{"id":7972,"date":"2010-06-16T16:13:43","date_gmt":"2010-06-16T14:13:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=7972"},"modified":"2013-03-25T19:25:15","modified_gmt":"2013-03-25T18:25:15","slug":"was-die-kammerspiele-und-peter-handke-mit-susan-sontag-und-dem-tatort-zu-tun-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2010\/06\/was-die-kammerspiele-und-peter-handke-mit-susan-sontag-und-dem-tatort-zu-tun-haben.htm","title":{"rendered":"Was die Kammerspiele und Peter Handke mit Susan Sontag und dem Tatort zu tun haben"},"content":{"rendered":"<p>Gestern Abend hat mein Kammerspiel-Abo mich wieder ins Theater gebracht: <a href=\"http:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/index.php?SeitenID=stueck&#038;ID=1091\" target=_new><i>Das letzte Band \/ Bis dass der Tag euch scheidet oder Eine Frage des Lichts<\/i><\/a>, der erste Teil von Samuel Beckett, der zweite darauf aufbauend von Peter Handke.<\/p>\n<p>Ich bin immer noch in erster Linie berauscht von Theatererlebnissen, sehe immer noch eine viel gr\u00f6\u00dfere Verwandtschaft einer Theaterinszenierung mit bildender Kunst als mit Literatur. Die Mittel des Erz\u00e4hlens sind mindestens so wichtig wie die Inhalte, ohnehin untrennbar damit verbunden. M\u00f6glicherweise ist damit inzwischen die Forderung Susan Sontags erf\u00fcllt, die sie Anfang der Sechzigerjahre erhob: Sie sah die Zeit gekommen f\u00fcr ganz neue Formen des Erz\u00e4hlens, weg von der Inhaltsbezogenheit. Am meisten w\u00fcnschte sie sich das von Romanen, f\u00fchrte in einem anderen Aufsatz aber als Beispiele die damals aufkommenden Happenings an \u2013 die mit Techniken arbeiteten, die heute zur g\u00e4ngigen Inszenierungspraxis geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Kurzer Exkurs: Im Urlaub habe ich Sontags erste und wohl auch ber\u00fchmteste Essaysammlung <i>Against Interpretation<\/i> (1966) gelesen. Das titelgebende Einstiegessay von 1964 (<a href=\"http:\/\/www.coldbacon.com\/writing\/sontag-againstinterpretation.html\" target=_new>hier online<\/a>) erz\u00fcrnte mich zun\u00e4chst: Das stimmte doch alles gar nicht, keineswegs befasst sich die Literaturwissenschaft nur mit den Geschichten, mit den Erz\u00e4hlinhalten, und l\u00e4sst Techniken wie Formen unber\u00fccksichtig. Und sie sucht keineswegs danach, was der Autor damit sagen wollte. Doch dann erwachte ein Verdacht in mir: Vielleicht hat sich ja in der Literaturwissenschaft in den 40 Jahren zwischen Sontags Essay und meinem Literaturstudium in den 90ern viel mehr grunds\u00e4tzlich bewegt, als mir bislang klar war. 1964\u2026 da waren <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/F._R._Leavis\" target=_new>F. R. Leavis<\/a> und der <i>New Criticism<\/i> vermutlich noch Standard. Vielleicht aber liegt das Problem auch in der unterschiedlichen Begrifflichkeit: Das englische <i>literary criticism<\/i> umfasst sowohl Literaturwissenschaft als auch literarisches Feuilleton. Und auch in Deutschland schreiben Feuilletonisten bis heute mit Hingabe dar\u00fcber, was ein literarisches Werk, ein Autor, in Wirklichkeit und eigentlich erz\u00e4hlen wollten.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum gestrigen Abend in den Kammerspielen. Beim Stichwort Handke m\u00f6chte ich eigentlich immer zusammenzucken und aus Angst vor Langeweile fliehen. Doch inszeniert funktioniert seine Sprache, mit fast magischer Luzidit\u00e4t. So auch gestern. Zumal der von Handke geschriebene Teil der Monolog einer wundervollen Schauspielerin war (<a href=\"http:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/index.php?SeitenID=stueck&#038;ID=1091\" target=_new>hier gibt es links einen Ausschnitt als Filmchen<\/a>): <a href=\"http:\/\/www.google.de\/images?q=nina+kunzendorf&#038;um=1&#038;ie=UTF-8&#038;source=univ&#038;ei=H9gYTIq2LsOfOLin8ZwL&#038;sa=X&#038;oi=image_result_group&#038;ct=title&#038;resnum=1&#038;ved=0CC4QsAQwAA\" target=_new>Nina Kunzendorf<\/a>, in die ich mich in ihrer Rolle der Krankenpflegerin in <i>Marias letzte Reise<\/i> umgehend verknallt habe \u2013 vielleicht kennen Sie sie auch aus einem der besten Polizeirufe \u00fcberhaupt, <a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/polruf\/sendung.asp?datum=20.02.2005\" target=_new>\u201eDer scharlachrote Engel\u201c<\/a>. Und beim Heraussuchen weiterf\u00fchrender Links sto\u00dfe ich eben <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/kultur\/tv\/neue-tatort-kommissarin-nina-kunzendorf-wird-partnerin-von-joachim-krol-1535888.html\" target=_new>auf die Meldung<\/a>, dass sie zusammen mit Joachim Kr\u00f3l die Frankfurter <i>Tatort<\/i>-Kommissare Andrea Sawatzki und J\u00f6rg Sch\u00fcttauf beerben soll. Da bin ich aber mal gespannt. (Bitte schreibt gute Drehb\u00fccher!)<\/p>\n<p><i>Nachtrag 18.6.: Wundersch\u00f6ne Koinzidenz &#8211; das <\/i>S\u00fcddeutsche Magazin<i> enth\u00e4lt heute ein &#8220;Sagen Sie jetzt nichts&#8221; mit genau dieser Nina Kunzendorf.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Abend hat mein Kammerspiel-Abo mich wieder ins Theater gebracht: Das letzte Band \/ Bis dass der Tag euch scheidet oder Eine Frage des Lichts, der erste Teil von Samuel Beckett, der zweite darauf aufbauend von Peter Handke. 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