{"id":84,"date":"2003-11-02T09:06:39","date_gmt":"2003-11-02T07:06:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2003\/11\/als-waer-die-tante-jolesch-noch-am-leben.htm"},"modified":"2010-10-04T10:33:52","modified_gmt":"2010-10-04T08:33:52","slug":"als-waer-die-tante-jolesch-noch-am-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2003\/11\/als-waer-die-tante-jolesch-noch-am-leben.htm","title":{"rendered":"Als w\u00e4r die Tante Jolesch noch am Leben"},"content":{"rendered":"<p>Beim Lesen der <a href=\"http:\/\/mange.antville.org\/stories\/566155\/#566309\" target=_new>n\u00e4chtlichen Kommentare<\/a> im Blog der <a href=\"http:\/\/mange.antville.org\" target=_new>Meisterk\u00f6chin<\/a> wurde mir ganz schrecklich ger\u00fchrt. Ich f\u00fchlte mich in eine Zeit zur\u00fcckversetzt, die ich nie erlebt habe, die ich nur vom Lesen der <i>Tante Jolesch<\/i> von Friedrich Torberg kenne. Auf diesem Weg aber in und auswendig sowie bis ins Detail.<\/p>\n<p>Ich behaupte, dass die Menschen, die <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3423012668\/qid=1067759250\/sr=1-1\/ref=sr_1_10_1\/028-9403131-1362114\" target=_new>dieses Buch<\/a> gelesen haben, ein unsichtbares Band verbindet. Einer sagt zum Beispiel &#8220;Grie\u00dfen musst du, grie\u00dfen&#8230;&#8221;, des anderen Augen leuchten auf, und er denkt an den roten Krasa. Das verbindet \u00fcber gesellschaftliche und altersbedingte Grenzen hinweg.<\/p>\n<p>Als Vielleserin reagiere ich ja auf die Frage nach meinem &#8220;Lieblingsbuch&#8221; hilflos. Aber die Tante Jolesch lese ich immer wieder, gerne auch im Wechsel mit <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3423016442\/qid=1067759250\/sr=1-2\/ref=sr_1_10_2\/028-9403131-1362114\" target=_new>Die Erben der Tante Jolesch<\/a>. Es war ein Urlaub bei meiner Tante in Italien, als ich die <i>Tante Jolesch<\/i> zum ersten Mal las. Ich werde wohl elf oder zw\u00f6lf Jahre alt gewesen sein, und das Buch hatte meine Mutter sich auf einen Lesetipp in der <i>Brigitte<\/i> hin gekauft. Meine Mutter! Die sonst zwar st\u00e4ndig beteuerte, wie gerne sie lese, dass sie aber leider, leider nicht die Zeit dazu finde. (Wir echten Leser wissen nat\u00fcrlich, dass wir eher in einem verrottenden Zimmer wohnen und einen knurrenden Magen erdulden, als uns vom Lesen abhalten zu lassen.) Und so richtig selbst gekauft hat diese Frau in ihrem Leben vermutlich nicht mehr als 30 B\u00fccher. Es haben sich wohl Kalliope und Klio zusammengetan und diesen Zufall bewirkt, der mir die <i>Tante Jolesch<\/i> in die sandigen Finger gesp\u00fclt hat.<\/p>\n<p>Diese Epoche und ihre Kultur haben mich seither nicht mehr losgelassen. Klar habe ich im Anschluss alles von Friedrich Torberg gelesen, was ich vor die Augen kriegen konnte. Musste aber feststellen, dass er als Romanautor &#8211; wie soll ich es freundlich formulieren &#8211; hinter seinen Sachtexten und Briefen (hin-rei-\u00dfend!) weit zur\u00fcck blieb.<\/p>\n<p>Sollte ich also nach einem Buch gefragt werden, das ich jedem, absolut jedem empfehlen kann, so ist das <i>Die Tante Jolesch, oder der Untergang des Abendlands in Anekdoten<\/i>. Und wem das nicht gef\u00e4llt, den, f\u00fcrchte ich, mag ich nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Lesen der n\u00e4chtlichen Kommentare im Blog der Meisterk\u00f6chin wurde mir ganz schrecklich ger\u00fchrt. Ich f\u00fchlte mich in eine Zeit zur\u00fcckversetzt, die ich nie erlebt habe, die ich nur vom Lesen der Tante Jolesch von Friedrich Torberg kenne. Auf diesem Weg aber in und auswendig sowie bis ins Detail. 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