{"id":90495,"date":"2023-08-28T06:32:33","date_gmt":"2023-08-28T04:32:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=90495"},"modified":"2023-08-28T10:46:22","modified_gmt":"2023-08-28T08:46:22","slug":"journal-sonntag-27-august-2023-regensonntag-und-daniela-droescher-luegen-ueber-meine-mutter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2023\/08\/journal-sonntag-27-august-2023-regensonntag-und-daniela-droescher-luegen-ueber-meine-mutter.htm","title":{"rendered":"Journal Sonntag, 27. August 2023 &#8211; Regensonntag und Daniela Dr\u00f6scher, <i>L\u00fcgen \u00fcber meine Mutter<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Mittelgut geschlafen, vor allem nicht lang genug. Drau\u00dfen k\u00fchler Regen.<\/p>\n<p>Ich startete den Sonntag mit Gesch\u00e4ftigkeiten: Waschmaschine mit Bettw\u00e4sche best\u00fccken und anschalten, Geschirrsp\u00fcler ausr\u00e4umen, Hefeteig f\u00fcr Zwetschgendatschi kneten. Nach meinem Morgenmilchkaffee bereitete ich die sp\u00e4rliche Zwetschgenernte vom Vortag daf\u00fcr vor.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230827_01_Zwetschgen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-90507\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230827_01_Zwetschgen.jpg\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"432\" \/><\/a><\/p>\n<p>70 Prozent musste ich den W\u00fcrmern \u00fcberlassen, ach meia.<\/p>\n<p>Aber ich hatte mir Zwetschgendatschi in den Kopf gesetzt, also machte ich Zwetschgendatschi.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230827_02_Zwetschgen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-90508\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230827_02_Zwetschgen.jpg\" alt=\"\" width=\"403\" height=\"302\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230827_03_Zwetschgen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-90509\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230827_03_Zwetschgen.jpg\" alt=\"\" width=\"434\" height=\"317\" \/><\/a><\/p>\n<p>Kombiniert mit Butterkuchen.<\/p>\n<p>Der Regen sollte sich laut Wettervorhersagen den ganzen Tag hinziehen, ging ich halt bei Regen auf meine Laufrunde und schl\u00fcpfte in die Regenjacke, setzte meine Schirmm\u00fctze auf. Starker Regen, weniger starker Regen, Tr\u00f6pfeln. Es war besser als kein Lauf, dennoch mit nur \u00fcbersichtlichem Vergn\u00fcgen (Schwitzen unter Regenjacke, der Schirm der M\u00fctze dr\u00fcckte entweder zu sehr auf die Brillenb\u00fcgel oder sch\u00fctzte die Gl\u00e4ser zu wenig).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230827_04_AlterSuedfriedhof.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230827_04_AlterSuedfriedhof.jpg\" alt=\"\" width=\"391\" height=\"560\" class=\"alignnone size-full wp-image-90511\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230827_07_Flaucher.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230827_07_Flaucher.jpg\" alt=\"\" width=\"572\" height=\"419\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p>Schnell noch Fr\u00fchst\u00fcckssemmeln besorgt, Heimkehr mit nassen F\u00fc\u00dfen. Feudales Fr\u00fchst\u00fcck um halb zwei: K\u00f6rnersemmel mit K\u00e4se, H\u00e4lfte des Zwetschgendatschis (sehr gut) mit Sahne. Als Resultat trat Bettschwere ein, ich machte ein wenig Siesta. Danach ging ich die wohl letzte gro\u00dfe B\u00fcgelrunde des Sommers an.<\/p>\n<p>Endlich wieder Gelegenheit f\u00fcr eingemerkte Podcasts. Erstmal drei ARD-Korrespondent*innen in Moskau:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.ardaudiothek.de\/episode\/weltspiegel-podcast\/inside-russland-der-preis-des-krieges\/ard\/94721622\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Inside Russland: Der Preis des Krieges&#8221;.<\/a><br \/>\n(vom 23. August 2023 &#8211; also vor dem wahrscheinlichen Tod Prigoschins, dazu nur eine kurze Bemerkung am Schluss nach Aufzeichnung)<\/p>\n<p>Und dann noch die neueste Folge <i>Fix und vierzig<\/i>: <a href=\"https:\/\/fixundvierzig.de\/hoeren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;Brauchen wir wirklich eine Beauty-Routine?&#8221;<\/a><br \/>\nGoldener Satz von Katja Berlin: &#8220;Ich hab zum Beispiel f\u00fcr mich die Erfahrung gemacht: Das beste Sch\u00f6nheitsmittel f\u00fcr mich ist, einfach keine Spiegel zu haben.&#8221;<br \/>\nWichtiger Hinweis: &#8220;Was dich am schnellsten altern l\u00e4sst, ist eben Armut.&#8221;<br \/>\n(Und hinrei\u00dfend, wie Gunda Windm\u00fcller vornehm &#8220;Cr\u00e4hm&#8221; sagt, bei mir Bayerin ist das halt &#8220;a Crreme&#8221;.)<\/p>\n<p>Drau\u00dfen dauerhafter Regen.<br \/>\nDie Yoga-Gymnastik des Tages war zackiges Krafttraining, mir wurde ganz sch\u00f6n warm.