{"id":94837,"date":"2024-01-31T06:19:28","date_gmt":"2024-01-31T05:19:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=94837"},"modified":"2024-01-31T09:00:08","modified_gmt":"2024-01-31T08:00:08","slug":"journal-dienstag-30-januar-2024-verschiedene-lektueren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2024\/01\/journal-dienstag-30-januar-2024-verschiedene-lektueren.htm","title":{"rendered":"Journal Dienstag, 30. Januar 2024 &#8211; Verschiedene Lekt\u00fcren"},"content":{"rendered":"<p>Eher unruhige Nacht, eine halbe Stunde vor Weckerklingeln beschloss ich, dass gut war.<\/p>\n<p>Es traf sich, dass eh gerade eine Waschmaschine durchgelaufen war, ich nutzte die zus\u00e4tzliche Zeit am Morgen f\u00fcr H\u00e4uslichkeiten. Drau\u00dfen wurde es zu klarem Frost hell. Die ersten V\u00f6gel \u00fcbten Fr\u00fchlingsges\u00e4nge, noch ganz vereinzelt.<\/p>\n<p>Ich freute mich, dass es auf meinem Weg in die Arbeit bereits deutlich tagte.<\/p>\n<p>Mittagscappuccino bei Nachbars, im Anschluss Einkauf beruflich (dem Umstand geschuldet, dass es weiterhin kein Catering im Haus gibt), ich brauchte weder M\u00fctze noch Handschuhe.<\/p>\n<p>Mein Mittagessen bestand sp\u00e4ter aus viel Avocado (mit Salz, Zitronensaft, Aceto balsamico): Ich a\u00df alle reifen weg und hoffe, dass die letzten aus dieser Kiste schnell nachreifen, denn die n\u00e4chste Lieferung war bereits f\u00fcr gestern angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Zur Verl\u00e4ngerung meines Heimwegs spazierte ich nach Feierabend in der Abendd\u00e4mmerung in die Kaufingerstra\u00dfe, ich wollte in einer Parf\u00fcmeriekette eine bestimmte Lippencreme kaufen. Der Spaziergang tat sehr gut, doch die Lippencreme gibt es nur im Online-Shop der Parf\u00fcmeriekette (seltsames Gesch\u00e4ftsmodell &#8211; aber schlie\u00dflich ist der Claim eben <i>nicht<\/i> mehr &#8220;come in and find out&#8221;).<\/p>\n<p>Daheim nochmal die Yoga-Gymnastik vom Vorabend, das Balancieren ging beim zweiten Mal viel besser. Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell die zweite H\u00e4lfte <a href=\"https:\/\/www.kuechengoetter.de\/rezepte\/rotkohlsalat-mit-feta-12325\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Ernteanteil-Blaukraut zu Salat mit Feta<\/a> verarbeitet, er servierte ihn mit (Ernteanteil-)Bratkartoffeln. Der Salat schmeckte gro\u00dfartig, die Kombination saftiges, rohes Blaukraut, Fenchel, Apfel, Orangen ist so ziemlich das Frischeste, was man aus dem Winter rausholen kann. Und die Bratkartoffeln mit viel ganzem K\u00fcmmel und in G\u00e4nsefett gebraten passten gut dazu.<\/p>\n<p>Nachtisch Schokolade.<\/p>\n<p>Neue Lekt\u00fcre: Katharina Adler, <i>Iglhaut<\/i> &#8211; ich war \u00fcber die Inhaltsangabe gestolpert, hatte nachgesehen, ob das E-Book in der Stadtb\u00fccherei zuf\u00e4llig gerade verf\u00fcgbar war und reflexhaft auf &#8220;Ausleihen&#8221; geklickt. Liest sich eher belanglos, doch der Roman spielt in der Gegenwart bei mir ums Eck in M\u00fcnchen: S\u00fcdfriedhof, Kapuzinerstra\u00dfe, Isartalstra\u00dfe. Das ist nett. Sprachlich eher \u00fcberorchestriert, aber es sind dann auch Gemmen dabei wie&#8221; &#8220;Authentisch, das war ein Furnierwort. Von au\u00dfen betrachtet vielsagend, billig aber im Kern.&#8221; Dann wiederum v\u00f6llig unglaubw\u00fcrdige Dialoge, so reden Menschen nur in Drehb\u00fcchern miteinander.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_conrath-scholl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_conrath-scholl.