{"id":96312,"date":"2024-03-27T05:58:37","date_gmt":"2024-03-27T04:58:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=96312"},"modified":"2025-03-10T16:53:48","modified_gmt":"2025-03-10T15:53:48","slug":"journal-dienstag-26-maerz-2024-larissa-kikol-signed","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2024\/03\/journal-dienstag-26-maerz-2024-larissa-kikol-signed.htm","title":{"rendered":"Journal Dienstag, 26. M\u00e4rz 2024 &#8211; Larissa Kikol, <i>Signed<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Besser geschlafen, aber zu fr\u00fch aufgewacht. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240316_01_StMatthaeus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240316_01_StMatthaeus.jpg\" alt=\"\" width=\"368\" height=\"473\" class=\"alignnone size-full wp-image-96391\" \/><\/a><\/p>\n<p>Weil es zudem weder etwas zu bloggen noch zu r\u00e4umen gab, kam ich sehr fr\u00fch in die Arbeit.<\/p>\n<p>Leider ist wieder Frierwoche im B\u00fcro, ich arbeitete im Wolljanker. Nach einigen Besprechungen ging ich raus ins Westend auf meinen Mittagscappuccino.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter Mittagessen am Schreibtisch: Mandarine, Apfel, Sojajoghurt mit Mango.<\/p>\n<p>Arbeitsnachmittag auch mit Unerfreulichem, ich hielt mich an Symptombek\u00e4mpfung. Nach Feierabend ging es raus in sch\u00f6ne Luft, aber eher k\u00fchl.<\/p>\n<p>Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aush\u00e4usig, ich musste <i>schon wieder<\/i> selbst f\u00fcr mein Nachtmahl sorgen &#8211; hatte aber schon Montagabend daf\u00fcr eingekauft. Erst W\u00e4scheaufh\u00e4ngen, Yoga-Gymnastik (eher ver\u00e4rgernd: ich mag es nicht, vom <i>half moon<\/i> \u00fcberrascht zu werden und erst gesagt zu bekommen, dass es dorthin geht, wenn ich bereits ein Bein heben soll), dann briet ich Schalotte, Knoblauch, Champignons mit Thymian, l\u00f6schte mit Noilly Prat ab, das ergab mit Cr\u00e8me fra\u00eeche und Fussiloni ein Nudelgericht &#8211; sehr schmackhaft.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_kikol.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-96225\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_kikol.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"223\" \/><\/a><\/p>\n<p>Larissa Kikol, <i>Signed. Unterwegs mit der 1UP-Crew und Moses&#038;Taps<sup>TM<\/sup><\/i><\/p>\n<p>Larissa Kikol hat ein Buch \u00fcber Graffiti geschrieben, den weiterhin illegalen Teil der Streetart. Die Terminologie entnehme ich indirekt, es gibt f\u00fcr die vielen Unterarten von Streetart keine offizielle Terminologie mit allgemein anerkannten Definitionen &#8211; das geh\u00f6rt aus meiner Perspektive sogar genau so, wer sollte bitte \u00fcber die Definitionen bestimmen? <i>The elders of streetart<\/i>? Ich gucke mir auch legale und offizielle Streetart gerne an, z.B. Murals, die sorgf\u00e4ltig und mit reichlich Zeit entstanden. Aber allein der Zeitdruck und die logistischen Rahmenbedingungen von Graffiti machen halt doch einen Unterschied.<\/p>\n<p>Kikol ist promovierte Kunstwissenschaftlerin, doch das ist weit entlegener Hintergrund ihres Buchs: Im Vordergrund stehen ihre Recherche und die Graffiti-K\u00fcnstler*innen. Sie schreibt in einem Tonfall, den ich von besonders lesenwerten Blogs kenne und mag. Dazu geh\u00f6rt auch, dass sie sich als Beteiligte sichtbar macht. Und es interessiert mich wirklich, wenn sie sich am Tag einer Aktion mit einer schlecht heilenden Verletzung am Arm rumplagt. Was sie sich als Brotzeit f\u00fcr Aktionen einsteckt. \u00dcberhaupt beschreibt sie viele Mahlzeiten detailliert, das mochte ich, Essen und Trinken sind ihr offensichtlich wichtig.<\/p>\n<p>Thema ist auch das Schreiben des Buchs selbst:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240326_04_Signed.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240326_04_Signed.jpg\" alt=\"\" width=\"490\" height=\"384\" class=\"alignnone size-full wp-image-96390\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Lektor hat Unrecht, Kikol hat Recht: Das gnadenlose Zitieren scheinbar langweiliger Dialoge bei Graffiti-Aktionen holte mich in die Schilderung erst richtig rein.<\/p>\n<p>Kikol gibt auch die Teile ihrer Interviews wieder, in denen sie zur\u00fcckgefragt wird, welche Art Buch das eigentlich werden soll. Sie antwortet, sie sei sich noch nicht sicher. Am Ende des Buchs entscheidet sie sich: \u201eEs sind so viele Kurzgeschichten, eher eine Art Reisebericht.\u201c<\/p>\n<p>Eine pers\u00f6nlich Art von Buch ist es geworden, z.B. taucht zwischen liebevollen Betrachtungen \u00fcber ihren Herkunftsort Bergisch Gladbach Akademisches \u00fcber Geheimsprachen auf. Kikol wird als Journalistin sichtbar, als Forscherin, als Berlinerin, als \u00fcberaus neugierige und wohlwollende Menschenfreundin. Sie schreibt viel \u00fcber konkrete Begegnungen, nicht nur \u00fcber die mit Graffiti-K\u00fcnstler*innen oder Menschen aus der Kunst-Szene.