<\/p>\n<p>Zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell die Aubergine aus Ernteanteil in Pasta alla Norma nach einem Rezept aus Rachel Roddys <i>A-Z of Pasta<\/i> (sie nimmt allerdings Spaghetti, wir hatten Casarecce).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230827_09_Nachtmahl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/230827_09_Nachtmahl.jpg\" alt=\"\" width=\"302\" height=\"403\" class=\"alignnone size-full wp-image-90513\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ganz hervorragend &#8211; und besser als in der Woche zuvor in der Goldmarie: Diese Version schmeckte viel deutlicher nach der Aubergine, wurde umgehend ein Auberginen-Liebling. Zum Nachtisch gab es Butterkuchen und Schokolade.<\/p>\n<p>Ein Tag mit unwohnlicher K\u00fcche: Wir hatten festgestellt, dass unter der Waschmaschine Wasser austrat &#8211; obwohl sie seit mehreren Tagen nicht gelaufen war und ohne Ver\u00e4nderung bei Betrieb. Herr Kaltmamsell \u00fcbernahm es, systematisch nach der Quelle zu suchen, daf\u00fcr musste die Waschmaschine herausgezogen in der K\u00fcche stehen.<\/p>\n<p>Ausgesprochen unangenehmes Ergebnis der Analyse: Das Wasser kommt aus keinem Schlauchleck oder undichtem Anschluss, sondern aus der Wand &#8211; wir entdeckten ca. zwei Quadratmeter nasse Wand hinter der K\u00fcchenzeile, zum Teil bereits mit schwarzen Stellen. Herr Kaltmamsell wird sich am Montag um schnelle Hilfe bem\u00fchen m\u00fcssen (was ein Gl\u00fcck, dass er noch Ferien hat).<\/p>\n<p>Fr\u00fch ins Bett, um die n\u00e4chste Lekt\u00fcre anzugehen: Ewald Frie, <i>Ein Hof und elf Geschwister<\/i>, jetzt mal eine offizielle Familiengeschichte ohne &#8220;Roman&#8221;.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_droescher.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-90421\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_droescher.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"242\" \/><\/a><\/p>\n<p>Daniela Dr\u00f6scher, <i>L\u00fcgen \u00fcber meine Mutter<\/i> ausgelesen. Nochmal Autofiktion, also eigentlich Biografisches, das als &#8220;Roman&#8221; verkauft wird. Aber in diesem Fall wird die &#8220;autofiktionale Stimme&#8221; thematisiert, in der Danksagung hei\u00dft es sogar &#8220;ich danke Claudia Hamm f\u00fcr ihre Gedanken zur autofiktionalen Stimme&#8221;. Das gefiel mir sehr gut.<\/p>\n<p>Autorin Daniela Dr\u00f6scher ist es explizit selbst, die von ihrer ganz konkreten Mutter erz\u00e4hlt, von ihrer Kindheit im Hunsr\u00fcck, in der diese Mutter vom eigenen Ehemann auf ihren in seinen Augen zu dicken K\u00f6rper reduziert wird, in der dieser Vater seine Frau mit allen Mitteln und Gemeinheiten zum Abnehmen bringen will. In der die Autorin selbst schon als Kind in die eigentliche Elternrolle schl\u00fcpfen muss.<\/p>\n<p>Dr\u00f6scher thematisiert die Erz\u00e4hlsituation, l\u00e4sst in der Gegenwart ihre Mutter dazu Stellung nehmen, dass ihre Tochter ein Buch \u00fcber sie schreibt. Ganz am Anfang hei\u00dft es und erkl\u00e4rt den Titel des Buchs:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Wenn du nicht endlich redest&#8221;, drohe ich, &#8220;muss ich etwas erfinden. Ich muss l\u00fcgen.&#8221;<br \/>\n&#8220;Nur zu. Das ja dein Beruf.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Denn es gibt bis in die Gegenwart so viele Geheimnisse in dieser Familie, so viele nicht gesagte Dinge. Dr\u00f6scher schiebt immer wieder kursiv gesetzte Zwischenkapitel ein, in denen sie die eben erz\u00e4hlte Situation analysiert, aus erwachsener Perspektive und manchmal mit Ausblicken auf die Zukunft. Das entzieht dem Erz\u00e4hlen das So-tun-als-ob, es rei\u00dft die vierte Wand ein, die auch in einem Roman so tun kann, als w\u00fcrde hier gar nicht erz\u00e4hlt, sondern ein Erlebnis vermittelt.<\/p>\n<p>Es sch\u00fctzt auch vor zu starkem Mitf\u00fchlen, denn es sind unangenehme Erlebnisse, die erz\u00e4hlt werden. Ein weiteres solches Schutzmittel ist das Thematisieren von Sprache. Dr\u00f6scher betont, wie wichtig ihr schon immer Sprache war; immer wieder verwendet sie sprichw\u00f6rtliche Floskeln aus ihrer Kindheit, die sie schon als Kind faszinierten, markiert sie durch Kursivsetzung.<\/p>\n<p>Die eigentliche Handlung bricht ab, als die Erz\u00e4hlerin Ela acht oder neun ist. Wir erfahren nur in einer kurzen Zusammenfassung, wie es weiterging. Und nur die Mutter im Titel hat einen Auftritt in der Gegenwart, der weitere Lebensweg aller anderen Figuren bleibt offen &#8211; auch das gefiel mir sehr gut. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/6cbeab51229f44ff84a1112b1eea250b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittelgut geschlafen, vor allem nicht lang genug. Drau\u00dfen k\u00fchler Regen. 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