{"id":81862,"date":"2022-11-16T06:17:18","date_gmt":"2022-11-16T05:17:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=81862"},"modified":"2022-11-16T08:50:32","modified_gmt":"2022-11-16T07:50:32","slug":"journal-dienstag-15-november-2022-schoener-guertelkauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2022\/11\/journal-dienstag-15-november-2022-schoener-guertelkauf.htm","title":{"rendered":"Journal Dienstag, 15. November 2022 &#8211; Sch\u00f6ner G\u00fcrtelkauf"},"content":{"rendered":"<p>Und so ging ich zum ersten Mal seit (<a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2022\/06\/journal-dienstag-21-juni-2022-drohende-uebermenschung.htm\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">checkt ihr Blog<\/a>) 20. Juni wieder quer \u00fcber die Theresienwiese in die Arbeit.<\/p>\n<p>Blauer Himmel, jahreszeitlich angemessen kalte Luft, sch\u00f6nes Licht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/221115_03_Theresienwiese.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/221115_03_Theresienwiese.jpg\" alt=\"\" width=\"573\" height=\"429\" class=\"alignnone size-full wp-image-81878\" \/><\/a><\/p>\n<p>In der Arbeit gute Nachrichten. (Und dann auch noch aus dem Freundinnenkreis.)<\/p>\n<p>Mittags gab es Sahnequark mit Zwetschgenr\u00f6ster.<\/p>\n<p>Nach Feierabend wollte ich mir endlich G\u00fcrtel kaufen, die ich eigentlich seit vergangenem Winter brauche. <a href=\"https:\/\/crocodylus.blog\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Croco<\/a> hatte daf\u00fcr <a href=\"https:\/\/leder-baumann.de\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">den Leder Baumann<\/a> empfohlen: Bei einem M\u00fcnchen-Besuch hatte sie das Gesch\u00e4ft ganz in der N\u00e4he meiner Wohnung entdeckt, weil meine Wege mich nie in diese Richtung f\u00fchren, kannte ich es nicht. Doch da hatte ich wirklich etwas verpasst, der Einkauf war hocherfreulich.<\/p>\n<p>Ich bat den Chef (allein im Laden) um einen braunen Jeansg\u00fcrtel und durfte einen sch\u00f6nen Riemen aussuchen, zudem eine Schnalle. Einen roten G\u00fcrtel w\u00fcnschte ich mir auch, der im Schaufenster hatte mir gut gefallen. Der Jeansg\u00fcrtel bekam seine Schnalle, dann wurde er meinem <del>Baumumfang<\/del> Bauchumfang (<a href=\"https:\/\/fnordon.de\/@megaphon@mastodon.social\/109352021139661733\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Danke f\u00fcr die Korrektur auf Mastodon<\/a> &#8211; auch wenn ich mich f\u00fchlte wie eine junge Fichte) angepasst. Diese Ma\u00dfe verwendete Herr Chef dann auch f\u00fcr den roten, etwas eleganteren G\u00fcrtel.<\/p>\n<p>Dass das Traditionsgesch\u00e4ft (gegr\u00fcndet 1862) urspr\u00fcnglich Zulieferer f\u00fcr Sattler, Polsterer, T\u00e4schner und Schuhmacher war, sieht man bis heute: Immer noch wird Sattler-Werkzeug verkauft, Sattlerfaden, Zwirn, sonstiges Handwerksmaterial. W\u00e4hrend ich am Klopfen aus dem Hinterzimmer h\u00f6rte, wie meine G\u00fcrtel fertiggestellt wurden, sah ich mich fasziniert um. Und entdeckte, dass es hier auch eine gro\u00dfe Auswahl an Schuhpflegemitteln und -werkzeug gibt. Das G\u00fcrtelsortiment ist ebenfalls interessant, es gibt auch sehr modische Modelle. Ich verriet dem Chef, dass ich seit \u00fcber 20 Jahren 500 Meter entfernt wohne, sein Gesch\u00e4ft dennoch nicht kannte. Er lachte, wir plauderten \u00fcber Umst\u00e4nde und die Zeiten.<\/p>\n<p>Meine beiden G\u00fcrtel bekam ich in Stoffs\u00e4ckchen und freute mich sehr dar\u00fcber.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/221115_12_Guertel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/221115_12_Guertel.jpg\" alt=\"\" width=\"302\" height=\"403\" class=\"alignnone size-full wp-image-81877\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich sah auch gleich in die neue Papeterie an der Ecke Sendlinger\/Herzog-Wilhelm-Stra\u00dfe: Sch\u00f6nes Sortiment an Karten, au\u00dferdem bekam ich hier ein dringend n\u00f6tiges neues Notizbuch, das alte zerf\u00e4llt bereits in Einzelteile (Tipp: Notizb\u00fccher besser nicht baden).<\/p>\n<p>Daheim turnte ich eine Runde Yoga mit ordentlich Bewegung, zum Nachtmahl erf\u00fcllte mir Herr Kaltmamsell wieder einen Wunsch und servierte <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/rezepte\/shakshuka-mit-feta.htm\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Shakshuka<\/a> (ohne Feta, daf\u00fcr mit selbstgebackenem Brot aus der Gefriere). Danach viel Schokolade.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Clint Smith befasst sich mit dem Umgang der USA mit und Erinnerung an die Sklaverei, vergleicht dabei, wie andere Kulturen und Nationen mit den schlimmsten Kapiteln ihrer Geschichte umgehen, blickt immer wieder nach Deutschland. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ClintSmithIII\/status\/1592180173667205120\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Auf Twitter erkl\u00e4rt er<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>When I was writing my book, How the Word Is Passed, I was thinking a lot about what public memory looked like in the US, specifically in the context of slavery. After the book came out I began thinking more about what public memory to past crimes looked like in other countries.