{"id":79625,"date":"2022-09-03T10:08:14","date_gmt":"2022-09-03T08:08:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=79625"},"modified":"2022-09-28T21:39:19","modified_gmt":"2022-09-28T19:39:19","slug":"journal-freitag-2-september-2022-herrliches-licht-und-abend-in-der-acetaia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2022\/09\/journal-freitag-2-september-2022-herrliches-licht-und-abend-in-der-acetaia.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 2. September 2022 &#8211; Herrliches Licht und Abend in der Acetaia"},"content":{"rendered":"<p>Nachts einmal von einer drau\u00dfen herumschreienden Frau geweckt worden, dann kurz vor Weckerklingeln von Angst (nichts Konkretes, erst mal sp\u00fcre ich die Angst, dann wie sie sich mit Lichtkegel \u00fcber Aktuelles einen passenden Anlass sucht &#8211; offensichtlich reine Biochemie).<\/p>\n<p>Der Morgen war sehr frisch, aber wolkenlos sonnig. Wie auch in den vergangenen Jahren Ende August \/ Anfang September: viel Eichelh\u00e4her-Geschrei allerorten. Hat das einen bekannten Grund?<\/p>\n<p>Nach gesch\u00e4ftigem Vormittag schaffte ich es auf einen Cappuccino ins Westenend. Herrlicher Spaziergang, das lebendige und bunte Westend mag ich schon arg gern. Und bei diesem Wetter war es SO SCH\u00d6N!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220902_01_StRupert.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220902_01_StRupert.jpg\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"495\" class=\"alignnone size-full wp-image-79641\" \/><\/a><\/p>\n<p>St. Rupert.<\/p>\n<p>Beim Emilio in der Gollierstra\u00dfe (es wurde gerade angelernt) guten Cappuccino bekommen. Auch auf dem R\u00fcckweg konnte ich den wundersch\u00f6nen Tag schier nicht fassen. Gut gelebt aussehende Kellnerin in einer Wirtshaust\u00fcr, in Jeans und Turnschuhen, Zigarette in der Hand, Blick unterm weggeklammerten Lockenhaar in die Ferne gerichtet. Alle B\u00e4nke am Gollierplatz besetzt, viele Gespr\u00e4che.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck im B\u00fcro war ich froh, diesen Moment gehabt zu haben, denn ich wurde schon wieder zu einer unerwarteten (und sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernden) Volte ums Vergaberecht herum gezwungen. Ich sah mir zu, wie ich sie in schnippischem Tonfall umsetzte, konnte darob endlich wieder mich selbst mehr hassen als das Vergaberecht, Welt in Ordnung.<\/p>\n<p>Mittagessen \u00c4pfel, Tomaten, Pumpernickel mit Frischk\u00e4se.<\/p>\n<p>P\u00fcnktlicher Feierabend, heim ging ich in m\u00f6glichst viel Sonne. Unterwegs kaufte ich in einem kleinen Laden Dahlien und Pfirsiche. Zu Hause k\u00fcmmerte ich mich erst mal um die Blumen, sortierte den bestehende Strau\u00df aus, brachte den frischen in eine Vase.<\/p>\n<p>Nochmal <a href=\"https:\/\/youtu.be\/HUAvxMQWg1k\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">die Runde Yoga vom Vortag<\/a> mit viel Kraft und Balance.<\/p>\n<p>Zum Nachtmahl lud ich Herrn Kaltmamsell in <a href=\"https:\/\/www.restaurant-acetaia.de\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">die Acetaia<\/a> ein. F\u00fcr die U-Bahn-Fahrt dorthin mussten wir uns daran erinnern, wie das nochmal mit den Streifenkarten funktionierte nach drei Monaten 9-Euro-Ticket, mit dem wir einfach in jedes beliebige Nahverkehrsmittel springen konnten (was der gr\u00f6\u00dfte Luxus daran war). Wir hatten auf eine letzte Gelegenheit gehofft, im wundersch\u00f6nen Gastgarten des Lokals zu sitzen, doch als uns der Kellner drinnen platzierte (Terrazzoboden!), wehrten wir uns nicht.