{"id":88891,"date":"2023-07-05T10:11:37","date_gmt":"2023-07-05T08:11:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=88891"},"modified":"2024-07-04T14:23:43","modified_gmt":"2024-07-04T12:23:43","slug":"journal-dienstag-4-juli-2023-von-bath-nach-brighton-unerwartet-anstrengend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2023\/07\/journal-dienstag-4-juli-2023-von-bath-nach-brighton-unerwartet-anstrengend.htm","title":{"rendered":"Journal Dienstag, 4. Juli 2023 &#8211; Von Bath nach Brighton, unerwartet anstrengend"},"content":{"rendered":"<p>Leider eine sehr unruhige Nacht. Da mochte mein K\u00f6rper die zehn Stunden Auf- und Abgehen problemlos weggesteckt haben, doch wie Herr Kaltmamsell immer betont: &#8220;Man wandert ja mit dem Kopf, nicht mit den Beinen!&#8221; &#8211; mein Kopf kam einfach nicht zur Ruhe und wanderte weiter. So konnte ich das Schnarchen im Zimmer bemerken und das durchgehende M\u00f6wengeschrei davor, es war viel W\u00e4lzens.<\/p>\n<p>Geschlafen habe ich nat\u00fcrlich auch, ich wachte mit v\u00f6llig zugeklebten Augen auf &#8211; wahrscheinlich eine Folge des heftigen Winds am Vortag.<\/p>\n<p>Herr Kaltmamsell hatte herausgefunden, dass das Fr\u00fchst\u00fcck in unserem wundersch\u00f6nen B&#038;B mehrfach ausgezeichnet worden war (&#8220;award winning&#8221;), und das Angebot sowohl an warmen Speisen auf der Karte als auch am Buffet war wirklich ausgesprochen liebevoll. Doch leider musste ich wieder passen: Nicht mal Joghurt lockte mich, ich suchte mir nur auf der Teekarte (!) einen aus, genoss das Servieren in Silberk\u00e4nnchen mit Sieb zum Abgie\u00dfen und hei\u00dfem Wasser f\u00fcr zweiten Aufguss. (Zudem musste ich feststellen, dass mein Spie\u00dferinnen-Magen in dieser Stimmung besonders schwummrig auf Essnachbarn reagiert, deren Tischmanieren nicht mal f\u00fcr geschlossenen Mund beim Kauen und f\u00fcr Schmatzfreiheit reichen. Ich halte es wirklich f\u00fcr komplett wumpe, ob jemand einen Brot- von einem Kuchenteller unterscheiden kann, ein Fisch- von einem Steakmesser, selbst Ellbogen auf dem Tisch kommen halt vor &#8211; und doch ist meine Manierentoleranz offensichtlich niedriger, als ich bisher dachte.)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230704_05_Bath.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230704_05_Bath.jpg\" alt=\"\" width=\"548\" height=\"413\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p>Doch ich genoss den wundersch\u00f6nen Fr\u00fchst\u00fccksraum. In einem der Bilderrahmen wurde erkl\u00e4rt, dass hier im 18. Jahrhundert die K\u00fcche gewesen sei, dass die drei Bogennischen noch davon zeugten. Die jetzige K\u00fcche, in der das Fr\u00fchst\u00fcck zurbereitet wurde, habe damals als Speisekammer fungiert.<\/p>\n<p>Gem\u00fctlicher Spaziergang zum Bahnhof, unsere Ferienwohnung in Brighton durften wir eh erst ab 16 Uhr beziehen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230704_06_Bath.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230704_06_Bath.jpg\" alt=\"\" width=\"419\" height=\"524\" class=\"alignnone size-full wp-image-88902\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auf dem Avon wurden angeschwemmte Baumteile zerkleinert.<\/p>\n<p>Herr Kaltmamsell hatte extra eine Zugverbindung gebucht, die zwar etwas l\u00e4nger dauerte, aber von uns mit den schweren Koffern nur einmal Umsteigen verlangte. Nur dass der zweite Zug in Havant liegen blieb und wir alle in eine alternative Verbindung nach Brighton umsteigen mussten. Brotzeit im Zug gegen eins: Apfel, Eiwei\u00dfriegel, getrocknete Feigen.<\/p>\n<p>Viereinhalb Stunden Zugfahren, so stellte ich fest, ersch\u00f6pften mich k\u00f6rperlich deutlich mehr als viereinhalb Stunden Wandern. Andererseits: Wie soll man beim Zugfahren Pause machen?