{"id":90202,"date":"2023-08-19T07:23:36","date_gmt":"2023-08-19T05:23:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=90202"},"modified":"2023-09-05T14:22:17","modified_gmt":"2023-09-05T12:22:17","slug":"journal-freitag-18-august-2023-gedanken-zu-mehreren-buechern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2023\/08\/journal-freitag-18-august-2023-gedanken-zu-mehreren-buechern.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 18. August 2023 &#8211; Gedanken zu mehreren B\u00fcchern"},"content":{"rendered":"<p>Mir waren am Vorabend fr\u00fch die Augen zugefallen, aufgewacht nach einer mittelruhigen Nacht eine halbe Stunde vor Weckerklingeln.<\/p>\n<p>Ich marschierte fr\u00fch in die Arbeit, Himmel eher bew\u00f6lkt. Doch \u00fcber den Vormittag setzte sich der Sonnenschein durch.<\/p>\n<p>Nach Langem mal wieder einen Fl\u00fcssig-Lippenstift aufgetragen, der <i>nicht<\/i> &#8220;superstay&#8221; war: Verdutzung beim deutlichen Abdruck auf dem Rand der Teetasse.<\/p>\n<p>Mittagscappuccino an neuem Ort: Ich hatte das Caf\u00e9 Colombo angesteuert, doch schon von Weitem an der fehlenden Au\u00dfenbestuhlung gesehen, dass es geschlossen war. Doch es gibt ja in drei Ecken dieses gro\u00dfen Wohngeb\u00e4udes mit Innenhof Caf\u00e9s, ich kehrte in das ein, das ich noch nicht kannte: Die Leckerei.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230818_06_DieLeckerei.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230818_06_DieLeckerei.jpg\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"444\" class=\"alignnone size-full wp-image-90237\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u00dcberdurchschittlich guter Cappuccino.<\/p>\n<p>Mittagessen sp\u00e4ter am Schreibtisch: Tomate und Pfirsich, Pumpernickel mit Butter, Banane. Drau\u00dfen entstand ein hei\u00dfer Sommertag, doch durch die k\u00fchlen N\u00e4chte blieb weiterhin der Aufenthalt im Schatten gut ertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>P\u00fcnktlicher Feierabend, \u00fcber Eink\u00e4ufe inklusive Supermarktblumen nach Hause. Dort wieder meine Runde Yoga-Gymnastik &#8211; ich merkte (auf Yoga: &#8220;nahm wahr&#8221;), dass unter der selbst auferlegten T\u00e4glichkeit die Freude daran leidet: Manchmal bin ich einfach nur froh, dass es rum ist. Nach diesen 30 Tagen kehre ich sicher wieder zur\u00fcck zum vorherigen Modus: Immer wenn ich mag, also vier bis f\u00fcnf Mal die Woche.<\/p>\n<p>Aber jetzt war erstmal Wochenende. Herr Kaltmamsell hatte zum Aufbrauchen des Erdbeer-Gins nochmal Erdbeeren besorgt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230818_09_ErdbeerGT.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230818_09_ErdbeerGT.jpg\" alt=\"\" width=\"363\" height=\"484\" class=\"alignnone size-full wp-image-90239\" \/><\/a><\/p>\n<p>Aufenthalt auf dem K\u00fcchenbalkon nur f\u00fcrs Foto, erst zwei Stunden sp\u00e4ter hatte es drau\u00dfen genug f\u00fcr offene Fenster abgek\u00fchlt. Gro\u00dfe Eiskugeln aus den Formen, die mir mein Bruder mal geschenkt hat &#8211; und die ich genau f\u00fcr diese Gl\u00e4ser sehr sch\u00e4tze.<\/p>\n<p>Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell ein Rezept aufgegriffen, das ich ihm wie so manche andere aus Interesse zugeworfen hatte: <a href=\"https:\/\/stefangourmet.com\/2022\/12\/10\/mackerel-in-saor-sgombro-in-saor\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Frische Makrele in Saor<\/a>, also auf venezianische Art. (Wir hatten uns gegen das \u00fcbliche Freitagsfleisch entschieden, weil es am Samstag bei meinen Eltern gro\u00dfe Mengen gegrilltes Fleisch geben w\u00fcrde.)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230818_11_Nachtmahl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230818_11_Nachtmahl.jpg\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"444\" class=\"alignnone size-full wp-image-90241\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das S\u00fc\u00dfsaure, die Rosinen und die Pinienkerne passten wunderbar zur Makrele. Dazu gelbe Tomaten aus Ernteanteil mit Oliven\u00f6l und Wurzelbrot vom Z\u00f6ttl. Im Glas der Rest Elbling Karl Sonntag von der Mosel, den Herr Kaltmamsell f\u00fcrs Rezept verwendet hatte und an dessen Geschmack ich mich von meiner Mosel-Wanderung erinnerte. (Passte aber gar nicht zum Gericht.)<\/p>\n<p>Als Nachtisch gab&#8217;s die restlichen Erdbeeren, Schokoladeneis, Eierlik\u00f6r. Und noch Schokolade.<\/p>\n<p>Fr\u00fch ins Bett, um Josephine Tey, <i>The Daughter Of Time<\/i> weiterzulesen. Ich bin begeistert und kann als Freundin guter Erz\u00e4hlstruktur nachvollziehen, dass <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Josephine_Tey\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">laut Wikipedia<\/a> die englische Autorenvereinigung Crime Writers&#8217; Association das Buch zum besten Kriminalroman aller Zeiten gew\u00e4hlt hat.