{"id":96433,"date":"2024-03-29T09:03:20","date_gmt":"2024-03-29T08:03:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=96433"},"modified":"2024-03-29T11:52:28","modified_gmt":"2024-03-29T10:52:28","slug":"journal-donnerstag-28-maerz-2024-volkstheater-besichtigung-mit-der-zauberberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2024\/03\/journal-donnerstag-28-maerz-2024-volkstheater-besichtigung-mit-der-zauberberg.htm","title":{"rendered":"Journal Donnerstag, 28. M\u00e4rz 2024 &#8211; Volkstheater-Besichtigung mit <i>Der Zauberberg<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Die Nacht war ein bisschen unruhig, weil ich nach Klogang um drei lang nicht mehr einschlief. Bei Weckerklingeln freute ich mich sehr auf das Ausschlafen am Karfreitag.<\/p>\n<p>Das Drau\u00dfen auf dem Weg in die Arbeit zapfig kalt, ich atmete W\u00f6lkchen.<\/p>\n<p>Gestern wieder Kreuzschmerzen aus dem gesamten Unterleib (Stichwort Abbrechen in der Leibesmitte), die Auswahl an \u00e4rztlich diagnostizierten Ursachen ist ja gro\u00df genug.<\/p>\n<p>Vergeblicher Versuch eines Mittagscappuccinos bei Nachbars: Direkt vor mir trat eine zehnk\u00f6pfige Gruppe an die Theke, alle hatte komplexe W\u00fcnsche. Die Umsetzung derselben h\u00e4tte mir zu lange gedauert, ich ging zur\u00fcck und verlegte mich auf den traurigen Automaten-Cappuccino aus der Teek\u00fcche.<\/p>\n<p>Das Wetter wurde immer greisliger, zum kalten Wind regnete es ab Mittag ergiebig und mit Wind.<\/p>\n<p>Sehr p\u00fcnktlicher Feierabend, denn ich war erledigt und musste nichts mehr tun. Und ich hatte eine Abendverabredung.<\/p>\n<p>Auf dem saukalten, zumindest aber trockenen Heimweg ein paar Eink\u00e4ufe f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage, zu Hause ruhte ich mich nur kurz aus, a\u00df N\u00fcsschen und einen Eiwei\u00dfriegel, dann spazierte ich zum neuen Volkstheater: Ich hatte bislang nur das zugeh\u00f6rige Restaurant Schmock von innen gesehen und nutzt mit einer Freundin den Besuch einer Vorstellung, um den Rest zu erleben.<\/p>\n<p>Unsere Wahl war auf <a href=\"https:\/\/www.muenchner-volkstheater.de\/programm\/schauspiel\/der-zauberberg\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">die Inszenierung von Thomas Manns <i>Der Zauberberg<\/i><\/a> gefallen.<sup><a href=\"#footnote_1_96433\" id=\"identifier_1_96433\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Dank einer Insider-Information wei&szlig; ich mittlerweile, warum seit vielen Jahren mehr Romane und Filme auf die B&uuml;hne gebracht werden als Dramen: Weil sie den Leuten vertraut sind und die Schwelle f&uuml;r einen Theaterbesuch senken sollen.\">1<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Erstmal sahen wir uns in Foyer, Toiletten, Treppenhaus um:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240328_04_Volkstheater.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240328_04_Volkstheater.jpg\" alt=\"\" width=\"557\" height=\"410\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240328_05_Volkstheater.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240328_05_Volkstheater.jpg\" alt=\"\" width=\"362\" height=\"442\" class=\"alignnone size-full wp-image-96459\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240328_06_Volkstheater.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240328_06_Volkstheater.jpg\" alt=\"\" width=\"543\" height=\"399\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240328_07_Volkstheater.