{"id":82207,"date":"2022-11-30T06:37:42","date_gmt":"2022-11-30T05:37:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=82207"},"modified":"2022-12-16T15:53:02","modified_gmt":"2022-12-16T14:53:02","slug":"journal-dienstag-29-november-2022-der-bruch-mit-john-irving","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2022\/11\/journal-dienstag-29-november-2022-der-bruch-mit-john-irving.htm","title":{"rendered":"Journal Dienstag, 29. November 2022 &#8211; Der Bruch mit John Irving"},"content":{"rendered":"<p>Ein regnerischer Morgen, ich marschierte unterm Schirm in die Arbeit &#8211; auch wenn es nur tr\u00f6pfelte, wollte ich nicht feucht werden.<\/p>\n<p>Mittags gab es \u00c4pfel und Gefl\u00fcgelsalat (immer noch der Truthahn), der mir ausgezeichnet schmeckte.<\/p>\n<p>Emsiger Arbeitstag ohne \u00dcberw\u00e4ltigendes.<\/p>\n<p>Ich hatte Sportzeug dabei: Da Herr Kaltmamsell abends aush\u00e4usig verabredet war, plante ich eine Sporteinheit auf dem Crosstrainer des Vereins. Auf dem Weg dorthin nieselte es immer noch, richtig unangenehmes Wetter. Die Wege in dem historischen MTV-Geb\u00e4ude zu Umkleide und von dort auf die &#8220;Fitnessgalerie&#8221; sind f\u00fcr mich immer noch verwirrend, zur\u00fcck gleich wieder &#8211; ich bilde mir nie wieder ein, einen guten Orientierungssinn zu haben. Die Stunde Strampeln war ok, Musik auf den Ohren, in der Halle unter mir Badminton-Training, aber ich kam nicht so richtig in Schwung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/221129_02_MTVTor.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/221129_02_MTVTor.jpg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"422\" class=\"alignnone size-full wp-image-82237\" \/><\/a><\/p>\n<p>Eine der Jugendstiltore von Umkleiden zu Sporthalle.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr lie\u00df ich es daheim krachen: Ich g\u00f6nnte mir fast eine halbe Stunde Heizung im Bad zu Duschen und K\u00f6rperpflege. Abendessen: Rest Kimchi-Suppe vom Montag, Rest S\u00fc\u00dfkartoffel-Bake vom Samstag, der ist jetzt auch weg. Nachtisch Schokolade.<\/p>\n<p>Mein erster Ernteanteil vom adoptierten Crowdfarming-Orangenbaum war eingetroffen: Ich sichtete die zehn Kilo, um Exemplare mit weichen Stellen zum schnellen Verzehr auszusortieren (alle in Ordnung). Es sind wohl drei verschiedene Sorten, zum Gl\u00fcck wird das mit der &#8220;Adoption&#8221; eines Baums nicht w\u00f6rtlich genommen (ist halt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Solidarische_Landwirtschaft\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">solidarische Landwirtschaft<\/a>, in der die Verbraucherin sich bereits an den Produktionskosten beteiligt und eine Abnahmegarantie gibt).<\/p>\n<p>Gestern beschloss ich, die Lekt\u00fcre des neuen Irving <i>The Last Chairlift<\/i> nach gut drei Wochen abzubrechen: Keine einzige Figur interessiert mich wirklich, und passieren wird nach gut der H\u00e4lfte des Romans ohne interessante Begebenheiten sehr wahrscheinlich auch nichts Interessantes. Die schludrige (nicht im guten Sinn) Geschichte aus der Sicht von Adam, einem Schriftsteller (echt jetzt? schon wieder?) \u00fcber ihn in den USA der 50er bis 80er (danach h\u00f6rte ich auf) mit seiner Mutter und ihrer Partnerin, seiner Kusine und deren Partnerin, seinem Stiefvater, der zur Frau transitioniert, mit seinem skurrilen Sex mit skurrilen Frauen \u2013 las sich lieblos zusammengew\u00fcrfelt. Ganze Passagen bis Abs\u00e4tze tauchten mehrfach auf, die Beschreibungen und Handlungen ergingen sich seitenweise in irrelevanten Details, der Roman h\u00e4tte dringend ein Lektorat ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Das war&#8217;s f\u00fcr mich dann wohl mit John Irving &#8211; \u00fcber den ich einst meine Magisterarbeit schrieb, Thema &#8220;John Irving in der Erz\u00e4hltradition von Charles Dickens&#8221;, darin bearbeitet alle seine Romane bis 1994.