{"id":98518,"date":"2024-06-07T06:01:03","date_gmt":"2024-06-07T04:01:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=98518"},"modified":"2024-07-05T20:43:08","modified_gmt":"2024-07-05T18:43:08","slug":"journal-donnerstag-6-juni-2024-mehr-jelinek-gedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2024\/06\/journal-donnerstag-6-juni-2024-mehr-jelinek-gedanken.htm","title":{"rendered":"Journal Donnerstag, 6. Juni 2024 &#8211; Mehr Jelinek-Gedanken"},"content":{"rendered":"<p>Das war zu wenig Schlaf gewesen nach dem Theaterabend, das Handyklingeln weckte mich in gro\u00dfe M\u00fcdigkeit.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ner Marsch in die Arbeit unter weitgehend blauem Himmel und in milder Luft.<\/p>\n<p>Im B\u00fcro k\u00e4mpfte ich mit der M\u00fcdigkeit &#8211; dabei hatte ich diese sieben Stunden gut geschlafen und auch kein grundlegendes Schlafdefizit. Doch ich f\u00fchlte mich wie nach einer Woche schlechtem Schlaf.<\/p>\n<p>Aber wieder erwiesen sich Furcht und Schreck als wirkungsvoller Wachmacher: Eine Detailfrage brachte mich drauf, dass der Kalender einen Termin gefressen hatte, f\u00fcr den ich zust\u00e4ndig war. Zum Gl\u00fcck war noch genug Zeit, doch da ich genau wegen Verlassen auf Hilfsmittel nicht st\u00e4ndig alles pr\u00e4sent im Hirn brauche, schaltete das Hirn bei Ausfall dieses Hilfsmittels erstmal auf Panik.<\/p>\n<p>Bis mittags hatte ich mich wieder beruhigt, nahm mir die Zeit f\u00fcr einen Cappuccino bei Nachbars und K\u00e4se-Einkauf auf dem Markt Georg-Freundorfer-Platz.<\/p>\n<p>Mittagessen sp\u00e4ter am Schreibtisch: Pumpernickel mit Butter, die ersten Pfirsiche der Saison (ok).<\/p>\n<p>Nach weiteren Turbulenzen wieder mal ein <a href=\"https:\/\/www.hnd.bayern.de\/pegel\/isar\/muenchen-16005701\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Blick auf den Pegel der Isar<\/a>: Erschwankte immer noch um Meldestufe 1, immer noch keine Grundwasser-Entwarnung f\u00fcr den Hotelkeller.<\/p>\n<p>Den ganzen Tag b\u00f6ses Kreuzzwicken, ich wechselte oft zwischen Arbeiten im Stehen und Sitzen. Eintreffende Jobs schoben den Feierabend nach hinten.<\/p>\n<p>Dann aber direkter Heimweg in Sonne und W\u00e4rme. Ich hatte mit Herrn Kaltmamsell Abendessen im Schnitzelgarten vereinbart, turnte davor noch eine halbe Stunde Pilates mit vielen Stabilisierungs\u00fcbungen. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend dessen zog der Himmel sehr d\u00fcster zu. Wir gingen trotzdem in den Schnitzelgarten, dort waren vorsorglich bereits die Schirme aufgespannt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240606_03_Schnitzelgarten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240606_03_Schnitzelgarten.jpg\" alt=\"Auf einem Holztisch zwei Teller mit panierten Schnitzeln und Pommes, zwei Sch\u00e4lchen gemischter Salat\" width=\"333\" height=\"444\" class=\"alignnone size-full wp-image-98534\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mein Cordon bleu Gorgonzola schmeckte sehr gut, doch zwei gro\u00dfe St\u00fccke Schnitzel schafften wir jeweils nicht &#8211; wir F\u00fcchse hatten eine Tupperbox daf\u00fcr dabei. Die Schirme erwiesen sich als n\u00fctzlich, einmal regnete es tats\u00e4chlich kurz.<\/p>\n<p>Im Hintergrund arbeitete Elfriede Jelineks <i>Asche<\/i> weiter in mir. Das St\u00fcck ist vor allem Text in einem ganz pers\u00f6nlichen Gedanken- und Gef\u00fchlsverlauf, und diese Person ist die ungemein belesene und durchdenkende Jelinek. <a href=\"https:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/de\/programm\/stuecke\/22435\/31524\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Hier ihr Text \u00fcber das St\u00fcck<\/a>, der den Charakter ein wenig nachvollziehbar macht (und mich an manchen Blogtext belesender und durchdenkender Menschen erinnert).