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist eine offene und durch die Geschichten sehr transparente Materialsammlung, keine akademische These. (Es gibt aber saubere Endnoten mit den zitierten Quellen.)<\/p>\n<p>Larissa Kikol beschreibt die vielen, vielen Facetten der Grafitti-Szene &#8211; die eben genau keine ist. Die K\u00fcnstler*innen haben ganz unterschiedliche Beweggr\u00fcnde f\u00fcr ihre Arbeit, von rein \u00e4sthetischen \u00fcber k\u00fcnstlerische bis politische oder gar aktivistische. Und anderen macht es einfach denselben Spa\u00df, mit dem Leute ins Basketballtraining gehen. Manche sind nur in ihrer Wohnumgebung aktiv. Typischer aber ist es, dass sie reisen, teilweise sogar weit. (Dass ich <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/94635768@N04\/33350350381\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">die &#8220;Yellow Fists&#8221;<\/a> vor einigen Jahren und bis heute in mehreren St\u00e4dten sah, ist also kein Zufall: Sie sind alle von Kripoe.)<\/p>\n<p>Eine zentrale und bemerkenswerte Figur ist der Graffiti-K\u00fcnstler Moses: Besonders in Erinnerung blieb mir, dass er mal eine S-Bahn detailgetreu umlackierte<\/p>\n<blockquote><p>in einem Rotton, der sich fast nur um eine Nuance von dem Originalrotton unterschied. Dann wartete er ab, wann es jemandem auffiel.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein Roman ist das nicht. Aber auch kein klassischer Journalismus. Ich fremdle ja sehr mit den Verbot des &#8220;Ich&#8221; mit der traditionellen Forderung, Berichterstatter*innen m\u00fcssten hinter dem Gegenstand ihrer Bericht verschwinden. Das kommt meiner Ansicht nach einer L\u00fcge nahe: Jeder Bericht ist gef\u00e4rbt durch Wahrnehmung und Hintergrund der Rechercheure. Je ausf\u00fchrlicher diese Recherche, desto relevanter werden meiner \u00dcberzeugung nach der Prozess und die Personen dahinter. Zwar tun das manche Journalist*innen seit Jahren, doch ich lese bis heute launiges Kolumnen-Gel\u00e4ster ihrer Kolleg*innen, es gehe denen in erster Linie um Selbstdarstellung.<\/p>\n<p>Egal, es ist halt, was es ist. In <i>Signed<\/i> hat der Prozess der Recherche denselben Stellenwert wie die Ergebnisse. Und so lernte ich eine Menge, unter anderem \u00fcber die komplexe Logisitik, die hinter dem illegalen Umlackieren von Bahn- und S-Bahn-Waggons steht, hinter dem Bemalen von H\u00e4userfassadenr\u00e4ndern und Brandmauern. Und \u00fcber die Internationalit\u00e4t des Spr\u00fchens, \u00fcber die zentrale Rolle der Dokumentation (und mit wie viel Schabernack die teilweise sichergestellt wird), \u00fcber die engen Verbindungen zur Galeristenszene, auch \u00fcber die verschiedenen Rollen w\u00e4hrend einer Aktion.<\/p>\n<p>Das Nachwort enth\u00e4lt einen Schl\u00fcsselsatz: \u201eEine Sache, die mir wichtig war, war, nicht mehr zu schreiben, als ich erlebt hatte.\u201c<\/p>\n<p>Falls das bislang noch nicht klar wurde: Dicke Empfehlung. Und ich gucke mir Tags in M\u00fcnchen k\u00fcnftig viel systematischer an.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Beachtenswerter Appell in der <i>taz<\/i> von Katrin Gottschalk:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/taz.de\/Omas-gegen-rechts\/!5997656\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;\u00dcbersehene Feministinnen&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Die Omas gegen rechts sind derzeit die gr\u00f6\u00dfte Frauenbewegung auf der Stra\u00dfe. Zeit wird es, sie auch in die politischen Diskussionsrunden einzuladen<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Eiskunstlauf hatte ich schon lang nicht mehr geguckt. Und stellte jetzt fest, dass sich da eine Menge getan hat. <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/sportschau-wintersport\/die-rekordkuer-von-ilia-malinin-in-voller-laenge\/das-erste\/Y3JpZDovL3Nwb3J0c2NoYXUuZGUvOTlhYTBiM2EtOWFiNS00NTM2LTg5YzItY2I0NDM2YmNlZmY0\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Schaun Sie sich mal die atemberaubende Goldmedaillen-K\u00fcr von Ilia Malinin in Montreal an.<\/a><br \/>\nWas mich besonders fasziniert: Malinin wirkt durchgehend, als h\u00e4tte er \u00fcberhaupt keine K\u00f6rperspannung &#8211; was unwahrscheinlich ist. Aber er scheint etwas sehr viel Komplexeres einzusetzen als Kraft.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Apropos Sport: Wenn Ihr Fitnesstudio was taugt, <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/C3xrcooNpbS\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">bietet es auch Training f\u00fcr den Sommerurlaub an<\/a>. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/69d5ec4b83f74932b1716ba20dc5faed\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besser geschlafen, aber zu fr\u00fch aufgewacht. Weil es zudem weder etwas zu bloggen noch zu r\u00e4umen gab, kam ich sehr fr\u00fch in die Arbeit. Leider ist wieder Frierwoche im B\u00fcro, ich arbeitete im Wolljanker. Nach einigen Besprechungen ging ich raus ins Westend auf meinen Mittagscappuccino. Sp\u00e4ter Mittagessen am Schreibtisch: Mandarine, Apfel, Sojajoghurt mit Mango. 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