<\/p>\n<p>Wir entschieden uns gegen das Men\u00fc und hatten beide Lust auf diese Speisen von der Karte:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220902_04_Acetaia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220902_04_Acetaia.jpg\" alt=\"\" width=\"302\" height=\"403\" class=\"alignnone size-full wp-image-79642\" \/><\/a><\/p>\n<p>Schafsk\u00e4seravioli mit Butter, Majoran und Aceto Balsamico.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220902_05_Acetaia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220902_05_Acetaia.jpg\" alt=\"\" width=\"302\" height=\"350\" class=\"alignnone size-full wp-image-79643\" \/><\/a><\/p>\n<p>Entenbrust mit Mais und Feigen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220902_06_Acetaia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220902_06_Acetaia.jpg\" alt=\"\" width=\"302\" height=\"403\" class=\"alignnone size-full wp-image-79644\" \/><\/a><\/p>\n<p>Pistazien-Rosen-Torte, rote Beeren und Rosmarin-Sorbet.<\/p>\n<p>Dazu suchte ich selbst\u00e4ndig aus der Weinkarte (nach Rebsorten sortiert statt nach Anbaugebieten, ungew\u00f6hnlich f\u00fcr eine italienische Weinkarte) aus Lazio eine <a href=\"https:\/\/ominaromana.com\/collections\/all\/products\/diana-nemorensis-i?variant=41574071140537\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Cuv\u00e9e Diana Nemorensis 2017<\/a> von \u00d4mina Romana aus &#8211; schlicht weil ich Lust auf Rotwein hatte und so wenige Weine aus Lazio kenne. Er stellte sich als sehr interessant heraus mit seiner leichten Veilchennote. Abschlie\u00dfend tranken wir ein Glas Cynar auf Eis.<\/p>\n<p>Gem\u00fctliche Heimfahrt, zu Hause machte ich uns noch einen koffeinfreien Espresso, dazu ein Gl\u00e4schen alten spanischer Brandy &#8211; auch wenn ich wusste, dass er nach Franciacorta, Wein und Cynar das Kopfweh am n\u00e4chsten Tag endg\u00fcltig besiegelte.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Im <i>S\u00fcddeutschen Magazin<\/i> gibt es eine Kolumne &#8220;Gute Frage&#8221;, in der Johanna Adorj\u00e1n auf Fragen zu Benimm und individuelle moralische Entscheidungen antwortet. Die Antwort <a href=\"https:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/gute-frage\/schuhe-ausziehen-im-zug-91850\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">auf die aktuelle Frage (\u20ac)<\/a> enthielt diesen Hinweis:<\/p>\n<blockquote><p>Neulich stand in dieser Zeitung ein Interview mit einem Soziologen \u00fcber die Frage, ob es in Frei\u00adb\u00e4dern mehr Regeln braucht. Immer wieder kommt es dort zu Zusammenst\u00f6\u00dfen. Der Soziologe vertrat die Ansicht, dass an den wenigen \u00f6ffentlichen Orten, an denen sich Fremde aus unterschiedlichen Milieus begegnen, keinesfalls alles offiziell geregelt sein sollte. Hier werde Demokratie ge\u00fcbt: Wie wollen wir miteinander um\u00adgehen? Was einem Menschen gefalle, \u00e4rgere schon mal einen anderen, so sei das nun mal in einer liberalen Gesellschaft. Immer noch besser ein paar gebrochene Nasen als ein \u00dcberwachungsstaat, so in etwa war das Fazit. <\/p><\/blockquote>\n<p>Das gefiel mir. Auch wenn unter solcher Offenheit gerne mal die Schw\u00e4chsten leiden (siehe Erfahrungen mit Gruppen, die erkl\u00e4rterma\u00dfen ohne Hierarchien auskommen wollen: Hier ist die Gefahr belegbar gro\u00df, dass dann doch die St\u00e4rksten, R\u00fccksichtsloseseten das Sagen haben <i>und<\/i> das darf nicht thematisiert werden, da es ja offiziell keine Hierarchien gibt), ist sie mir sympathisch: Sie erinnert mich an die Spiele meiner Kindheit. Die ersten sieben Jahren meines Lebens verbrachte ich in einem Wohnblock mit vielen anderen Kindern. Meist spielten wir drau\u00dfen, nur manchmal auch drinnen &#8211; und drinnen nat\u00fcrlich eher zu dritt, viert, f\u00fcnft. In der gro\u00dfen Gruppe drau\u00dfen wurden immer wieder die Regeln f\u00fcr unsere selbst ausgedachten Spiele ausgehandelt, waren es Rollenspiele wie Vater-Mutter-Kind oder Klassiker wie Verfang. Auch eine Hierarchie gab es. Im Fall von b\u00f6sem Streit, der auch mal physisch ausgetragen wurde (nichts Schlimmes, wir schubsten und patschten oder endeten mit den H\u00e4nden in den Haaren der\/des anderen: &#8220;LASS LOS!