{"id":94800,"date":"2024-01-29T06:29:22","date_gmt":"2024-01-29T05:29:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=94800"},"modified":"2024-02-09T15:51:20","modified_gmt":"2024-02-09T14:51:20","slug":"journal-sonntag-28-januar-2024-poor-things-verfilmt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2024\/01\/journal-sonntag-28-januar-2024-poor-things-verfilmt.htm","title":{"rendered":"Journal Sonntag, 28. Januar 2024 &#8211; <i>Poor Things<\/i> verfilmt"},"content":{"rendered":"<p>Wieder wurde es zu einem wolkenlosem Himmel hell, auf den Autod\u00e4chern wei\u00dfer Frost.<\/p>\n<p>Nach dem Bloggen verl\u00e4ngerte ich meinen Stadtb\u00fccherei-Ausweis um ein weiteres Jahr, die 20 Euro f\u00fcr 2023 hatte ich ja sehr schnell wiederreingelesen.<\/p>\n<p>Ich tr\u00f6delte sogar ein wenig, um meinen Isarlauf auf eine Startzeit zu schieben, zu der die Sonne etwas mehr w\u00e4rmen w\u00fcrde. Kurz nach zehn nahm ich eine Tram zum Tivoli und lief isarabw\u00e4rts. Ich genoss die Sonne, die gar nicht mal so milde Luft, die Schnee- und Matsch-freien Wege, f\u00fchlte mich aber nicht ganz fit, meine Beine liefen schon mal leichter.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240128_03_Unterfoehring.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240128_03_Unterfoehring.jpg\" alt=\"\" width=\"382\" height=\"529\" class=\"alignnone size-full wp-image-94809\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240128_04_Tivoli.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240128_04_Tivoli.jpg\" alt=\"\" width=\"393\" height=\"524\" class=\"alignnone size-full wp-image-94810\" \/><\/a><\/p>\n<p>Fr\u00fchst\u00fcck um zwei: Avocado mit Balsamico, Birne, Banane mit Sojajoghurt &#8211; zum Gl\u00fcck hatte ich auch Lust auf all diese Speisen, die weg mussten.<\/p>\n<p>Den Nachmittag \u00fcber las ich, erst die Wochenend-<i>S\u00fcddeutsche<\/i>, dann gefesselt den Aufsatz zum August-Sander-Bildband, aus dem ich eine Menge lernte.<\/p>\n<p>Fu\u00dfmarsch in der letzten Abendd\u00e4mmerung zur 17:30-Uhr-Vorstellung von <i>Poor Things<\/i> im Cinema.<\/p>\n<p>Ich war begeistert vom Film (au\u00dfer dass auch dieser mit 2:20 Stunden zu lang war, darf heutzutage wohl nicht mehr anders &#8211; dabei fiel mir hier sofort eine Nebenhandlung ein, auf die man verzichten h\u00e4tte k\u00f6nnen): Die gelungenste Literaturverfilmung, die ich je gesehen habe.<\/p>\n<p>Drehbuch, Besetzung, Kamera, Ausstattung, Regie, Maske, Kost\u00fcme, Musik (atonal!), Emma Stone, Mark Ruffalo &#8211; \u00fcbersch\u00fcttet den Film mit Oscars! Wie der Film von Leuten rezipiert wird, die den Roman nicht kennen, kann ich mir nat\u00fcrlich nicht vorstellen. <\/p>\n<p>Sehr wahrscheinlich profitierte die Verfilmung davon, dass sie erst jetzt passierte, nicht kurz nach dem Erscheinen des Romans vor 30 Jahren. Der Film l\u00f6st sich in vielerlei Hinsicht von der Vorlage (die u.a. sehr von ihrer Buchigkeit lebt, siehe Rahmenhandlung, Erz\u00e4hlung durch Briefe, Illustrationen), setzt den eigentlichen Inhalt und die Abgefahrenheit aber mit filmischen Mitteln hervorragend um. Es kommen mehr Frauen vor als im Roman (yay!), die Art der gezeigten Nacktheit, von Sex, seiner klaren, n\u00fcchternen Benennung inkusive Geschlechtsteilen wirkt genauso schockierend wie in der Viktorianik der Vorlage. Das l\u00e4ngste Kapitel im Buch, das auch so hei\u00dft und sich ziemlich zieht, ist sogar ganz anders umgesetzt und dadurch deutlich verbessert.<\/p>\n<p>Emma Stone (auch Co-Produzentin) spielt umwerfend, rein handwerklich bewunderte ich, dass sie auch aus dem 50. Orgasmus nochmal etwas Neues rausholte. Mark Ruffalo habe ich in noch keiner Rolle so schillernd gesehen (und ich sah ihn als Hulk!), als \u00dcberraschung taucht auch noch Hanna Schygulla auf.