{"id":9371,"date":"2010-10-16T09:24:19","date_gmt":"2010-10-16T07:24:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=9371"},"modified":"2010-10-16T14:37:30","modified_gmt":"2010-10-16T12:37:30","slug":"die-frau-in-einer-machtposition-na-gut-die-zwei-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2010\/10\/die-frau-in-einer-machtposition-na-gut-die-zwei-frauen.htm","title":{"rendered":"Die Frau in einer Machtposition (na gut: die zwei Frauen)"},"content":{"rendered":"<p>Als ich sah, dass das <i>SZ-Magazin<\/i> diese Woche \u201eein Frauenheft&#8221; ist, rechnete ich bereits damit, dass ich mich aufregen w\u00fcrde, zumal auf dem Titel stand: \u201eDie Revolution ist in vollem Gange, es merkt nur keiner. Frauen \u00fcbernehmen die Macht, leise, unaufgeregt, unaufhaltsam.\u201c Denn Prognosen, dass Frauen SO kurz davor seien, endg\u00fcltig die Weltherrschaft zu ergreifen, lese ich, seit ich die Titelseiten von Gazetten entziffern kann. Weckt mich, wenn der Anrei\u00dfer erstmals lautet: \u201eM\u00e4nner auf dem Vormarsch.\u201c<\/p>\n<p>Besonders heftig rollte ich mit den Augen bei der Lekt\u00fcre des <a href=\"http:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/texte\/anzeigen\/34816\" target=_\"new\">Interviews mit Regine Stachelhaus<\/a>. Seit Juli dieses Jahres im Vorstand von EON? Konnte also zum Zeitpunkt des Gespr\u00e4chs gerade mal zwei, drei Monate Erfahrung in dieser Funktion vorweisen? Nicht sehr aussagekr\u00e4ftig. Allerdings gibt es nunmal so erb\u00e4rmlich wenige Frauen in Spitzenpositionen, dass man sie unm\u00f6glich als Gruppe analysieren kann. Und so schnaufte ich heftig bei Aussagen wie:<\/p>\n<blockquote><p>Gerade Frauen haben ein sicheres Gesp\u00fcr daf\u00fcr, was wann angebracht ist. Das gilt auch f\u00fcr Kritik am Vorgesetzten. Frauen wissen, wann daf\u00fcr der geeignete Moment ist (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p>Echt? Mir fallen eine ganze Menge Gegenbeispiele ein &#8211; die genauso wenig statistisch relevant sind wie die Aussagen von Frau Stachelhaus. Und ich erinnere mich an die Kollegin aus der Personalentwicklung, die mich f\u00fcr einen Artikel \u00fcber den Nutzen eines h\u00f6heren Frauenanteils in der F\u00fchrungsschicht meines Arbeitgebers briefte: Ich solle schreiben, dass Frauen mit ihrem gro\u00dfen Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen Konflikten vorbeugten und deshalb in F\u00fchrungsgremien ausgleichend wirkten. (Sie lie\u00df sich aber &#8211; das halte ich der Kollegin zugute &#8211; umstimmen, als ich sie zahlengest\u00fctzt auf <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/11\/frausein-ist-schlecht-fur-gehalt-und-karriere.htm\">die verheerende Wirkung von Geschlechterstereotypen in der Arbeitswelt<\/a> hinwies.)<\/p>\n<p>Wie sehr gefiel mir im Gegensatz dazu das Interview mit Birgit Behrendt in der Septemberausgabe des <i>Manager Magazins<\/i>, seit 2004 im Vorstand von Ford zust\u00e4ndig f\u00fcr das strategisch entscheidende Ressort Einkauf, bis zum Juni 2010 Einkauf Europa, seither Einkauf Amerika (<a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/karriere\/0,2828,671703,00.html\" target=_\"new\">Link zu einem Portr\u00e4t vom Januar<\/a>, aktuelles Interview leider nicht online). Nicht nur konnte sie fachlich Interessantes dar\u00fcber erz\u00e4hlen, wie sich die Prozesse und Ziele in den Lieferantenbeziehungen der Automobilindustrie ver\u00e4ndert haben. Ihre Aussagen zur Rolle des Geschlechts beziehen sich auch deutlich auf die Ergebnisse von Sozialisation, zum Beispiel:<\/p>\n<blockquote><p>(Frauen) glauben, wenn ich gut arbeite und flei\u00dfig bin, dann kommt man schon auf mich zu. Da kommt aber niemand auf Sie zu! Mit dieser Einstellung wird man zur St\u00fctze der Abteilung, aber bef\u00f6rdert werden andere.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\n<b>Ihr Gebiet, Einkauf, gilt nicht gerade als spezifisches Frauenressort.<\/b><br \/>\nBehrendt: Es ist ein knochenhartes Gesch\u00e4ft. Aber warum sollte es deshalb nicht ein Frauenressort sein?<\/p><\/blockquote>\n<p>Zum schmerzhaften Lachen und eindeutig ein Fall von <a href=\"http:\/\/myfaultimfemale.wordpress.com\/\" target=_new><i>My fault I\u2018m female<\/i><\/a> ist die Anekdote, die Frau Behrendt im Zusammenhang mit dem Umstand erz\u00e4hlt, dass ihr Mann 1998 die Erwerbst\u00e4tigkeit aufgab (sie ging in die USA, er bekam dort keine Arbeitsgenehmigung):<\/p>\n<blockquote><p><b>Ihrem Mann macht es \u00fcberhaupt nichts aus, dass man denkt: Das ist kein \u201eGo-getter\u201c oder \u201eWas ist das denn f\u00fcr ein Mann\u201c?<\/b><br \/>\nBehrendt: Er sieht das v\u00f6llig gelassen und h\u00f6rt oft: Sie haben alles aufgegeben f\u00fcr Ihre Frau! Mir hat sich ein Sch\u00fcsselerlebnis eingebrannt: Als ich das erste Mal in die USA gegangen bin, war alles f\u00fcr mich Neuland; neuer Job, neues Unternehmen, hart in gewisser Weise. Aber in den Anrufen, die von zu Hause kamen, ging es immer nur darum: Wie geht es dem armen Norbert, der aufgeh\u00f6rt hat zu arbeiten und im International Newcomer-Club der einzige Mann war unter 40 Frauen. Als h\u00e4tte ihn da ein schreckliches Los getroffen! Keiner fragte, wie es mir ging.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zur\u00fcck zum gestrigen <i>SZ-Magazin<\/i>. Die kl\u00fcgste Aussage \u00fcber das Thema Frauen stammt dann ausgerechnet vom greisen Friseur Vidal Sassoon:<\/p>\n<blockquote><p><b>Was haben Sie \u00fcber Frauen gelernt in all den Jahren, in denen Sie so viel mit ihnen zu tun hatten?<\/b><br \/>\nIch habe gelernt, dass ich nichts \u00fcber Frauen wei\u00df. Ich habe vielleicht einzelne Frauen verstanden, wenn ich mit ihnen gelebt habe. Aber ich kann nichts \u00fcber die gro\u00dfe Gruppe Frauen sagen. Sie m\u00f6chten doch auch als Individuum betrachtet werden und nicht als Teil einer Gruppe, oder nicht?<\/p><\/blockquote>\n<p>Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich sah, dass das SZ-Magazin diese Woche \u201eein Frauenheft&#8221; ist, rechnete ich bereits damit, dass ich mich aufregen w\u00fcrde, zumal auf dem Titel stand: \u201eDie Revolution ist in vollem Gange, es merkt nur keiner. 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