&#8221; &#8211; &#8220;NEIN! LASS ERST DU LOS!&#8221;), war v\u00f6llig klar, wer entschied und schlichtete: Die beiden \u00e4ltesten M\u00e4dchen, drei Jahre \u00e4lter als die n\u00e4chstj\u00fcngeren, je nach Verf\u00fcgbarkeit einzeln oder zusammen. Sie hatten sich nie in diese Rolle gedr\u00e4ngt, erf\u00fcllten sie manchmal sogar widerstrebend, nahmen sie aber als selbstverst\u00e4ndlich hin. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals Eltern hinzugezogen wurden, die geh\u00f6rten nicht dazu.<\/p>\n<p>Au\u00dfenseiter gab es schon auch: Da war der Bub, der immer Sachen kaputt machte und richtig zuschlug. Mit dem wollten wir nicht spielen, den schlossen wir aus. (Erwachsenensicht: Er verstand die Regeln nicht oder akzeptierte sie nicht oder beides, kam wahrscheinlich aus einem gewaltt\u00e4tigen Elternhaus &#8211; es gab keine gemeinsame Basis.) Meine Mutter erz\u00e4hlt, sie habe versucht mir klarzumachen, dass der Bub alles kaputtmache, <i>weil<\/i> wir ihn nicht mitspielen lie\u00dfen. Das konnte ich nachvollziehen und spielte immer wieder einzeln mit ihm, wild konnte ich ja. (Endete unter anderem damit, dass ich mal barfu\u00df auf dem Gep\u00e4cktr\u00e4ger seines Radls mitfuhr und mit den Zehen in die Speichen geriet. Mir fehlte die f\u00fcr wildes Spielen n\u00f6tige Geschicklichkeit.)<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Das erste Interview von Sven Michaelsen, das mir gef\u00e4llt (sonst st\u00f6rt mich, dass er den Interviewten ihr Leben erz\u00e4hlt), noch dazu mit jemandem, den ich bis dahin nicht mochte, Ferdinand von Schirach (\u20ac):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/literatur\/ferdinand-schirach-interview-91858?reduced=true\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;&#8216;Es gibt wohl eine Begabung zum Gl\u00fcck \u2013 ich habe sie nicht'&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Von Schirach sagt viele kluge Dinge. Unter anderem weist er darauf hin, wie viel einfacher es die heutige Technik macht, der Nachwelt seinen literarischen Nachlass zu verwehren:<\/p>\n<blockquote><p>Bei mir zum Beispiel gibt es am Ende nur einen USB-Stick. Tageb\u00fccher, Notizen, Manuskripte, Briefe: alles elektronisch. Das will Marbach<sup><a href=\"#footnote_1_79625\" id=\"identifier_1_79625\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Das deutsche Literaturarchiv.\">1<\/a><\/sup> sicher nicht. Au\u00dferdem ist es verschl\u00fcsselt gespeichert. Wenn ich morgen \u00fcberfahren werde, kann niemand darauf zur\u00fcckgreifen.<\/p><\/blockquote>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/03ec641206614fa8adfffefbc6d5845f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_79625\" class=\"footnote\">Das deutsche Literaturarchiv.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_79625\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachts einmal von einer drau\u00dfen herumschreienden Frau geweckt worden, dann kurz vor Weckerklingeln von Angst (nichts Konkretes, erst mal sp\u00fcre ich die Angst, dann wie sie sich mit Lichtkegel \u00fcber Aktuelles einen passenden Anlass sucht &#8211; offensichtlich reine Biochemie). Der Morgen war sehr frisch, aber wolkenlos sonnig. 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