{"id":80737,"date":"2022-10-06T09:22:51","date_gmt":"2022-10-06T07:22:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=80737"},"modified":"2022-10-08T09:22:35","modified_gmt":"2022-10-08T07:22:35","slug":"journal-mittwoch-5-oktober-2022-langweiligster-wmdedgt-ever-zum-glueck-weil-heimreise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2022\/10\/journal-mittwoch-5-oktober-2022-langweiligster-wmdedgt-ever-zum-glueck-weil-heimreise.htm","title":{"rendered":"Journal Mittwoch, 5. Oktober 2022 &#8211; Langweiligster #wmdedgt EVER (zum Gl\u00fcck, weil Heimreise)"},"content":{"rendered":"<p>An jedem 5. des Monats fragt Frau Br\u00fcllen: &#8220;Was machst du eigentlich den ganzen Tag?&#8221; <a href=\"https:\/\/bruellen.blogspot.com\/2022\/10\/051022-wmdedgt-reisereise-edition.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Und sammelt die Antworten in ihrem Blog.<\/a><\/p>\n<p>Weil dieser 5. auf unseren Heimreisetag fiel, freue ich mich sehr dar\u00fcber, dass meine superlangweilig und ohne jede Aufregung ist.<\/p>\n<p>Um halb sieben klingelte der Wecker. Schnelles Duschen, Reisekleidung war eine (bereits befleckte) schwarze Jeans und ein fleckenversteckendes langes Hemd, dr\u00fcber Jeansjacke: Auch in M\u00fcnchen sollte mildes Wetter herrschen.<\/p>\n<p>Letztes Packen (Wasserflaschen f\u00fcllen, \u00c4pfel einstecken), letztes R\u00fcckr\u00e4umen der Ferienwohnung, Check in und unter allen M\u00f6beln.<\/p>\n<p>Wir rollkofferten zum Euskotren-Bahnhof Amara, hatten Zeit f\u00fcr einen ersten <i>caf\u00e9 con leche<\/i>.<\/p>\n<p>Das Drau\u00dfen auch gestern Calima-neblig, im Umsteige-Grenzort Hendaya\/Hendaye sah man das sch\u00f6n.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/221005_02_Hendaya.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/221005_02_Hendaya.jpg\" alt=\"\" width=\"538\" height=\"370\" class=\"alignnone size-full wp-image-80747\" \/><\/a><\/p>\n<p>Beim Verlassen des spanischen Bahnhofs sieht man den franz\u00f6sischen. In einem Caf\u00e9 gegen\u00fcber nochmal <i>caf\u00e9 au lait<\/i>, wir hatten mit Puffer geplant. Die Ferienwohnungsvermieterin meldete sich mit Dank, dass wir alles so ordentlich und sauber zur\u00fcckgelassen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Auch weiterhin lief alles glatt. TGV mit Pl\u00e4tzen im oberen Stockwerk nach Paris (genug Platz f\u00fcr unsere Koffer im Kofferfach), wo wir p\u00fcnktlich nach knapp f\u00fcnf Stunden eintrafen. Wir mussten Bahnhof wechseln, kannten uns ja von unserem Paris-Aufenthalt mit dem Metro-System gut aus: Problemloser Transfer vom Bahnhof Montparnasse zum Gare de l&#8217;Est. Dort hatte Fahrtplaner Herr Kaltmamsell 45 Minuten Aufenthalt eingerechnet, in dem wir uns etwas zu essen holen konnten: Ich a\u00df nach dem mitgebrachten Apfel ein ausgezeichnetes K\u00f6rner-Baguette mit rohem Schinken, K\u00e4se und Ruccola, au\u00dferdem einen halben Schoko-Muffin.<\/p>\n<p>P\u00fcnktliche Abfahrt mit einem weiteren TGV (Pl\u00e4tze unten) um 15.55 Uhr; der war jetzt voll besetzt und dadurch nicht mehr ganz so gem\u00fctlich, zumal wir das Abteil mit zwei Brutalst-Huster-Nieser-Rotzern ohne Masken teilten (selbst beide durchgehend mit FFP2-Masken).<\/p>\n<p>Das \u00dcberfahren der franz\u00f6sisch-deutschen Grenze markierte diesmal nicht eine Nationalhymne \u00fcber die Lautsprecher, sondern klassisch der Verlust des Handy-Netzes (Bord-WLAN extrem langsam) sowie Verp\u00e4tung des Zugs bereits vor dem ersten Halt auf deutschem Boden in Karlsruhe.<\/p>\n<p>Die letzten Stunden Fahrt wurden m\u00fchsam, vom Sitzen begann mir alles weh zu tun. Bei Ulm stand ich zwar mal auf, ging durch den Zug, dehnte mich in alle Richtungen, doch ich z\u00e4hlte die Viertelstunden runter.