<\/p>\n<p>Eine abgefeimte Rolle spielt die Musik von Jerskin Fendrix: Sie ist fast durchgehend atonal und seltsam, und sie tut nicht, was man von Filmmusik gewohnt ist &#8211; mehr wissen als die Zuschauer. Entsprechend brutal f\u00fchlen sich manche Schnitte an (der Herr neben mir im Kino zuckte immer wieder sichtlich zusammen, und wenn der Schnitt unvermittelt auf OP-Schnitte in K\u00f6rper ging, verschwand er sympathischerweise v\u00f6llig in seinem Sitz), dadurch wurde mir erst bewusst, wie f\u00fcrsorglich vorbereitend Musik im Film sonst wirken kann.<\/p>\n<p>Selbst der Abspann steckte voller origineller gestalterischer Ideen, Liebe zum Detail Hilfsausdruck.<\/p>\n<p>Interessanterweise scheinen sich auch hier <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Poor_Things_(film)#Critical_response\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">die englischsprachigen Rezensione<\/a>n mehr mit der politischen Aussage des Films zu befassen (feministisch oder nicht?) als mit Kunst und Machart, eine Entwicklung in der Film- und Literaturrezeption, die an mir immer weiter vorbei geht.<\/p>\n<p>Nach Hause nahm ich die U-Bahn. Herr Kaltmamsell hatte das sp\u00e4te Nachtmahl vorbereitet: Dicke Bohnen aus dem R\u00f6mertopf mit roter Paprika, Zwiebeln, Tomate, Kartoffeln. Nur dass die Bohnen nach zweieinhalb Stunden noch nicht gar waren, wir brachen nach ein paar Gabeln voll ab und stellten den Topf zur\u00fcck in den Ofen. Zum Sattwerden gab es Haferflocken und S\u00fc\u00dfigkeiten.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ein Verdutz-Moment bei der Zeitungslekt\u00fcre vergangene Woche. Im Interview sagt der Leiter des M\u00fcnchner Mobilit\u00e4ts-Referats, Georg Dunkel, und das ist auch die \u00dcberschrift des Artikels (\u20ac):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-verkehrswende-radentscheid-tempo-30-georg-dunkel-1.6337171\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;&#8216;Es gibt zwar mehr Autos, aber sie werden seltener benutzt'&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Will hei\u00dfen: Ja, die Zulassungszahlen f\u00fcr private Pkw stiegen auch in der Gr\u00fcnenw\u00e4hler*innen-Hochburg M\u00fcnchen. Aber die kontinuierliche Z\u00e4hlung und Analyse der Verkehrsteilnehmenden zeigt, dass ihre Zahl im Verkehr sinkt. Bumm.<\/p>\n<p>Seither denke ich an diesem Ph\u00e4nomen herum. Die plausibelste Erkl\u00e4rung, die mir einf\u00e4llt: Viele Menschen kaufen sich Autos gar nicht in erster Linie zum Fahren, sondern zum Besitzen. Ich wei\u00df ja, dass Menschen gro\u00dfe Freude aus Besitz von Dingen ziehen k\u00f6nnen, erst k\u00fcrzlich lernte ich, dass manche von ihnen teure Armbanduhren kaufen, ohne sie jemals tragen zu wollen (also: wirklich nie): Sie bewahren sie auf und schauen sie manchmal an, freuen sich daran, sie zu besitzen. Vielleicht ist das mit Autos \u00e4hnlich? Daf\u00fcr m\u00fcsste man es allerdings nicht zulassen. Wahrscheinlich, so spekuliere ich, kommt das angenehme Gef\u00fchl dazu, jederzeit damit losfahren zu k\u00f6nnen. Was man im konkreten Fall dann doch nicht tut, weil Radeln\/\u00d6ffis halt praktischer sind. Damit kann ich gut leben, vor allem wenn diese fast reinen Besitz-Autos nicht auf \u00f6ffentlichen Fl\u00e4chen stehen. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/cba812339d5a4b50b4b86a399db8e5fa\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder wurde es zu einem wolkenlosem Himmel hell, auf den Autod\u00e4chern wei\u00dfer Frost. Nach dem Bloggen verl\u00e4ngerte ich meinen Stadtb\u00fccherei-Ausweis um ein weiteres Jahr, die 20 Euro f\u00fcr 2023 hatte ich ja sehr schnell wiederreingelesen. 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