{"id":97267,"date":"2024-04-25T08:37:55","date_gmt":"2024-04-25T06:37:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=97267"},"modified":"2024-04-25T08:39:24","modified_gmt":"2024-04-25T06:39:24","slug":"journal-mittwoch-24-april-2024-nora-abdel-maksoud-doping","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2024\/04\/journal-mittwoch-24-april-2024-nora-abdel-maksoud-doping.htm","title":{"rendered":"Journal Mittwoch, 24. April 2024 &#8211; Nora Abdel-Maksoud, <i>Doping<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Es wurde wieder nur m\u00fchsam hell zu grauem Himmel. Zumindest blieb die K\u00e4lte vorerst niederschlagsfrei (noch zwei Tage, hielt ich mir vor Augen, am Freitag sollten die Temperaturen sp\u00fcrbar steigen).<\/p>\n<p>Wieder in Winterkleidung in die Arbeit.<\/p>\n<p>Trotz allem marschierte ich auf einen Mittagscappuccino ins Westend, die Bewegung tat auch bei leichtem Nieseln gut.<\/p>\n<p>Mittagessen Pumpernickel mit Butter, eine Orange. Dazu Schneegest\u00f6ber vorm Fenster. Die B\u00fcrojalousien wollten dennoch st\u00e4ndig runter, regelm\u00e4\u00dfiges Aufspringen, um sie davon abzuhalten.<\/p>\n<p>Feierabend machte ich schon um halb vier: Ich hatte abends einen Theatertermin. Auf dem Heimweg wurde ich nochmal angegraupelt, jetzt war aber wirklich mal gut.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240424_02_Ridlerstr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-97291\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240424_02_Ridlerstr.jpg\" alt=\"Stra\u00dfe mit Blick auf nassen B\u00fcrgersteig, rechts ein Stromkasten auf dessen Seite eine wei\u00dfe Figur gespr\u00fcht ist\" width=\"382\" height=\"487\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das M\u00e4nnchen scheint der Westend-Patron zu sein.<\/p>\n<p>F\u00fcr mein Theaterabo hatte ich gestern Begleitung; wir trafen uns vor der Vorstellung zum Abendessen <a href=\"https:\/\/www.conviva-muenchen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im Blauen Haus<\/a>. Dort gab es Sal\u00e4tchen zur Vorspeise, dann lie\u00df ich mir Tomate-Mozzarella-Ravioli mit brauner Butter servieren, die mir wunderbar schmeckten.<\/p>\n<p>Gegeben wurde gestern in den Kammerspielen das frisch geschriebene Theaterst\u00fcck (!) <a href=\"https:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/de\/programm\/22424-doping\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>Doping<\/i> von Nora Abdel-Maksoud<\/a>, die auch Regie gef\u00fchrt hatte, angek\u00fcndigt als &#8220;Kom\u00f6die&#8221; &#8211; ich konnte mich nicht erinnern, in den Kammerspielen je eine &#8220;Kom\u00f6die&#8221; gesehen zu haben und war ausgesprochen gespannt. Begleiterscheinung dieser raren Gattung: Nur gut anderthalb Stunden Spielzeit, das hatte ich ja seit der Intendanz von Johan Simons nicht mehr gehabt. Au\u00dferdem rar: Der Zuschauerraum war voll, sogar proppenvoll bis auf den letzten Platz, und das Publikum h\u00f6rte sich ausgesprochen am\u00fcsierwillig an.<\/p>\n<p><i>Doping<\/i> startete mit voller und eher platter Breitseite: Dem Monolog eines FDP-Lokalpolitikers auf Sylt, erwartbaren Leistungsgesellschaftsstatements, Komik-Niveau eher Fernsehen. Mit brachialer Komik ging es auch weiter: Politiker scheitert gesundheitlich an seinen eigenen Standards, muss unbedingt f\u00fcr eine zentrale Wahlveranstaltung wieder funktionisf\u00e4hig gemacht werden, wird in eine Geheimklinik gebracht. Das war gnadenlos immer weiter \u00fcberdreht und durchgespielt, irgendwann lie\u00df auch ich meine eher angespannten Augenbrauen sinken und mich am\u00fcsieren.<\/p>\n<p>Vincent Redetzki als Jung-FDPler zeigte wunderbar die geistigen Verbiegungen, die ein Man-muss-nur-wollen-Idealist bei Kontrollverlust ben\u00f6tigt, um diese Ideologie aufrecht zu erhalten. Seinen Mentor spielte Stefan Merki und stand f\u00fcr die Verwechselbarkeit von Leistungsideal und Egoismus (und durfte die sch\u00f6ne Zusammenfassung des FDP-Wahlprogramms sagen: &#8220;Freiheit, Eigenverantwortung und: Wer soll das bezahlen?