{"id":92295,"date":"2023-10-27T06:29:44","date_gmt":"2023-10-27T04:29:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=92295"},"modified":"2023-10-27T11:02:01","modified_gmt":"2023-10-27T09:02:01","slug":"journal-donnerstag-26-oktober-2023-das-vermustern-von-erinnerungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2023\/10\/journal-donnerstag-26-oktober-2023-das-vermustern-von-erinnerungen.htm","title":{"rendered":"Journal Donnerstag, 26. Oktober 2023 &#8211; Das Vermustern von Erinnerungen"},"content":{"rendered":"<p>Ich h\u00e4tte mir eine halbe Stunde sp\u00e4teres Wecken geg\u00f6nnt, wachte allerdings nur wenig nach meiner \u00fcblichen Zeit auf, unausgeschlafen. In die Arbeit brach ich dennoch eine halbe Stunde sp\u00e4ter als sonst auf, weil ich mir noch die Zeit f\u00fcrs Verbloggen des Theaterbesuchs nahm.<\/p>\n<p>Drau\u00dfen erwischte mich nach 100 Metern der Regen, den ich in der schr\u00e4gen Morgensonne nicht hatte kommen sehen, ich erreichte das B\u00fcro ordentlich durchgefeuchtet. Aber es war ja mild, ich trocknete schnell wieder.<\/p>\n<p>Emsiger Vormittag, zu Mittag ging ich unterm Regenschirm raus auf einen Cappuccino bei Nachbars, dann auf den Westend-Markt, dort kaufte ich \u00c4pfel (die vergangene Woche probierte Sorte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nicoter\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Nicoter<\/a>) und K\u00e4se. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/231026_02_Nicoter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/231026_02_Nicoter.jpg\" alt=\"\" width=\"303\" height=\"383\" class=\"alignnone size-full wp-image-92311\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mittagessen zur\u00fcck am Schreibtisch: Nicoter-Apfel (der mir so gut schmeckte, dass ich am liebsten weitere gegessen h\u00e4tte, doch es musste ja auch andere Brotzeit weg), Pumpernickel mit Butter, Granatapfelkerne.<\/p>\n<p>Der Nachmittag war dann ruhiger, ich kam zur geplanten Zeit aus dem Geb\u00e4ude, denn ich war mit Herrn Kaltmamsell zum Einkaufen verabredet. Beim Radeln zum Gericht hatte ich n\u00e4mlich in der Blutenburgstra\u00dfe einen <a href=\"https:\/\/www.donosti.in\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Laden namens Donosti<\/a> gesehen; Online-Recherche hatte meinen Verdacht best\u00e4tigt, dass dort auch Baskisches angeboten wird (San Sebasti\u00e1n hei\u00dft auf Baskisch Donostia). Und tats\u00e4chlich gab es in dem kleinen Gesch\u00e4ft nicht nur einen Txakoli (dieser junge Wei\u00dfwein, der uns letztes Jahr in San Sebasti\u00e1n so gut geschmeckt hatte), sondern drei verschiedene, die Ladenbesitzerin wusste zu jedem etwas zu erz\u00e4hlen. Nahmen wir alle zum Probieren mit. Au\u00dferdem aus dem Anbaugebiet Madrid einen Rotwein sowie Caf\u00e9 torrefacto &#8211; das war sehr wahrscheinlich nicht der letzte Einkauf dort.<\/p>\n<p>Mit der U-Bahn nach Hause, dort H\u00e4uslichkeiten. Zum Nachtmahl machte ich den Ernteanteil-Salat mit einer Knoblauch-Zitronen-Vinaigrette an, ein paar letzte Tomaten aus Ernteanteil kamen auch rein (die Tomatenpflanzen in den Gew\u00e4chsh\u00e4usern haben laut Newsletter <i>Kartoffeldruck<\/i> mittlerweile den Winterkulturen Feldsalat und Asiasalat Platz gemacht). Au\u00dferdem gab es K\u00e4se, unter anderem einen Crowdfarming-Manchego, der in Oliven\u00f6l eingelegt war &#8211; wir waren beide nicht sicher, ob das eine gute Idee ist, denn er schmeckte seifig. Zum Nachtisch S\u00fc\u00dfigkeiten.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Dann mache ich doch nochmal einen Anlauf bei meiner ehemaligen Haus\u00e4rztin, die seit 2022 nur noch privat bezahlt behandelt und deren Personal mir meine Patientenakte nur als Papierkopie und das nur gegen Geld geben wollte.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/patientenakte-einsicht-eugh-100.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Urteil des EuGH<br \/>\nErste Kopie der Patientenakte ist kostenlos&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Katatonik ist nach Berlin gereist und erinnert sich an vergangene Berlin-Aufenthalte:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/campcatatonia.org\/article\/2635\/WechselseitigesAuftauchenerinnertoderauchnicht\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Wechselseitiges Auftauchen, erinnert (oder auch nicht)&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>M. tauchte zu Silvester in Wien auf, es war ja nicht so, dass ich nur in Berlin auftauchte; es gab vielmehr eine Kultur des wechselseitigen Auftauchens.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass das eine Kultur war, ein Muster &#8211; das ergibt doch eigentlich erst die Erinnerung daran. Und war einer zur Ereigniszeit vielleicht gar nicht bewusst?<\/p>\n<p>Ich stelle hiermit die These vom Vermustern bei Erinnerungen auf, abgeleitet im weitesten Sinn aus Gestaltpsychologie (von der man gar nicht mehr viel h\u00f6rt, wie mag&#8217;s ihr gehen? war das nur eine Mode?), nach der die menschliche Wahrnehmung Muster und Sinn sucht. R\u00fcckblickend formen wir aus Einzelbegebenheiten, eigentlich aus der Erinnerung daran (was zwei verschiedene Dinge sind) eine Gewohnheit, ein Muster. Symptome sind beim Erz\u00e4hlen: &#8220;Bei uns wurde immer&#8221;, &#8220;Zu Weihnachten haben wir bei uns&#8221; (und es hatte immer Schnee), &#8220;In meiner Kindheit wurde&#8221; &#8211; wobei ich mehr als einmal herausfand, dass es sich belegbar lediglich um zwei oder drei Mal handelte.<br \/>\n(Und ich erinnere mich an das Gel\u00e4chter an der Festtafel, als ein 17-j\u00e4hriges Familienmitglied anhub: &#8220;In meiner Kindheit haben wir immer&#8230;&#8221;) <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/3135d4b95a0744c793d65615a4a49380\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich h\u00e4tte mir eine halbe Stunde sp\u00e4teres Wecken geg\u00f6nnt, wachte allerdings nur wenig nach meiner \u00fcblichen Zeit auf, unausgeschlafen. In die Arbeit brach ich dennoch eine halbe Stunde sp\u00e4ter als sonst auf, weil ich mir noch die Zeit f\u00fcrs Verbloggen des Theaterbesuchs nahm. 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