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240328_07_Volkstheater.jpg\" alt=\"\" width=\"358\" height=\"501\" class=\"alignnone size-full wp-image-96461\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude gefiel mir sehr gut, und mich erstaunte, dass es auch zweieinhalb Jahre nach Er\u00f6ffnung niegelnagelneu aussieht: Mittlerweile bin ich gewohnt, dass Neubauten innerhalb k\u00fcrzester Zeit Abranzungen aufweisen. Die schlichte Gestaltung passt zum Charakter des &#8220;Volkstheaters&#8221;, die wirtschaftliche und p\u00fcnktliche Planung und Durchf\u00fchrung des Neubaus glich seinerzeit einer Sensation (Gerhard Matzig schrieb 2021 f\u00fcr die <i>S\u00fcddeutsche<\/i> dar\u00fcber &#8211; leider wieder zu lesen nur gegen \u20ac: <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/muenchen-baukosten-isarphilharmonie-volkstheater-1.5445869\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Von M\u00fcnchen lernen hei\u00dft bauen lernen&#8221;<\/a>). Im gro\u00dfen Theaterraum selbst, der mich mit schwarzen W\u00e4nden und Decke eher an ein Kino erinnerte, entdeckte ich, dass die orangen, in die Wand eingelassenen Leuchten tats\u00e4chlich eingemauerte Terracotta-Blument\u00f6pfe waren, wie man sie in der Gartenabteilung eines Baumarkts findet &#8211; mit solchen Details l\u00e4sst sich sicher Geld sparen. (Und meine Begleitung wies mich darauf hin, dass diese Technik bereits in der Antike verbreitet war.)<\/p>\n<p>Der Zuschauerraum war voll, das Publikum \u00fcberraschend gemischt. Fast vier Stunden <i>Zauberberg<\/i> erforderten durchaus Kondition (aber kein Sitzfleisch: sehr bequeme Sessel, reichlich Fu\u00dfraum), die Auff\u00fchrung hinterlie\u00df bei mir einen gemischten Eindruck. Leere B\u00fchne mit wenigen Requisiten, wunderbares Ensemble-Spiel, verhandelt wurden Krankheit (eh), Krieg, Gesellschaftsformen, Menschenbilder, zum Teil in (wie im Roman) erm\u00fcdend ausf\u00fchrlichen Dialogen. Ich sah Spielvergn\u00fcgen, bekam immer wieder komische \u00dcberzeichnungen (Luise Deborah Daberkow als Hofrat Behrens und Nina Steils als Dr. Krikowksi hatten eine besondere Gaudi) und lustige Technikeins\u00e4tze (nach der Pause bekam eine fahrbare Hebeb\u00fchne immer wieder Sondergel\u00e4chter). Im Vergleich zu dem, was ich von den Kammerspielen gewohnt bin, hielt sich die Inszenierung mit B\u00fchnenmitteln zur\u00fcck: Nur ein Musiker auf der B\u00fchne (<a href=\"https:\/\/www.muenchner-volkstheater.de\/blog\/artikel\/zwischen-hoerspiel-und-theater\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Alexander Yannilos<\/a>), keine Projektionen, eine Hauptrolle spielte ein riesiger horizontaler Ring \u00fcber dem B\u00fchnenraum, aus dem Nebel waberte, nur einmal wurde mit einem Schneesturm so richtig die Sau rausgelassen &#8211; und selbst den erzeugten die Schauspieler mit zwei auf die B\u00fchne geschobenen Ventilatoren und ein paar Eimern Kunstschnee selbst. Dennoch gab es auch hier Szenen, in denen zwei Handlungen \u00fcbereinander gelegt wurden &#8211; sehr anstrengend f\u00fcr die Wahrnehmung, Funktion und Nutzen unklar.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr mich gar nicht funktionierte: Die Darstellung des Sanatoriums als Parallelwelt mit anderen Gesetzen. Zwar behaupteten die Figuren das immer wieder, doch die Theaterb\u00fchne und dramatische Darstellung sind ohnehin eine so andere Welt, dass dieser Kern des Romans nicht umsetzbar war.<\/p>\n<p>Eigentlich hatte ich mich auf ein anschlie\u00dfendes Glas Wein mit Freundin und Gespr\u00e4chen gefreut, war dann jedoch zu erledigt daf\u00fcr und schaute, dass ich zackig heimkam. