{"id":81356,"date":"2022-10-29T08:26:46","date_gmt":"2022-10-29T06:26:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=81356"},"modified":"2022-10-29T09:58:58","modified_gmt":"2022-10-29T07:58:58","slug":"journal-freitag-28-oktober-2022-es-wird-zu-mastodon-gewandert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2022\/10\/journal-freitag-28-oktober-2022-es-wird-zu-mastodon-gewandert.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 28. Oktober 2022 &#8211; Es wird zu Mastodon gewandert"},"content":{"rendered":"<p>Wieder ein Stress-Traum, diesmal aber zumindest mit der erfreulichen Komponente Wohnung, noch dazu meine Lieblingswohnung im Studium am Augsburger Elias-Holl-Platz. Ich war zu Besuch in Augsburg und kam auf die Idee, in meiner alten Wohnung zu \u00fcbernachten, da die derzeitige Mieterin au\u00dfer Haus war. Der Hausmeister lie\u00df mich rein (als Aussehen griff mein Visualisierungszentrum zu dem eines hochbetagten Dienstleisters, mit dem ich regelm\u00e4\u00dfig zu tun habe). Die Wohnung war jetzt sch\u00f6n renoviert, Raumh\u00f6he verdoppelt, sodass eine zweite Ebene als Podest auf Holzgestell mitten im Raum mit Schreibtisch darauf Platz hatte. Drau\u00dfen war eine Holzterrasse \u00fcber das Dach des Nebenhauses angebaut, alles sehr geschmackvoll. Allerdings war die Wohnung sehr unaufger\u00e4umt, irgendwo stand eine halbleere PET-Flasche Fanta herum. Doch dann kam die Bewohnerin unerwartet zur\u00fcck, inklusive ihren Eltern, Geschwistern, deren Partnern. Deshalb Stress-Traum: Die Situation war mir superpeinlich, ich entschuldigte mich vielmals, weil ich hinter ihrem R\u00fccken eingedrungen war, das h\u00e4tte ich wirklich vorher ank\u00fcndigen sollen.<br \/>\n(<i>Blog like nobody&#8217;s reading<\/i> &#8211; mir ist sehr bewusst, wie abgrundtief langweilig anderer Leut&#8217; Tr\u00e4ume sind.)<\/p>\n<p>Fu\u00dfmarsch in die Arbeit zu einem weiteren wundersch\u00f6nen Sonnenaufgang; gestern trug ich gleich ein kurz\u00e4rmliges Oberteil und lediglich Jeansjacke dr\u00fcber, es waren wieder \u00fcber 20 Grad angek\u00fcndigt. Nein, das ist nicht gut. Die Vermieterin in San Sebasti\u00e1n erz\u00e4hlte erst von der wochenlangen brutalen Hitze bis kurz vor unserer Ankunft Mitte September (in Nordspanien! an der rauen Atlantikk\u00fcste!) und scherzte dann, dass bald die Spanier*innen Sommerurlaub in Deutschland machen, weil&#8217;s da nicht so hei\u00df ist (ich brachte nicht \u00fcbers Herz, ihr die Wahrheit der diesj\u00e4hrigen Hitzewelle und Trockenheit in Deutschland zu sagen). Wer bis jetzt noch nicht erschrocken ist, tut&#8217;s vielleicht, wenn man den ganzen Winter nicht skifahren kann? (Ob ich n\u00e4chstes Jahr auf den S\u00fcd-K\u00fcchenbalkon ein Feigenb\u00e4umchen stelle?)<\/p>\n<p>Mittags gab es \u00c4pfel, K\u00f6rnerbreze, Granatapfelkerne mit Joghurt (ich muss mich bei den Granat\u00e4pfeln ranhalten, die n\u00e4chste Lieferung, nur zwei Wochen nach der ersten, musste auf kommende Woche vorverlegt werden). Hotelreservierung f\u00fcr Gro\u00dffamilienurlaub n\u00e4chstes Ostern in Kastilien klargemacht.<\/p>\n<p>Nach p\u00fcnktlichem Feierabend spazierte ich in die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone: Ich brauchte wirklich neue Laufschuhe, das textile Obermaterial der alten ist zerrissen, bevor ich die Sohlen abgelaufen habe. Im Sport Schuster macht der Kauf wieder Spa\u00df und ging schnell. Ich lief zwei Paar von verschiedenen Herstellern Probe, eine kurze Video-Analyse ergab: Ja, ich bin tats\u00e4chlich wie angegeben Vorfu\u00dfl\u00e4uferin (behaupten Menschen das auch irrt\u00fcmlich?), laufe mit nur wenig Schwerpunkt auf dem Au\u00dfenfu\u00df, links mehr als rechts (haha, die gute rechte k\u00fcnstliche H\u00fcfte).<\/p>\n<p>Dann schlenderte ich durch viele Menschen zum Dallmayr und holte mir f\u00fcrs Samstagsfr\u00fchst\u00fcck Beinschinken.