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"193\" class=\"alignnone size-full wp-image-94799\" \/><\/a><\/p>\n<p>Montagabend hatte ich Gabriele Conrath-Scholl (Hrsg.), <i>August Sander, Meisterwerke<\/i> ausgelesen und -geguckt. Der ausf\u00fchrliche Aufsatz der Herausgeberin zu Anfang, Leiterin der Photographischen Sammlung\/SK Stiftung Kultur, war f\u00fcr mich ausgesprochen erleuchtend: Zum einen lernte ich, wie zentral das Material und die Technik des konkreten Abzugs sind, der das eigentliche Fotokunstwerk darstellt, beide wurde ausf\u00fchrlich dargelegt. Zu August Sander wiederum erfuhr ich, dass seine so ber\u00fchmten Menschenfotos, die ich immer als Festhalten eine Individuums zu einem bestimmten Zeitpunkt gesehen hatte, als Typensammlung gedacht waren. Sander sammelte Menschentypen, die Aufnahmen tragen Titel wie &#8220;Bauernfamilie&#8221;, &#8220;Arbeiterkinder&#8221;, &#8220;Konditormeister&#8221;, nicht etwa Namen. Mit wachsendem zeitlichen Abstand sind Sanders Typisierungen ohnehin hinf\u00e4llig: Eine Bauernfamilie im Sonntagsstaat sieht nach hundert Jahren nicht anders aus als eine b\u00fcrgerliche Familie, die sonntags zum Gruppenbild zusammengestellt wurde, halt irgendwie historisch. Au\u00dferdem lernte ich zu meiner \u00dcberraschung, dass viele von Sanders so dokumentarisch daherkommenden Fotos stark bearbeitet waren, am Beispiel eines Negativs zeigt Conrath-Scholl, dass Sander den gesamten Hintergrund weggekratzt hatte.<\/p>\n<p>Bei meiner gestrigen Zeitungslekt\u00fcre stie\u00df ich dann darauf, dass August Sander mit seiner Perspektive lediglich Kind seiner Zeit war: <a href=\"https:\/\/www.kunstmuseum-stuttgart.de\/ausstellungen\/menschen\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Das Kunstmuseum Stuttgart zeigt gerade eine Ausstellung &#8220;Sieh dir die Menschen an! Das neusachliche Typenportr\u00e4t in der Weimarer Zeit&#8221;<\/a>, Till Briegleb schreibt dazu in der <i>S\u00fcddeutschen<\/i>:<\/p>\n<blockquote><p>Als lexikalische Grundlagenarbeit kann hier August Sanders ber\u00fchmte Fotoserie \u00fcber Berufs- und Gesellschaftsgruppen stehen, mit der er in den Zwanzigerjahren rund 600 exemplarische Portr\u00e4ts schuf, vom Bauern zum Komponist, vom Arzt zum Nationalsozialist. K\u00f6rperbau und Gesicht wurden von Sander danach gew\u00e4hlt, ob sie beispielhaft wirkten.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Auf meinem Mastodon sind die deutschlandweiten Gegen-rechts-Demos mit vielen, vielen Teilnehmenden ein gro\u00dfes Thema. Das sind sie auch in den klassischen Medien, aus denen ich mich haupts\u00e4chlich \u00fcber das Weltgeschehen informiere. Deshalb \u00fcberraschte mich, wie laut in eben diesem meinem Mastodon die Kritik an der Berichterstattung ist. Medienjournalist Stefan Niggemeier ordnet Berichterstattung und Kritik daran ein:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/uebermedien.de\/91802\/werden-tagesschau-und-heute-der-groesse-der-demos-gegen-rechts-gerecht\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Werden &#8216;Tagesschau&#8217; und &#8216;Heute&#8217; der Gr\u00f6\u00dfe der Demos gegen Rechts gerecht?&#8221;<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Die \u00d6ffentlich-Rechtlichen haben, nach meinem Eindruck, die Demonstrationen im normalen Rahmen ihrer Nachrichtenroutinen abgebildet. Aber vielleicht ist genau das f\u00fcr manche Kritiker das Problem: F\u00fcr viele, die da demonstriert haben, sind diese Veranstaltungen n\u00e4mlich keine Routine, sondern etwas Besonderes.<\/p><\/blockquote>\n<p>Stimmt auch wieder. Da wurde seit Jahren appelliert, der Kampf gegen Rechtsrutsch liege in den H\u00e4nden aller, der Zivilgesellschaft. Jetzt steht genau die auf und zeigt sich. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/82d14f4147f145539173ffa17b1ee6e9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eher unruhige Nacht, eine halbe Stunde vor Weckerklingeln beschloss ich, dass gut war. Es traf sich, dass eh gerade eine Waschmaschine durchgelaufen war, ich nutzte die zus\u00e4tzliche Zeit am Morgen f\u00fcr H\u00e4uslichkeiten. Drau\u00dfen wurde es zu klarem Frost hell. Die ersten V\u00f6gel \u00fcbten Fr\u00fchlingsges\u00e4nge, noch ganz vereinzelt. 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