<\/a> meine neuerliche Wandlung lachend kommentierte: \u201eWissen\u2019S was, i hob gmoant, des gestern warn Ihre echten Hoa!\u201c<\/p>\n<p>(Mittlerweile habe ich ihn ja gefunden, <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/01\/haare-schneiden.htm\">den besten Friseur von allen<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil\u2019s Herr Dahlmann gerade mit Friseur-Traumen hat. 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