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240328_08_Nussbaumstr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240328_08_Nussbaumstr.jpg\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"518\" class=\"alignnone size-full wp-image-96464\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zu Hause a\u00df ich noch schnell ein Sch\u00fcsselchen Haferflocken, um nicht vom Hunger geweckt zu werden, kam gerade noch vor Mitternacht ins Bett, fror dann aber so sehr, dass ich nochmal aufstand, um eine W\u00e4rmflasche zu f\u00fcllen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Im <i>SZ-Magazin<\/i> interviewt Dorothea Wagner die junge spanische Schriftstellerin Andrea Abreu. Sie ist im Norden Teneriffas aufgewachsen und lebt jetzt wieder dort (\u20ac).<br \/>\n<a href=\"https:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/leben-und-gesellschaft\/andrea-abreu-schriftstellerin-interview-teneriffa-93768\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;&#8216;Als Kind dachte ich immer, dass alle Touristen aus Deutschland kommen'&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Darin ein nur auf den ersten Blick \u00fcberraschendes Detail \u00fcber die Auswirkungen des sich ver\u00e4ndernden Tourismus:<\/p>\n<blockquote><p>Mich hat das fr\u00fcher w\u00fctend gemacht, dass Leute hierherkommen und trotzdem nicht einmal die salzverkrusteten Kartoffeln mit Mojo-So\u00dfe kennen, die wir machen. Aber heute wei\u00df ich, dass es viel schlimmer geworden ist, seit mehr Touristen versuchen, sich unserer Kultur anzun\u00e4hern und alternativen Urlaub zu machen.<br \/>\n<b>Warum?<\/b><br \/>\nEs mag schwierig gewesen sein, dass so viele Touristen in den Hotels blieben und Bier tranken. Aber die, die es anders machen wollen, tauchen jetzt an unseren Orten auf. Ich verstehe den Impuls, so zu reisen. Es f\u00fchlt sich so an, als w\u00e4re das verantwortungsvoller und nachhaltiger. Aber es bedeutet, dass die Menschen pl\u00f6tzlich in unseren Vierteln stehen, in unseren Superm\u00e4rkten, in unserem Alltag. Dass sich diese Orte dadurch ver\u00e4ndern. Restaurants passen ihre Speisekarten an, meine Bekannten finden keine Wohnungen mehr zur Miete. Fast jede Woche liegt in meinem Briefkasten Post von einem deutschen Makler, der das Haus, in dem ich zur Miete wohne, an Deutsche verkaufen m\u00f6chte. Meine Vermieterin ist eine alte Frau, vielleicht nimmt sie das Angebot irgendwann an.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Interview des Deutschlandfunks mit Larissa Kikol zu ihrem Buch <i>Signed<\/i> (meine eine Kritik an ihrem Buch ist ja, dass es keine E-Book-Version gibt):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/wem-gehoert-die-stadt-eine-kunstkritikerin-unterwegs-mit-sprayern-podcast-dlf-kultur-ce322eb8-100.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;So viel Kunst steckt in Graffitis&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/reel\/C4VJmfmsqfJ\/?igsh=c2J3YjQxMTYzcDJ2\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Der Osterhase stellt sich vor.<\/a><\/p>\n<p>via <a href=\"https:\/\/fnordon.de\/@Stedtenhopp\/112169160734979800\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">@stedtenhopp<\/a> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/87b8fbba76a74b2bb7f4864d4a5c761e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_96433\" class=\"footnote\">Dank einer Insider-Information wei\u00df ich mittlerweile, warum seit vielen Jahren mehr Romane und Filme auf die B\u00fchne gebracht werden als Dramen: Weil sie den Leuten vertraut sind und die Schwelle f\u00fcr einen Theaterbesuch senken sollen.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_96433\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nacht war ein bisschen unruhig, weil ich nach Klogang um drei lang nicht mehr einschlief. 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