<\/p>\n<p>Gl\u00fcck oder geschicktes Filtern? In den vergangenen Jahren meines Online-Lebens habe ich praktisch nie Aufrege-Wellen auf instagram\/Twitter\/Mastodon mitgekommen &#8211; immer nur Posts und einander best\u00e4tigende Diskussionen, die sich \u00fcber diese Aufrege-Wellen aufregten. (Die nerven schon genug.)<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Der Lokalteil der gestrigen <i>S\u00fcddeutschen<\/i> enthielt eine sch\u00f6ne Reportage \u00fcber den Nudelschleuderer in &#8220;Max&#8217;s Beef Noodles&#8221; bei uns ums Eck.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/weiping-xu-max-s-beef-noodles-sendlinger-tor-la-mian-1.6136842\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Kneten, falten, ziehen&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_orringer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_orringer.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"237\" class=\"alignnone size-full wp-image-89755\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zwar schon vor \u00fcber einer Woche ausgelesen, hier nachgeholt die Besprechung von Julie Orringer, <i>The Flight Portfolio<\/i> (der dominante Titel <i>Transatlantic<\/i> auf dem Cover meiner Ausgabe bezieht sich auf die Netflix-Verfilmung).<\/p>\n<p>Der Roman spielt 1940 in Marseille, im Mittelpunkt die historisch belegte Figur Varian Fry: Der US-Amerikaner war damals mit 3.000 Dollar und einer Liste von K\u00fcnstlern und Schriftstellern dorthin geschickt worden, darunter Max Ernst, Marcel Duchamp, Marc Chagall, um ihnen zur Flucht vor den Nazis zu verhelfen. Schauplatz und historischer Hintergrund zogen mich an, ich kenne viele Flucht-Geschichten dieser Zeit aus der Literatur.<\/p>\n<p>Und ich las den recht dicken Roman durchaus gerne, wollte immer wissen, wie es weiterging. Aber. &#8220;\u00dcberorchestriert&#8221; ist ein Begriff, den ich von einer Jury beim Bachmannpreislesen gelernt habe und hier anwende: In diesem Fall mal zu viele Streicher, n\u00e4mlich f\u00fcr die zentrale Liebesgeschichte &#8211; ich glaube nicht so ganz, dass ein Anfang-30er bei der Wiederaufnahme seiner Beziehung zur College-Liebe \u00fcber Monate derma\u00dfen emotional au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t. Und mal zu viel Blech, n\u00e4mlich bei der Dramatisierung der Fl\u00fcchtlingsgeschichten: Sie sind meiner Ansicht nach selbst bei lakonischem Erz\u00e4hlen dramatisch genug (wie unter anderem Friedrich Torberg bewiesen hat). Immer wieder war ich erinnert ans Gucken der 20-Uhr-Tagesschau, wenn Constantin Schreiber die Nachrichten spricht und jede Meldung durch Theater!Betonung! dramatisiert. \u00dcberorchestriert meiner Meinung nach auch der Gesamtklang: Die beiden Themen Rassismus und Ausgrenzung Homosexueller in den USA sprengen die ohnehin gro\u00dfe F\u00fclle des Romans.<\/p>\n<p>Gleichzeitig st\u00f6rten mich immer wieder unn\u00f6tige F\u00fclls\u00e4tze, die den Verdacht erweckten, Orringer sei nach Zeile bezahlt worden. Zum Beispiel wiederholt so oder \u00e4hnlich:<\/p>\n<blockquote><p>Here was the moment they had known would come, the one that had nonetheless seemed infinitely postponable.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Am Donnerstag ausgelesen: Die aktuelle Ausgabe Granta 164, <i>Last Notes<\/i>. Einige Texte darin berichten aus dem Kriegsgeschehen in der Ukraine &#8211; ich lie\u00df mich auf die Lekt\u00fcre ein, auch auf die von der Front und aus Krankenstationen mit Kriegsopfern (die ich in Zeitungen meide, weil sie mich \u00fcberlasten &#8211; anders als rein faktenorientierte Berichte). Und lie\u00df ich zu, dass mich nochmal der Schock packte, dass diese Szenarien eines traditionellen Kriegsgeschehens, die ich (bei uns!) als historisch und \u00fcberwunden annahm, eine zeitgen\u00f6ssiche Neuauflage erfahren, inklusive zeitgen\u00f6ssischen Details, dass man Kriegsversehrte in medizinischer Behandlung vor Fotoapparaten und Filmkameras sch\u00fctzen muss. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/b940849e8c1a4610bfa1921d1fcc8ff3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mir waren am Vorabend fr\u00fch die Augen zugefallen, aufgewacht nach einer mittelruhigen Nacht eine halbe Stunde vor Weckerklingeln. Ich marschierte fr\u00fch in die Arbeit, Himmel eher bew\u00f6lkt. Doch \u00fcber den Vormittag setzte sich der Sonnenschein durch. 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