{"id":79695,"date":"2022-09-05T06:49:42","date_gmt":"2022-09-05T04:49:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=79695"},"modified":"2022-09-05T14:06:46","modified_gmt":"2022-09-05T12:06:46","slug":"journal-sonntag-4-september-2022-letzter-freibadschwumm-und-three-thousand-years-of-longing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2022\/09\/journal-sonntag-4-september-2022-letzter-freibadschwumm-und-three-thousand-years-of-longing.htm","title":{"rendered":"Journal Sonntag, 4. September 2022 &#8211; Letzter Freibadschwumm und <i>Three Thousand Years of Longing<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Ausgeschlafen bis sieben. Der Tag startete sonnig, aber k\u00fchl. Nach dem Bloggen las ich die Wochenendzeitung, bis es warm genug f\u00fcr meinen Freibadplan war: Nach gut sechs Wochen wollte ich endlich wieder schwimmen.<\/p>\n<p>Ich radelte durch milde Luft ins Dantebad, dort hoffte ich auf etwas w\u00e4rmeres Wasser als in anderen energiesparend k\u00fchlen M\u00fcnchner Freib\u00e4dern. Die Aush\u00e4nge an den Eing\u00e4ngen informierten lediglich \u00fcber gesenkte &#8220;Mindesttemperatur&#8221; in den Becken.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220904_02_Dantebad.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/220904_02_Dantebad.jpg\" alt=\"\" width=\"596\" height=\"378\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p>Doch beim Gleiten ins Becken war sofort klar: Das Wasser war sehr kalt, genauso kalt wie im Schyrenbad. Ich kraulte extra schnell los, doch schon nach 500 Metern begann ich zu frieren. Ich biss mich noch durch bis zu 1500 Metern &#8211; dann gab ich schlotternd auf. Unter der hei\u00dfen Innendusche brauchte ich lange, bis ich Finger und Zehen wieder sp\u00fcrte.<\/p>\n<p>Zwar spielte ich mit dem Gedanken, nach gr\u00fcndlichem Aufw\u00e4rmen in der Sonne f\u00fcr weitere 1000 Meter auf die Schwimmbahn zur\u00fcckzukehren &#8211; aber so macht mir Schwimmen \u00fcberhaupt keinen Spa\u00df, und warum sollte ich Sport treiben, der mir keinen Spa\u00df bereitet? Ich hatte zwei Menschen im Becken in Neopren gesehen, doch noch ist mir das zu teuer und umst\u00e4ndlich. Verzichte ich halt auf Schwimmen bis nach dem Sommer; ich hoffe, dass das Dantebad sein Wasser dann wieder heizt (kostet im Winter ja auch deutlich mehr Eintritt). Und wenn nicht geheizt wird, weil Energiesparen, setze ich mich f\u00fcr Oberk\u00f6rpertraining halt ans Ruderger\u00e4t, seufzend.<\/p>\n<p>Dennoch genoss ich die Sonne, vor die sich immer wieder Wolken schoben und in der es dadurch nicht zu hei\u00df wurde. Ich h\u00f6rte Musik und d\u00f6ste.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg Semmelstopp am B\u00e4cker Wimmer beim Josephsplatz.<\/p>\n<p>Zu Hause Duschen, dann Fr\u00fchst\u00fcck um drei mit zwei frischen K\u00f6rnersemmeln, eine mit Frischk\u00e4se und Tomate, eine mit H\u00fchnerlebercreme vom Vorabend. Internetlesen, dann b\u00fcgelte ich eine Stunde Kleidung weg. Lesen auf dem Balkon, bis Herr Kaltmamsell Abendessen servierte: Aus Ernteanteil gebratene Auberginenscheiben, au\u00dferdem Corned Beef (selbst gep\u00f6kelt und gestern stundenlang ged\u00e4mpft) mit Pommes aus dem Speisef\u00f6n. Nachtisch Apfelkuchen.<\/p>\n<p>Zur Abendunterhaltung gingen wir ins Kino.<\/p>\n<p>Der Trailer hatte mich sofort begeistert: Die heutige Geschichte einer \u00e4lteren Frau und eines Flaschengeists, gespielt von Tilda SWINTON und Idris Elba &#8211; das konnte nur gro\u00dfartig werden. Und dann <a href=\"https:\/\/joel.lu\/2022\/08\/27\/st-jean-im-kino-3000-years-of-longing\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">schw\u00e4rmte auch noch Jo\u00ebl<\/a> davon: Ich besorgte f\u00fcr gestern Abend Karten f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.imdb.com\/title\/tt9198364\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\"><i>Three Thousand Years of Longing<\/i><\/a> im City-Kino bei uns ums Eck.