<\/p>\n<p>Kurz vor sechs, es wurde schon dunkel, zeigte das Thermometer vom Juwelier Fridrich im Schatten der Sendlinger Stra\u00dfe 23 Grad an.<\/p>\n<p>Zu Hause turnte ich wieder Yoga mit Mady, <a href=\"https:\/\/youtu.be\/ti2tG5f9UX0\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">einen anstrengenden, aber spannenden Flow<\/a> (nur bei der Kr\u00e4he musste ich aussetzen) &#8211; mache ich auf jeden Fall nochmal.<\/p>\n<p>Zum Nachtmahl ein Ausgleich zum schlimmen Schaufelsalat zum mittw\u00f6chlichen Mittagessen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/221028_01_Nachtmahl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/221028_01_Nachtmahl.jpg\" alt=\"\" width=\"302\" height=\"403\" class=\"alignnone size-full wp-image-81386\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mit letzten (supers\u00fc\u00dfen) gelben Tomaten aus Ernteanteil und Meyer-Lemon-Knoblauch-Vinaigrette &#8211; da Herr Kaltmamsell aush\u00e4usig war, f\u00fcr mich allein und sehr, sehr gem\u00fctlich gegessen. Dann noch ein wenig K\u00e4se mit Quittengelee, abschlie\u00dfend viel Schokolade.<\/p>\n<p>Nachdem der offensichtlich unzurechnungsf\u00e4hige Elon Musk Twitter gekauft und gleich mal die F\u00fchrungsriege entlassen hat, bewegt sich meine Twitter-Timeline (die beste der Welt) dann doch zus\u00e4tzlich Richtung Mastodon. Ist dezentral und wird hier von Netzpolitik erkl\u00e4rt:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2022\/alternative-plattformen-so-klappt-der-umzug-auf-mastodon\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;So klappt der Umzug auf Mastodon&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Der durch und durch zurechnungsf\u00e4hige<a href=\"https:\/\/fnordon.de\/@dentaku\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\"> @dentaku hat die Instanz fnordon.de unter seinen Fittichen<\/a>, Empfehlung. Ich bin @kaltmamsell@fnordon.de<\/p>\n<p>Schon um halb neun konnte ich es kaum erwarten, mit dem wochenendlichen Ausschlafen anzufangen. (Und ich freute mich schon auf den <i>caf\u00e9 con leche<\/i> mit Haselnussmilch am Samstagmorgen.) Aus mir wird in diesem Leben keine Eule mehr.<\/p>\n<p>Beim Zu-Bett-Gehen \u00f6ffnete ich die Schlafzimmerfenster in eine Nacht, die man nur als &#8220;mild&#8221; bezeichnen konnte.<\/p>\n<p>Am Donnerstag hatte ich Elizabeth Wetmore, <i>Valentine<\/i> ausgelesen: Ein gruslig nachvollziehbares Bild typischer Frauenleben in einem gottverlassenen texanischen Nest der 1970er. Am Anfang steht die brutale Vergewaltigung eines 14-j\u00e4hrigen M\u00e4dchens in Umst\u00e4nden, die heute als &#8220;date rape&#8221; bezeichnet w\u00fcrden. An diesem roten Faden h\u00e4ngen die Geschichten von M\u00e4dchen und Frauen, die einen n\u00e4heren oder ferneren Bezug zu diesem Verbrechen haben; fast alle sind trost- und hoffnungslos.<\/p>\n<p>Mir gefiel der Einblick in diese fremde, ferne Welt &#8211; f\u00fcr echtes Lob war er mir aber zu dramatisch detailreich, manch eine Stimmungserzeugung fand ich zu platt durchschaubar.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/hmbl.blog\/#\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Christian Fischer<\/a> macht als Abonnent einen Krautreporter-Artikel mit lesenswerten Gedanken zug\u00e4nglich:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/krautreporter.de\/4556-bin-ich-rassist?shared=9eadb6fd-bd34-452d-913f-79ecb4809b9d\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Bin ich Rassist?&#8221;<\/a><\/p>\n<p>Zum einen tendieren Menschen ja zu Wahrnehmung in Mustern. Sozialpsychologe Jens F\u00f6rster erkl\u00e4rt zudem:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnser Langzeitged\u00e4chtnis speichert Emotionen, die mit bestimmten Verhaltensweisen oder sozialen Gruppen zusammenh\u00e4ngen. Das erlaubt es uns, schnell auf Eindr\u00fccke von au\u00dfen zu reagieren.