{"id":922,"date":"2005-06-28T10:47:42","date_gmt":"2005-06-28T08:47:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=922"},"modified":"2012-03-18T08:44:59","modified_gmt":"2012-03-18T07:44:59","slug":"warum-ich-keine-samba-trommler-ertrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/06\/warum-ich-keine-samba-trommler-ertrage.htm","title":{"rendered":"Warum ich keine Sambatrommler ertrage"},"content":{"rendered":"<p>In der Provinzstadt, in der ich gro\u00df und stark wurde, gab es eine Volkshochschule. Dort machten in den 80ern brave Hausfrauen bereichernde Dinge wie T\u00f6pfern oder Macramee oder Schmuckb\u00e4umchenbasteln. Die Hausfrauen mit Vergangenheit, also die aus dem Norden zugezogenen oder solche, die Ende der 60er \/ Anfang der 70er ein paar Jahre in M\u00fcnchen gelebt hatten, die machten an der Volkshochschule wildere Sachen. Zu diesen geh\u00f6rte das Sambatrommeln beim Charlie B. Woher ich das wei\u00df? Nee, meine Mutter war eine Arbeitermutter und somit bei den T\u00f6pferinnen, Spanischlernerinnen und Damenturnerinnen der Stadt; das Wildeste an ihrer Vergangenheit war die Zeit als Gruppenleiterin bei <a href=\"http:\/\/www.caj.de\/\" target=_new>der CAJ <\/a>von St. Pius.<br \/>\nDoch an einem Termin des Jahres traten sie un\u00fcbersehbar ans Tageslicht, die Hausfrauensambatrommlerinnen des Charlie B.: beim B\u00fcrgerfest.<\/p>\n<p>In meiner Geburtsstadt gab schon so fr\u00fch ein zweit\u00e4giges B\u00fcrgerfest, dass es sich noch nicht herumgesprochen hatte, dass ein solches immer \u201ehistorisch\u201c oder gar \u201emittelalterlich\u201c zu sein hat (mit einer Definition von Mittelalter, die das 19. Jahrhundert problemlos einschlie\u00dft). Es wurde einfach in der Altstadt gefeiert, mit Bands und Blaskapellen, vor deren B\u00fchne man meinen Lieblingsoberb\u00fcrgermeister sich gem\u00e4chlich betrinken sah. In diesen Anfangszeiten hatten auch die verschiedenen Gastarbeiter-Verb\u00e4nde ihre Fressbuden aufgestellt, und so kam der provinzielle Oberbayer der fr\u00fchen 80er erstmals in den Genuss von Gyros und Paella (am spanischen Paellastand half ich in einem Sommer aus und wurde Zeugin, wie sich zwei zugewanderte Damen aus dem Norden Deutschlands angewidert \u00fcber die riesige Pfanne beugten und urteilten: &#8220;Pa-el-la, igittigitt! Also, da muss man schon Spanier sein, um sowas zu m\u00f6gen!&#8221;)<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu Charlie B. und seinen Sambatrommlerinnen. Irgendwann am Nachmittag des B\u00fcrgerfests bogen sie in Hordenformation um eine altst\u00e4dtische Ecke: F\u00fcnfzehn bis zwanzig Frauen in den besten Jahren (die GIBT es heute gar nicht mehr, diese besten Jahre!), bewehrt mit Trommeln, Schellen, Trillerpfeifen und machten L\u00e4rm. Die langen Haare flogen wild, die frisch geb\u00fcgelten Baumwollhemden und -r\u00f6cke im Indienstil flatterten, alle trugen flache Schuhe oder waren barfu\u00df, um den Rhythmus ungehindert \u201eaus dem Bauch raus\u201c zu erf\u00fchlen. In den Hausfrauengesichtern spiegelte sich der Triumph, mal sowas richtig Unkonventionelles zu machen, die Fesseln des B\u00fcrgertums (das ihnen zu dem netten kleinen Sportwagen verholfen hatte, der sie aus dem Eigenheim im poshen Vorort in die Innenstadt gebracht hatte) abzustreifen, mal ganz Frau zu sein. Vorne weg Charlie B., dessen Miene man ansah, dass er sich seine Percussion-Karriere anders vorgestellt hatte.<\/p>\n<p>Schon als Jugendliche empfand ich das Ganze als w\u00fcrdeloses Spektakel und \u00fcbte Fremdsch\u00e4men. Und weil ich bei den Kl\u00e4ngen jeder Samba-Horde daran erinnert werde, kann ich sie nicht mehr h\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Provinzstadt, in der ich gro\u00df und stark wurde, gab es eine Volkshochschule. Dort machten in den 80ern brave Hausfrauen bereichernde Dinge wie T\u00f6pfern oder Macramee oder Schmuckb\u00e4umchenbasteln. Die Hausfrauen mit Vergangenheit, also die aus dem Norden zugezogenen oder solche, die Ende der 60er \/ Anfang der 70er ein paar Jahre in M\u00fcnchen gelebt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-922","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-general"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/922","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=922"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/922\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=922"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=922"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=922"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}