<br \/>\nErst k\u00fcrzlich stie\u00df ich auf dieses Foto:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/1994_am_computer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/1994_am_computer.jpg\" alt=\"\" width=\"462\" height=\"402\" class=\"alignnone size-full wp-image-82235\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich 1994 bei der Arbeit an meiner Magisterarbeit an meinem ersten PC, geerbt von einem befreundeten Physikstudenten, der ihn selbst zusammengebaut hatte, schon damals sehr veraltet (286er?). In der sch\u00f6nsten Wohnung der Welt.<\/p>\n<p>Wobei der eigentliche Rechner gar nicht auf dem Bild ist: Den hatte ich wohl auf den Boden gestellt, die Kabel aus dem Bildschirm legen das nahe (ich habe keine Erinnerung daran). Ich wei\u00df noch, dass er eine ca. 15 cm hohe Kiste war, halb so gro\u00df wie der Tisch, darin mit viel Platz dazwischen die eigentlichen Bestandteile des Computers (man konnte die Kiste mit zwei Druckkn\u00f6pfen einfach \u00f6ffnen). Draufgestellt w\u00e4re der Bildschirm viel zu hoch gewesen. Die Tastatur sieht so schwebend aus, weil ich sie etwas tiefer auf die ausgezogene Schublade des Tischs stellte, einen alten K\u00fcchentisch. Wenig sp\u00e4ter richtete ich mir mit Ziegelsteinen und Brettern am Fenster (rechts au\u00dferhalb des Fotosausschnitts) einen halbwegs ergonomischen Arbeitsplatz ein. An dem ich unter anderem n\u00e4chtelang Lemmings spielte, das einzige Computerspiel, dass mich je packte.<\/p>\n<p>Neue Lekt\u00fcre im Bett: Kristine Bilkau, <i>Nebenan<\/i>.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Im <i>Guardian<\/i> nutzt Laura Spinney ein deutsches Ph\u00e4nomen um zu recherchieren, welche Mechanismen Gesellschaften und Individuen zur Verarbeitung schlimmer Vergangenheit oder Erlebnisse anwenden: N\u00e4mlich den Umstand, dass die meisten Menschen, \u00fcber die es Stasi-Akten gibt, diese nicht einsehen wollten.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/science\/2022\/nov\/28\/secret-police-have-file-do-you-want-to-see-it-stasi-east-germany-siegfried-wittenburg\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;If the secret police had a file on you, why wouldn\u2019t you want to see it? Ask the Germans spied on by the Stasi&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Sind Sie auch mit dem Verfluchen von &#8220;Industriezucker&#8221; aufgewachsen, Kampfbegriff der 1980er-Vollwert-Bewegung? Dabei muss man das Zuckerherstellen aus unserem guten heimischen Zuckerr\u00fcben (ich erinnere mich an die Waggons voll Zuckerr\u00fcben in meiner Kindheit; wenige hundert Meter von meinem Elternhaus entfernt wurden die stillgelegten Gleise der R\u00fcbenbahn zu Spazierwegen ausgebaut) gar nicht der Industrie \u00fcberlassen: <a href=\"https:\/\/www.helpster.de\/zucker-selber-herstellen-so-geht-s_125894\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Aus Zuckerr\u00fcben kann man Zucker selbst herstellen.<\/a> (Sch\u00f6nes selbstgemachtes Weihnachtsgeschenk?) <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/a56fc6164f1e401080c49bcfa9030118\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein regnerischer Morgen, ich marschierte unterm Schirm in die Arbeit &#8211; auch wenn es nur tr\u00f6pfelte, wollte ich nicht feucht werden. 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