{"id":8948,"date":"2010-09-28T10:19:41","date_gmt":"2010-09-28T08:19:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=8948"},"modified":"2010-11-11T13:56:37","modified_gmt":"2010-11-11T12:56:37","slug":"volksfest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2010\/09\/volksfest.htm","title":{"rendered":"Volksfest"},"content":{"rendered":"<p>Da, wo ich herkomme, hat das Volksfest keinen eigenen Namen wie \u201eOktober-\u201c oder \u201eG\u00e4uboden-\u201c. Es hei\u00dft einfach Volksfest und findet zweimal im Jahr statt: In gr\u00f6\u00dferem Stil zu Pfingsten (na gut, das hei\u00dft dann Pfingstfest \u2013 nicht wesentlich origineller) und etwas kleiner im Herbst (Herbstfest). Meine Mutter erkl\u00e4rte mir seinerzeit, das Herbstfest sei kleiner, weil all die gro\u00dfen und atemberaubenden Karussels zur gleichen Zeit auf dem Oktoberfest in M\u00fcnchen st\u00fcnden (was kaum sein kann, es gibt sicher genug Schausteller f\u00fcr mehr als ein Volksfest gleichzeitig).<\/p>\n<p>Als ich sehr klein war, lag der Volksfestplatz zentral zwischen Hallenbad und Freibad. Doch schon bald zog er zwischen Stadtmauerring und Gr\u00fcng\u00fcrtel und war viel gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Zu den ganz wenigen Erinnerungen an meinen polnischen (Stief-)Opa, die ich glaube zu haben, geh\u00f6rt die, dass er mir auf dem Volksfest Lose beim Roten Kreuz kaufte. Die Erinnerungen an diesen einarmigen Mann mit Hut (damals der einzige Mensch, der mich gro\u00dfz\u00fcgig mit S\u00fc\u00dfigkeiten versorgte, die wir gemeinsam beim Getr\u00e4nke- und Lebensmittelh\u00e4ndler Kreidl kauften) sind damit wohl meine fr\u00fchesten Erinnerungen, denn er starb, als ich drei war.<\/p>\n<p>Die Lose vom Roten Kreuz kaufte mir danach sogar meine Mutter: Sie betonte zwar hier wie bei allen Losst\u00e4nden, dass daran nur der Anbieter verdiene, eine Teilnahme also Abzocke sei, doch beim Roten Kreuz gehe das draufgezahlte Geld schlie\u00dflich an einen guten Zweck.<br \/>\nKarussels fuhr ich als Kind sehr gerne, auch die wilderen. Ob ich wohl ein bestimmtes Budget daf\u00fcr von meinen Eltern bekam, das ich mir selbst einteilen musste? Oder setzten sie mir eine Obergrenze an Fahrten? Ich erinnere mich nicht.<\/p>\n<p>Die beiden Bierzelte interessierten mich als Kind \u00fcberhaupt nicht: Rumsitzen ohne Spielgelegenheit? Langweilig. Meine Erinnerung versucht mir sogar wei\u00dfzumachen, dass ich kein einziges Mal mit meiner Familie dort eingekehrt w\u00e4re. Am Sonntagvormittag fanden in einem der Zelte regul\u00e4re Boxk\u00e4mpfe statt, zu denen mein Vater oft ging (und von denen er mit \u00fcblem Atem sowie eine T\u00fcte gebrannter Mandeln schwingend zur\u00fcck kam). Diese Boxk\u00e4mpfe gibt es heute wohl nicht mehr, zumindest steht keiner im <a href=\"http:\/\/www.herbstfest-ingolstadt.de\/index.php?option=com_content&#038;view=article&#038;id=61&#038;Itemid=71\" target=_\"new\">Programm des diesj\u00e4hrigen Herbstfestes<\/a>.<\/p>\n<p>Zu Essen gab es auf dem Volksfest Kas (Emmentaler vom ganzen Laib gehobelt), Fisch- und Lachssemmeln (f\u00fcr meine Mutter mit extra viel Zwiebel), gebrannte Mandeln, selten Magenbrot, Zuckerwatte, glasierte Fr\u00fcchte. An letztere erinnerte ich mich letzten Sonntag auf dem Oktoberfest vor allem wegen ihrer Abwesenheit: Mit fl\u00fcssigem Zucker glasierte Fr\u00fcchte sind schon lange durch Schokoladen-\u00fcberzogenes Obst ersetzt. Seinerzeit hatte ich mich \u00fcber den Wechsel gefreut \u2013 Zucker schmeckt halt nach nichts, und vor allem die verlockenden Liebes\u00e4pfel stellten sich dann doch immer wieder als schlichte \u00c4pfel heraus, unter ein wenig rotem Zucker versteckt. Doch am Sonntag vermisste ich die glasierten Fr\u00fcchte meiner Kindheit. Ich suchte gezielt und mit Erfolg: An einem Schokofr\u00fcchtestand bekam ich einen wirklich bunt gemischten Obstspie\u00df mit einer Zuckerkruste \u2013 allein der Geruch transportierte mich zur\u00fcck in Kindertage.<\/p>\n<p>Pommes frites tauchten erst zu meiner Teenagerzeit im Angebot des Volksfestes auf (bei mir daheim sagte man keineswegs Pommes dazu), dann aber meiner Erinnerung nach gleich in der gewellten Pressform und mit Ketchup. Die Erwachsenen waren angemessen dagegen.<\/p>\n<p>Das war bereits das Alter, in dem ich allein mit Freundinnen aufs Volksfest durfte \u2013 sehr aufregend. Dirndlartiges wurde ja bis vor wenigen Jahren mitnichten mit Volksfesten verbunden, und so kleidete ich mich f\u00fcr dieses erste Ausgehen zwar sorgf\u00e4ltig, aber ganz sicher in nichts, was meine Mutter ausgesucht h\u00e4tte. Sondern in Jeans. Solche habe ich ja erst sehr sp\u00e4t erbettelt, gegen den massiven Widerstand meiner Mutter, die mich auf keinen Fall so wie alle anderen in meiner Altersgruppe gekleidet sehen wollte. Das Volksfest war eine Gelegenheit, mit dieser Errungenschaft zu punkten. Dazu ein Minit\u00e4schchen mit langem Riemen quer \u00fcber dem Oberk\u00f6rper (auch das war in den fr\u00fchen 80ern, um die es hier geht, gerade erst erfunden worden).<\/p>\n<p>So ausgestattet stand ich mit meinen Freundinnen am Autoscooter herum und schielte zum Jungsvolk. Unter dem nat\u00fcrlich keineswegs der angeschw\u00e4rmte Markus aus der C-Klasse war, auf dessen Anwesenheit ich wider besseres Wissen (er wohnte in einem nur durch eine lange Busfahrt zu erreichenden Vorort) gehofft hatte. Auch in diesem Alter \u00fcbten Bierzelte auf mich keinerlei Anziehung aus.<\/p>\n<p>Mein Interesse an Volksfesten erlosch noch im sp\u00e4ten Teenageralter, als die h\u00e4ufigste Geselligkeit das Herumsitzen mit Freunden bei Tee, Musik und R\u00e4ucherst\u00e4bchen wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da, wo ich herkomme, hat das Volksfest keinen eigenen Namen wie \u201eOktober-\u201c oder \u201eG\u00e4uboden-\u201c. Es hei\u00dft einfach Volksfest und findet zweimal im Jahr statt: In gr\u00f6\u00dferem Stil zu Pfingsten (na gut, das hei\u00dft dann Pfingstfest \u2013 nicht wesentlich origineller) und etwas kleiner im Herbst (Herbstfest). 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