{"id":824,"date":"2005-04-12T15:27:46","date_gmt":"2005-04-12T13:27:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/04\/the-timetravellers-wife.htm"},"modified":"2008-04-03T17:19:02","modified_gmt":"2008-04-03T16:19:02","slug":"the-timetravellers-wife","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/04\/the-timetravellers-wife.htm","title":{"rendered":"<i>The Timetraveler&#8217;s Wife<\/i>"},"content":{"rendered":"<p><img src='https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Timetraveller.jpg' alt='' \/> <\/p>\n<p>Wie soll ich anfangen? Vielleicht damit, dass es in meiner pers\u00f6nlichen Lesegeschichte aus sehr pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden immer wieder zeitgen\u00f6ssische Highlights gegeben hat; B\u00fccher, die inhaltlich, historisch oder technisch innerhalb meines Horizonts Meilensteine waren. Die erstbesten Beispiele, die mir einfallen: <i>The World According to Garp<\/i> von John Irving, <i>The Wasp Factory<\/i> von Iain Banks, <i>Captain Corelli\u2019s Mandolin<\/i> von Louis de Bernieres, <i>The Satanic Verses<\/i> von Salman Rushdie, <i>White Teeth<\/i> von Zadie Smith, <i>Set this House in Order<\/i> von Matt Ruff. Und dann k\u00f6nnte ich darauf hinweisen, dass <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/0099464462\/qid=1113311634\/sr=1-1\/ref=sr_1_11_1\/302-4594862-5372851\" target=_new><em>The Timetraveler&#8217;s Wife<\/em><\/a> der Neuzugang unter diesen Highlights ist.<\/p>\n<p>Oder damit, dass es mich immer begeistert, wenn eine kreative Grundidee konsequent durchgezogen wird und mich durch ihren Detaillreichtum mitrei\u00dft. Wie eben in <em>The Timetraveler&#8217;s Wife<\/em> die Grundidee, dass ein Mann durch einen Gendefekt unfreiwillig in der Zeit reist. Audrey Niffenegger, die Autorin, spielt diese Pr\u00e4misse in wunderbarer Konsequenz durch: Der Mann, Henry, wird immer nackt in die Vergangenheit gerissen (ganz selten in die Zukunft), er muss lernen, Schl\u00f6sser zu knacken, schnell wegzulaufen, mit seinem j\u00fcngeren Selbst zurecht zu kommen.<\/p>\n<p>Der rote Faden durch die Geschichte ist die Liebe zwischen diesem Henry und Clare. Sie lernt ihn kennen, als sie sechs Jahre alt ist und er als 36-J\u00e4hriger im Garten ihrer Eltern landet. Er lernt sie kennen, als er 28 ist und in beider Gegenwart auf die 20j\u00e4hrige Clare trifft. Die Geschichte wird mal aus Henrys Perspektive erz\u00e4hlt, mal aus Clares, immer im Pr\u00e4sens. Die Orientierung beh\u00e4lt der Leser, weil jedes Unterkapitel mit einem Datum \u00fcberschrieben ist sowie mit dem Alter der Protagonisten (das von Henry ist jeweils recht erratisch). Das Sch\u00f6ne: <em>The Timetraveler&#8217;s Wife<\/em> erz\u00e4hlt die Geschichte der beiden vom Anfang bis zum Ende, von ersten Begegnungen \u00fcber den gemeinsamen Alltag mit H\u00f6hen und Tiefen bis zum Alter, zudem aus beider Innensicht. Beherrscht wird die Beziehung nat\u00fcrlich von der unfreiwilligen Zeitreiserei. Sie sorgt nicht nur f\u00fcr ungew\u00f6hnliche Schwierigkeiten, sondern auch f\u00fcr eine Menge Komik: Da Henry vor allem durch Stress-Situationen durch die Zeit gewirbelt wird und damit in seiner Gegenwart verschwindet, hat er zum Beispiel gro\u00dfe Probleme mit der Anwesenheit bei seiner eigenen Hochzeit.<br \/>\nEine weitere Konsequenz der Pr\u00e4misse: Die Zeitreisen und der verursachende Gendefekt f\u00fchren die Figuren im Roman zum Nachdenken \u00fcber existenzielle Dinge wie Willensfreiheit, Selbstbestimmung, Priorit\u00e4ten im Leben.<\/p>\n<p>Was mich fast zu Tr\u00e4nen r\u00fchrte: Wie freundlich der Roman mit der jungen Clare umgeht. Da ich vor dem Lesen die Grundidee des Buches kannte, bezog ich das Eingangsgedicht von Derek Walcott auf\u2019s Zeitreisen:<\/p>\n<blockquote><p>The time will come<br \/>\nWhen, with elation,<br \/>\nyou will greet yourself arrivig<br \/>\nat your own door, in your own mirror,<br \/>\nand each will smile at the other\u2019s welcome.<\/p>\n<p>And say, sit here. Eat.<br \/>\nYou will love again the stranger that was your self.<br \/>\n(\u2026)<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch es ist nicht der zeitreisende Henry, der seinem j\u00fcngeren Selbst so zugetan ist. Es ist der Blick des impliziten Erz\u00e4hlers auf Clare. So darf die zw\u00f6lfj\u00e4hrige Clare ganz eine typische Zw\u00f6lfjaehrige sein und dennoch sehr ernst zu nehmen. Ihre Geistesentwicklung ist ein spannender Prozess und wird liebevoll und ernsthaft beschrieben.<br \/>\nGer\u00fchrt war ich vor allen, weil ich selbst beim R\u00fcckblick auf die j\u00fcngere Kaltmamsell meist nur Verachtung sp\u00fcre.<\/p>\n<p>Eine deutsche \u00dcbersetzung gibt es bereits, <i>Die Frau des Zeitreisenden<\/i>. Allerdings habe ich den Verdacht, dass sie aus dem Roman einen ganz anderen gemacht hat: Ich kann mir die deutschen Rezensionen bei Amazon nur damit erkl\u00e4ren, dass die Leser einen anderen Text gelesen haben als ich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie soll ich anfangen? Vielleicht damit, dass es in meiner pers\u00f6nlichen Lesegeschichte aus sehr pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden immer wieder zeitgen\u00f6ssische Highlights gegeben hat; B\u00fccher, die inhaltlich, historisch oder technisch innerhalb meines Horizonts Meilensteine waren. 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