<\/p>\n<p>Wir sahen einen sehr sch\u00f6nen Film. Er steht in der langen Tradition der Geschichten mit Geist aus der Flasche und drei W\u00fcnschen, doch hier haben wir charmanterweise im Mittelpunkt und als Erz\u00e4hlerin eine Expertin f\u00fcr Geschichten, eine akademische <i>narratologist<\/i>, die sich dieser ihrer Geschichte bewusst ist. Und die in den Verhandlungen mit ihrem Flaschengeist, Dschinn, immer wieder auf die typischen Bestandteile dieser Geschichten hinweist, unter anderem, dass sie immer schlecht ausgehen, dass dem Dschinn nicht zu trauen ist, aber auch, dass er sich vor ihr als W\u00fcnscherin mehr in Acht nehmen sollte. Der Dschinn erz\u00e4hlt ihr, wie er in die Flasche geraten ist, die sie in Istanbul gefunden hat, wohin sie zu einer Konferenz gereist ist &#8211; und der Wunsch, den sie dann tats\u00e4chlich \u00e4u\u00dfert, ist wundervoll daraus hergeleitet. Wie alle solche Geschichten hatte auch diese eine tiefe Bedeutung.<\/p>\n<p>Ich war allein schon deshalb \u00fcber den Originalton froh, weil Tilda Swinton (immer gro\u00dfartig) diesmal mit verstreutem, aber deutlichem nordenglischen Akzent spielt &#8211; vielleicht mochte sie endlich mal eine andere Herkunft spielen als ihre eigene aus der britischen Oberschicht.<\/p>\n<p>Im letzten Teil des Films lachte ich laut auf, als man ihre Figur Alithea auf einer Laptop-Tastatur tippen sieht: Nur mit dem rechten Zeigefinger. Ich hatte vor \u00fcber 20 Jahren eine promovierte Kollegin, die genau so tippte, f\u00fcr Gro\u00dfbuchstaben nahm sie den linken Zeigefinger zu Hilfe (als ich sie entgeistert fragte, wie sie ihre Doktorarbeit geschrieben habe, erkl\u00e4rte sie: &#8220;Auch so.&#8221;). Gro\u00dfe Pluspunkte: Ich fand die Geschichte zufriedenstellend zu Ende gebracht. <i>Und<\/i> endlich mal wieder ein Film mit unter zwei Stunden Laufzeit, er dauert nur 100 Minuten. Ich hatte schon bef\u00fcrchtet, das sei Vergangenheit.<\/p>\n<p>Dem Abspann des Films entnahm ich, dass er auf einer Kurzgeschichte von A.S. Byatt basiert &#8211; die werde ich suchen, von ihr habe ich eh schon zu lange nichts mehr gelesen (ver\u00f6ffentlichte zu meinen Studienzeiten <i> Possession: A Romance<\/i>, das viel Wirbel machte).<\/p>\n<p>Mein erster Kinofilm, in dem Corona-Masken getragen wurde, in der U-Bahn, in H\u00f6rs\u00e4len, ohne dass es Thema war. Und im Abspann wurden die Verantwortlichen f\u00fcr die Corona-Ma\u00dfnahmen der Dreharbeiten genannt.<\/p>\n<p><i>Nachtrag: Sehr gut gef\u00e4llt mir die Rezension des Films von Peter Bradshaw im <\/i>Guardian<i> (auch wenn er zu meiner \u00dcberraschung David Lodge einen &#8220;forgotten influence&#8221; nennt &#8211; ich bin alt):<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/film\/2022\/sep\/01\/three-thousand-years-of-longing-review-heartfelt-aladdinesque-adventure-for-grownups-tilda-swinton-idris-elba-george-miller\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\"> &#8220;Three Thousand Years of Longing review \u2013 heartfelt Aladdinesque adventure for grownups&#8221;.<\/a> Ebenfalls interessant aber der Verriss des Films von Wendy Ide im selben Blatt: <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/film\/2022\/sep\/03\/three-thousand-years-of-longing-review-djinn-in-need-of-a-tonic-tilda-swinton-idris-elba\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Three Thousand Years of Longing review \u2013 djinn in need of a tonic&#8221;.<\/a><\/i><\/p>\n<p>Auch auf dem kurzen R\u00fcckweg war es noch warm genug f\u00fcr Jackenlosigkeit. Nach elf ins Bett, huiuiui!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/2721c21ba348481bb5e46d23fdb793e2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgeschlafen bis sieben. Der Tag startete sonnig, aber k\u00fchl. Nach dem Bloggen las ich die Wochenendzeitung, bis es warm genug f\u00fcr meinen Freibadplan war: Nach gut sechs Wochen wollte ich endlich wieder schwimmen. Ich radelte durch milde Luft ins Dantebad, dort hoffte ich auf etwas w\u00e4rmeres Wasser als in anderen energiesparend k\u00fchlen M\u00fcnchner Freib\u00e4dern. 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