&#8221;). \u015eafak \u015eeng\u00fcl stellte seine st\u00e4ndig untersch\u00e4tzte Tochter dar, die in ihrer Schlauheit unbeabsichtigte Absurdit\u00e4ten aus dem Neoliberalismus ihres Vaters kitzelt. Und dann hatten wir als Krankenhauspersonal Eva Bay als Pflegerin, die die Monologe zur Forderung von <i>equal share<\/i> f\u00fcr Frauen bekam, Wiebke Puls in der am meisten \u00fcberdrehten Rolle des Chefarztes mit brutalem Waterkant-Akzent, den ich zuletzt im Ohnsorg-Theater als solch komisches Stilmittel gesehen hatte (ich bin alt). B\u00fchnenbild eher keines, lediglich ein pinkfarbenes Dreivierteilrund als Wand, das hin- und hergefahren wurde.<\/p>\n<p>Insgesamt schon eine Gaudi, die Absurdit\u00e4t und Destruktivit\u00e4t der aktuellen FDP-Ideologie in erwartbare Spitzen getrieben, gepredigt nat\u00fcrlich zum eh schon bekehrten Kammerspiel-Publikum. Der Abend hatte etwas von politischem Kabarett der Lach- und Schie\u00df-Generation (sch\u00f6ne Erinnerung, ich bin &#8211; siehe oben &#8211; alt) (und dieselbe Erinnerung, sehe ich, <a href=\"https:\/\/www.nachtkritik.de\/nachtkritiken\/deutschland\/bayern\/muenchen\/muenchner-kammerspiele\/doping-muenchner-kammerspiele-nora-abdel-maksoud-spiegelt-in-ihrer-bissigen-komoedie-unsere-marktglaeubigkeit\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">hat Wolfgang H\u00f6bel im <i>Spiegel<\/i><\/a>, aber der ist halt auch alt).<\/p>\n<p>Der Heimweg begann saukalt, ich gab meinem Frieren und der fehlenden Bewegungslust nach und nahm f\u00fcr die eine Station eine U-Bahn nach Hause.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.forkingpaths.co\/p\/the-evolution-of-stupidity-and-octopus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;The Evolution of Stupidity (and Octopus Intelligence)&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>via <a href=\"https:\/\/www.buddenbohm-und-soehne.de\/2024\/04\/24\/schlichte-wahrheiten-vage-vermutungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Buddenbohm<\/a><\/p>\n<p>Dieser Artikel \u00fcber Dummheit hat mir zum ersten Mal eine Definition von Intelligenz geboten, die mich (vorerst?) zufrieden stellt. Ich war bislang eher auf &#8220;denkt sehr schnell&#8221; ausgewichen. Aber hier (meine Umschreibung):<br \/>\n&#8211; Ignoranz ist das Fehlen von relevanten Daten\/Informationen, die f\u00fcr die L\u00f6sung eines Problems erforderlich ist.<br \/>\n&#8211; Intelligenz ist das Ableiten einfacher L\u00f6sungen f\u00fcr komplexe Probleme. Mit Intelligenz helfen Informationen zur schnelleren Probleml\u00f6sung. Probleml\u00f6sung mit Intelligenz ist signifikant schneller als die mit reinem Ausprobieren.<br \/>\n&#8211; Dummheit ist die Anwendung einer Regel oder eines Gedankengeb\u00e4udes, ohne dass Hinzuf\u00fcgen von Daten oder Informationen die Probleml\u00f6sung verbessert. Extreme Dummheit ist in Probleml\u00f6sung langsamer als reines Ausprobieren.<\/p>\n<p>Was menschliche Intelligenz in obigem Sinn laut dem Artikel von der unterscheidet, die wir an Tieren beobachten: Durch Aufzeichnung k\u00f6nnen wir Wissen und Erkenntnisse \u00fcber viele Generationen kommunizieren, sie immer weiter verbessern. Tiere k\u00f6nnen immer nur von Lebenden lernen. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/c5945766320b4cd7a534d193528f47e9\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wurde wieder nur m\u00fchsam hell zu grauem Himmel. Zumindest blieb die K\u00e4lte vorerst niederschlagsfrei (noch zwei Tage, hielt ich mir vor Augen, am Freitag sollten die Temperaturen sp\u00fcrbar steigen). Wieder in Winterkleidung in die Arbeit. Trotz allem marschierte ich auf einen Mittagscappuccino ins Westend, die Bewegung tat auch bei leichtem Nieseln gut. 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