<br \/>\nI was especially interested in thinking about Germany, a place that is often lifted up as an exemplar of remembrance for their willingness to acknowledge, confront, and build memorials to the Holocaust and the role that country played in perpetuating that horrific crime.<br \/>\nI\u2019d often invoke Germany  myself, talking about their impressive commitment to memorialization. But then I had a moment where I realized that while I kept talking about how impressive Germany\u2019s memorials were, I had never actually seen them for myself. I needed to change that.<\/p><\/blockquote>\n<p>In <i>The Atlantic<\/i> ver\u00f6ffentlichte er seine Erfahrungen bei der Reise zu verschiedenen Gedenkst\u00e4tten an den Holocaust in Deutschland.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/magazine\/archive\/2022\/12\/holocaust-remembrance-lessons-america\/671893\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Monuments to the Unthinkable<br \/>\nAmerica still can\u2019t figure out how to memorialize the sins of our history. What can we learn from Germany?&#8221;<\/a><\/p>\n<p>via <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">@ankegroener<\/a><\/p>\n<p>Smith findet heraus, in welchen Aspekten die Verbrechen der Deutschen im Dritten Reich und die Erinnerung daran vergleichbar sind mit den Verbrechen der Sklaverei in den USA und in welchen Aspekten sie nicht vergleichbar sind. Aus seinen Schilderungen wird klar, wie wichtig die verschiedenen Formen von Erinnerungsst\u00e4tten sind. Denn: Nein, diese Untaten, diese Verbrechen d\u00fcrfen niemals vergessen werden.<\/p>\n<p>Auch der Artikel selbst erinnert an die Verbrechen, an die Folter und Morde, die Deutsche im Dritten Reich begingen. Keine einfache Lekt\u00fcre, wappnen Sie sich vorher. (In M\u00fcnchen gibt es keine Stolpersteine auf \u00f6ffentlichem Grund: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2015-07\/muenchen-stolpersteine-gedenken-opfer-nationalsozialismus\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Die Stadt folgt damit dem Wunsch von Charlotte Knobloch, seit 1985 Pr\u00e4sidentin der Israelitischen Kultusgemeinde M\u00fcnchen und Oberbayern.<\/a> Der Artikel geht auch darauf ein.)<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>F\u00fcr die <i>Zeit<\/i> schreibt Antje Schrupp \u00fcber:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2022-11\/digitale-trauer-tod-soziale-medien-umgang-sterben\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Digitale Trauer:<br \/>\n&#8216;Du kanntest diese Person doch gar nicht'&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Das Digitale ist aber nicht blo\u00df ein neues Medium, in dem alte soziale Fragestellungen verhandelt werden, sondern ein Raum, der v\u00f6llig neue soziale Fragestellungen aufwirft. Auch Internetbeziehungen sind ja &#8220;richtige&#8221; Beziehungen und nicht &#8220;blo\u00df virtuell&#8221;. Ein unerwarteter Todesfall im eigenen Netzwerk wird deutlich pers\u00f6nlicher empfunden als zum Beispiel der Tod eines Prominenten, den man nur aus den Medien kennt. Mit Social-Media-Kontakten hat man pers\u00f6nlich interagiert, hat Postings der anderen kommentiert, sich in kleine Gespr\u00e4che verwickelt, wom\u00f6glich hat man sich sogar mal im &#8220;Real Life&#8221; kurz getroffen: Selbstverst\u00e4ndlich ist es ein Verlust, ein &#8220;Trauerfall&#8221;, wenn ein langj\u00e4hriger &#8220;Kontakt&#8221; stirbt. Gleichzeitig f\u00fchlt es sich aber anders an als der Tod einer Angeh\u00f6rigen, eines Arbeitskollegen, einer Nachbarin.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Diejenigen, die als Erstes verstanden, dass Trauer in demselben Medium stattfinden muss, in der auch die Beziehungen gelebt wurden, waren Gaming-Communitys, die schon vor Jahren angefangen haben, Rituale zum Abschied von verstorbenen Spieler:innen in ihre virtuellen Settings zu integrieren. Sie waren eine Zeit lang Anlass f\u00fcr erstaunte Medienberichte \u00fcber ein als kurios empfundenes Ph\u00e4nomen. Dabei ist das Nachbauen eines Trauerrituals in einer Spieleumgebung vergleichsweise naheliegend: Man trifft sich an einem Grab, es werden Reden gehalten, und f\u00fcr Avatare, die sich durch eine visuelle Umgebung bewegen, l\u00e4sst sich einfach ein Verschnitt aus den bekannten Trauerritualen nachbauen.<\/p><\/blockquote>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/eb1f0c49d07241bba8a72af3a4ce068f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/eb1f0c49d07241bba8a72af3a4ce068f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und so ging ich zum ersten Mal seit (checkt ihr Blog) 20. Juni wieder quer \u00fcber die Theresienwiese in die Arbeit. Blauer Himmel, jahreszeitlich angemessen kalte Luft, sch\u00f6nes Licht. In der Arbeit gute Nachrichten. (Und dann auch noch aus dem Freundinnenkreis.) 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