\u201c Ganz einfach: Ich bin als Radfahrer besonders oft von SUVs geschnitten worden, deshalb halte ich jetzt SUV-Fahrer:innen f\u00fcr schlechte Menschen. Ein Vorurteil ist geboren. Dabei m\u00fcsste ich die Erfahrung nicht einmal selbst machen. Obwohl ich quasi nie Kontakt mit Hunden hatte, bin ich als Kind zum Beispiel regelm\u00e4\u00dfig vor Angst ausgeflippt, einfach, weil mein Vater selbst sehr gro\u00dfe Angst hatte und mir beigebracht hat: Hunde sind gef\u00e4hrlich. Dieses Vorurteil habe ich \u00fcbernommen.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Weil Vorurteile jahrelang dabei geholfen haben, die Welt zu erkl\u00e4ren, schreibt F\u00f6rster, h\u00f6re unser Gehirn nicht einfach damit auf. Es brauche Zeit und bed\u00fcrfe einiger Arbeit an sich selbst, um spontane negative Reaktionen durch positive zu ersetzen. \u201eSelbst wenn man den festen Willen hat, dauert es, ein Vorurteil zu zertr\u00fcmmern.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Statt uns also auf unseren st\u00f6rrischen Gehirnen auszuruhen und Vorurteilen nachzugeben, sollten wir uns zwei Dinge klarmachen. Erstens: Wir denken und handeln in Schubladen und Vorurteilen und reproduzieren damit auch Rassismen. Und zweitens: Wir sind dadurch nicht automatisch schlechte Menschen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Journalistin und Autorin Canan Top\u00e7u hat ein Buch \u00fcber Rassismus und Antirassismus geschrieben:<\/p>\n<blockquote><p>Konflikt sei ein Grundprinzip von Gesellschaft, erkl\u00e4rt mir Top\u00e7u. \u201eWir sollten lernen, mit Situationen und Menschen umzugehen, die man als fremd, be\u00e4ngstigend und unheimlich empfindet\u201c, sagt sie weiter. Nur dann k\u00f6nnten wir unseren Umgang mit Ungleichheit reflektieren und es besser machen. Dazu geh\u00f6re aber auch das Bewusstsein \u00fcber die eigenen Vorbehalte. Nur: \u201eWas wir verlangen k\u00f6nnen, ist, dass die Leute sich nicht nach den Vorbehalten verhalten.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>In einer Migrationsgesellschaft zu leben, klingt schwieriger als es ist. Abseits der aufgeheizten Debatten \u00fcber Sprech- und Denkverbote gibt es gute Nachrichten. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani beschreibt das in seinem Buch \u201eWozu Rassismus? Von der Erfindung der Menschenrassen bis zum rassismuskritischen Widerstand\u201c so: \u201eDadurch, dass immer h\u00e4ufiger und lauter \u00fcber Diskriminierung gesprochen wird, kann schnell der Eindruck entstehen, alles sei schlimmer geworden. Das Gegenteil ist der Fall: Fr\u00fcher haben Betroffene nichts gesagt, weil die Ungleichbehandlungen derart pr\u00e4sent und allgegenw\u00e4rtig waren, dass sie kaum thematisiert werden konnten.\u201c Heute, so El-Mafaalani, seien wir viel st\u00e4rker sensibilisiert und deswegen w\u00fcrden Diskriminierungen st\u00e4rker auffallen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>DA! Schon WIEDER eine vergessene Heldin der Geschichte. Zum Gl\u00fcck gibt es die Carolin Kebekus Show. Sehen Sie hier alles \u00fcber<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/die-carolin-kebekus-show\/die-erfindung-des-hotel-bettschals\/das-erste\/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2RpZS1jYXJvbGluLWtlYmVrdXMtc2hvdy9hN2IwNWQ5OC00M2QxLTRmMjEtYmRhZC0yNTM1NTI0N2I4NjY\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Die Erfinderin des Hotel-Bettschals&#8221;.<\/a><br \/>\n(Extraliebe f\u00fcr die Musik von <i>Grand Budapest Hotel<\/i> im Hintergrund.) <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/c92b5fe13a2d45a488c086e9f0e07136\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder ein Stress-Traum, diesmal aber zumindest mit der erfreulichen Komponente Wohnung, noch dazu meine Lieblingswohnung im Studium am Augsburger Elias-Holl-Platz. Ich war zu Besuch in Augsburg und kam auf die Idee, in meiner alten Wohnung zu \u00fcbernachten, da die derzeitige Mieterin au\u00dfer Haus war. 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