{"id":969,"date":"2005-08-05T09:18:21","date_gmt":"2005-08-05T07:18:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=969"},"modified":"2009-08-04T14:02:14","modified_gmt":"2009-08-04T12:02:14","slug":"familienalbum-6-auf-dem-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/08\/familienalbum-6-auf-dem-land.htm","title":{"rendered":"Familienalbum \u2013 6: Auf dem Land"},"content":{"rendered":"<p><img src='https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Triar_2.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Als ich ein Kind war, fuhr ich mit meiner Famile alle zwei Jahre nach Spanien. Eine allj\u00e4hrliche Spanienreise konnten wir uns nicht leisten, daf\u00fcr fuhren wir dann aber die gesamten sechseinhalb Wochen der Schulferien. Diese Wochen wurden aufgeteilt zwischen der einen oder anderen Woche im Geburtsdorf <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/07\/familienalbum-3-meine-yaya.htm\">meiner <i>Yaya<\/i><\/a> in der <i>Sierra<\/i> n\u00f6rdlich von Madrid, ein paar Tagen im sommerlich br\u00fcllend hei\u00dfen Madrid, und ein paar Wochen am Meer, meist Mittelmeer.<\/p>\n<p>Das Dorf in der <i>Sierra<\/i> lag kurz hinter dem Abschluss der <i>Meseta<\/i>, also der Hochebene, auf der Madrid liegt. Das ist <i>mein<\/i> Spanien, dort wohnen Leute, mit denen mich Lebensweg verbindet (wenn auch nur alle zwei Jahre). Es ist nicht mal richtig malerisch, einfach ein \u00e4rmliches Zeilendorf, dessen H\u00e4user durch Modernisierungsversuche jeden Ansatz von Romantik eingeb\u00fc\u00dft haben.<\/p>\n<p>In meiner Kindheit lag El Olmo nicht nur r\u00e4umlich weit weg (30 Stunden Autofahrt), sondern schien auch in einem anderen Jahrhundert angesiedelt. Bis Mitte der 70er Jahre gab es kein flie\u00dfendes Wasser: Brauchwasser wurde aus dem hauseigenen Ziehbrunnen (<i>el pozo<\/i>) geholt, Trinkwasser in Kanistern im n\u00e4chstgelegenen gr\u00f6\u00dferen Ort. Vermutlich h\u00e4tte auch das eiskalte Brunnenwasser Trinkwasserqualit\u00e4t gehabt, doch alles, was vom eigenen Grund und Boden kam, wurde von vorneherein als wertlos und unbrauchbar deklariert (dazu geh\u00f6rten auch die Minze und der Thymian, die hinterm Haus wuchsen). Elektrischer Strom war zu dieser Zeit zwar in jedem Haus vorhanden, Telefon hatte aber bis Ende der 70er nur die Bauernfamilie von Luis, der im ersten Haus bei der Stra\u00dfe wohnte. Wenn dort ein Anruf f\u00fcr jemand aus dem Dorf eintraf, lief eines der Kinder los und holte den Gew\u00fcnschten.<\/p>\n<p>Die Ernte war Knochenarbeit. Bestellt wurden kleine Felder, die in dieser unfruchtbaren, karstigen Gegend weit entfernt voneinander lagen, und zwar mit Weizen. Ich kann bis heute kein reifes Weizenfeld riechen, ohne in die Sommerurlaube meiner Kindheit geschleudert zu werden. Gedroschen wurde das Korn damals noch mit einer Technik, die ich bis heute nirgendwo anders gesehen habe (andererseits: H\u00e4tte ich es mitbekommen?).<\/p>\n<p>Auf den Fotos (wahrscheinlich 1972) sieht man die Methode zum Teil: Der geerntete Weizen wurde auf dem Dreschplatz ausgebreitet. Darauf wurde ein dickes Brett gelegt, etwa 1,50 mal 2,50 Meter gro\u00df, in dessen Unterseite spitze Steine steckten. Vor dieses Brett spannte man ein Maultier, auf das Brett setzte sich mit einem Hocker der Bauer oder die B\u00e4urin. Und dann ging es im Kreis \u00fcber den Weizen, stundenlang und Runde um Runde. Auf dem Foto macht das gerade mein Vater, neben ihm sitzt hochwichtig die f\u00fcnfj\u00e4hrige Kaltmamsell (im Hintergrund mein Onkel Rafa und sein kleiner Sohn Rafita). Bei Sonnenuntergang warfen die Bauern dann die so behandelte Ernte mit gro\u00dfen Heugabeln in die Luft, und die Abendbrise trennte so die Spreu vom Weizen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Triar_1.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Oben sieht man mit dem typischen Strohhut meinen Gro\u00dfonkel Flores, unten mit der Heugabel nochmal meinen Vater. M\u00e4hdrescher l\u00f6sten diese Methode erst in den 80ern ganz ab.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Triar_3.jpg' alt='' \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich ein Kind war, fuhr ich mit meiner Famile alle zwei Jahre nach Spanien. Eine allj\u00e4hrliche Spanienreise konnten wir uns nicht leisten, daf\u00fcr fuhren wir dann aber die gesamten sechseinhalb Wochen der Schulferien. 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