{"id":87566,"date":"2023-05-26T06:20:00","date_gmt":"2023-05-26T04:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=87566"},"modified":"2023-05-26T09:16:22","modified_gmt":"2023-05-26T07:16:22","slug":"journal-donnerstag-25-mai-2023-nachdenken-ueber-bestaetigungstheater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2023\/05\/journal-donnerstag-25-mai-2023-nachdenken-ueber-bestaetigungstheater.htm","title":{"rendered":"Journal Donnerstag, 25. Mai 2023 &#8211; Nachdenken \u00fcber Best\u00e4tigungstheater"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte mir nach dem Theaterabend ein wenig mehr Schlaf g\u00f6nnen wollen, wachte aber sogar fr\u00fcher als sonst auf.<\/p>\n<p>Auf dem Weg in die Arbeit (dass Wetter weiterin konsequent grau und k\u00fchl, buhuhuhu) ging mir durch den Kopf, was diesen Theaterabend mit <i>A scheene Leich<\/i> m\u00f6glicherweise kennzeichnete: Best\u00e4tigung. Er brachte nicht auf neue Gedanken, sondern best\u00e4tigte bereits vorhandene Perspektiven und Horizonte, und das auf nicht-\u00fcberraschende Weise. (Was v\u00f6llig in Ordnung ist!)<\/p>\n<p>Die Monologe von <i>national treasure<\/i>, na gut: <i>Bavarian treasure<\/i> Gerhard Polt (in der Rolle des Bestattungsunternehmers) \u00fcber die Ver\u00e4nderungen der Zeit und wie es fr\u00fcher war &#8211; \u00fcber genau sowas tauschen wir alte Leute uns aus und sind beruhigt, dass auch andere Altersgenoss*innen dar\u00fcber stolpern, uns gar best\u00e4tigen, dass das Neue doch eh alles a Schmarrn ist (daraus speisen sich mittlerweile die gesamten Programme von Monika Gruber). Es gab Zeiten, in denen Polt dem Publikum hinterfotzig genau daraus einen Strick drehte.<\/p>\n<p>Die im St\u00fcck dargestellte und satirisierte Welt von Pflege und Bestattung war ausschlie\u00dflich die mehrheitliche: eine wei\u00dfe, bayerische, eher l\u00e4ndliche, heterosexuelle &#8211; die Welt, in der auch der Kom\u00f6dienstadel spielt. Die einzige Minderheit, von der zumindest gesprochen wurde, war die Altenpflegerin aus Osteuropa: Sie habe sich als einzige wirklich gek\u00fcmmert und sei nun nicht mehr da. Dabei, so ging mir weiter durch den Kopf, sind doch jetzt auch die Einwander*innen der Gastarbeiter-Generation im sp\u00e4ten Senioren- und damit im Pflegeheim-Alter. Dabei gibt es auch in der dargestellten Dorfgesellschaft Menschen aus sehr nicht-bayerischen Kulturen, die zum Beispiel in den Chorszenen h\u00e4tten auftauchen k\u00f6nnen. Dabei gibt es in Pflegeheimen inzwischen offen Schwule und Lesben, die durch ihre schiere Existenz zum Umdenken zwingen. Vor allem aber: In all diesen Nicht-Mainstream-, Nicht-Best\u00e4tigungs-Aspekten steckt enormes kom\u00f6diantisches Potenzial. Ich erinnere mich mit Am\u00fcsement an die Erz\u00e4hlungen einer Kollegin, die bei ihren t\u00fcrkischen Einwanderer-Eltern in einem kleinen schw\u00e4bischen Dorf aufwuchs, unter anderem wie sie ihre Teilnahme am Kindergarten-Fasching erbettelte. Ein buntes Autor*innen-Team h\u00e4tte sicher lustige Ideen.<\/p>\n<p>Aber schon merke ich, dass ich mir als Anreicherung des Abends all die Elemente w\u00fcnsche, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/muenchner-kammerspiele-krise-barbara-mundel-1.5782500?reduced=true\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">die laut Christine D\u00f6ssel das Publikum aus den Kammerspielen vertreiben.<\/a><\/p>\n<p>Dann wieder: W\u00e4hrend ich direkt nach der Vorstellung noch schulternzuckend dachte, dass solche Theater-Nettigkeiten mir am wenigsten bringen, hat diese also doch ein Nachdenken angesto\u00dfen.<\/p>\n<p>Ein Arbeitsvormittag mit viel Druck, gleichzeitig musste ich anderen zum Weiterarbeitenk\u00f6nnen verhelfen (Aufgaben bekommen bei mir automatisch eine h\u00f6here Prio, wenn von ihnen das Weiterarbeiten anderer abh\u00e4ngt). Und ich traute mich nicht weg von meinem Arbeitsplatz f\u00fcr einen Mittagscappuccino, bem\u00fchte also den traurigen Vollautomaten Marke Hallenbad mit M\u00fcnzeinwurf.<\/p>\n<p>Mittagessen bestand aus einem Apfel sowie Sahnequark mit Joghurt.<\/p>\n<p>Nachmittags neben Routinearbeiten gespanntes Warten auf Entscheidungen, die kurz vor Feierabend fielen. Mittlerweile hatte der Himmel aufgerissen und zeigte Blau. Ich spazierte erledigt in Sonnenschein nach Hause, unterwegs ein paar Eink\u00e4ufe im Vollcorner.<\/p>\n<p>Zu Hause zackige Gesch\u00e4ftigkeit: Pedik\u00fcre, <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/rezepte\/die-besten-chocolate-chip-cookies.htm\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Chocolate Chip Cookies<\/a> backen, dazwischen Pflanzen gie\u00dfen, zu packende Kleidung und mitzunehmendes Geschirr f\u00fcrs Treffen rauslegen, Koffer aus dem Keller holen, f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Als ich mit all dem durch war, war es deutlich sp\u00e4ter als geplant. Doch ich wollte nicht auf meine Yoga-Gymnastik verzichten, also gab es halt mal Abendessen nach der <i>Tagesschau<\/i>, die ich erst nach neun als Aufzeichnung nachholte. Herr Kaltmamsell verarbeitete m\u00f6glichst viel vom gestern geholten Ernteanteil, wir w\u00fcrden ja erst am Sonntag daran weiteressen k\u00f6nnen. So gab es ein Mair\u00fcbchen-Curry (super), Spinat, ich machte den Salat mit einem Orangen-Dressing an. Danach Schokolade. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/1e923b8718124c28b51222a370c45cb4\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte mir nach dem Theaterabend ein wenig mehr Schlaf g\u00f6nnen wollen, wachte aber sogar fr\u00fcher als sonst auf. Auf dem Weg in die Arbeit (dass Wetter weiterin konsequent grau und k\u00fchl, buhuhuhu) ging mir durch den Kopf, was diesen Theaterabend mit A scheene Leich m\u00f6glicherweise kennzeichnete: Best\u00e4tigung. 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