<\/p>\n<p>Wieder mal w\u00fcnsche ich, ich h\u00e4tte genug Kraft und Energie f\u00fcr mehr Jelinek. Das w\u00fcnsche ich mir, seit ich als junge Frau Bekanntschaft mit ihrem Werk machte und komplett fasziniert war. Doch ein bissl in Jelinek reinschmecken auf Distanz geht halt nicht. Zumindest nicht f\u00fcr mich. Auch diesmal \u00fcberw\u00e4ltigt mich ihre Wucht mit Verz\u00f6gerung. Wodurch ich auch die Kammerspiel-Inszenierung anders sehe: Sie traut Jelineks Text-Wucht zu wenig und legt auf allen Medienwegen Schicht um Schicht dick auf. Musik, Licht, Videoprojektionen, Darstellungs-Extase, immer neue Kost\u00fcme und Masken, Bewegung. Dabei h\u00e4tten die Schauspieler*innen gradsogut am B\u00fchenrand sitzen k\u00f6nnen, bisschen mit den Beinen schaukeln, den Text aufsagen k\u00f6nnen: Er ist f\u00fcr sich gehaltvoll genug. <\/p>\n<p>Das ist auch in <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/kultur\/pathos-und-nachdenklichkeit-elfriede-jelineks-asche,UB7zoa5\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">der BR-Rezension von Christoph Leibold<\/a> so angekommen. Und <a href=\"https:\/\/www.die-deutsche-buehne.de\/kritiken\/schauspiel-muenchen-jelinek-asche-richter\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Anne Fritsch findet in <i>Die deutsche B\u00fchne<\/i>:<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Es ein wenig schade, dass dem Regisseur dieser Text nie genug ist, er immer noch eine Schippe drauf legt, so dass einiges an Gedanken untergeht wie all das Plastik im Meer, das immer wieder auf die geschwungene R\u00fcckwand projiziert wird.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Internet ist toll. F\u00fcr wen&#8217;s interessiert und f\u00fcr wer&#8217;s brauchen kann:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/biblio.hypotheses.org\/8299\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Zeitungsportal ver\u00e4ndert das Arbeiten in der Geschichtswissenschaft&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Mit einem kr\u00e4ftigen Fanfarensto\u00df ist ein neues Rechercheinstrument mit gro\u00dfem Potential anzuzeigen: das Deutsche Zeitungsportal. Es erlaubt einen einheitlichen kostenlosen Einstieg in digitalisierte historische Zeitungen. Langfristig sollen hier alle Zeitungen sichtbar werden, die in deutschen Bibliotheken und Archiven aufbewahrt werden. Die bislang \u00e4lteste Zeitung des Portals stammt aus dem Jahr 1671; die Laufzeit der meisten neueren Zeitungen endet \u2013 vor allem aus urheberrechtlichen Gr\u00fcnden \u2013 etwa 1945.<\/p>\n<p>Mit einem Mal lassen sich historische Sachverhalte ermitteln, die fr\u00fcher entweder gar nicht \u2013 weil das Bl\u00e4ttern in Zeitungen der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen glich \u2013 oder in dieser Breite nicht m\u00f6glich war.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>&#8220;Auch der alternde K\u00f6rper ist ein Experiment&#8221;<br \/>\nkatatonik \u00fcber<br \/>\n<a href=\"http:\/\/campcatatonia.org\/article\/2667\/Needlesandpins\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Needles and pins&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Und so schreibt sich die Ur-Bloggeria durch den Lebenskreis. Ich erinnere mich, als wir von 10, 15 Jahren scherzten, in den Kaffeehaustreffen der Blogkommentare, wir w\u00fcrden dereinst das Menopausenbloggen begr\u00fcnden. Doch also geschah es. Wie wir nach den Liebschaften schon \u00fcber das Erstaunen und die \u00dcberraschungen des Familie-Werdens gebloggt hatten, \u00fcber das Zerbrechen unserer Familien, \u00fcber das Sterben, das eigene, das der Kinder. Wie wir mit Texten das Greisen der Eltern begleiten, die Unterst\u00fctzung ihrer letzten Lebensphase, ihren Tod. Und so schreiben und bloggen wir das Abklingen des eigenen Lebens und irgendwann das Ausklingen. Mal sehen, ob das irgendwann als fassbarer, analysierbarer Korpus angesehen wird, Blogtexte 2000 bis 2050.<br \/>\nUnd ob uns auch dann noch vorgeworfen wird, wir Blogger*innen n\u00e4hmen uns selbst einfach zu ernst. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/e4214164b95647e29fee95eb70094b2a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das war zu wenig Schlaf gewesen nach dem Theaterabend, das Handyklingeln weckte mich in gro\u00dfe M\u00fcdigkeit. Sch\u00f6ner Marsch in die Arbeit unter weitgehend blauem Himmel und in milder Luft. Im B\u00fcro k\u00e4mpfte ich mit der M\u00fcdigkeit &#8211; dabei hatte ich diese sieben Stunden gut geschlafen und auch kein grundlegendes Schlafdefizit. 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