<\/p>\n<p>In M\u00fcnchen trafen wir nach 13,5 Stunden seit Start am Bahnhof in San Sebasi\u00e1n ein (laut Google Routenplaner h\u00e4tte die Autofahrt trotz direkterer Strecke 16 Stunden gedauert), mit lediglich 15 Minuten Versp\u00e4tung. Insgesamt hatte die Zugfahrt f\u00fcr zwei Personen hin und zur\u00fcck 456 Euro gekostet (wegen unterschiedlicher TGV-Preise 274 Euro hin und 182 Euro zur\u00fcck).<\/p>\n<p>Was mir nachts kurz vor zehn beim Verlassen des Bahnhofs in M\u00fcnchen auffiel: Um wie viel besser die Luft in San Sebasti\u00e1n gewesen war, Seeluft vs. Autoabgase.<\/p>\n<p>Ich litt seit ein paar Stunden untern brutalen Kopfschmerzen, die mich beim Heimrollkoffern torkeln lie\u00dfen &#8211; zum Gl\u00fcck half daheim eine Ibu schnell. Herr Kaltmamsell war zwar auch erledigt, aber doch so fit, dass er uns schnelle Nudeln mit Tomatensauce zum Abendessen zauberte, Nachtisch S\u00fc\u00dfigkeiten.<\/p>\n<p>Wir schafften es, die Koffer <i>nicht<\/i> auszupacken, sondern nur das N\u00f6tigste (oder Verderblichste) rauszuholen. Alles Weitere am n\u00e4chsten Tag.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_aramburo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_aramburo.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"231\" class=\"alignnone size-full wp-image-80403\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auf der Fahrt hatte ich Fernando Aramburu, Willi Zurbr\u00fcggen (\u00dcbers.), <i>Patria<\/i> ausgelesen. Ein umfangreicher Roman \u00fcber die Auswirkungen des ETA-Terrors auf zwei konkrete baskische Familien von den 1970ern bis 2011, als die Organisation offiziell Gewalt aufgab. Er setzt mit dieser Verlautbarung 2011 ein und rollt anhand der Familienmitglieder Alltag und Lebensgeschichten auf, zeitlich zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselnd. Im Mittelpunkt zwei einst beste Freundinnen: Bittoris Mann Txato wurde vor \u00fcber zwanzig Jahren von Terroristen erschossen, Mirens Sohn Joxe Mari sitzt als Terrorist in Haft.<\/p>\n<p>Diese Leben sind nicht nur wegen des geschichtlichen Hintergrunds fesselnd, jedes ist vielschichtig glaubhaft. Auch weit \u00fcber die politischen Vorg\u00e4nge um baskischen Nationalismus und Franco-Regime entsteht ein Bild der spanischen Gesellschaft dieser Zeit. Zwar ist es gef\u00e4hrlich, zu direkte Schl\u00fcsse aus einem literarischen Werk \u00fcber die Wirklichkeit zu ziehen, doch im besten Fall \u00f6ffnet sich durch Fiktion eine T\u00fcr: Oh, dar\u00fcber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Bei dieser konkreten Lekt\u00fcre merkte ich, dass ich mir nie Gedanken \u00fcber die Finanzierung des europ\u00e4ischen Terrorismus gemacht hatte. Als Kind meiner Zeit und Generation verbinde ich Terrorismus der 1970er in erster Linie mit der intellektuellen RAF, Finanzierung durch Raub\u00fcberf\u00e4lle und unterst\u00fctzende ausl\u00e4ndische Regimes. Doch ethno-nationaler Terrorismus wie der der ETA wirkte auch deshalb so gesellschaftszerst\u00f6rerisch, weil er sich durch Schutzgelderpressung in der eigenen Community finanzierte.<\/p>\n<p>Aramburus Roman machte mir bewusst, dass hier neben dem lang noch nicht verarbeiteten spanischen B\u00fcrgerkrieg eine weitere offene Wunde in der spanischen Gesellschaft schw\u00e4rt: Auch der ETA-Terrorismus betraf jede*n und alle, wirkte sich auf jeden Aspekt des Alltags aus. Da auch die literarische Ebene des Romans ausgesprochen gelungen ist: Empfehlung. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/99a288cfecf044d2933f6475e285b406\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An jedem 5. des Monats fragt Frau Br\u00fcllen: &#8220;Was machst du eigentlich den ganzen Tag?&#8221; Und sammelt die Antworten in ihrem Blog. Weil dieser 5. auf unseren Heimreisetag fiel, freue ich mich sehr dar\u00fcber, dass meine superlangweilig und ohne jede Aufregung ist. Um halb sieben klingelte der Wecker. 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