{"id":9008,"date":"2010-09-26T16:51:32","date_gmt":"2010-09-26T14:51:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=9008"},"modified":"2010-09-27T10:57:54","modified_gmt":"2010-09-27T08:57:54","slug":"argerverwaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2010\/09\/argerverwaltung.htm","title":{"rendered":"\u00c4rgerverwaltung"},"content":{"rendered":"<p>Dass ich gestern bis halb zehn schlief, nur kurz unterbrochen von einem Klogang kurz vor sieben, war ein echtes Geschenk. Oder &#8211; nennen wir es lieber Schn\u00e4ppchen, denn ich musste einen Preis daf\u00fcr zahlen: das erste St\u00fcck des Tages. Entsprechend sp\u00e4t kam ich n\u00e4mlich los zur ersten Schwimmrunde nach sechs Wochen (hatte sich an den Wochenenden davor einfach nicht ergeben).<\/p>\n<p>Fast aber w\u00e4re auch dieser Versuch gescheitert, denn die U-Bahn-Fahrer-Gewerkschaft streikte. Ich hatte viel Zeit, mir \u00fcber die unterschiedlichen Auswirkungen von Streiks Gedanken zu machen. Urspr\u00fcnglich, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, sollten die Arbeitgeber mit Streiks unter Druck gesetzt werden, auf die Lohnforderungen der Arbeitnehmer einzugehen. Mittlerweile sind aber Lohnverhandlung allgemein zu einem rein symbolischen Tanz geworden, der auf mich Au\u00dfenstehende immer ein wenig l\u00e4cherlich wirkt.<\/p>\n<p>Streiks sind bis heute eine wichtige Figur in diesem Tanz. Eine Sorte, so ging mir gestern beim Warten am Bahnsteig durch den Kopf, schmerzt immer noch vor allem den Arbeitgeber: die im produzierenden Wirtschaftssegment. Dort allerdings in Zeiten von <i>just in time <\/i>-Zulieferung auch die Lieferanten. Eine andere Sorte geht vor allem auf Kosten der Kunden: die in den Dienstleistungen. Sie sollen nicht dem Arbeitgeber an die Geldkisten gehen, sondern die \u00d6ffentlichkeit aufmerksam machen. Nun nehme ich an, dass diese \u00d6ffentlichkeit im Sinne der Arbeitnehmer aufmerksam gemacht werden soll. Dann h\u00e4tten die Gewerkschaften gestern mal besser ihre Vertreter an die Bahnsteige gestellt, die die Anliegen der Streikenden erkl\u00e4ren. So aber entwickelten sich in der wachsenden Menschenmenge, gro\u00dfteils in Oktoberfestverkleidung, Mordgel\u00fcste &#8211; und sicher nicht gegen die Arbeitgeber.<\/p>\n<p>Auch ich suhlte mich in Gewaltfantasien und \u00e4rgerte mich f\u00fcrchterlich, dass ich nicht zum Schwimmen kam. Der hartn\u00e4ckige Regen verhinderte die weite Radfahrt ins Olympiabad, und fast w\u00e4re ich wie schon vor zwei Wochen trotzig umgekehrt und h\u00e4tte mich den ganzen Tag \u00fcber ausgefallenen Sport ge\u00e4rgert. Um dieses Nachher-\u00c4rgern zu vermeiden, hielt ich den aktuellen \u00c4rger aus und kam nach einer Stunde endlich an der U-Bahn-Station Olympiazentrum an.<\/p>\n<p>Dieser Grund\u00e4rger machte mich nicht gerade zur angenehmsten Bahngenossin im Becken, doch ich hatte mich im Griff. Das regelm\u00e4\u00dfige Atmen beim Schwimmen beruhigte mich zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p>\u00dcbrig blieb eine Grundgereiztheit, die jederzeit wieder in \u00c4rger umschlagen konnte (der typische M\u00fcnchner Grant, der sich gegen den Umstand richtet, dass im Grunde das ganze Leben eine Zumutung ist): Ich hatte unbemerkt beim Kruschen nach Badkarte und Geld die restliche Wochenendzeitung verloren und stand nun lekt\u00fcrelos vor dem Warten auf die U-Bahn und der Fahrt zur\u00fcck. Ein Gl\u00fcck f\u00fcr die kosmische Gesamtstimmung, dass die Bahn bereits nach f\u00fcnf Minuten kam und am Olympiazentrum noch nicht \u00fcberf\u00fcllt war.<\/p>\n<p>Blieb nur der \u00c4rger \u00fcber die vielen ausw\u00e4rtigen Nutzer der Rolltreppen im M\u00fcnchner Nahverkehr: Sie wussten nat\u00fcrlich nicht, dass man in M\u00fcnchen ganz besonders z\u00fcgig auf Rolltreppen voran kommt, weil die linke Seite f\u00fcr Eilige freigehalten wird &#8211; herumgestanden wird auf der rechten Seite (schon ganz kleinen M\u00fcnchnern wird der Reim \u201erechts stehen, links gehen\u201c eingepaukt).<\/p>\n<p>Konsequentes Daheimbleiben sch\u00fctzte die Umwelt den restlichen Tag \u00fcber vor weiteren Auswirkungen meines \u00c4rgers.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass ich gestern bis halb zehn schlief, nur kurz unterbrochen von einem Klogang kurz vor sieben, war ein echtes Geschenk. 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