<\/p>\n<p>Im vertrauten Brighton rollkofferten wir \u00fcber einen Umweg zu unserer Unterkunft in einem denkmalgesch\u00fctzten Regency-Haus an der Grenze zu Hove: Wir gingen erst mal runter zur Uferpromenade und holten uns die erste Portion steife Meeresbrise inklusive Niesel.<\/p>\n<p>Dann aber h\u00e4tten wir gerne unsere Wohnung bezogen, was nicht funktionierte: Der Schl\u00fcssel dazu war in einer Schl\u00fcsselbox mit Zahlencode hinterlegt, wie man sie immer h\u00e4ufiger sieht, und der Zahlencode, den ich von der Ferienwohnungsagentur zwei Tage zuvor bekommen hatte, funktionierte nicht. Nein, in solchen Situationen werde ich sehr wahrscheinlich nie gelassen bleiben.<\/p>\n<p>Ich stellte per Download eines Anleitungs-Videos sicher, dass wir die (ohnehin idiotensichere) Schl\u00fcsselbox richtig benutzt hatten, schickte eine E-Mail \u00fcber die Ferienwohnungs-Plattform, sprach der Kontakt-Telefonnummer auf den AB, setzte Herrn Kaltmamsell auf die Stufen vorm Haus und machte mich auf den Weg zum nicht zu weit entfernten B\u00fcro der Agentur. Unterwegs rief ich nochmal an &#8211; und erwischte eine Angestellte. Stellte sich heraus, dass, &#8220;ah ja richtig&#8221;, ein <i>house manager<\/i> den Code nach Abschicken der E-Mail ge\u00e4ndert hatte. Nach einer weiteren Runde Hin und Her verstand ich den neuen korrekt, wir kamen endlich an den Schl\u00fcssel. Diese Agentur hatte ich mir bereits aus anderen Gr\u00fcnden gemerkt, um sie k\u00fcnftig zu meiden, ich sah mich best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Die erste Maschine schmutzige Wander-W\u00e4sche konnten wir nicht vor der Einkaufsrunde starten, weil Waschmittel auf die Einkaufsliste musste (hatte ich auch noch nicht in einer Ferienwohnung, zefix). Doch nach dem Auspacken und der Bestandsaufnahme in den K\u00fcchenschr\u00e4nken begann der Urlaubsspa\u00df wirklich: Einkaufen im gro\u00dfen Waitrose-Supermarkt an der Western Road.<\/p>\n<p>F\u00fcrs Nachtmahl war ich zust\u00e4ndig und muss meiner polnischen Oma wirklich mal danken, weil ich von ihr etwas f\u00fcrs Leben gelernt habe: Beim Versuch, den Schnittlauch f\u00fcr ein Joghurt-Dressing in feine R\u00f6llchen zu schneiden, erwies sich das Ferienk\u00fcchenmesser (wenig \u00fcberraschend) als brutal stumpf, ich h\u00e4tte gradsogut den Messerr\u00fccken verwenden k\u00f6nnen. Da erinnerte ich mich, dass eben diese Oma ihre Messer immer am unglasierten unteren Rand von Tassen sch\u00e4rfte &#8211; und probierte das. Das Ergebnis war umwerfend: Ich hatte ein brauchbar scharfes Messer. Danke Oma!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230704_10_BrightonFlat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230704_10_BrightonFlat.jpg\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"444\" class=\"alignnone size-full wp-image-88903\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es gab Salat und Tom\u00e4tchen mit Joghurt-Dressing (auf Teller angerichtet statt gemischt, weil keine Salatsch\u00fcssel vorhanden &#8211; ich h\u00e4tte sogar wie in der einen oder anderen Ferienwohnung zuvor eine billige gro\u00dfe Sch\u00fcssel gekauft, wenn ich im Supermarkt oder auf dem Weg eine gesehen h\u00e4tte, war aber nicht so) drei britische K\u00e4sen (Bath Blue, R\u00e4ucherk\u00e4se, Cheddar mit N\u00fcssen und Beeren), dazu Ploughman&#8217;s Pickle, Brot, gesalzene Butter, au\u00dferdem ein hiesiger Wein: Bolney Estate Dark Harvest <a href=\"https:\/\/www.experiencewestsussex.com\/food-drink\/vineyards\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">aus dem Anbaugebiet West Sussex<\/a> &#8211; beeriger, w\u00fcrziger Geschmack aus den Sorten Rondo und Regent, beides recht neue Hybrid-Z\u00fcchtungen. <\/p>\n<p>Zum Nachtisch Erdbeeren und reichlich Schokolade, auch daf\u00fcr hatte der Supermarktbesuch gesorgt. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/16f501fbeb11423abf0a732670e1fee7\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leider eine sehr unruhige Nacht. 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